John Sinclair 1349 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4095-9 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Lilians tödlicher Blumenzauber.
Die fünfzehnjährige Daisy Corner war aus unerklärlichen Gründen erstickt. Kein Arzt hatte eine Diagnose finden können.
Maxine Wells hatte das junge Mädchen gekannt. Sie wollte ihm die letzte Ehre erweisen und besuchte sie in der Leichenhalle, in der Daisy im offenen Sarg aufgebahrt war.
Als Maxine die Tote sah, erwischte sie der Schock!
Aus dem Gesicht der Leiche wuchsen Blumen - kleine Lilien ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Lilians tödlicher Blumenzauber
Steif wie ein Brett lag die Leiche im offenen Sarg! Daisy Corner war nur 15 Jahre alt geworden. Ein lebensfroher Teenager, und dann dieser grauenvolle Unfall. Wobei manche Menschen nicht unbedingt von einem Unfall sprachen, auch einige Ärzte nicht, denn Daisy Corner war erstickt.
Wie das hatte passieren können, wusste niemand. Es war jedenfalls geschehen, und so hatte das junge Mädchen mit seinem Tod noch ein weiteres Rätsel hinterlassen …
An Daisys Tod dachte auch die Tierärztin Maxine Wells, die das Mädchen vor der Beerdigung noch mal besuchen wollte. Beide hatten sich gut gekannt, denn Daisy war hin und wieder mit ihren Katzen zu Maxine gekommen, um sie untersuchen zu lassen oder sich die nötigen Impfungen abzuholen.
Jetzt würde sie nicht mehr kommen und bald in der feuchten Graberde des Friedhofs liegen. Für Maxine Wells war das unfassbar. Auch für sie war der Tod nicht nur ein Schock gewesen, sondern auch ein Rätsel. Sie hatte sich sogar mit dem behandelnden Arzt in Verbindung gesetzt, doch der hatte auch nur mit den Schultern gezuckt und so seine Machtlosigkeit demonstriert.
Die Tierärztin war bis auf den kleinen Parkplatz gefahren, der zum Friedhof gehörte. Die Leichenhalle konnte nicht übersehen werden. Jetzt, mitten im Winter waren die Bäume kahl und boten deshalb einen guten Durchblick.
Das dunkle Dach der Leichenhalle schimmerte silbrig hell. Der Frost hatte auf ihm Raureif hinterlassen, der auch im Laufe des Tages nicht verschwand, weil die Temperaturen unterhalb des Gefrierpunkts blieben. Hier im Norden waren die Winter strenger als im Süden der Insel. Geschneit hatte es auch schon, aber davon war bis auf ein paar Reste alles verschwunden. Erst danach hatte der Winter richtig zugeschlagen.
Maxine streifte die helle, mit Daunen gefütterte Jacke über und machte sich auf den Weg. Es gab hier keine große Mauer, die das Areal des Friedhofs abschirmte. Erst an der Rückseite befand sich ein Zaun aus Metall. Der reichte aus.
Maxine schritt über den glatten Boden. Auch auf ihm hatte der Frost seine Spuren hinterlassen. Hin und wieder schimmerte eine glatte Stelle. Blankes Eis, über das die Frau steigen musste. Der Weg verzweigte sich dann. Wenn sie die linke Seite nahm, gelangte sie direkt auf das Gelände des Friedhofs. Sie wandte sich jedoch nach rechts, um die Leichenhalle zu erreichen.
Über das Knacken von Holz wunderte sie sich. Es war nicht so kalt, dass die Äste von den Bäumen brachen, also mussten die Geräusche eine andere Ursache haben.
Sehr schnell erkannte sie, was sie bedeuteten. Der Eingang lag auf der Schmalseite der Leichenhalle. Da Maxine auf die Breitseite zulief, musste sie erst um die Ecke gehen.
Die Ursache für das Geräusch war leicht zu erklären. Ein Mann war dabei, altes Gehölz aufzusammeln. Er brach es in handliche Stücke, um es auf eine Schubkarre zu packen, damit er es später abtransportieren konnte.
Der Mann arbeitete hier auf dem Friedhof. Er trug dicke Handschuhe und zerbrach jeden Ast oder Zweig. Als er Maxine sah, ließ er seinen Arm sinken und schaute die Tierärztin an.
»Guten Tag«, grüßte Maxine freundlich.
Der Mann nickte ihr zu und rückte seine Pudelmütze zurecht, damit die Ohren freilagen.
»Ist die Leichenhalle noch offen?«
Der Arbeiter schaute zur Tür, als müsste er sich erst noch davon überzeugen.
»Wollen Sie zu Daisy Corner?«, fragte er dann, als er sich wieder gedreht hatte.
»Ja, einen letzten Besuch.«
»Dann müssen Sie sich beeilen. Wenn ich hier fertig bin, schließe ich ab.«
»Okay.«
Der Mann streckte ihr eine Hand entgegen. »Sagen Sie mal, könnte es sein, dass ich Sie kenne?«
»Möglich, ich bin Tierärztin hier in Dundee. Meine Praxis habe ich ganz in der Nähe.«
»Ah ja, deshalb.« Weitere Auskünfte gab er nicht. Dafür deutete er auf den Eingang.
Maxine bedankte sich mit einem Nicken und nahm den Rest des Weges in Angriff. Es war wirklich kalt. Sie merkte es, wenn sie einatmete. Da drang die eisige Luft in ihre Lungen. Zudem wehte noch ein leichter Wind, der bei dieser Kälte allerdings doppelt zu spüren war. So zeichnete er ihr Gesicht mit einer sanften Röte, und auch die Nase musste Maxine hin und wieder hochziehen.
Ihr Herz klopfte schon schneller, und auch im Magen breitete sich ein leicht bedrückendes Gefühl aus, als sie die recht schwere Tür der Leichenhalle aufzog. Eine Konfrontation mit dem Tod ist eben nicht normal. Da machte auch die Tierärztin keine Ausnahme.
Der Vorraum hinter der Tür war kalt. Im Vergleich zu draußen trotzdem warm. Die Atemluft vor ihren Lippen war nur mehr als dünner Schleier zu sehen und nicht mehr so dick und wolkig wie im Freien
Eine weitere Tür führte in das Zentrum der Leichenhalle, in der auch die Tote lag. Es quietschte nicht mal, als sie die Tür aufzog und die Schwelle überschritt.
Es brannte kein Licht, aber es fiel genügend Helligkeit durch die Fenster, die dort größer waren, wo auch der Sarg auf einem kleinen Podest stand.
Wenn ein Mensch Geburtstag hatte, wurden Blumen gebracht und wenn er starb, ebenfalls. Das war auch hier der Fall. Man hatte den Sarg mit einem Kranz von Blumen umlegt, auch normale Kränze lagen schon bereit. Die Tote musste zu Lebzeiten sehr beliebt gewesen sein, wenn man davon ausging, wie viel Blumenschmuck dort lag.
Es war so still in diesem Raum. Der Tod schien alles Laute hinweggefegt zu haben. Maxine Wells hörte nur ihre eigenen Schritte, obwohl sie versuchte, sehr leise aufzutreten.
Ihr Gesicht war angespannt. Man konnte behaupten, dass es einer Maske glich. Den Blick hatte sie starr nach vorn gerichtet. Es gab auch nichts in der Nähe, was sie ablenkte.
Am Fußende des Sargs blieb sie stehen und schaute über ihn hinweg auf das große schlichte Holzkreuz an der Wand. Sie sprach ein stummes Gebet und senkte langsam ihren Blick dem Sarg entgegen.
Sie schaute auf die bleiche Gestalt. Von ihr war eigentlich nur der Kopf zu sehen. Das rötlich blonde Haar war sorgfältig gekämmt worden. Überhaupt sah Daisy Corner nicht aus wie eine Tote. Eher wie ein junges Mädchen, das eingeschlafen war und nur darauf wartete, erweckt zu werden. Wie es in der Geschichte von Dornröschen der Fall gewesen war.
