John Sinclair 1197 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3931-1 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Unhold in der Nacht.
Wie ein böses Traumgespenst huschte die Gestalt über die Dächer hinweg. Für sie schien es keine Hindernisse zu geben. Lücken zwischen den Bauten übersprang die Mutation mit kräftigen Sätzen, klammerte sich an Kaminen oder halbhohen Mauern fest und fand zielsicher ihren Weg.
Die Bestie war wild, gierig - und sie wollte töten ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Unhold in der Nacht
Der Freund des Schattens war die Nacht!
Wie ein böses Traumgespenst huschte er über die Dächer hinweg. Für ihn schien es keine Hindernisse zu geben. Lücken zwischen den Bauten übersprang er mit kräftigen Sätzen, klammerte sich an Kaminen oder halbhohen Mauern fest und fand immer wieder seinen zielgerichteten Weg. Der Schatten war eine Bestie!
Sie war wild, gierig – und sie wollte töten!
Kelly O’Brian war tough, cool und ständig auf der Suche nach dem Kick. In ihrem Fall hieß das, auf der Suche nach Motiven zu sein, die den Rahmen des Ungewöhnlichen sprengten.
In den letzten Nächten wieder. Wochenlang hatte es anders ausgesehen. Da hatte sie Angst gehabt und kaum Schlaf gefunden. Immer wieder hatte sie das Bild ihres toten Kollegen Ike Cameron vor Augen gehabt. Ein Albtraum mit dem Namen Atlantis. Etwas Schreckliches und zugleich Unglaubliches, in das Kelly O’Brian und ihr Kollege Cameron hineingeraten waren.
Sie hatte überlebt, Ike nicht.
In einer anderen und längst versunkenen Welt war er gestorben. Von Monstren umgebracht, die es eigentlich nicht geben konnte oder durfte. Kelly hatte mit keinem frenden Menschen darüber gesprochen, nicht mal mit Kollegen, aber sie wusste Bescheid.1
Ebenso wie die beiden Männer, die mit zu ihrer Rettung beigetragen hatten. Ein gewisser John Sinclair und sein Freund und Kollege Suko. Hinzu war noch eine fantastische Gestalt gekommen, die fliegen konnte und sich der Eiserne Engel nannte. Alles Tatsachen, auch wenn sie sich noch so ungeheuerlich anhörten.
Kelly wusste Bescheid.
Sie lebte. Sie hatte gelitten, aber die Zeit heilt viele Wunden, wenn auch nicht alle. Und so hatte sich die junge Fotografin zurückgezogen, von ihren Ersparnissen gelebt, war in Urlaub gefahren und hatte versucht, sich abzulenken.
Der Schlaf kehrte zurück, auch ohne Tabletten. Und Kelly O’Brian hatte sich wieder an ihren eigentlichen Job erinnert. Wer zu lange pausierte, der war out. Der wurde vergessen und konnte irgendwo putzen gehen. Out sein wollte Kelly nicht. Deshalb war sie über ihren eigenen Schatten gesprungen und hatte sich wieder auf die Jagd gemacht.
Einige gute Fotos waren ihr gelungen. Schnappschüsse von den sogenannten Promis aus der Welt des blauen Bluts. Die Bilder hatten sich sogar gut verkaufen lassen. Ein Anfang war gemacht worden, und Kelly konnte sich über Wasser halten. Andere Aufnahmen würden das große Geld und auch eine entsprechende Reputation bringen.
In gewisser Weise war Kelly auch ein Glückskind, denn sie hatte einen Riecher für bestimmte Ereignisse. Das war ihr einfach angeboren. Sie wusste oder konnte sich vorstellen, wo etwas passierte. Oft genug war sie als Erste am richtigen Ort.
Menschen wie sie waren immer im Dienst. Kelly hielt Augen und Ohren offen. London war ein gewaltiges Potenzial. Hier ging immer die Post ab. Man musste nur den richtigen Riecher haben.
Kelly O’Brian wollte das Besondere. Sie war jemand, der sich auch um kleine Meldungen kümmerte. Sie verstand es, hinter die Kulissen zu schauen und wusste genau, wann sie zuschlagen konnte.
Wie auch jetzt!
Es gab ihn. Sie hatte ihn nicht gesehen, aber es gab ihn. Er war ein Schatten, ein Angstmacher, der sich London als Jagdrevier ausgesucht hatte. Nicht eben die City, sondern die Stadtteile im Osten und südlich der Themse. Ein Ballungsraum für Menschen, die in alten Häusern mit überteuerten Mieten wohnten und auch diese fast nicht mehr bezahlen konnten, weil London immer teurer wurde. Hier hockte man zusammen, hier regierten die Gesetze des Überlebenskampfes, aber auch Solidarität und Nachbarschaft.
Hier wurden Verbrecher geboren oder gemacht, aber auch Heilige lebten in diesem Umfeld. Familienväter ebenso wie Zocker, Junkies und Dealer. Alles war hier auf engstem Raum vertreten. Man schlug und vertrug sich, aber man lebte.
Und genau hier war der Schatten erschienen – die Bestie!
Ein Killer, ein Phantom, ein Geschöpf der Nacht. Kein Mensch, auch kein Tier, die Bestie eben.
Es hatte zwei Tote gegeben. Menschen, deren Körper regelrecht aufgerissen worden waren. Ausgeblutet hatte man sie in den schmalen Hinterhöfen zwischen Mülltonnen gefunden. Niemand hatte sich vorstellen können, wer so etwas tat.
Die Polizei war ratlos. Man dachte an einen Wahnsinnigen, einen Psychopathen, der einen irrsinnigen Hass auf die Welt und deren Bewohner in sich trug.
Das konnte so sein, musste aber nicht.
Kelly hatte nachgeforscht. Sie war durch das Viertel gestreift. Sie hatte alle Anfeindungen überstanden, und sie hatte es geschafft, sich mit manchen Bewohnern zu unterhalten, wobei sie die Ohren sehr weit offen gehalten hatte.
Es war ihr gelungen, Vertrauen zu schöpfen. Was man der Polizei nicht erzählt hatte, das war ihr berichtet worden. Zum ersten Mal war die Bestie ins Spiel gekommen.
Man hatte sie gesehen. Sie war kein Mensch. Mehr ein Schatten, aber ein Schatten, der zugleich den Umriss eines riesigen Tieres bildete. Ein Monster in der Stadt. Ein blutgieriger Teufel, auf den keine normale Beschreibung passte. Der fauchte und heulte, aber nicht sprach. Er war unterwegs. Sein Revier waren nicht nur die Straßen und engen Gassen, sondern auch die Dächer, denn dort war er ebenfalls gesehen worden. Immer nur in der Nacht. Tagsüber hatte ihn niemand zu Gesicht bekommen. Aber wehe, die Dunkelheit legte sich über die Stadt. Da erwachte dann in den Menschen die Angst.
Kelly O’Brian sah wieder eine Aufgabe vor sich. Der Horror in Atlantis war vergessen. Darüber wollte sie auch mit keinem Menschen mehr sprechen, von einigen Ausnahmen abgesehen. Jetzt begann die neue Jagd nach der Sensation.
Die Bestie war in einem bestimmten Gebiet innerhalb des Viertels gesehen worden. Und dort genau legte sich Kelly auf die Lauer. Kamera und Camcoder waren ihre Materialien. Beides gute Geräte, zudem ausgerüstet mit Restlicht-Verstärkern, sodass auch in der Nacht gute Aufnahmen möglich waren.
Eine Waffe trug sie nicht bei sich. Keine Schusswaffe zumindest. Aber der Elektroschocker steckte griffbereit in ihrer Jackentasche. Er hatte ihr schon so manch guten Dienst erwiesen und ihr gewisse Typen vom Leib gehalten.
Sie fuhr einen deutschen Wagen, einen Polo. Klein, aber wendig. Irgendwann würde sie sich einen Mini zulegen, aber das hatte Zeit. Noch tat es der Polo.
Sie parkte in einer Gasse, die für diese Gegend so typisch war. Eng, nur in einer Richtung befahrbar. Links von einer Mauer begrenzt, rechts von den Rückfronten alter Häuser. Hinter der Mauer lag ein leer stehendes Grundstück, auf dem die Reste einer alten Fabrikanlage standen. Damals waren dort Dosen hergestellt worden, das wusste sie. Jetzt wohnte offiziell niemand in den beiden hohen Bauten, aber es hatte Künstler gegeben, die sich dort häuslich eingerichtet hatten. Ihnen war erlaubt worden, kleine Umbauten im Innern vorzunehmen, und so hausten dort Maler, Bildhauer, auch Fotografen und die Mitglieder junger Start-up-Unternehmen, die sich erst noch einen Platz auf dem Markt erobern wollen.
Die Gasse lag günstig. Sie war so etwas wie ein Fluchtweg, der auch von der Bestie benutzt werden konnte, wenn es hart auf hart kam. Genau darauf hoffte Kelly. Sie wünschte sich, dass der Killer erschien und ihr vor die Kamera oder den Camcorder geriet. Wenn nicht, war es auch nicht tragisch, dann wollte sie sich trotzdem gegen Mitternacht mit einem bestimmten Mann treffen, den sie um diese Zeit in ein bestimmtes Lokal bestellt hatte.
Der Mann hieß John Sinclair!
Zu ihm hatte sie Vertrauen. Er und seine Freunde hatten sie in Atlantis rausgepaukt. So etwas hatte sie einfach nicht vergessen können, weil es zu einschneidend gewesen war.
John Sinclair hatte ihre Meinung von einem Polizisten völlig auf den Kopf gestellt. Das war kein Bulle, wie sie früher von den Männern gedacht hatte. Er war auch kein arroganter Blödmann, die hatte sie ebenfalls erlebt, nein, John Sinclair war ein Mensch mit allen Fehlern und Schwächen. Und trotzdem ein Mann auf den man sich verlassen konnte, das hatte er bewiesen.
Er wollte auf sie warten.
Allein dass er zugestimmt hatte, wunderte Kelly noch immer. Er hatte zwar Fragen gestellt und sich dann mit ausweichenden Antworten zufrieden gegeben und eigentlich sein volles Vertrauen in sie gesetzt, was auch nicht jeder tat.
Er war schon gut …
Und sie hoffte, ihn nicht zu enttäuschen. Sie wollte ihm etwas bringen. Den Beweis. Danach konnte er losschlagen, und sie würde ihre Geschichte bekommen.
So war es gedacht, doch dieser Plan erfüllte sich noch nicht, denn für Kelly hieß es warten.
Warten im Winter. Warten in einem kalten Wagen. Der starke Frost hatte sich zwar verzogen, es hatte auch nicht mehr geschneit, dafür war der Regen aus den tief hängenden Wolken gefallen und hatte selbst die wenigen Lichter in der Nähe verschluckt.
Es regnete zwar nicht mehr stark. Aber Nieselregen sank noch immer dem Boden entgegen, und die dunklen Wolken hingen wie Ungeheuer über den Dächern.
Es war still in der Gasse. Keine Fahrzeuge, keine Menschen. Hin und wieder fielen dicke Tropfen auf die Karosserie des Polo. Im Anfang war Kelly immer zusammengezuckt, aber jetzt hatte sie sich daran gewöhnt. Für die Jahreszeit war es zu warm, wie der Wetterbericht meldete. Trotzdem fror sie, denn es war nasskalt.
Kelly konnte nicht weit schauen. Das alte Pflaster sah aus wie schmutziger Teer, der nach wenigen Metern in den Untergrund wegsackte. Die alte Mauer wirkte mehr wie ein Schatten, und an den Rückseiten der Häuser schimmerten hinter den Fenstern nur wenige Lichter. Bei...
| Erscheint lt. Verlag | 4.11.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3931-0 / 3838739310 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3931-1 / 9783838739311 |
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