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John Sinclair 1253 (eBook)

Angst vor dem eigenen Ich

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3987-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1253 - Jason Dark
Systemvoraussetzungen
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Angst vor dem eigenen Ich.

Vincent van Akkeren war durch Absaloms Eingreifen vertrieben worden. Damit war der Fall nicht gelöst. Das Rätsel um die Gebeine und um die geheimnisvolle Maria Magdalena blieb bestehen. Wir wollten sie finden, und dabei konnte uns eine Person helfen.

Es war Julie Ritter. Sie besaß unser Vertrauen. Doch was wir dann erlebten, war so ungeheuerlich, dass man es kaum beschreiben konnte, denn wir erfuhren Julias Angst vor dem eigenen Ich.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Angst vor dem eigenen Ich


Die Haare waren noch vom Duschen nass, als ich die Tür zu meiner Kammer aufstieß. Ich hatte gut geschlafen, fühlte mich topfit, freute mich auf das Frühstück, trat locker in das Zimmer – und blieb wie angewurzelt stehen.

Die Überraschung war perfekt!

In meinem zerwühlten Bett lag eine nackte Frau – Julie Ritter!

Das sind wirklich Momente, wie man sie sonst nur im Film erlebt, wenn der Held nichts ahnend in sein Zimmer kommt und mit einer derartigen Szene konfrontiert wird.

So etwas gibt es ja. Popstars können davon ein Lied singen, wenn es irgendwelchen Groupies gelungen ist, sich in die Zimmer der Promis zu schmuggeln, aber ich war kein Popstar, ich war auch nicht prominent, und Julie Ritter war nicht der Typ, der sich nackt in das Bett eines Mannes legt, auch wenn dieser – so wie ich – ein Bekannter ist.

Und trotzdem lag sie da!

Ich war erst mal konsterniert. Sprechen konnte ich nicht. Es mussten einige Sekunden verstreichen, bis ich in der Lage war, die gesamte Wahrheit zu erfassen, sodass ich mich auf Einzelheiten konzentrieren konnte.

Ich hatte sie bisher nicht nackt gesehen und musste zugeben, dass sie eine gute Figur hatte. Die allerdings interessierte mich momentan nicht so sehr. Nicht weil ich etwas dagegen gehabt hätte, nein, in einem derartigen Fall war etwas anderes wichtiger. Man kann bestimmte Botschaften auch durch den Ausdruck des Gesichts signalisieren, und deshalb war das in diesem Fall wichtig für mich.

Wollte sie mich ansprechen? Wollte sie mich hereinbitten? Wollte sie, dass ich zu ihr ins Bett stieg? Deutete sie das durch ein Lächeln eventuell an?

Nein, das war hier nicht der Fall. Ihr Gesichtsausdruck blieb ungewöhnlich ausdruckslos. Er kam mir auch sehr blass und zudem angestrengt vor, was mich auch etwas wunderte.

Ich rang mir ein Lächeln ab, was Julie allerdings nicht erwiderte. Das Gesicht blieb ohne Ausdruck.

Noch stand ich auf der Schwelle, und auch in den folgenden Sekunden rührte ich mich nicht vom Fleck. Aber ich sprach sie mit leiser Stimme an.

„Julie …“

Sie antwortete nicht. Sie tat überhaupt nichts. Sie blieb nur liegen und hielt mir ihren Kopf zugewandt.

„Julie!“ Diesmal hatte ich die Stimme erhoben und drängte sie quasi zu einer Antwort.

Auch jetzt hatte ich keinen Erfolg. Julie Ritter war zu einer Statue geworden und blieb es auch. Kein Wort wehte aus ihrem Mund. Sie sah mich wohl, aber sie traf keine Anstalten, auch mich zu begrüßen. Mein Erscheinen war nicht wichtig. Sie interessierte sich nicht dafür, sondern schaute nur in Richtung Tür, wo ich mich aufhielt und noch immer von den Socken war.

