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John Sinclair 1363 (eBook)

Hexen, Witwen und Assunga

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4109-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1363 - Jason Dark
Systemvoraussetzungen
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Hexen, Witwen und Assunga.

Das vor dem offenen Grab stehende Ehepaar sah nicht, welche Gestalt sich ihm näherte. Zu sehr waren beide Menschen in tiefer Trauer versunken. Bis die Gestalt ein Messer zog und es dem Mann ohne Vorwarnung tief in den Rücken rammte.

Die junge Frau blieb am Leben, denn sie sollte an Stelle der Toten in das Reich der Schattenhexe Assunga eingehen ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Hexen, Witwen und Assunga


Die letzten Gäste der Beerdigung waren soeben verschwunden, als etwas Grauenvolles geschah.

Nur noch ein Paar stand vor dem Grab und schaute auf den Sargdeckel, auf dem einige Rosen lagen, zum Teil verdeckt von braunem Lehm, der feucht glänzte, als hätten ihn die Tränen der Trauernden benetzt.

Die Gestalt mit dem Messer sahen weder der Mann noch die Frau. Sie schlich sich an die beiden Wartenden heran und nutzte geschickt die natürlichen Deckungen des Friedhofs …

Es war auf den ersten Blick nicht zu erkennen, ob es sich bei dem Heranschleichenden um einen Mann oder eine Frau handelte. Jedenfalls trug die Person einen langen grauen Mantel.

Sie bewegte sich nicht schnell, aber zielsicher. Sie würde sich durch nichts von ihrem Weg abbringen lassen.

»Jetzt ist sie tot«, flüsterte die Frau am Grabrand. Sie drängte sich instinktiv gegen ihren Partner, als befürchtete sie, dass der Sensenmann schon lauerte und sie als Nächste holte.

Der Mann nickte. »Die guten trifft es immer zuerst. Meine Mutter war wirklich eine besondere Frau. Sie hat alles gegeben und gekämpft, Lilian.«

»Ja, das hat sie.« Lilian Wayne gab die Antwort mit gepresster Stimme. Auch sie hatte ihre Schwiegermutter gemocht, was nicht unbedingt alltäglich war. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. »Aber das verdammte Schicksal war stärker.«

»Sei froh, dass sie erlöst ist. Sie selbst hat es so gewollt. Sie musste einfach loslassen. Sie wollte nicht mehr kämpfen.« Fred Wayne hob die Schultern. »Sie wird nicht vergessen werden.«

»Bestimmt nicht.«

Der Wind wehte über den Friedhof. Er schien die Seele der Verstorbenen mit sich zu tragen, denn Lilian hatte den Eindruck, als würde die Stimme der Schwiegermutter eine tröstliche Nachricht in ihre Ohren flüstern.

Für sie und ihren Mann ging das Leben weiter. Das forderte sie. Ihr Beruf war hart genug. Fred war Kaufmann, seine Frau genau das Gegenteil. Das harte Geschäft war nicht ihr Fall. Sie gehörte zu den Menschen, die hinter die Dinge schauen wollten, um herauszufinden, ob bestimmte Vorgänge auch so geschehen waren, wie man sie beschrieb. Historiker und Esoteriker suchten einen gemeinsamen Weg, auf dem sie sich treffen konnten.

Lilian Wayne gehörte mehr zu den Esoterikern. Sie beschäftigte sich mit der Rolle der Frau in der Vergangenheit. Sie wollte erfahren, ob diese Frauen, denen man gewisse Kräfte nachsagte, tatsächlich welche besaßen.

Den Begriff Hexen vermied sie, wann immer es ging. Sie sprach dann mehr über die weisen Frauen, die das Wissen der Alten übernommen hatten. Genau das interessierte sie.

Als sie jetzt vor dem Grab stand und einen langen traurigem Blick aus verweinten Augen auf den Sarg warf, da bewegten sich ihre Gedanken in eine andere Richtung. Sie hatte davon gehört, dass es möglich war, mit Toten Kontakt aufzunehmen, und die Idee, dies bei ihrer Schwiegermutter zu versuchen, wollte ihr nicht aus dem Kopf.

Mit ihrem Mann hatte sie darüber nicht gesprochen, aber sie hatte bereits nachgeforscht und …

Ein Geräusch riss sie aus ihren Gedanken. Es klang leise auf, hörte sich in der Stille des Friedhofs aber lauter an. Ein zischender Atemzug, ein dumpfer Schlag, dem ein Stöhnen folgte, das nicht von ihr stammte.

Sie drehte sich ihrem Mann zu.

Das Entsetzen sprang sie an wie eine Flamme. Fred stand noch neben ihr. Nur hatte sich seine Haltung versteift und war völlig unnatürlich geworden.

Dafür gab es einen Grund.

In seinem Rücken, genau zwischen den Schulterblättern, steckte ein Messer …

*

In diesen schrecklichen und auch so unglaublichen Momenten schien die Zeit still zu stehen.

Plötzlich hatte der Tod ein Gesicht bekommen, und es war das Gesicht ihres Mannes. Es hatte sich in eine starre Fratze verwandelt und veränderte sich auch in den nächsten Momenten nicht, denn es schien an jeder Stelle eingefroren zu sein.

Hammerschläge tobten durch Lilians Brust. Es war ihr eigenes Herz, das sich auf diese Art und Weise meldete. In ihrem Inneren stieg die Hitze hoch, und doch war ihr Gesicht kalkbleich geworden und nicht gerötet. Sie wollte an einen Traum glauben, der sich zeigte, obwohl sie nicht eingeschlafen war. Zu irreal und überzogen schien ihr alles zu sein, und über den gesamten Friedhof hatte sich eine Glocke des Schweigens gelegt.

Bis Fred aufstöhnte!

Da wusste sie, dass es kein Traum war, sondern die verfluchte Wirklichkeit.

Und sie sah noch mehr.

Durch die Gestalt ihres Mannes lief ein Zittern. Er würde sich nicht mehr lange auf den Beinen halten können. Sein Körper fiel sehr langsam, wie magnetisch durch das Grab angezogen. Das aus seiner Kehle dringende Röcheln hörte sich so schrecklich an, aber sie wollte nicht, dass ihr Mann auf dem Sarg seiner Mutter kippte.

Sie reagierte, ohne es genau nachvollziehen zu können. In diesen Sekunden wuchs sie über sich selbst hinaus.

Fred fiel nach vorn.

Blitzschnell griff Lilian zu.

Bevor er in das Grab stürzen konnte, fasste sie seinen Körper mit beiden Händen an. Er war so verdammt starr, doch das nahm sie nur wie nebenbei wahr.

Lilian Wayne fasste hart zu und riss ihren Mann vom Rand des Grabs weg. Er lag schwer in ihren Armen. Wenn sie jetzt losließ, wäre er auf den Rücken gefallen. Dann wäre die Klinge durch den Gegendruck noch tiefer in seinen Körper gedrungen.

Genau das wollte sie nicht.

So behutsam es ging, ließ sie ihren Mann zur Seite gleiten und bettete ihn in die Seitenlage. Sie wollte, dass er sich nicht bewegte, dass sie Hilfe holen konnte. Sie sah so gut wie kein Blut am hellen Burberry, und das wiederum gab ihr eine gewisse Hoffnung.

»Bitte«, flüsterte sie, »bitte, Fred, du darfst nicht sterben. Du musst noch leben. Ich habe nur dich – bitte …«

Diese Worte waren wie ein Gebet, und Lilian hoffte, dass sie erhört wurde. Sie hoffte auch, dass Fred in dieser Haltung bleiben würde, denn sie brauchte beide Hände, um ihr Handy hervorzuholen. Jetzt war es wichtig, dass sie telefonierte. Hilfe musste so schnell wie möglich kommen, sonst gab es für Fred keine Chance mehr.

Der schmale Apparat rutschte ihr aus der Hand, als sie neben ihrem Mann hockte. Sie hob das Handy auf und hatte jetzt den Eindruck, alles nur durch einen Schleier zu sehen, den der Tod bereits vor sich hergeschoben hatte.

Sie wollte den Notruf wählen, aber es kam anders.

Plötzlich war der Fuß dar. Der Tritt folgte. Er erwischte ihrer Hand, und es war ihr unmöglich, das Handy noch halten zu können. Es landete abermals auf dem mit Grasbüscheln dekorierten Boden, und als sie noch mal zugreifen wollte, da spürte sie den harten Druck des Fußes auf ihrer Hand.

»Lass es sein!«, befahl die Frauenstimme!

*

Der nächste Schock für Lilian. Wieder erstarrte sie. Es war ja auch nicht mehr möglich, Atem zu holen. In dieser Zeitspanne hatten sämtliche Widerstandskräfte ihren Körper verlassen. Nur den Schmerz auf ihrem Handrücken spürte sie noch.

Er biss hoch in den Arm. Wenn der Druck noch ein wenig verstärkt wurde, brachen die Knochen. Ein leises Wimmern unterbrach die Stille. Lilian brauchte Sekunden, um zu wissen, dass sie es war, die das Geräusch von sich gegeben hatte.

»Verstanden?«, fragte die fremde Stimme.

»Ja«, würgte Lilian hervor.

»Gut.«

Der Druck löste sich von ihrem Handrücken. Der Schmerz allerdings wirkte noch nach, sodass sich die Hand anfühlte, als wäre sie im Feuer getauft worden.

Lilian Wayne wagte nicht, ihren Kopf so zu heben und zu drehen, dass sie der Fremden ins Gesicht schauen konnte. Diese Unperson sollte für sie gesichtslos bleiben. Sie rechnete damit, dass auch sie sterben musste und wartete darauf, dass eine Messerklinge in ihren Körper eindringen würde.

Das passierte jedoch nicht.

Die Zeit verstrich. Es tat sich nichts, aber sie hörte auch nicht, dass sich die fremde Personen entfernte.

»Komm hoch!«

Lilian zögerte. Es war die Realität, doch sie war ihr entronnen. Sie wollte nicht mehr. Liegen bleiben neben ihrem Mann. Mit ihm zusammen sterben. Das ging ihr durch den Kopf, und wieder wurden die Gedanken durch einen harten Befehl unterbrochen.

»Hoch mit dir!«

Lilian wusste jetzt, dass ihr nichts anderes übrig blieb. Nach einem tiefen Atemzug schaffte sie es, sich in die Höhe zu drücken, und sie kam sich dabei vor wie eine alte Frau. All ihre Glieder und Knochen schmerzten. Sie merkte auch den Schwindel, und die Umgebung verschwamm vor ihren Augen.

Als sie endlich stand, hatte sie den Wunsch, wegzugehen. Aber sie wusste, dass sie es nicht schaffen konnte, weil ihre Beine so unendlich schwer waren.

Sie schaute nicht in das Grab, sie wollte auch ihren Mann nicht sehen und ließ zudem den Gedanken nicht zu, dass sie an diesem Tag Schwiegermutter und Ehemann verloren hatte.

Alles war anders geworden. Sie stand in der normalen Welt und fühlte sich ihr trotzdem entrissen.

Allmählich klärte sich der Blick wieder. Der Hintergrund trat zurück, und nur der Vordergrund wurde für sie wichtig.

Dort sah sie die Frau, die Mörderin!

Grau sah sie aus. Es mochte an dem langen Mantel liegen, in den sie ihren Körper gehüllt hatte. Sie besaß ein Gesicht, aber Lilian konnte nicht sagen, wie es aussah. In ihrer Umgebung wirkte noch immer alles so fremd und nicht von dieser Welt. Die Realität empfand sie als einzige Bedrohung.

Die Fremde schaute sie an. Kalte Augen beherrschten das Gesicht. Der Mund war geschlossen, und auch beim Sprechen wurde er kaum geöffnet.

...

Erscheint lt. Verlag 2.12.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-4109-9 / 3838741099
ISBN-13 978-3-8387-4109-3 / 9783838741093
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