John Sinclair 1165 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3898-7 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Von Angst gepeitscht.
Beau Leroi, der Blut-Galan, war uns entkommen. Aber er war nicht vergessen, und wir wussten, dass er sich zeigen würde.
Es passierte schneller, als wir dachten. Auch Leroi wollte Rache. Er würde sich all die vornehmen, die ihn aus seiner Fluchtburg vertrieben hatten.
Ganz oben auf seiner Liste stand ein bestimmter Name: CONOLLY
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Von Angst gepeitscht
Pamela Morton verließ nackt die Duschkabine. Das Rauschen der Wasserstrahlen klang noch immer in ihren Ohren nach. Sie strich ihr nasses Blondhaar nach hinten, war auch mit den Gedanken ganz woanders – und hätte beinahe das Kratzen des Schlüssels im Schloss überhört.
Pamela blieb stehen. Die Wohnung war klein, die Zimmertüren standen offen. Durch die ebenfalls geöffnete Balkontür wehte ein feuchtwarmer Nachtwind in den Raum. Draußen herrschte die übliche Ruhe, die erst richtig nach der Tageswende einsetzte.
Über Pams Rücken rann ein kalter Schauer …
Sie wusste nicht so recht, ob sie sich in diesem Geräusch geirrt hatte, denn die Wohnungstür sah sie von ihrem Standort nicht.
Der Schauer war auch ein Teil der Angst, die über die blonde Frau gekommen war. Sie zog blitzschnell einen Slip an, streifte den Morgenmantel mit dem Rüschen-Revers über und schlüpfte in Pantoffeln.
Dann verließ sie das Bad.
Pam schlich in den schmalen Flur, warf einen Blick auf die Wohnungstür und konnte nichts Verdächtiges feststellen. Zumindest war sie geschlossen.
Doch ein Irrtum?
Pamela war nicht sicher. Verdammt, die kleine Gaspistole, die sie mal einem Kunden entwendet hatte, als dieser völlig betrunken gewesen war, lag natürlich woanders. Im Wohnzimmer hatte sie die Waffe unter einem Kissen versteckt.
In der kleinen Wohnung brauchte sie nicht viele Schritte zu gehen, um von einem Raum in den anderen zu gelangen. So erreichte sie sehr bald das Wohnzimmer. Der Wind spielte mit den Gardinen an der schmalen offenen Balkontür. Er wehte sie wie Schleier in den Raum hinein.
Nichts bewegte sich sonst – oder?
Das leise Lachen und die Bewegung nahm sie zugleich wahr. Von der rechten Sesselseite her löste sich etwas. Es sah zuerst aus wie ein Vogel, der dicht über den Boden hinwegflatterte, aber das stimmte nicht. Was sich da bewegte, war die Hand an einem zur Seite gestreckten Arm. Sie winkte ihr lässig zu.
Den Mann, dem diese Hand gehörte, sah sie nicht. Aber sie wusste sofort, wer es war, denn bei der Bewegung schimmerte der goldene Angeberring immer wieder auf. So einen Ring trug nur einer. Das war Raul Gaskin.
»Komm ruhig näher, Süße. Du brauchst doch vor mir keine Angst zu haben – oder?«
»Nein.«
»Super. Wer Angst hat, der hat auch ein schlechtes Gewissen. Ich mag es nicht, wenn meine Lieben ein schlechtes Gewissen haben. Da fühle ich mich immer wie ein Beichtvater, weißt du?«
Beichtvater! Schlechtes Gewissen! Sie hätte schreien und sich übergeben können, wenn sie so etwas hörte. Und das aus dem Mund eines Raul Gaskin, für den sie arbeitete. Er war ihr Agent, so jedenfalls sah er sich. Tatsächlich war er ein Zuhälter, der Pamela Morton die Kunden besorgte. Sie war so etwas wie ein Luxus-Callgirl, das an sehr zahlungskräftige und auch prominente Gäste vermietet wurde. Der Job war nicht schlecht, Pamela verdiente gut, und sie brauchte auch nicht jeden Tag oder jede Nacht ran. Sie hatte viel Freizeit, aber ihr Problem war Raul Gaskin, denn der bekam von jedem Betrag die Hälfte mit. Und genau das war ihr zu viel.
»Komm schon, Pam. Ich will dich sehen. Du warst unter der Dusche. Du riechst so gut. Du hast mein Klingeln nicht gehört. Na ja, es gibt auch andere Methoden, um in eine Wohnung zu gelangen.«
Pamela wusste, dass sie auf der falschen Seite des Flusses stand. Gaskin war knallhart. Wenn es um seinen Erfolg ging, ließ er nichts, aber auch gar nichts anbrennen. Pamela war froh, dass kein Licht im Wohnzimmer brannte. So konnte er ihr rotes Gesicht nicht sehen, in das das Blut gestiegen war.
»Setz dich in den anderen Sessel, Süße. Mach es dir bequem. Es redet sich im Sitzen besser.«
Sie tat alles, was er wollte, und sie tat es mit verdammt weichen Knien. Auf dem Gesicht lagen Schweißtropfen. Sie atmete kurz und flach, auch ein Zeichen der Angst, die sie überfallen hatte und einfach nicht loslassen wollte. Ihr Herzschlag ging ebenfalls schneller, und die im Nacken nass gewordenen Haare klebten auf der Haut.
Vorsichtig setzte sie sich hin.
Raul Gaskin saß da und grinste. Er hatte die Lippen in die Breite gezogen, das sah Pamela selbst in der Dunkelheit. Sie kannte dieses Grinsen verdammt genau. Es widerte sie an. Es war so überheblich. Diese Arroganz steckte in Gaskin. Er war jemand, der nur sich wichtig war. Andere Menschen waren Spielbälle. Das hatte Pamela leider zu spät festgestellt. Da hatte sie bereits tief in seinem Fangnetz gesteckt.
Wie immer war er dunkel gekleidet. Er sah auf eine Art und Weise gut aus. Der Typ Latin Lover mit dunklen, zurückgekämmten und immer glatt gestrichenen Haaren. Die Frauen flogen auf ihn, was er sehr ausnutzte. Wenn er sie dann hatte und auch abhängig gemacht hatte, gab es kein Entkommen mehr. Dann schickte er sie auf den Strich, wobei er auch noch unterschied zwischen dem normalen und dem Edelstrich. Pamela gehörte zur letzten Kategorie.
»Am nächsten Abend habe ich wieder einen Job für dich, Pam.«
»Ja, ich weiß.«
»Sehr gut. Gefällt dir die Arbeit?«, fragte er zuckersüß.
»Ja, manchmal schon.«
»Toll. Ich liebe es, wenn du so sprichst. Und arm bist du wahrscheinlich auch nicht?«
Pamela schluckte. Dann senkte sie den Kopf. Sie ahnte schon, worauf Gaskin hinauswollte und sagte: »Nein, arm bin ich wirklich nicht.«
»Super. Ich freue mich, wenn es Menschen gibt, die so denken. Das macht mich froh.«
Sie traute Gaskin nicht. Diese Worte klangen so falsch aus seinem Mund wie es seine Zähne waren. Der dicke Hammer würde noch folgen, das stand fest. Sonst wäre er nicht mitten in der Nacht in ihre Wohnung gekommen.
Sie schwitzte stärker. Das lag nicht an den Folgen der warmen Dusche. Es war die Angst vor Gaskin, der sich so unnatürlich locker benahm, die Beine übereinanderschlug und sie anlächelte. Aber es war das Lächeln eines verdammten Raubtiers. Sie fühlte Kälte durch ihre Glieder fahren, und ihre Angst steigerte sich.
»Was willst du?«
Er lachte sie an. »Warum fragst du so unfreundlich? Ich bin eben besorgt, was meine Schützlinge angeht. Ich habe eigentlich nur nach dir schauen wollen.«
»Das hast du. Mir geht es gut.«
»Tja – dann frage ich mich, warum du solche Zicken machst. Warum du nicht willst, dass es dir auch weiterhin gut geht. Das ist für mich ein großes Rätsel.«
»Wieso? Das verstehe ich nicht.«
»Wirklich nicht?«
»Nein.«
»Denke nach.«
»Das tue ich, aber …«
»Kein Wort mehr!« Urplötzlich war seine Stimme umgeschlagen. So kannte Pam ihn. Hart und gnadenlos, wenn es um seinen Vorteil ging. Und diesmal ging es darum. Sie kannte auch den Grund. Sie hatte ihn betrogen. Sie hatte nicht richtig abgerechnet und eine erkleckliche Summe für sich behalten. Pam schalt sich jetzt eine Närrin, weil sie so etwas getan hatte, aber es war einfach über sie gekommen, und sie hatte sich auch darüber geärgert, dass er so viel Geld für sich behielt.
»Weißt du, was ich meine?«
Sie wollte die Frage verneinen. Das war nicht möglich. Pamela brauchte nur seinen Blick zu sehen, um zu wissen, wie der Hase lief. Nichts, gar nichts würde er ihr glauben.
»Ich warte, Pam.«
Sie holte tief Atem. Danach senkte sie den Kopf. »Okay«, sagte sie mit leiser Stimme. »Du hast gewonnen. Ja, ich weiß, was du von mir willst. Tut mir leid, aber ich habe ein paar Pfund behalten.«
»Ach.«
»Ja, verdammt!«
»Nein, erzähle.« Er tat so überrascht, und Pamela Morton fühlte sich auf den Arm genommen.
Sie hustete gegen ihre Hand. »Es ist über mich gekommen. Ich wollte endlich mal etwas für mich kaufen. Etwas Schönes, das auch teuer gewesen ist. Da habe ich … nun ja, du weißt es selbst. Da habe ich etwas Geld zur Seite genommen.«
»Etwas Geld?«
»Ja.«
»Immerhin waren es mehr als zweitausend Pfund. Dafür hätte deine Oma lange stricken müssen. Das ist nicht nur etwas Geld gewesen, das war schon etwas viel Geld. Und glaube nicht, dass ich mir das gefallen lasse, Pamela. Auf keinen Fall. Wir werden die Dinge wieder in die richtige Reihenfolge bringen und …«
»Ich … ich … gebe es dir zurück«, flüsterte sie. »Das weißt du genau. Ich zahle es zurück.«
»Wie schön.«
Er sagte nichts mehr, was Pam auch nicht passte. »Verdammt!«, brach es nach einer Weile aus ihr hervor. »Es ist eben ein Fehler gewesen, das weiß ich. Es tut mir auch leid. Aber du musst auch mich verstehen, verflucht noch mal. Ich habe mich … ja gut, ich habe es genommen.« Sie riss den Kopf hoch. »Klar?«
»Ja, Pam, klar.« Er nickte bedächtig und ließ sich mit der Antwort Zeit. »Aber was du da getan hast, das ist Diebstahl, Pam. Verstehst du das? Diebstahl. Du hast dich mit einem Geld bereichert, das dir einfach nicht gehört. Schlimm, sehr schlimm. Und das kann ich leider nicht hinnehmen, sorry.«
»Was … was … hast du vor?«
»Ich werde dich bestrafen.«
Sie war über die Antwort nicht überrascht. Trotzdem schoss die Angst in ihr hoch. Sie wunderte sich sogar darüber, dass sie es noch schaffte, im Sessel sitzen zu bleiben. Sie dachte auch daran, dass unter dem grauen Polster mit den blassen blauen Streifen die kleine Gaspistole lag, doch an die würde sie nicht herankommen. Dazu musste sie aufstehen und das Polster anheben. So etwas hätte Raul Gaskin nie zugelassen.
Er hatte sich jetzt vorgebeugt und rieb seine Handflächen gegeneinander. Dabei entstanden Geräusche, die Pamela als widerlich einstufte. Sie hasste sie, aber sie...
| Erscheint lt. Verlag | 4.11.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3898-5 / 3838738985 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3898-7 / 9783838738987 |
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