Aber ich hatte mich wieder soweit gefangen, dass ich nachdenken konnte. Dass Julie Ritter nackt in meinem Bett lag, war keine Halluzination. Da hatte sie sich wohl eine Überraschung ausgedacht. Sie war ausgeflippt als Reaktion darauf, was wir alles erlebt und auch durchlitten hatten.

Die letzten beiden Tage waren mehr als stressig gewesen für Julie, Suko, die Templer und mich. Irgendwie musste sie den Stress auch abbauen, und sie tat es wohl auf diese Art und Weise.

Sie lag zur Seite gedreht, leicht aufgestützt, und sie schaute mich unverwandt an. Aber sie lächelte nicht. Es gab keine Aufforderung an mich, näher heranzukommen, und genau das machte mich ebenfalls misstrauisch.

Ich verfolgte das Kribbeln auf meinem Rücken, und eine innere Stimme sagte mir, dass trotz des so klaren Bildes hier nicht alles mit rechten Dingen ablief. Da kam noch etwas nach, das war nur der Anfang, ich ahnte es. Aber ich wollte nicht so lange warten, bis Julie reagierte, ich musste die Dinge selbst in die Hand nehmen.

Wie lange ich auf der Schwelle gestanden hatte, war mir nicht klar. Das hier waren eben Momente, in denen man die Zeit einfach vergisst. Nur wollte ich nicht noch länger warten, gab mir einen Ruck und ging den ersten Schritt nach vorn.

Ich hatte ihn bewusst zögernd und langsam zurückgelegt, weil ich davon ausging, dass Julie darauf reagieren würde, aber den Gefallen tat sie mir nicht. Sie blieb auf dem zerwühlten Bett liegen wie eine Puppe, deren starrer Blick auf mich gerichtet war, ohne mich direkt zur Kenntnis zu nehmen.

Noch einmal versuchte ich es mit einer Ansprache. Ich trat zwei weitere Schritte auf das Bett zu, rief dabei halb laut den Namen der jungen Frau und erlebte das Gleiche – nämlich nichts!

Sollte ich mich ärgern, wundern? Sollte ich sauer sein? Im Normalfall hätte einer der Vergleiche schon gepasst, doch das hier lag irgendwie anders. Ich ging inzwischen davon aus, dass diese Szene nicht mit rechten Dingen zuging. Irgendetwas war mit Julie Ritter geschehen, das ich nicht überblicken konnte. Sie hatte sich auch nicht verändert, das musste ich ebenfalls zugeben. Julie war so geblieben wie ich sie kannte, und trotzdem stimmte da was nicht.

Auch nach dem nächsten Schritt, den ich zurücklegte, bewegte sich Julie nicht. Das Misstrauen in mir war mittlerweile stark angewachsen. Über meinen Rücken rannen kleine Schauer hinweg. Irgendetwas oder irgendjemand hatte hier seine Hände im Spiel und versuchte, mich an der Nase herumzuführen.

Mein Kreuz reagierte nicht, was mir schon entgegenkam. Es war wohl keine magische Attacke, und Julie war in der letzten Nacht auch nicht auf die andere Seite geholt worden.

Aber trotzdem. Da war …

Ich blieb stehen, obwohl ich das Bett noch nicht erreicht hatte. Etwas hatte mich zusammenschrecken lassen, und das war nicht in diesem Zimmer passiert.

Von draußen her war durch die Tür ein helles Lachen gedrungen. Das Lachen einer Frau.

Julie hatte in der Zeit, in der ich sie kannte, nicht viel gelacht. Doch dieses Lachen kannte ich, und es war nicht in diesem kleinen Zimmer aufgeklungen.

Ich fuhr herum!

Die Tür war noch offen. Jeder Schall oder Klang hatte also freie Bahn. Der Blick in den Flur reichte nur bis zur Wand gegenüber der Tür, das war alles.

Ich hörte auch Sukos Stimme.

Danach wieder das Lachen.

Verdammt noch mal, das stammte von Julie Ritter!

Ich drehte mich wieder um!

Plötzlich hatte ich das Gefühl, verrückt zu sein. Etwas hämmerte gegen meinen Kopf. Ich fühlte mich an der Nase herumgeführt, ich konnte im ersten Moment nichts mehr denken, aber was ich mit meinen eigenen Augen sah, war eine Tatsache.

Mein Bett war leer!

*

Hätte Suko oder eine andere Person neben mir gestanden, ich hätte sie darum gebeten, mir mal kräftig in den Hintern zu treten. Aber es gab niemand, der bei mir war. Ich war allein, und zwar ganz allein, denn Julie war von meinem Bett verschwunden. Sie hatte sich aufgelöst, sie war zu Luft geworden, wie auch immer, und ich musste mich fragen, ob ich noch normal war.

Selbst als Geisterjäger war ich wie vor den Kopf geschlagen, und ich hatte verdammt viel mitgemacht in meinem Leben. Ich hatte erlebt, dass es den Begriff unmöglich eigentlich nicht gab, doch hier begann ich an mir selbst zu zweifeln.

War ich überspannt? Überreizt? Hatte mich der letzte Fall, bei dem es um die Gebeine der Maria Magdalena gegangen war, so verändert, dass ich schon Dinge sah, die eigentlich nicht existierten? Hatte ich bereits Halluzinationen? War das alles zu viel für mich gewesen? Sollte ich meinen Job an den Nagel hängen und nur noch im Büro hocken und mich mit Schreibarbeiten beschäftigen?

Ja und nein. Nein und ja. Ich wusste es nicht, aber ich stellte mir selbst ein Zeugnis aus und sagte mir, dass ich nicht überspannt oder verrückt war.

Hier war etwas passiert, das ich mir noch nicht erklären konnte. Es hatte Julie Ritter gegeben. Ob stofflich oder feinstofflich, das war die Frage, aber es gab sie, und ich war bei Gott keinem Trugschluss zum Opfer gefallen.

Was sollte ich tun?

Ganz einfach. Ich musste mich den Tatsachen stellen und sie als normal ansehen. Nach zwei kleineren Schritten stand ich neben dem Bett und legte meine Hand auf die Matratze. Julie Ritter hatte hier gelegen, und deshalb hatte sie auch etwas hinterlassen müssen. Nämlich die Wärme des Körpers auf dem Laken oder dem Kissen. Etwas anderes kam für mich nicht infrage. Es sei denn, ich war wirklich von der Rolle.

Auch als ich mit der Hand über das Bett hinwegstrich, war nichts davon zu spüren. Keine Wärme, alles war kühl, wenn auch leicht verknautscht. Ich war nach dem Aufstehen recht lange unter der Dusche gewesen, da hatte das Bett abkühlen können.

Es war zwar kein hundertprozentiger Beweis für mich, aber ich ging trotzdem davon aus, dass Julie Ritter, so wie ich sie gesehen hatte, kein normaler Mensch gewesen sein konnte.

Aber warum hatte ich sie dann gesehen? Und vor allen Dingen – wen hatte ich gesehen? Ihren feinstofflichen Körper? Ihren Astralleib? Nach dieser Frage hätten viele Menschen gelächelt oder nur den Kopf geschüttelt, ich allerdings wusste es besser, weil ich so etwas schon erlebt hatte.

Feinstoffliche Körper, Astralleibe, die erschienen und sich ebenso rasch wieder auflösten, das alles war mir nicht unbekannt. Davor fürchtete ich mich auch nicht. Es machte mich nur besorgt, dass dies ausgerechnet mit Julie Ritter passiert war. Mit einer Frau, die ich relativ gut kannte, von der ich allerdings nicht gedacht hätte, dass sie mich so überraschen würde.

Welches Geheimnis verbarg sie? Was steckte dahinter? Hing es damit zusammen, dass sie schon einmal gelebt hatte? Und zwar in sehr ferner Zeit als Maria Magdalena, die mal als Hure und mal als Heilige angesehen worden war.

Ja, das konnte alles sein. Das war durchaus möglich. Die sichtbare und auch die...

Erscheint lt. Verlag 18.11.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3987-6 / 3838739876
ISBN-13 978-3-8387-3987-8 / 9783838739878
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