John Sinclair 1354 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4100-0 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Höllenflucht.
Godwin de Salier, der Templerführer, war glücklich. Er war der rechtmäßige Besitzer des Templerschatzes geworden. Jetzt galt es nur noch, ihn zu transportieren.
Es war eine verdammt weite Strecke bis zur Ostküste, um ihn von dort nach Frankreich zu schaffen.
Von mir bekam er volle Unterstützung. Beide steckten wir voller Optimismus und ahnten nicht, dass sich jemand auf den Weg gemacht hatte, um uns den Schatz abzujagen.
Vincent van Akkeren, der Grusel-Star!
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Höllenflucht
Lillian Dexter wusste nicht, ob sie vor Angst schreien oder das Grauen in sich hineinfressen sollte. Das Schreien würde ihr nichts einbringen. In dieser einsamen Gegend würde sie niemand hören. Und so drang weiterhin nur das jämmerliche Wimmern aus ihrem Mund.
Genau dies wurde von anderen Lauten übertönt. Es schmatzte, es gurgelte und schwappte unter ihren Füßen. Unheimliche Geräusche irgendwelcher Aliens, die irgendwo in der Tiefe lauerten und blitzschnell eine Chance ergriffen, um gierig zuzuschnappen.
So kam es Lilian Dexter manchmal vor. Doch genau das stimmte nicht. Es gab keine Aliens. Sie befand sich in keiner anderen Welt. Man hatte sie nicht auf einen fremden Planeten geschleppt, auch wenn ihr die Umgebung manchmal so vorkam.
Es war die normale Erde, auf der sie sich befand und die so vielfältig war. Und dazu gehörte auch der Sumpf, über dem sie schwebte und damit in einer tödlichen Falle steckte.
Schweben war nicht der richtige Ausdruck. Schweben konnte ein Engel. Sie aber hing und spürte das eigene Gewicht in ihren Oberarmen und Schultern.
Es war eine Folter, die sie sich nie hätte vorstellen können. Lilian wollte es auch jetzt nicht richtig glauben. Sie versuchte noch immer, sich vorzustellen, dass alles nicht stimmte. Da irrte sie sich. Es passte, sie hing mit ihren Füßen tatsächlich über der blubbernden und schmatzenden Masse Sumpf, die so gnadenlos war wie nichts auf dieser Welt. Wen der Sumpf sich einmal geholt hatte, den ließ er nicht mehr los.
Lilian Dexter war hierher geschleppt worden. Sie kannte die Person nicht mal, die sie geholt hatte. Sie war plötzlich bei ihr gewesen. Dann war alles blitzschnell gegangen. Der klassische Überfall. Das Betäubungsmittel, das sie hatte einatmen müssen. Danach war die Welt um sie herum versunken. Sie war erwacht in einer fremden Umgebung und in einer Lage, die selbst nicht mehr beherrschte. Wobei sie nicht mal wusste, wer ihr das angetan hatte.
Allerdings brauchte sie die Beine nur etwas zur Seite zu strecken, um Halt zu finden. Aus der schlüpfrigen Masse ragte ein abgestorbener Baumstumpf hervor, der ihren Füßen einen leichten Halt gab, damit die Schmerzen in den Schultern nicht mehr so schlimm waren.
Für Lilian war eine Welt zusammengebrochen. Nicht jetzt, sondern schon vorher. Sie hatte erleben müssen, dass man Orry, ihren Partner und Freund, ermordete. Der Täter war jemand gewesen, der gar nicht mehr hätte leben dürfen. Der uralte Kapitän eines Segelschiffs, das im Mittelalter mit seiner Fracht gesunken war.
Sie wusste dies. Sie hatte auch erlebt, dass drei Fremde gekommen waren, um dem unheimlichen Spuk um das Templergold ein Ende zu bereiten. Lilian hatte auch gedacht, es überstanden zu haben, doch dies war ein Irrtum gewesen.
Sie hatte es nicht überstanden.
Der alte Fluch hatte sie eingeholt, und dieser alte Fluch wurde von einer ihr fremden Person getragen, die für dieses Grauen gesorgt hatte.
