John Sinclair 1170 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3903-8 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Baphomets Beute (2. Teil).
Ein Kind war geboren. Der Vater der Teufel. Die Mutter Strafgefangene. Und dazwischen standen zwei Frauen, die alles seit langer Zeit vorbereitet hatten. Egal, wie das Kind aussah. Egal, ob Junge oder Mädchen, sein Schicksal war schon vorbestimmt worden. Denn es wurde zu Baphomets Beute.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Baphomets Beute (2. Teil)
Der Blick war wie eine Eisdusche. So konnten nur Mörder schauen oder Mörderinnen. Da gab es keine Chance, keine Gnade. Dafür Schmerz und Tod. Die Frau mit der Beretta lächelte kalt. »In die Hölle«, erklärte sie, »die Reise geht in die Hölle!«
Die Gefängniswärterin hatte Spaß bei dieser Antwort. Sie schien nur auf Janes Collins’Frage gewartet zu haben, und auf ihrem Gesicht malte sich eine diabolische Freude ab.
Beide Frauen standen sich in einer Fahrstuhlkabine gegenüber. Sie war nicht besonders eng, eher breit wie ein Lastenaufzug. So gab es zwischen ihnen genügend Platz, und Jane wusste, dass sie die Gefängniswärterin nicht durch einen plötzlichen Angriff überraschen konnte. Reddy bewachte sie mit schussbereiter Waffe.
Die Kabine fuhr nicht sehr schnell der »Hölle« entgegen. Es war mehr ein langsames Gleiten, und es wurde immer wieder von einem leichten Rucken unterbrochen, als wollte der Lift persönlich die Spannung bis zum Ziel noch erhöhen.
Die Beretta, die Reddy in der Hand hielt, gehörte nicht ihr, sondern Janes Freund John Sinclair. Was mit ihm passiert war, wusste sie zwar, doch sie kannte keine Einzelheiten. Er war überwältigt worden, das stand fest. Aber er war wohl nicht mehr bei Bewusstsein, und Jane stellte sich zudem vor, dass sie ihn in dieser Hölle wiedersehen würde – wie auch immer.
Reddy beging nicht den Fehler, sich lässig zu benehmen. Sie wusste genau, wie der Hase lief. Und sie stützte ihre rechte Schusshand mit der Linken ab, sodass die Waffe nicht aus der Richtung kam und ständig auf die Detektivin zeigte.
Dann stoppte die Kabine.
Jane schloss für einen Moment die Augen. Sie hatte anhand der Fahrzeit errechnen wollen, wie tief sie nach unten in den Keller oder die Hölle gefahren waren, aber es gab kein Ergebnis. Die Frau mit der Waffe hatte sie zu stark abgelenkt.
Hölle war möglicherweise die Potenzierung von dem, was über ihnen lag – ein Gefängnis, ein Knast. Ausschließlich für Frauen, und dort hatte der Fall seinen Anfang genommen. Für Jane Collins stand längst fest, dass es dämonischen Kräften gelungen war, die Krallen nach diesem Knast auszustrecken, und sie war praktisch mit hineingeraten. Sie steckte im Zentrum fest und hatte sich den Fortgang nicht so vorgestellt.
Die Gefangene, die sie hatte sprechen wollen, hieß Julia Coleman. Jane kannte sie, denn die Detektivin hatte dafür gesorgt, dass Julia in den Knast gekommen war. Sie hatte es nicht lassen können, sich am Eigentum fremder Menschen zu vergreifen. Als mehrfache Wiederholungstäterin hatte sie die ganze Strenge des Gesetzes getroffen. Julia hatte das Urteil auch akzeptiert. Sie war Jane nicht einmal böse gewesen, sonst hätte sie die Detektivin nicht um einen Besuch im Gefängnis gebeten.1
Julia war im Knast schwanger geworden!
Nicht von einem Mann, wie sie Jane glaubhaft versichert hatte, sondern von einem Teufel, einem Dämon oder dem Teufel. Wie auch immer. Zumindest hatte Julia das gesagt, und sie war von ihrer Behauptung nicht abgewichen.
Ihr Bauch war sehr dick gewesen. Jane hatte mit einem Blick erkannt, dass sie dicht vor der Entbindung stand, und möglicherweise war das Kind schon geboren, während sie hier im Lift stand und nichts unternehmen konnte.
Jane Collins war dann noch einmal in das Gefängnis zurückgekehrt, diesmal nicht allein, sondern in Begleitung ihres Freundes, John Sinclair. Sie hatte einfach das Gefühl gehabt, dass ihr die Probleme sonst über den Kopf wachsen würden. Dass sie dabei in ein Wespennest gestochen hatte, war selbst für sie und John überraschend gewesen. Zwei Wärterinnen – Dora und Reddy – hatten ihnen bewiesen, zu wem sie standen und dass es für sie ungemein wichtig war, dass Julia das Kind gebar. Jane stellte sich vor, dass gewisse Kräfte etwas Bestimmtes mit dem Baby vorhatten. Ob es tatsächlich ein Kind des Teufels war, konnte sie beim besten Willen nicht sagen. Sie schloss es auch nicht aus.
Die gedankliche Rückschau war Jane in wenigen Sekunden durch den Kopf gehuscht und hatte sie von ihrem eigenen Schicksal ein wenig abgelenkt.
An das allerdings wurde sie wieder erinnert, als sie Reddys Stimme hörte.
»Schlaf nicht ein und mach die Tür auf. Aber vorsichtig. Und denk nicht einmal daran, Dummheiten zu machen. Ich habe einen verdammt nervösen Zeigefinger.«
»Warum schießen Sie nicht? Dann wären Sie doch alle Sorgen los.«
»Du bist mir noch zu wertvoll.«
»Warum?«
»Öffnen!«
Jane war klar, dass sie ihre Karten ausgereizt hatte. Sie durfte die Geduld dieser Person nicht zu stark beanspruchen. So drehte sie sich von der Wand weg und bewegte sich mit kleinen Schritten auf die Tür zu, wobei sie gezwungen wurde, einen Arm in die Höhe zu halten, um nicht auf dumme Gedanken zu kommen.
Der Lift hatte eine grau gestrichene Metalltür. Um sie zu öffnen, musste Jane sie nach außen drücken, was sie auch tat.
Hinter sich hörte sie den scharfen Atemzug der Wärterin. Es klang sogar erleichtert. Kein Wunder, sie war ein Mensch und keine Maschine. Sie stand unter Druck.
Vor Jane öffnete sich die Hölle. Ein wenig Herzklopfen hatte sie schon, denn sie hatte sich auf der Fahrt nach unten immer wieder gefragt, wie eine Hölle unter dem Zuchthaus wohl aussehen könnte. Alte Keller, labyrinthähnlich aufgebaut. Feucht und klamm. Möglicherweise in früheren Zeiten mal in Betrieb gewesen. Das alles hatte sich in ihrer Vorstellungskraft aufgebaut.
Sie wurde nicht enttäuscht. Es war eine andere Welt, die sie hier antraf. Wirklich feucht. Nicht glatt. Kein Beton. Dafür altes Mauerwerk, auf dem sich das Kondenswasser abgesetzt hatte und für den nassen Schimmer sorgte. Eine niedrige Decke und ein Licht, das mehr an Totenleuchten erinnerte, die einer verstorbenen Seele heimleuchten sollten auf dem Weg ins Jenseits.
Das war alles andere als eine Welt, in der sich ein Mensch wohl fühlen konnte. Sie schmeckte die Luft, die so dicht war, als könnte man sie trinken.
Der Gang oder Stollen breitete sich zu beiden Seiten hin aus. Wohin er führte, sah Jane nicht. Dazu war es einfach zu finster. Aber sie glaubte nicht, dass es hier unten nur diesen Gang gab. Bestimmt würde sie bald die Eingänge zu irgendwelchen Verliesen entdecken, die von Menschen in früheren Zeiten benutzt worden waren.
Auf Befehl hin hatte Jane ihre Arme erhoben. Reddy lachte leise. Es klang so unmenschlich. Die Freude darüber schwang darin mit, dass sie sich irgendwann als die große Siegerin ansah.
»Wohin?«, fragte Jane.
»Nach rechts!«, befahl die Frau mit den roten Haaren. »Und da gehst du dann weiter.«
»Okay.«
Sie hörte hinter sich die Schritte der Rothaarigen. Reddy und Dora gehörten zu den beiden Frauen, die eingeweiht waren. Ob auch andere Bescheid wussten, war Jane Collins nicht bekannt. Gesprochen hatten sie und John eigentlich nur noch mit dem Direktor, Graham Bell, einem Mann, der auf sie ziemlich mürrisch gewirkt hatte und den Job sicherlich nicht gern machte. Aber wer tat das schon? Bell war desillusioniert und hatte vermutlich nicht mitbekommen, was tatsächlich in seinem Knast ablief.
Jane durfte nicht so schnell gehen wie sie wollte. Reddy bestimmte die Schrittfolge. Sie war es, die immer wieder lachte, als malte sie sich schon aus, wie sie die Detektivin ins Jenseits schicken würde.
Der Gang war recht lang. In unregelmäßigen Abständen warfen die Lampen an der Decke ihr schmutziges, fast honiggelbes Licht nach unten. Jane und ihre Bewacherin durchschritten den Schein und bewegten sich weiter in die Tiefe hinein.
Der Detektivin kam der Gang vor wie ein Fluchttunnel, der irgendwann in früherer Zeit angelegt worden war. Von irgendwelchen Menschen, die sich hier eine andere Welt erschaffen hatten. Vielleicht waren damals schon schreckliche Beschwörungen in dieser Welt hier unten durchgeführt worden. Plätze für den Teufel oder für gefährliche Dämonen gab es überall auf der Welt. Da war es auch keine Frage, ob es sich um eine Großstadt oder um einsames Land handelt.
Es war nichts zu hören, abgesehen von den eigenen Schritten. Hin und wieder ein heftiger Atemzug, der Janes Nacken traf. Sie überlegte, ob sie es wagen konnte, sich zu drehen und Reddy blitzschnell anzugreifen. Das barg ein zu großes Risiko. Im Film sah es immer gut aus, in der Wirklichkeit aber lagen die Dinge anders. Da konnte man sich nicht wie nach Drehbuch verhalten.
Und dann war Schluss.
Sehr plötzlich hörte Jane den Befehl, stehen zu bleiben. Sie tat es und schaute sich um, ohne groß den Kopf zu bewegen. Nur die Augen rollte sie hin und her, und auch von der Wärterin hinter ihrem Rücken hörte sie kein Wort.
Jane sah auch eine Tür an der rechten Seite. In ihrer Farbe unterschied sie sich kaum von der übrigen Wand. Sie musste schon sehr genau hinschauen, um sie überhaupt erkennen zu können. Sie bestand aus Holz. Man hatte sie aus mehreren dicken Brettern gefertigt, die zusammengenagelt worden waren.
Sie hielt sich mit einem Kommentar zurück, obwohl die Neugierde und die Spannung wuchsen. Die Haut auf dem Rücken und im Nacken zog sich zusammen. Da entstand das kalte Gefühl. Jane wehrte sich dagegen. Sie schaute noch nach vorn und erkannte im Licht der letzten Lampe, dass der Gang dort zu Ende war. Aber er endete nicht vor einer Mauer, sondern vor einer weiteren Tür, die breiter war als die an der rechten Seite.
»Rechts!«, flüsterte Reddy.
»Okay.«
Verschlossen war die Tür zwar, aber nicht abgeschlossen. Jane musste sich schon bemühen, um sie aufzuziehen. Sie schleifte zudem über den...
| Erscheint lt. Verlag | 4.11.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3903-5 / 3838739035 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3903-8 / 9783838739038 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopierschutz. Eine Weitergabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persönlichen Nutzung erwerben.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich