John Sinclair 1342 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4088-1 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Die Totmacher.
Halloween ist immer mehr auf dem Vormarsch. Das Fest der Toten und der Geister begeistert Kinder und Erwachsene gleichermaßen.
Doch wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Ein Mann und eine Frau waren unterwegs, um Halloween für ihre Zwecke auszunutzen. Ihr Ziel war ein kleiner Ort namens Ratley.
Dort wollten sie der Halloween-Nacht ihren blutigen Stempel aufdrücken ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Die Totmacher
Wendy Blaine schrie auf, als die Tür zu ihrem Zimmer heftig geöffnet wurde. Das elfjährige Mädchen packte sein Kissen und drückte es vors Gesicht. Dann zog es die Beine an, wobei es auf dem Bett so weit zurückrutschte, bis es die Wand am Rücken spürte.
Karen Blaine lief zu ihrer Tochter. „Meine Süße, was ist denn los mit dir?“
„Ich habe ihn gesehen.“
„Wen?“
Wendy zögerte mit der Antwort. Sie schielte zum Fenster hin. „Den Mann … mit dem Beil im Kopf.“
Karen Blaine schloss die Augen. Sie überlegte. Auf keinen Fall durfte sie lachen, denn ihrer Tochter war es mit dieser Aussage sehr ernst. Wendy gehörte zu den Kindern, die noch recht kindlich waren, einfach ihrem Alter entsprechend. Sie besaß noch kein Handy und auch keinen Computer, sie war jemand, die spielte und in dem großen Garten einen perfekten Platz dafür hatte. Wendy war jemand, die nachdenken konnte und sich auch ihre Gedanken machte.
Die Frau musste plötzlich lachen. Sie setzte sich zu Wendy aufs Bett. Mit beiden Armen umschlang sie den etwas pummeligen Körper ihrer Tochter.
„Kind, was hast du nur?“ Karen lachte. „Nein, das ist unmöglich. Du brauchst doch keine Angst zu haben und …“
„Habe ich aber.“
„Vor dem Mann mit dem Beil im Kopf?“
„Ja.“
Karen musste sich räuspern. „Weißt du, was wir heute haben?“
„Ja. Freitag.“
„Auch das. Aber für manche Menschen ist die kommende Nacht eine ganz besondere. Du hast es selbst schon bei deinen Freundinnen erlebt und auch gesehen.“
„Halloween?“
„Genau, mein Schätzchen, Halloween. Die Leute verkleiden sich. Sie wollen durch die Straßen und Orte ziehen. Sie klingeln an den Haustüren. Sie wollen die Menschen erschrecken und ihnen klar machen, dass die Nacht der Geister bevorsteht. Der alte Brauch kommt immer stärker in Mode. Auch wir haben die Kürbisse im Garten stehen und …“
„Aber du hast kein Beil im Kopf, Ma.“
„Das stimmt allerdings.“
„Eben. Ich habe den gesehen. Er hat sich … ich meine, er hat sich auf unserem Grundstück herumgetrieben. Ich konnte ihn vom Fenster aus sehen und er hat mich sogar angegrinst.“
„Das war ein Spaß, Wendy. Es gibt die verrücktesten Verkleidungen. Die Leute denken sich immer etwas anderes aus. Vor zehn oder zwanzig Jahren war noch alles sehr harmlos. Der alte Kult ist mittlerweile zu einem Überkult geworden. Mit den Ursprüngen hat er kaum noch etwas zu tun. Das ist alles von den Staaten her zu uns herübergeschwappt wie eine gewaltige Welle, die nicht nur unser Land erfasst hat, sondern auch das übrige Europa. In Frankreich, in Deutschland, Italien und den Niederlanden, wo auch immer, man feiert einfach Halloween. Grusel-Karneval, wie auch immer. Es ist eben modern geworden. Die Menschen suchen Zerstreuung. Gefürchtet haben sie sich schon immer gern. Das ist ein Phänomen.“
Wendy schaute ihre Mutter an und hörte ihr zu. Als sie geendet hatte und lächelte, schüttelte das Mädchen den Kopf. Es wollte demonstrieren, das es ihr nicht glaubte.
