John Sinclair 1176 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3909-0 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Der unheimliche Leichenwagen.
Eigentlich sollten Suko und ich nach verschwundenen Leichen suchen. Diesen Job konnten wir sehr schnell vergessen, als der alte Leichenwagen auftauchte. Und mit ihm ein Fahrer, der schon lange tot sein musste.
Von einem Augenblick zum anderen steckten wir mitten in einem Zeitphänomen. Was war noch Gegenwart? Was war Vergangenheit?
Eines war sicher: Auch für uns stand der unheimliche Leichenwagen bereit.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Der unheimliche Leichenwagen
»He!«, flüsterte Carina, »sei mal still!«
Rio Redcliff zog die linke Hand aus dem Ausschnitt der Bluse, nachdem er nur kurz die Brustwarze gestreichelt hatte. »Was hast du denn, verdammt?«
Carina schüttelte sich und raffte den Blusenstoff zusammen. Sie gab keine Antwort und kurbelte die Scheibe des Fiat nach unten. Danach saß sie unbeweglich auf dem Beifahrersitz und lauschte.
»Und?«, fragte Rio leise.
»Da war was!«
»Was denn?«
»Ein Geräusch.« Carina runzelte die Stirn. »Es hat sich so unheimlich angehört.«
Redcliff sagte nichts. Er kannte Carina Thomas noch nicht lange, aber er wusste, dass sie hartnäckig blieb, wenn sie sich mal etwas in den Kopf gesetzt hatte. Am liebsten hätte er die Wartezeit mit einer Zigarette überbrückt, aber Carina war sauer, wenn er rauchte, und deshalb ließ er die Glimmstängel stecken.
Die Haltung seiner Freundin hatte sich verändert. Sie saß da wie auf dem Sprung. Die Augen waren leicht verengt, und in ihrem Gesicht bewegte sich kein Muskel.
Rio hörte auch weiterhin nichts. Er hatte sich den Verlauf des Abends anders vorgestellt. Nach dem Besuch der Party waren sie in den Wagen gestiegen, um noch ein bisschen allein zu sein und Spaß zu haben. Raus aus dem Ort. Dahin fahren, wo es einsam war und sie niemand stören konnte. An den Waldrand, zu dem parallel der schmale Feldweg lief, auf dem sie jetzt parkten. Es war hier normalerweise ruhig, und er konnte sich nicht vorstellen, was Carina für ein verdächtiges Geräusch gehört hatte. Vielleicht hatte sie ihn auch nur ablenken wollen. Frauen reagierten seiner Meinung nach manchmal komisch.
Nachdem in den folgenden Sekunden nichts passiert war, versuchte es Rio wieder. Seine Hand rutschte auf Carina zu. Als er sie berührte, schüttelte sie fast wütend den Kopf. »Lass mich in Ruhe, Rio!«
»Meine Güte, was ist denn jetzt?«
»Halte nur deinen Mund!«
»Okay, wie du willst. Aber dann haue ich ab.«
»Ja, kannst du!«
Scheiße, dachte Rio. Das ist in die Hose gegangen. Es war nicht einfach, bei Carina zu landen. Sie hatte ihren eigenen Kopf und setzte ihren Willen durch.
In der Umgebung jedenfalls regte sich nichts. Es war stockfinster. Selbst der Mond malte sich nicht am Himmel ab, und die Schatten des nahen Waldes schienen in den Fiat hineinzuwachsen. Ein seichter Wind fuhr über das Land. Er bewegte die Blätter der Bäume, wie aus einer großen Flüstertüte kommend.
Der schmale Feldweg war ebenfalls nicht zu sehen. Es brannte zudem kein Licht in der Nähe, sodass sich beide vorkamen wie in einer gewaltigen Höhle eingeschlossen.
Rio verdrehte die Augen, während Carina noch immer gespannt auf dem Sitz hockte. Sie schaute aus dem Fenster und hatte sich gedreht. So war sie für Rio nur im Halbprofil zu sehen.
»Na …?«
»Ich warte noch.«
»Toll. Wie lange?«
»Weiß nicht.«
»Aber nicht die ganze Nacht.«
»Hör auf mit deinen Scherzen.«
Sie hatte die Antwort kaum gegeben, als es passierte und auch Rio es hörte.
Plötzlich erreichte sie das harte Tuckern. Ein Geräusch, das zunächst nicht eingeordnet werden konnte. Etwas schlug gegen eine Platte aus Metall, dann veränderte sich das Geräusch und ging über in ein verhaltenes Knattern.
»War es das?«, fragte Rio.
»Genau!«
Er musste lachen. »Weißt du eigentlich, was das ist?«
»Nein.«
»Ich auch nicht.«
»Das beunruhigt dich nicht?«
»Warum denn?«
Carina gab keine Antwort. Sie lauschte weiterhin und erfuhr, dass dieses Knattern blieb. Es war allerdings leiser geworden, und das sah sie als kleinen Vorteil. Trotzdem verschwand es nicht. Es veränderte sich. Mal war es leiser, mal lauter, und Carina konnte nicht mal bestimmen, aus welcher Richtung es sie erreichte. Das wiederum ärgerte und ängstigte sie leicht, denn sie hatte das Gefühl, als wäre sie von Feinden umgeben.
»So was ist doch nicht normal, Rio.«
»Was weiß ich denn?«
»Klar, du weißt gar nichts. Wie immer.«
»He, das kannst du nicht sagen.«
»Ich jedenfalls will nicht länger bleiben.« Da Rio etwas getrunken hatte, war es Carina gewesen, die sich hinter das Lenkrad gesetzt hatte. Auch jetzt hatte sie den Platz nicht verlassen. Mit einem Griff fand sie den Zündschlüssel.
Der Motor des Fiat stotterte etwas. Irgendwie hörte er sich an wie das fremde Geräusch, sodass Carina an ein anderes Fahrzeug dachte, das in der Nähe fuhr.
Aber um diese Zeit? In dieser Nacht?
Sie gab Gas. Der Fiat rutschte leicht auf dem etwas nassen Boden, ohne weitere Probleme zu bereiten, und Carina bekam das Fahrzeug schnell in den Griff.
Ihr Freund sagte nichts mehr. Beleidigt hockte Rio neben ihr und hielt die Arme vor der Brust verschränkt.
Carina lenkte den Wagen über den schmalen Feldweg. Sie blieb dabei in der Nähe des Waldrandes. Sie wollte die Straße erreichen und dort die Flucht ergreifen. Das Geräusch machte ihr zwar keine Angst, aber es beunruhigte sie. Den Grund konnte sie nicht benennen. Vielleicht lag es auch an der Umgebung, die ihr jetzt wenig romantisch, dafür aber drohend und gefährlich vorkam.
Sie fuhr sehr konzentriert. Das Fenster war noch immer nach unten gekurbelt. Sie bekam den Fahrtwind mit. Sie roch den feuchten Wald und auch die Erde des Wegs.
Viel zu früh streckte der Herbst bereits seine Arme nach der Natur aus. Offiziell war der Sommer zwar nicht vorbei, aber niemand glaubte mehr so richtig an einen neuen Temperaturanstieg. Die Luft hatte sich abgekühlt, in den Morgenstunden bildete sich Nebel, doch diese Nacht war noch klar.
Der kleine Fiat schaukelte über den Feldweg hinweg. Rio meinte nach einer Weile: »Willst du nicht die Scheinwerfer einschalten?«
»Erst wenn wir an der Straße sind.«
»Warum nicht vorher?«
»Nein.«
Er schwieg. Von draußen her drang der Fahrtwind in den Wagen. Aber sie hörten beide auch das Knattern. Das andere Fahrzeug hielt sich noch in ihrer Nähe auf, falls es überhaupt ein Auto war. So recht glaubte Rio daran nicht. Die modernen Autos knatterten nicht. Die fuhren leise, selbst die Diesel. Das musste etwas anderes sein. Ein getuntes Motorrad, mit dem jemand übte.
Allerdings auch ohne Licht. Der oder die andere fuhr ebenso im Dunkeln wie sie beide, und das genau ließ den Mann nachdenklich werden.
Die Straße begann dort, wo der leichte Anstieg des Geländes aufhörte. Carina kannte sich aus. Sie wusste auch, wann sie die Scheinwerfer einschalten musste, und plötzlich wurde es hell vor ihrem kleinen Auto. Das Lichtfloss wurde weiter geschoben, denn Carina dachte nicht daran, auf die Bremse zu treten.
Erst als sie die Einmündung erreichten, blieben sie stehen. Das Licht löschte sie nicht mehr. Es verteilte sich auf dem Asphalt und ließ ihn aussehen wie hellen Gries.
»Und was ist jetzt?«, fragte Rio.
»Hörst du nichts?«
»Doch, aber was regst du dich auf? Das Geräusch ist leiser geworden.«
Da hatte er nicht gelogen. Es war leiser geworden, aber es war noch vorhanden. Jedenfalls hielt sich dieses unbekannte Fahrzeug nicht mehr nahe der Straße auf. Es musste eine Flucht in das Gelände angetreten haben.
»Rechts«, sagte Rio.
»Sehr gut.« Carina nickte. »Und genau da müssen wir hinfahren.«
»Müssen wir nicht.«
»Wir machen es aber.«
Redcliff verdrehte die Augen. »Ja, ist schon okay. Ich lasse dir deinen Willen.«
Sie ärgerte sich über die Antwort. »Was heißt den Willen? Willst du nicht auch herausfinden, was es mit diesem komischen Geräusch auf sich hat?«
»Das weiß ich schon.«
»Bravo. Dann bist du schlauer als ich.«
»Das ist ein Auto mit einem kaputten Auspuff. Deshalb fährt es nur in der Nacht, tagsüber würde es ja auffallen. Jemand übt, der noch keinen Führerschein hat.«
»Daran glaubst du?«
»Ja. Warum denn nicht?«
Carina schüttelte den Kopf. »Du bist ein Spinner, echt. So was wäre mir nie in den Sinn gekommen.«
»Klar. Was denkst du?«
»Dass hier etwas nicht stimmt.«
Rio musste lachen. Er tat es nicht so laut, weil er seine Freundin nicht verärgern wollte. Dass Carina ihren eigenen Kopf hatte, das war ihm schon klar gewesen. Dass er allerdings so stark war, hätte er nicht gedacht.
Carina startete wieder und lenkte den Fiat nach rechts. Aus dieser Richtung war das Geräusch zu ihnen gedrungen, und sie würde dabei auch bleiben.
Das helle Licht machte den Schwenk mit. Rio starrte auf die Straße. Er sah nichts Verdächtiges und entdeckte auch kein Licht in der Ferne, das sich bewegte.
Auch das Geräusch war seltsamerweise nicht mehr zu hören. Wer immer sich auf der Straße aufgehalten hatte, er musste sie jetzt verlassen haben oder war weitergefahren.
Rio entspannte sich wieder. Er lehnte sich locker zurück. »Keine Panik mehr, alles ist im grünen Bereich«, kommentierte er. »Sollen wir denn auf den Schreck noch was trinken gehen?«
»Um diese Zeit haben die Pubs geschlossen.«
»Ich denke eher an eine Disco.«
»Keinen Bock.«
»Aber der andere Fahrer ist doch verschwunden.«
Carina schaltete einen Gang höher. »Weißt du es?«
»Jedenfalls sehe ich nichts.«
Sie gab ihrem Freund keine Antwort, auch weil sie anders dachte als er. Sie schaltete das Fernlicht ein. Es stach als kalte, irgendwie eisige Decke über die Fahrbahn hinweg und endete dort, wo die Fahrbahn in eine Rechtskurve hineinging, die sehr eng war....
| Erscheint lt. Verlag | 4.11.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3909-4 / 3838739094 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3909-0 / 9783838739090 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopierschutz. Eine Weitergabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persönlichen Nutzung erwerben.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich