John Sinclair 1371 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4136-9 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Das Erbe der Toten (1. Teil).
Das Erbe der Toten war ein Gemälde, das versteckt in einer alten Templer-Kirche lag, in die mich ein gewisser Mike Curtiz bestellt hatte.
Ich war von dem Bild fasziniert, und mir gelang es auch, das Kunstwerk aus der Kirche zu schaffen.
Leider war es mir nicht mehr möglich, meinen Informanten vor dem Tod zu bewahren. Ein maskierter Killer mit einer Goldmaske vor dem Gesicht brachte ihn eiskalt um.
Für mich wurde Das Erbe der Toten zu einem lebensbedrohlichen Problem ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Das Erbe der Toten (1. Teil)
Es goss wie aus Kübeln!
Der Wettergott musste schlechte Laune haben oder sauer auf die Menschen sein, denn ein derartiges Wetter hatte niemand verdient. Die Riesenstadt London verschwand unter einer Wolke aus Regen und Dunst. Die Finsternis hatte sich auf den Weg gemacht, und nur weit im Westen war ein heller Streifen zu sehen, der bewies, dass der Tag noch nicht beendet war.
Ins Freie trieb man bei diesem Wetter keinen. Nur wenige Menschen hatten ihre Häuser und Wohnungen verlassen, und zu denen zählte ich …
Zwar stand ich nicht im Freien und ließ mich nass regnen, dafür hockte ich in meinem Rover, parkte damit in einer Gasse, die von der Inner Temple Lane abzweigte, und wollte zunächst mal diesen heftigen Regen abwarten. Es war ja kein normaler Landregen, sondern einer, der aus den Wolken platzte. Ich sah keine Tropfen. Was da aus den Wolken rauschte, klatschte mit großer Wucht gegen das Auto, prasselte gegen die Scheiben und überschwemmte sie so mit Wasser, dass es mir unmöglich war, etwas zu erkennen, weil sich die Einzelheiten in meiner Umgebung einfach aufgelöst hatten. Es gab nur noch die strömenden Fluten, die sich auf dem Erdboden sammelten und sich einen Weg suchten hin zu den Gullys, wo sie gurgelnd und rauschend verschwanden.
Hätte jemand neben mir gesessen, wäre es mir kaum möglich gewesen, mich mit ihm zu unterhalten, so laut waren die Geräusche. In meiner Umgebung schienen sich zahlreiche Drummer zu befinden, die mit ihren Trommelstöcken gegen das Blech schlugen.
Dabei lag mein Ziel nicht weit entfernt. Es war die alte Kirche der Tempelritter hier in London, die ich schon kannte, und zu der es wirklich nicht mehr weit war. Ich musste nur das Gewirr der Gassen hinter mir lassen, um den kreisrunden Bau zu erreichen, nur nicht bei diesem verdammten Wetter.
Der Mann, den ich dort treffen wollte, würde sich bestimmt verspäten, falls er nicht schon da war. Wenn er sich in der Kirche aufhielt, war es ebenfalls nicht tragisch. Die Mauern und das Dach schützten ihn vor der Nässe.
Warten auf den Lichtblick. Was sich am Himmel abspielte, war für mich jedenfalls nicht zu erkennen. Ich schaffte es überhaupt nicht, einen Blick in die Höhe zu werfen. Die Scheibe war für mich undurchlässig geworden.
Warten!
Mehr konnte ich nicht tun. Mich meinen Gedanken hingeben und beobachten, wie das Wasser in Strömen an den Scheiben herablief und sich mit der Strömung auf dem Boden vereinigte.
Etwas Helles zuckte über den Himmel. Zuerst fast waagerecht, dann sackte es ab. Eine dünne, scharf geschnittene Linie, die schließlich von dem Unwetter gefressen wurde. Der nachfolgende Donner ging im Prasseln des Regens unter.