Doch hier kam kein Prinz und küsste sie. Daisy blieb bewegungslos liegen, ohne dass etwas passierte.
Wieder drang Maxine die gesamte Tragweite dieses tragischen Vorgangs ins Bewusstsein, und sie stellte sich nur eine Frage:
Warum?
Es war beinahe ein innerlicher Schrei. Eine Antwort erhielt sie nicht. Helfen konnte ihr auch niemand.
Noch einen letzten Blick wollte sie auf das starre Gesicht werfen. Dazu verließ sie ihre Position und trat an die linke Seite des Sargs heran. Jetzt konnte sie das Gesicht besser sehen.
Plötzlich war alles anders. Ein scharfer Blick hatte ihr ausgereicht, um erkennen zu können, was da passiert war. Maxine hatte das Gefühl, die Welt um sie herum würde sich drehen.
Das konnte es nicht geben, aber es stimmte, die Augen spielten ihr keinen Streich.
An einigen Stellen war das Gesicht der jungen Toten aufgerissen. Von unten her hatte es Druck bekommen, kleine Öffnungen geschaffen und aus diesen Öffnungen hervor war etwas gewachsen.
Kleine weiße Blüten!
*
Die Marktfrau, die sich dick vermummt hatte und immer versuchte, in der Wärme des alten Kohleofens zu stehen, lächelte ihre jugendliche Kundin an.
Carlotta deutete auf einige Fischstücke, die trotz der Kälte noch auf Eis lagen.
»Das ist Rotbarschfilet«, sagte die Marktfrau.
»Genau, den möchte ich kaufen.«
»Gut. Wie viel?«
»Drei Stücke.«
»Sofort.«
Eine von der Kälte rot gewordene-Hand holte das Gewünschte vom Eis und legte es auf die Waage. Sie nickte und sagte den Preis.
»Gut.« Carlotta hielt das Portmonee schon in der Hand und zahlte mit passendem Geld, während die Frau den Fisch in eine kleine Plastikschale legte, die sie mit einem Deckel verschloss.
»Ich glaube, ich kenne dich.«
»Ja? Woher denn?«
»Du bist das Mädchen, das die Tierärztin Maxine Wells adoptiert hat – oder?«
Es war Carlotta nicht so recht, dass sie erkannt wurde, aber sie nickte.
»Und gefällt es dir bei Mrs. Wells?«
Carlotta nahm den Fisch entgegen. »Ja, sie ist toll. Man kann viel von ihr lernen.«
»Ha, ha, verstehe. Dann willst du später auch mal Tierärztin werden, denke ich mir.«
»So ist es.«
»Dann kann sich die gute Frau Doktor bestimmt nicht beschweren, wenn sie schon jetzt eine Nachfolgerin hat.«
»Wir werden sicherlich zusammen in der Praxis arbeiten.«
»Das ist natürlich noch besser. Und grüß die Frau Doktor bitte von mir.«
Carlotta nahm den Fisch entgegen. »Mach ich. Und vielen Dank.«
»Keine Ursache. Ich habe zu danken.«
Carlotta legte das Gekaufte in den Korb, den sie auf dem Gepäckträger des Rads befestigt hatte. Dann schob sie das Rad weiter, denn sie musste noch einige Besorgungen machen.
Maxine Wells kaufte gern auf dem Markt ein. Da sie jedoch beschäftigt war, hatte sie an diesem Tag ihre Ziehtochter Carlotta geschickt. Es war zudem ein Wetter, bei dem sie es riskieren konnte. Die Kälte hatte die Menschen dazu gezwungen, sich dick anzuziehen, und genau das hatte auch Carlotta getan, so war ihre körperliche Anomalie nicht zu sehen und unter der dicken Kleidung verborgen.
Es handelte sich um zwei Flügel!
Ja, Carlotta war durch Genmanipulation zu einem Vogelmädchen geworden. Sie war...
| Erscheint lt. Verlag | 25.11.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4095-5 / 3838740955 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4095-9 / 9783838740959 |
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