„Hier ist es anders.“
„Wiesodass denn?“
„Echt.“
„Bitte?“
„Der war echt“, sprudelte es aus dem Mund des Mädchens hervor. „Da kannst du sagen, was du willst. Der ist echt gewesen. Ich weiß das. Ich … ich … kann das unterscheiden.“
„Und wieso?“
Aus ihren blauen Augen schaute Wendy der Mutter ins Gesicht. „Keine Ahnung, ehrlich.“
Karen Blaine wusste nicht mehr, was sie noch sagen sollte. „Wenn das so ist“, meinte sie schließlich, „wäre es besser, wenn du im Haus bleibst. Oder zumindest nah am Haus.“
Das Mädchen bekam große Augen. „Willst du denn weg?“
„Ja.“
„Wohin?“
„Nur in den Ort, um einzukaufen. Wenn ich das erledigt habe, komme ich so schnell wie möglich wieder zurück. Das verspreche ich dir, Wendy.“
„Ehrlich?“
„Großes Ehrenwort.“
Wendy senkte den Blick. Immer wenn sie so schaute, überlegte sie, das wusste Karen.
„Gut, dann bleibe ich hier. Vielleicht gehe ich auch nach draußen, ich weiß es noch nicht.“
„Gut, aber bleib auf dem Grundstück.“
„Mach ich.“
Karen stand auf. „Es kann länger dauern, weil ich noch deinen Vater abholen muss.“
Auf Wendys Gesicht erschien ein Strahlen. „Kommt er denn heute schon aus London zurück?“
„Ja, einen Tag früher.“
„Toll.“
„Das meine ich auch. Aber wie gesagt, du kannst mitgehen.“
Wendy dachte nach. „Nein“, sagte sie schließlich, „das mache ich nicht. Ich muss ja noch meine Maske fertig anmalen. Die Freundinnen wollen kommen. Sie sind auch alle verkleidet. Wenn es dunkel wird, wollen wir dann durchs Dorf ziehen.“ Sie rutschte vom Bett und trat ans Fenster. „Das sieht komisch aus, da draußen.“
„Wieso?“
„Der Nebel.“
Karen Blaine lachte. „Nebel ist übertrieben.“ Sie trat hinter ihre Tochter und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Das ist nur ein leichter Dunst. Da wir in der Nähe des Bachs leben, konzentriert er sich hier besonders.“
„Und was ist mit heute Abend?“
„Nun ja, da wird er stärker. Haben sie zumindest in den Wetterberichten gesagt. Der zieht von Süden her nach Norden.“
„Hast du noch mehr über ihn gehört?“
„Wieso?“
„Über den Weg.“
Karen Blaine lächelte. „Ja, aber darum brauchen wir uns keine Gedanken zu machen. Mehr die Menschen im Großraum London. Dort ist der Nebel so dicht geworden, dass man nicht die Hand vor Augen sehen kann.“
Wendy überlegte und fragte dann: „Was ist denn mit den Flugzeugen? Können sie überhaupt landen?“
„Nein, das können sie nicht. Das ist unmöglich. Die Maschinen müssen dann eben ausweichen.“
„Das ist auch blöde – oder?“
„Ist es.“ Karen Blaine schaute auf ihre Uhr. „So, Kind, für mich wird es Zeit. Ich muss mich beeilen. Zum Glück kann Pa vom Zug in den Bus umsteigen und bis Ratley fahren. Das ist immer sicherer als mit dem Auto loszugondeln.“
„Was hat er denn in London gemacht?“
Karen winkte ab. „Irgendeine Gerichtssache, die wir beide wohl nicht verstehen. Du weißt ja, dass Pa Anwalt ist und zahlreiche Klienten hat. Manchmal muss er auch nach London.“
„Das möchte ich auch mal werden.“
„Dann streng dich an.“
Karen drückte ihrer Tochter zum Abschied noch einen Kuss auf die Stirn und zog sich zurück. Sie konnte Wendy verstehen. Auch sie war als Kind etwas ängstlich und zugleich nachdenklich gewesen. Auch hatte sie nichts gegen Halloween. Man kam einfach nicht daran vorbei, selbst als Erwachsener nicht. Aber sie dachte auch daran, dass die Menschen es in den letzten Jahren übertrieben hatten und mit ihren Verkleidungen immer verrückter wurden. Das musste nicht sein. Kinder und sogar Erwachsene erschreckten sich auch, wenn man sich nur schaurig anmalte. Und wer sich eine Axt in den Kopf steckte, der war nicht mehr ganz normal unter der Schädeldecke. Fand sie jedenfalls.
Der Honda stand vor dem Haus. Karen hatte sich noch die wollene Jacke übergestreift, die Einkaufstasche mitgenommen und setzte sich hinter das Lenkrad.
Die Blaines wohnten am Ortsrand von Ratley. Recht einsam und in einer trotzdem überschaubaren Umgebung.
Als sie startete, spürte sie den Druck in der Brust. Plötzlich gefiel es ihr nicht mehr, Wendy allein zu Hause zu lassen. Der Typ mit der Axt im Kopf hatte auch bei ihr einen leichten Schauder hinterlassen.
Doch es war Halloween. Da musste man großzügig sein und die Dinge eben anders sehen …
*
Auf einmal wurde es still im Haus!
Wendy war allein zurückgeblieben. Die Tür zu ihrem Zimmer stand offen und sie konnte in den Flur hineinschauen, der nicht eben in einem hellen Licht lag. Sie hatte das Gefühl, dass sich die Stille von dort in ihr Zimmer hineindrängte und sich in diesem Dämmerschein aus grauem Licht seltsame Gestalten bildeten.
Das Mädchen stand vor der offenen Tür. Es hatte seinen Mund verzogen. Es wünschte sich in diesem Fall riesige Ohren, um jedes Geräusch sofort wahrnehmen zu können.
Da war nichts.
Nicht einmal ein Knacken der alten Holzdielen, die ihr Vater vor zwei Wochen noch frisch gestrichen hatte.
Allmählich gewöhnte sich Wendy an die Stille. Und sie war sogar froh darüber, denn irgendwelche geheimnisvollen Geräusche hätten sie nur erschreckt.
Im Haus bleiben oder nach draußen gehen?
Eine Entscheidung fällte Wendy nicht. Sie musste erst noch nachdenken. Im Haus kam sie sich wie eine Gefangene vor. Draußen an der frischen Luft würde es anders sein, aber sie dachte auch an den Mann mit der Axt im Kopf. Bisher hatte sie ihn nur aus einer sicheren Entfernung gesehen. In seine Nähe kommen wollte sie nicht.
Er war nicht mehr da. Von ihrem Fenster aus schaute sie in den Garten hinein. Da gab es die große Wiese, auf der einige Obstbäume wuchsen. Kirschen, Äpfel und Birnen. Das alles musste sie vergessen. Erst im nächsten Jahr würden die Bäume wieder Früchte tragen. Jetzt war der Wind dabei, mit den gefärbten Blättern zu spielen, die keine Chance hatten, an den Ästen und Zweigen hängen zu bleiben. Die meisten von ihnen lagen bereits am Boden, um den bereits winterlich braun gewordenen Rasen unter sichzu begraben.
Das große Sterben hatte in der Natur begonnen und wenn sie an das Wort sterben dachte, bekam sie eine Gänsehaut.
Bis zum Bach konnte sie sehen. Daran hinderte sie auch nicht der...
| Erscheint lt. Verlag | 25.11.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4088-2 / 3838740882 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4088-1 / 9783838740881 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopierschutz. Eine Weitergabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persönlichen Nutzung erwerben.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich