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John Sinclair 1294 (eBook)

Der kopflose Engel

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7325-2227-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1294 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Der kopflose Engel.

Der kopflose Engel war ein Phänomen, zu dem sich Mabel Denning stets hingezogen fühlte. Doch als sie erkannte, dass der Engel ihr Gesicht besaß, bekam sie Angst. Plötzlich war ihr klar, dass mehr hinter dieser Figur steckte und es zwischen ihnen einen Zusammenhang gab.

Es stimmte. Als Mabel das herausfand, lernte sie das Grauen kennen, denn mit dem Engel kehrte auch ihr verstorbener Vater zurück, der sie in sein kaltes Reich holen wollte ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Der kopflose Engel


„Sie sind schon wieder hier?“, fragte der Küster und bemühte sich, ein Lächeln zu zeigen.

Mabel Denning nickte nur. Es war ihr nicht möglich, zu sprechen. Sie hielt die Lippen zusammengepresst. Die Angst hatte sich wie ein Band um ihrem Hals festgekrallt. Dabei gab es hier nichts, vor dem sie Angst haben konnte, aber dieses verdammte Gefühl wollte trotzdem nicht weichen.

Der Küster stand im Licht der Lampe, deren Schein auch Mabel erreichte.

„Was ist mit Ihnen, Mabel? So habe ich sie noch nie erlebt. Was ist Ihr Problem?“

Die Wahrheit konnte sie nicht sagen. Die hätte man ihr nicht abgenommen. Sie wäre ausgelacht worden. Niemand würde ihre Angst verstehen, sie selbst begriff sie auch nicht. Nur hatte der Küster ein Recht darauf, eine Antwort zu bekommen, und zum Glück fiel ihr eine Ausrede ein.

„Ich bin erkältet“, brachte sie mühsam über die Lippen. „Sie müssen schon entschuldigen …“ Um ihren Zustand zu verdeutlichen, begann sie zu husten.

Der hagere Mann mit dem kurz geschnittenen Haar nickte. „Ja, so etwas kenne ich. Von meiner Großmutter habe ich das perfekte Hausmittel noch im Schrank. Wenn Sie wollen, gebe ich Ihnen gern einige Tropfen davon. Sie helfen wirklich.“

„Das glaube ich Ihnen gern. Aber ich möchte …“, sie hustete wieder und beugte sich dabei vor, „ … in die Kirche.“

„Klar. Unserem Herrgott macht die Erkältung eines Menschen wirklich nichts aus.“

„Ja, so ist es.“

Der Küster war zufrieden. Er tastete in der Hosentasche nach dem Schlüssel, dann zog er die Haustür zu und ging als Erster den schmalen Weg entlang, der wie eine blasse Schnur in das Grau der Dämmerung hineinführte.

Mabel fröstelte. Sie ging geduckt. Das Kopftuch hatte sie am Hals zusammengeknotet und fest um ihr Haar geschlungen. Typisches Novemberwetter begleitete sie. Es war feucht und kühl, und man konnte das Gefühl haben, dass es nieselte, doch es waren nur feuchte Nebelschwaden, die gegen sie trieben.

Mabel Denning hatte sich etwas verspätet. Sie war ein Mensch, der gern am Tag in die Kirche ging. Während der Dunkelheit und auch schon zu Beginn der Dämmerung war ihr das kleine Gotteshaus immer etwas unheimlich. Da hatte sie jedes Mal das Gefühl, lebende Schatten zu sehen. Unheimliche Gestalten, die um sie herumkreisten. Dämonen und Geister aus der Welt der Finsternis, die nicht mehr nur als Figuren an der Kirchenmauer existent waren, sondern den Weg ins Innere der Kirche gefunden hatten. Es war natürlich Unsinn. So etwas gab es nicht. Schließlich war die Kirche ein Bollwerk gegen den Teufel und seine Helfer, aber die Gedanken kamen ihr doch immer wieder.

Sie verschwanden erst, wenn sie ihr eigentliches Ziel in der Kirche erreicht hatte.

Es gab hier keinen prächtigen Eingang, sondern mehr eine Pforte, die der Küster erst aufschließen musste. Er fasste wieder in die Tasche und holte den Schlüssel hervor. Dabei schüttelte er den Kopf und gab einen Kommentar ab.

„Früher ist das alles nicht nötig gewesen. Aber heute muss man sogar die Kirchen abschließen, nachdem sie immer wieder von Einbrechern besucht werden. Hier ist das auch passiert, verdammt.“

„Die Zeiten ändern sich auch wieder.“

„Glauben Sie das?“, fragte der Küster und zog die Kirchentür auf. „Ich bin da skeptisch.“

Mabel Denning zuckte mit den Schultern und ging an dem Küster vorbei. Sie bekam noch den Schlüssel in die Hand gedrückt, denn der Küster wusste, dass sie ihn wieder zurückbringen würde.

Auch jetzt fragte er nicht nach, was die Frau so oft in die Kirche trieb. Irgendwann würde sie es ihm sagen. Dann blieb noch genug Zeit, um darüber zu reden.

Sie ging mit kleinen und zögernden Schritten, obwohl sie es kaum erwarten konnte, ans Ziel zu gelangen. Wie immer empfand sie einen besonderen Schauer. Ihr Kopf füllte sich mit düsterer Orgelmusik, obwohl keine Orgel spielte. Durch die schmalen und nicht sehr hohen Fenster krochen die Schatten, breiteten sich aus, erreichten den Altar und legten sich über ihn wie ein düsteres Leichentuch, als wollten sie beweisen, dass sie die Herren in diesem Gotteshaus waren.

Mabel blieb stehen.

Das Gefühl der Angst war zwar nicht gewichen, es hatte sich nur verändert. Jetzt stieg eine düstere Ahnung in ihr hoch. Sie glaubte daran, dass etwas vor ihr lag, das sie in Schrecken versetzen würde. Sie merkte, dass es kalt ihren Rücken hinablief. Sie schüttelte einige Male den Kopf, denn sie suchte die Bänke ab, ob sich darauf jemand aufhielt.

Keiner war da. Es gab nur sie. Mabel schaute sich wieder um. Sie glich einer Fremden, die zum ersten Mal die Kirche betreten hatte.

Als ihr Blick über die kahlen Wände streifte, konnte sie die Stellen einfach nicht übersehen, an denen sich die Schatten hielten, die völlig normal waren, ihr allerdings vorkamen wie dämonische Gestalten aus einer anderen Welt.

Ihr Herz klopfte schneller.

Du musst frei werden!, hämmerte sich Mabel ein. Du darfst dich nicht verrückt machen lassen! Es ist alles bisher günstig für dich gelaufen. Du musst auch den Tod deines Vaters vergessen. Es gibt nichts, was dich ängstigen könnte, auch er nicht, denn er gehört zu dir. Er befindet sich hier in der Kirche. Er wartet auf dich. Nur seinetwegen bist du gekommen.

Es stimmte alles, was sie sich einredete. Trotzdem konnte sie ihren Zustand nicht verändern.

Wenn sie weiter nach vorn ging, würde sie den Altar erreichen. Da wollte sie nicht hin. Ihr Besuch in der Kirche hatte einen ganz anderen Grund.

Es ging um den Engel!

Er war der einzige Grund. Und er war auch einmalig. Nicht, weil er als einzige Figur sich hier in der Kirche aufhielt, es gab noch einen anderen, ganz speziellen Grund für sie. Deswegen kam sie so oft wie möglich her, um ihn sich anzuschauen.

Der Engel besaß ihr Gesicht!

Schrecklich, wunderbar, auch schaurig. All diese Eigenschaften passten dazu.

Ein Engel mit ihrem Gesicht!

Mabel dachte daran, wie sie die Kirche zum ersten Mal betreten und den Engel gesehen hatte. Zuerst war sie erschrocken gewesen. Dann hatte sie es akzeptiert, war aber weggelaufen und hatte sich eine ganze Weile nicht wieder in die Kirche getraut.

Später war sie dann hingegangen und glaubte daran, dass der Engel wirklich schön war. Er bestand zwar aus Holz, trotzdem wirkte sein Körper auf sie nicht so starr, sondern eher fließend.

Am Altar fand sie ihn nicht. Um ihn zu sehen, musste sie nach links gehen, denn dort wurde das Grau der Dunkelheit, das sich immer in dieser Wandnische sammelte, vom Schein der Kerzen unterbrochen, die ihr Licht gegen diese einmalige Figur warfen.

Es hatte ihr das Gesicht des Engels gezeigt. Durch das Licht hatte sie erfahren, wie sehr diese Figur ihr glich. Das war einfach wunderbar gewesen. Sie liebte es plötzlich, diesen Engel zu sehen, und sie hatte dabei das Gefühl, dass er ihr Kraft einflößte.

Auch heute.

Weg mit der Angst!

Sich wieder erneuern. Keine bedrückenden Gefühle mehr, die sie in der letzten Zeit überfallen hatten und von denen sie nicht wusste, woher sie stammten.

Es gab einen Grund, doch der hatte nichts mit dem Engel zu tun, da war sie sicher.

Sehr langsam drehte sie sich herum. Mabel trug einen hellen, gefütterten Mantel. Er hatte die Feuchtigkeit aufgenommen und gab sie jetzt ab. Sie nahm den leicht muffigen Geruch wahr und zog einige Male die Nase hoch.

Allmählich schälte sich die Nische aus dem allgemeinen Dunkel hervor. Sie sah die beiden Kerzen, deren Flammen in die Höhe gerichtet waren und so starr wie Finger aussahen. Es gab keinen Luftzug, der sie bewegt hätte. Beide Kerzen standen etwa 80 Zentimeter auseinander und bildeten den Rahmen für die an der Wand hängende Engelsfigur.

Mabel ging auf die zu.

Sie hörte nicht auf ihre schlurfenden Schritte, der Blick richtete sich nach vorn. Sie dachte an nichts mehr, denn jetzt war für sie einzig und allein der Engel wichtig.

Ja, da hing er.

Ihre Lippen zuckten leicht unter dem Lächeln. Mabels Augen begannen zu glänzen. Die hatten mittlerweile die Figur erreicht, die sie eigentlich hätte froh machen sollen.

Heute nicht …

Das wiederum sorgte bei ihr für einen neuen Angstschub.

Warum? Warum habe ich dieses Gefühl? Es ist doch alles in Ordnung, das weiß ich.

Weitergehen! Sie trieb sich an. Setzte einen Fuß vor den anderen. Verkürzte die Entfernung und sah den Engel jetzt deutlicher. Er hing an der Wand, und es war für sie noch immer wie ein kleines Wunder, ihn überhaupt zu sehen.

Etwas stimmte nicht mit ihm …

Mabel blieb stehen. Sie traute sich plötzlich nicht mehr weiter. Wieder beschleunigte sich ihr Puls. Schweiß bildete sich unter dem Kopftuch in Halshöhe auf ihrer Haut. Eine innere Stimme war plötzlich zu hören, die Mabel warnte.

„Lauf weg – lauf lieber weg …“

Nein, sie blieb. Der Engel war für sie. Die Figur stand in direktem Zusammenhang mit ihr, und es gab wirklich keinen Grund, davonzulaufen.

Wieder gab sie sich einen Ruck. Noch wenige Schritte, dann …

Nein, sie ging nicht so nahe heran wie sonst. Der Abstand blieb größer, und ihre Augen weiteten sich in Zeitlupe. Der Mund öffnete sich ebenfalls, aber Mabel war nicht in der Lage, zu schreien.

Der Schreck hatte sie wie ein brutaler Hammerschlag getroffen. Es war Wahnsinn, was sie dort sah.

An der Wand hing der Engel. Doch Mabel sah nur seinen Torso. Jemand hatte ihm den Kopf abgeschlagen …

*

Die Angst, die Vorahnung, die kriechende Furcht, dieses...

Erscheint lt. Verlag 18.11.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-7325-2227-X / 373252227X
ISBN-13 978-3-7325-2227-9 / 9783732522279
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