Wie lange noch? Wie lange sollte sie in dieser verzweifelten Lage noch hängen? Und was wollte man von ihr? So sehr sie auch nachdachte, sie war sich keiner Schuld bewusst. Lilian konnte sich einfach nicht vorstellen, dass man ihr ans Leben wollte. So etwas durfte nicht sein. Sie hatte keinem Menschen etwas getan. Okay, sie war mit Orry zusammen gewesen, der sich als Mörder herausgestellt hatte, um sein Ziel zu erreichen. Er war gierig gewesen. Die Sucht nach dem Gold hatte ihn seine Moral vergessen lassen. Er wollte nur reich werden. Egal wie. Geld, Macht, das hatte er sich in den Kopf gesetzt und hatte letztendlich mit dem Leben bezahlen müssen, denn ihm gehörte der Schatz der Templer nicht. Er war erst gar nicht an ihn herangekommen. Er hatte nicht in der alten Truhe wühlen können, die den Untergang des Schiffes überstanden hatte.
Alles war anders geworden. Die Welt hatte sich für Lilian Dexter auf den Kopf gestellt.
Sprechen konnte sie nicht mehr. Nur das Jammern verließ ihren Mund. Ihre Arme spürte sie nicht, und sie wünschte sich, bewusstlos zu werden. Aber dieser Wunsch wurde ihr nicht erfüllt.
So schaute sie weiterhin nach vorn, wenn sie die Augen mal wieder geöffnet hatte.
Es war heller Tag, auch wenn es nicht danach aussah. Über dem Sumpf war es ständig feucht, und so hatten sich auch Nebelschwaden bilden können, die wie dünne, graue Tücher über das Gelände hinwegstreiften. Sie sorgten dafür, dass diese Umgebung so verschwommen wirkte. Nichts war mehr klar zu erkennen. Die alten Bäume, zum Großteil verfallen, sahen an manchen Stellen aus wie krumme Riesen, die sich unter der Last ihrer Existenz gebeugt hatten.
Das Wasser bildet eine glatte Fläche. Braun und dunkelgrün schimmerte sie. Grasinseln wuchsen aus ihr hervor wie kleine Hügel, die einem Menschen Sicherheit vorgaukelten. Wehe aber, wenn er sie betrat. Sie würden sein Gewicht niemals halten, sondern dafür sorgen, dass ihn die gnadenlose Masse in die Tiefe zog.
Sie fragte sich, was man mit ihr vorhatte. Würde der Unbekannte irgendwann erscheinen und sie aus dieser Lage befreien?
Wenn ja, was geschah dann? Ein Schnitt reichte, um die Fesseln an den Händen zu lösen. Dann war der Halt über ihr an diesem noch recht starken Ast verschwunden. Sie würde in den Sumpf fallen, dessen gierige Hände sie in die Tiefe zerren würde.
Lilian Dexter hatte geweint. Sie hatte geschrien. Sie hatte sich sogar hektisch bewegt und so versucht, für ein Brechen des Astes zu sorgen. Es war ihr nicht gelungen. Der Ast über ihr war zu stark und auch noch zu gesund.
Und jetzt?
Es war schrecklich, auch wenn sie die Füße gegen den alten Baumstumpf stemmen konnte und so ab und zu einen entsprechenden Halt bekam. Doch dieser Halt war so trügerisch wie die gesamte Umgebung, die sie als eine einzige Todesfalle ansah.
Niemand hatte ihr gesagt, wie lange sie hier in dieser Lage hängen bleiben würde. Und ob überhaupt noch jemand kam, um sie zu befreien. Hier in dieser Einsamkeit würde sie niemand finden. Welcher Mensch traute sich schon in den Sumpf hinein? Und es gab auch keine Menschen, die sich um ihr Schicksal kümmerten. Sie gehörte nicht zum Ort. Sie und Orry waren Fremde gewesen, die sich nur einquartiert hatten. Also würde sie hier sterben können, ohne dass es irgendeinem auffiel.
Irgendwann würde Schluss sein und auch ihre Kraft nachlassen. Dann war sie am Ende.
Wieder sackte sie in die Knie. Es war Lilian schon lange nicht mehr möglich, die Beine ausgestreckt zu halten, doch die Fesseln sorgten dafür, dass sie sich nicht hinknien konnte. So blieb sie weiterhin in ihrer Haltung und konnte nur auf das Ende warten.
Auf den Tod!
Auf ein Ende, wie sie es sich nie in ihrem Leben hatte vorstellen können. Und ihr kam immer öfter der Gedanke, wie es wohl sein würde, wenn sie erstickte?
Diese Vorstellung allein war schrecklich. Sie wollte auch nicht daran denken, aber die Gedanken, getrieben von Angst, ließen sich nicht einfach zur Seite schieben.
So wartete sie weiter. Ausgelaugt, völlig fertig und mit ihren Nerven am Ende.
Das Umfeld sah ganz anders aus. Es dunkelte ein. Zu viel Zeit war bereits verstrichen. Die Umrisse – durch den Dunst sowieso nicht klar hervorstechend – mischten sich allmählich zu einer grauen Masse zusammen. Die Welt war nicht mehr die Gleiche. Alles blieb hinter diesem Vorhang zurück.
Dafür kam die Angst.
Sie war das schleichende Gift. Dieses unheimliche Grauen, das sich nicht stoppen ließ. Wie ein Brandmal hatte sie die Furcht erfasst und sorgte dafür, dass sie kaum noch Luft zum Atmen bekam. Lilian hatte das Gefühl, würgen zum müssen, was sie letztendlich auch tat. Aber sie schaffte es nicht, sich zu erbrechen.
Die Schwankungen ihres Körpers verstärkten sich. In immer kürzeren Abständen traten sie auf. Da half es auch nichts, wenn sie die Füße auf dem Baumstumpf abstemmte. Er bot ihr eine nur sehr trügerische Sicherheit und nicht mehr.
Wieder rannen ihr Tränen aus den Augen. Sie war nicht mehr dazu in der Lage, etwas zu sagen. Die Kehle saß zu. Die Schwäche verstärkte sich in ihrem Körper, und manchmal hatte sie sogar das Gefühl, wegzufliegen und wie ein Engel über die Oberfläche zu gleiten, bis tief hinein in andere Welten, die ihr Rettung versprachen.
Der Sumpf meldete sich weiter. Dass Gurgeln und Schmatzen unter ihren Füßen hörte nicht auf. Sie sah die Blasen, die sich an der Oberfläche gebildet hatten. Sie stiegen hoch und zerstoben mit platzenden Lauten. Der faulige Geruch umschwebte ihre Nase. Er wehte an ihrem Mund entlang. Sie atmete ihn ein, wenn sie die Lippen öffnete, aber das machte ihr schon alles nichts mehr aus. Sie hatte sich daran gewöhnt.
Immer dann, wenn sie aus ihrem Zustand herausgerissen wurde, zuckte sie wie unter einem Peitschenhieb zusammen. Dann schnellte ihr Kopf in die Höhe, und sie öffnete auch wieder die Augen. Es war der Reflex darauf, dass sie aus dem Dämmerzustand gerissen worden war.
Wie auch jetzt!
Als hätte man ihr ein säuberndes Wasser in die Augen geträufelt, war es ihr plötzlich möglich, etwas zu erkennen. Vor ihr lag der Sumpf in einer seltenen Klarheit. Selbst der Nebel schien sich zurückgezogen zu haben, und so sah sie den Mann und das Boot!
Eine Täuschung!, dachte Lilian. Das ist eine verdammte Täuschung. Man macht mir etwas vor. Man will mich fertig machen. Man will mir noch mal den Himmel zeigen, bevor die Hölle richtig zuschlägt.
Aber sie drehte den Kopf nicht weg, und sie sah, dass sie tatsächlich Besuch bekam. Der Mann hockte in einem Boot, das schon mehr einem Nachen glich, weil es so flach war. Um es zu bewegen, hielt er eine lange...
| Erscheint lt. Verlag | 2.12.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4100-5 / 3838741005 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4100-0 / 9783838741000 |
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