John Sinclair 1185 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3919-9 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Im Schloss der Skelette.
Im Schloss der Skelette hat etwas überlebt. Etwas unbeschreiblich Grauenvolles, das Baphomet-Templer hinterlassen haben.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Im Schloss der Skelette
Plötzlich waren die beiden Hunde da!
Sie mussten aus der dichten Finsternis seitlich des Weges gekommen sein und standen da wie zwei künstliche Geschöpfe, ohne sich zu bewegen. Selbst das Scheinwerferlicht störte sie nicht.
Die beiden Männer im Auto schauten sich an. In den folgenden Sekunden sprachen sie kein Wort, bis der Fahrer, er hieß Virenque, das Schweigen brach.
»Sieht aus, als hätten sie auf uns gewartet! Immerhin sind es keine Kampfhunde, sondern Schäferhunde, obwohl sie wie Wölfe aussehen.«
Poulin, der Zweite, räusperte sich. »Du spinnst. Woher sollen in dieser Gegend Wölfe kommen?«
»Hör auf mit dem Mist. Wenn sie nicht verschwinden, knallen wir sie einfach ab.«
»Ist eine Lösung.« Poulin nickte. Wenig später schüttelte er den Kopf. »Obwohl ich glaube, dass sie so leicht nicht abzuknallen sind. Die sind verdammt schlau.«
»Woher weißt du das?«
»So etwas spüre ich.«
Virenque verdrehte die Augen. »Ich wusste bis heute nicht, dass du dich so gut mit Tieren auskennst.«
»Ja, und nicht nur mit Vögeln.«
»Denen man drei Mal täglich Futter geben soll.«
»Erfasst.«
Der Spaß hörte auf, und beide überlegten, was sie unternehmen sollten. Wie es aussah, dachten die Hunde nicht daran zu verschwinden. Sie wirkten wie zwei Wachsoldaten mit vier Beinen. Selbst das Licht störte sie nicht. Sie schienen es mit den Augen auffangen zu wollen, um sich darin zu weiden.
Die Gegend, in der sie angehalten hatten, war sehr einsam. Verfahren hatten die beiden sich nicht. Der Weg war genau vorgeschrieben. Dass er sie in die Einsamkeit führen würde, das war ihnen vorher klar geworden.
»Ewig können wir hier nicht anhalten!« , sagte Virenque. »Wenn sie nicht verschwinden, fahre ich weiter. Die werden schon früh genug zur Seite springen.«
»Die nicht!«
»Ach …«
»Die wissen genau, was sie tun!«, flüsterte Poulin. »Allmählich bekomme ich ein verdammt komisches Gefühl. War schon da, als wir den Auftrag entgegengenommen haben. Wir sind keine Landeier. Jemand, der Leute engagiert, um sie nachschauen zu lassen, wie es in einem Schloss aussieht, das längst verfallen ist, der kann sie nicht alle stramm haben. Schau dich doch mal um. Was siehst du?«
»Nichts. Es ist fast später Abend.«
»Ja, und das im tiefen Elsass.« Poulin schnalzte mit der Zunge. »Wäre ich ein Kind, dann würde ich sagen, dass wir mitten in einem Märchen gelandet sind. Aber wir sind keine Kinder mehr. Es gibt auch keine Märchen, die stimmen, sonst wären es ja keine Märchen-oder?«
»Wie schlau du bist!«
Poulin sagte nichts und zog seine Waffe.
»Willst du durch die Scheibe schießen?«
»Bestimmt nicht. Ich schaue mir die beiden Tierchen mal aus der Nähe an.«
Virenque wusste, dass sein Kumpel ein Dickkopf war. Wenn der Vorsatz erst bei ihm festsaß, würde kein Geld der Welt ihn davon abbringen. So sagte er auch nichts, als der hochgewachsene Mann mit den flachsblonden Haaren die Tür aufdrückte und seinen Oberkörper ins kühle Freie schob.
Wie überall in Mitteleuropa hatte der Herbst Einzug gehalten. Die Blätter der Bäume leuchteten in zahlreichen Farben, aber die Luft hatte schon die Feuchtigkeit angenommen, und so bildeten sich am Morgen und am Abend die grauen Nebel, die oft wie zähe Watte in den Tälern festsaßen.
Poulin schloss die Tür. Er blieb neben dem Wagen stehen. Den rechten Arm hatte er angehoben und zielte über die Kühlerschnauze des Fahrzeugs hinweg auf die beiden Hunde. Er visierte eine Stelle zwischen den Augen an, die so dunkel war. Ansonsten sah er nur die beiden starren Lichter.
Die Tiere bewegten sich nicht. Sie trafen auch keine Anstalten, anzugreifen. Sie waren die Aufpasser und Beobachter, die einfach nur glotzten.
Poulin fühlte sich alles andere als wohl in seiner Haut. Obwohl ihm die Tiere nichts taten, konnte er sich vorstellen, dass sie plötzlich lossprangen und ihm an die Kehle gingen. Zu beiden Seiten der Straße wuchsen die Büsche in die Höhe. An den Stellen, an denen sie vom Licht der Scheinwerfer getroffen wurden, sahen sie gespenstisch blass aus. Woanders verschwanden sie in der Dunkelheit.
Poulin wusste auch, dass es bis zu ihrem Ziel nicht mehr weit war. Ein paar Kurven, dann hatten sie es erreicht. Sie hatten auch tagsüber und bei Helligkeit ankommen wollen, doch durch widrige Umstände war ihnen dies misslungen.
Wölfe oder Hunde?
Poulin stellte fest, dass sein Herz schneller schlug. So etwas widerfuhr ihm selten. Höchstens in Gefahrensituationen.
»Haut ab!«, blaffte er die Tiere an. »Verschwindet endlich, oder ich jage euch eine Kugel durch den Kopf!«
Sie taten nichts. Blieben stehen. Schauten nur. Kalte und starre Blicke, aus denen Poulin versuchte, etwas hervorzulesen, was ihm leider nicht gelang. Er spürte, wie ihm etwas Kaltes den Nacken hinabrieselte.
Er ging noch einen Schritt nach vorn.
Nichts änderte sich an der Situation. Die beiden Hunde bewegten sich einfach nicht.
»Scheiße!«, zischte er ihnen entgegen. »Haut endlich ab!« Er wurde mutiger und streckte die rechte Hand mit der Waffe vor. Die Mündung zielte jetzt auf das Augenpaar des rechten Tieres. »Wenn ich bis drei gezählt habe und du nicht verschwunden bist, dann …«
Der Hund schien ihn verstanden zu haben. Er zog seinen Schwanz ein und drehte sich zugleich herum.
Dann ging er weg …
Auch der Zweite folgte seinem Beispiel. Die Hunde trotteten den Weg entlang, hielten die Köpfe gesenkt und drehten den Männern ihre Hinterteile zu.
Poulin schüttelte den Kopf. »Gibt’s das denn?«, flüsterte er. »Als hätten sie mich genau verstanden.«
Hinter ihm ließ Virenque die Scheibe nach unten fahren. »He, steig wieder ein. Du hast es geschafft. Du hast ihnen Angst gemacht.« Er fügte ein Lachen hinzu.
»Nein, nein, das glaube ich nicht. Keine Angst. Sie hatten vor mir keine Angst. Die nicht!« Er sagte es mit großer Bestimmtheit, als er wieder in den Wagen stieg. Hart schlug er die Tür zu. Danach schüttelte er den Kopf.
»He, was hast du denn für Probleme?«
»Weiß ich auch nicht. Aber mit den beiden Hunden hat was nicht gestimmt.«
»Ach, das bildest du dir ein!«
»Auf keinen Fall. Ich frage mich, woher die gekommen sind. Ehrlich.«
»Abgehauen. Von irgendwoher.«
»Nein, nein. Dann wären sie aggressiver. Dann hätten sie mich bestimmt angegriffen. Kann sein, dass es doch Wölfe waren. Unsereins hat keinen Blick dafür.«
»Hör auf, Mann. Wir sind im Elsass. Da gibt es keine Wölfe. Höchstens Rehe und Hirsche. Auch Füchse, Wildschweine. Habe ich zumindest gelesen.«
»Wann denn?«
Virenque grinste. »Na ja, als Schüler. Ist zwar schon lange her, aber immerhin.«
»Fahr los!«
»Das wollte ich gerade tun.« Virenque startete den Motor. Der Weg war schmal und bewachsen. Der Boden war besser geeignet für einen Geländewagen, doch der stand ihnen nicht zur Verfügung. So rollten sie mit ihrem Peugeot weiter.
Dass Poulin beunruhigt war, ließ er sich nicht anmerken. Er saß nur schweigend da und dachte nach, die Stirn dabei in leichte Falten gelegt. Hin und wieder schielte er zu seinem Fahrer hinüber, der sich locker und gelassen gab.
Virenque war drei Jahre jünger als er und sah ein wenig aus wie Bruce Willis. Auch seine Haare hatte er so kurz geschnitten. Hin und wieder trug er eine Mütze oder einen Hut. Er betrieb den Job des Detektivs aus Leidenschaft und wartete noch immer auf den ganz großen Fall, der ihn zum Promi machte.
Poulin dachte da anders: Kleinvieh macht auch Mist. Also hielten sich die beiden durch kleine Aufträge über Wasser. Die reichten aus, denn sie nahmen es auch mit den Gesetzen nicht so genau. Man durfte sich eben nicht erwischen lassen. Dieser Job war einer der ungewöhnlichsten, den sie je übernommen hatten. Er war aus Südfrankreich an sie herangetragen worden. Sie sollten sich in einem alten Schloss umschauen und melden, was sie dort vorgefunden hatten.
Eine nächtliche Schlossbesichtigung also. Und das mitten im düsteren Elsass.
Verrückt, aber der Job brachte ihnen Geld. Sogar in Dollar war der Scheck ausgestellt worden.
1000 Mäuse!
Bei dem Wechselkurs brachte das einiges. Da hatten sie sogar auf ihre Spesen verzichtet. Außerdem wohnten sie in Straßburg. Von dort war es nicht weit bis zum Ziel. Allerdings unbequem zu fahren, das hatten sie festgestellt und waren zudem von der Dunkelheit überrascht worden.
Poulin ließ sich nicht davon abbringen, dass die Wölfe etwas Besonderes waren. Keine normalen Tiere, sondern welche, die es in sich hatten. Was das genau war, hätte er nicht sagen können, aber die Tiere hatten ihm nicht gefallen. Er wusste nicht einmal, ob er sie als positiv oder negativ beurteilen sollte. Es gab sie einfach, und sie wollten ihm nicht mehr aus dem Kopf.
»Du denkst noch immer an die Hunde, wie?«
»Wenn es welche waren.«
»Mach dir doch nicht ins Hemd, Poulin. Die sind abgehauen, streunen durch die Wälder und reißen irgendwelche Beute. Ich weiß das, und dabei bleibt es.«
Poulin schwieg. Er wusste, dass er bei seinem Partner auf Granit beißen würde. Und auf etwas Ähnliches biss auch der Wagen, für den die Fahrt hier beendet war.
Der Boden war zu tief und weich geworden. Die Reifen konnten nicht mehr fassen. Die Räder drehten durch. Der Versuch einer Weiterfahrt wäre Quälerei gewesen.
»Schluss!«, sagte Virenque.
»Habe ich mir fast gedacht!«
...| Erscheint lt. Verlag | 4.11.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3919-1 / 3838739191 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3919-9 / 9783838739199 |
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