Ein Gewitter. Ausgerechnet jetzt. Ich schüttelte den Kopf. Mir blieb auch nichts erspart. Gleichzeitig dachte ich darüber nach, ob es sich auch lohnte, den Mann zu treffen, von dem ich nur den Namen kannte. Er hieß Mike Curtiz und arbeitete bei einer Bank. Das hatte ich erfahren. In welch einem Zusammenhang er allerdings mit den Templern stand, war mir nicht bekannt. Irgendetwas musste schon dran sein, sonst hätte er sich nicht diesen Treffpunkt ausgesucht.
Ich war von ihm angerufen worden. Wir hatten nur wenige Sätze gesprochen, aber ich hatte deutlich die Spannung aus seiner Stimme herausgehört. Dieser Mensch stand möglicherweise unter einem starken Druck. Er besaß sicherlich Informationen, die er loswerden musste.
Wieder blitzte es. Für einen Moment durchdrang die fahle Helligkeit auch die Düsternis des Regens. Ich sah in meiner Umgebung die Mauern der alten Bauten und auch die Bäume, deren Kronen durch den heftigen Wind geschüttelt wurden.
Für diese kurze Zeitspanne erhielt die Umgebung ein gespenstisches Aussehen, das irgendwie auch zu der geheimnisvollen Kirche passte, die 1185 von Heraklius, dem Patriarchen von Jerusalem, geweiht worden und erst 1940 durch Brandbomben zerstört worden war. Danach war sie wieder originalgetreu aufgebaut worden. Sie war ein Schmuckstück, nur der kastenförmige Anbau an der Seite passte einfach nicht.
In der Kirche waren die Grabplatten in den Boden eingelassen. Unter ihnen waren Tempelritter begraben. Sie lagen dort schon über lange Jahrhunderte hinweg, doch wer die Kirche betrat, der erlebte den Schauer der Geschichte. Dann konnte der Besucher das Gefühl haben, nicht mehr allein zu sein. Er fühlte sich von den Geistern der Toten beobachtet, die ihn als unsichtbare Wesen umkreisten.
Man konnte die Kirche lieben, man konnte sie wegen ihrer anderen Bauweise ablehnen, jedenfalls war sie etwas Besonderes und würde nicht abgeschlossen sein, wie man mir versichert hatte.
Viel lieber hätte ich mich jetzt am Flughafen aufgehalten, um Glenda Perkins abzuholen. Unserer Assistentin kehrte aus Rumänien zurück. Allerdings auf einem anderen Weg als sie hingereist war. Da war sie durch ihre neuen Kräfte hingebeamt worden. Da sie diese nicht selbst kontrollieren konnte, musste sie auf die normale Reiseform zurückgreifen und würde London mit dem Flugzeug erreichen, das bei diesem Wetter wohl schwerlich landen konnte.
Unwetter, Platzregen und auch Gewitter hielten sich meist nicht sehr lange. Das war auch hier der Fall, denn unmerklich hellte sich die Umgebung auf, als wären Hände dabei, einen gewaltigen Schleier vom Himmel wegzuziehen. Zwar brachen keine Sonnenstrahlen durch das Dunkel, die Regentropfen in glitzernde Diamanten verwandelten, aber es wurde heller, und ich atmete auf.
Der Regen hatte auch nachgelassen. Kein hartes Trommeln mehr auf dem Autoblech, keine überschwemmte Frontscheibe, der Regen ließ immer mehr nach, und ich konnte endlich aufatmen. Der Himmel hellte sich immer stärker auf, und ich erkannte meine Umgebung, die aus Häusern, winzigen Vorgärten und Trennzäunen bestand. Wenn ich die Gasse weiter durch fuhr, geriet ich in die Nähe der Kirche, aber nicht direkt an sie heran. Die letzten Meter musste ich zu Fuß gehen, was kein Problem mehr war, denn es lösten sich nur noch letzte Tropfen aus den Wolken, die sich zudem immer mehr verzogen, sodass helles Tageslicht zum Vorschein kam und sich auch erste Schatten bildeten.
Ich ließ eine Seitenscheibe nach unten fahren. Ein paar Tropfen erwischten mich dabei, aber es drang auch eine kühle und irgendwie gereinigte Luft in den Rover hinein, die mich förmlich dazu animierte, tief durchzuatmen.
Um den Wagen herum rauschte und gurgelte es. Das Wasser suchte sich seine Bahn, aber es bekam keinen Nachschub mehr, und das freute mich. Da ich in einer leicht abschüssigen Gasse stand, sah ich, dass mir das Wasser in Strömen entgegenfloss, als wäre es von den leichten Windböen getrieben.
Dass ich mich mitten in London befand und nicht mal weit von der berühmten Fleet Street und auch dem Ufer der Themse entfernt, war kaum zu glauben. Die Fleet Street im Norden, die Themse im Süden, so sahen die beiden Grenzen aus. Dazwischen lag dieser Bezirk mit seinen Gassen und zum Süden das Gelände der Inner Temple Gardens, dessen Grenze vom Victoria Embankment gebildet wurde, der Prachtstraße, die direkt am Wasser entlangführt.
Ich für meinen Teil hatte andere Sorgen, denn ich suchte einen Parkplatz für den Rover. Langsam fuhr ich den heranlaufenden Wasserströmen entgegen und hatte dabei das Gefühl, dass mein Auto zu einem Boot geworden war, denn beim Fahren spürte ich schon das Aquaplaning unter den Reifen.
Ich fand keinen Ort, wo ich den Rover abstellen konnte, ohne andere Fahrer zu behindern. Schließlich entschloss ich mich dazu, ihn in eine schmale Einfahrt zu lenken und weiter durchzufahren, denn ich hatte etwas Grünes gesehen.
Hinter der Einfahrt breitete sich ein kleiner Hof oder Park aus. Auch hier glänzte alles nass. Auch jetzt noch fielen letzte Tropfen von den Blättern der Bäume.
Ich fand einen Platz für den Rover, stieg aus und geriet in die feuchte Luft hinein, die mich wie eine Waschküche umgab. Nur war es jetzt kühler geworden. Ein frischer Wind fegte die Reste der Schwüle endgültig zur Seite.
Was mich erwartete, wusste ich nicht. Allerdings hoffte ich, dass das Treffen schnell vorbei war, weil ich am Abend gern ein Fußballspiel sehen würde. Schließlich lief die EM, und da war England bis ins Viertelfinale vorgestoßen.
Templer und Fußball – eigentlich passte das nicht zusammen, doch bei mir war alles anders. Schließlich gab es noch ein normales Leben neben dem beruflichen, und das normale Leben wollte ich auf keinen Fall aufgeben.
Über mir zeigte der Himmel jetzt einen Mix aus Wolken, Sonne und Bläue. Ein schönes Bild, wenn ich daran dachte, wie er noch vor kurzem ausgesehen hatte.
Im Moment hielt ich mich als einziger Mensch in diesem Gebiet auf. Es war kein anderer zu sehen. Niemand kam auf mich zu, niemand sprach mich an und fragte nach dem Wohin und Woher.
Über ein altes Plattenpflaster im Weg erreichte schließlich mein Ziel. Die Kirche stand praktisch an einer Ecke. Dort begegneten sich zwei Wege. Es gab einen kleinen Vorgarten, der durch einen Gitterzaun begrenzt wurde. Im Garten wuchsen einige Bäume, die nicht sehr hoch waren. Trotz des Laubs wirkten sie irgendwie kahl. Wahrscheinlich waren sie erst vor kurzem beschnitten worden.
Den hässlichen Anbau ließ ich links liegen. Mein Weg führte nicht direkt auf den Eingang der Templer-Kirche zu, der tief ins Mauerwerk eingelassen worden war. Er sah mehr aus wie eine Nische und verengte sich zur eigentlichen Tür hin.
Bevor ich die Nische betrat, warf ich einen letzten Blick in die Runde. Ich wollte wissen, ob sich der geheimnisvolle Mike Curtiz hier aufhielt, aber ich sah keinen Menschen. Dafür einen Schaukasten an der Wand. In ihm...
| Erscheint lt. Verlag | 2.12.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4136-6 / 3838741366 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4136-9 / 9783838741369 |
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