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John Sinclair 1383 (eBook)

Hexenfriedhof

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4148-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1383 - Jason Dark
Systemvoraussetzungen
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Hexenfriedhof.

Den Blumenstrauß für Jane Collins hatte mal wieder Glenda Perkins besorgt. Wir wollten unsere Freundin im Krankenhaus besuchen, trafen dort ein und mussten feststellen, dass sie nicht mehr in ihrem Zimmer lag.

Entlassen worden war sie nicht. Sie hatte sich aus dem Staub gemacht!

Natürlich witterten wir Unheil und machten uns auf die Suche nach der Verschwundenen. Und zusammen mit Assunga und Dracula II fanden wir Jane auf dem Hexenfriedhof.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Hexenfriedhof


Zuerst pustete die alte Hexe zweimal, dann spie sie Blut!

Elvira lag im Sterben. Sie wusste es. Es ging kein Weg mehr daran vorbei. Die lange Reise in den Tod war für sie eine Qual, aber die Hexe wusste, dass es keinen Ausweg mehr gab und am Ende der Sensenmann auf sie wartete.

Danach würde etwas anderes beginnen. Es war ihr prophezeit worden. Der Teufel persönlich hatte es ihr gesagt. Da gab es zwei Möglichkeiten – entweder ihre Bestattung auf dem Hexenfriedhof, oder eine Rückkehr als Untote, als lebende Leiche.

Aber wichtiger war jetzt etwas anderes. Etwas – und eine Person …

Jane Collins!

Das Blut war über die Unterlippe getropft. Es klebte jetzt am Kinn, was Elvira auch spürte. Sie hob mühsam den rechten Arm und damit auch ihre Hand, mit deren Fingern sie das Tuch festhielt. Der Stoff war schon mit Blut getränkt. Trotzdem wischte sie damit über ihr Kinn, weil sie hoffte, es von dem roten Schimmer zu befreien.

Elvira lag in einem halbdunklen Raum. Die beiden Vorhanghälften waren zugezogen und bedeckten das einzige Fenster. Allerdings nicht völlig, denn zwischen ihnen befand sich ein handbreiter Spalt, damit sich das Tageslicht einen Weg bahnen konnte. Viel war es nicht. Es verlor sich auf dem Boden, der ansonsten dunkler war. Es gab zwei einfache Stühle, eine Waschgelegenheit und nicht weit davon entfernt einen Schrank.

Die alte Hexe hatte es so gewollt. Diesen und keinen anderen Ort hatte sie sich zum Sterben ausgesucht, auch wenn andere dagegen gesprochen hatten. Sie wollte einfach hier liegen und abwarten, bis die Seele ihren Körper verließ.

Um sie herum war es still. Ab und zu erhielt sie zwar Besuch, wenn man nach ihr schaute. In der Regel aber war sie allein. Sie hätte es auch anders haben können, doch das wollte sie nicht. Es gab Stunden im Leben, da musste der Mensch allein sein.

Der nächste Hustenanfall folgte. Er hörte sich schlimm an. Abgehackt und trocken, doch zumindest drang kein Blut aus ihrem Mund. Sie schluckte nur den dicken Speichel wieder.

Der Anfall hatte sie angestrengt und den Körper durchgeschüttelt. Ermattet sank sie wieder zurück auf die durchgeschwitzte Unterlage. Sie war froh, so liegen bleiben zu können. Aufstehen bereitete ihr Mühe, das schaffte sie nur, wenn sie Hilfe bekam, und sie tat es auch nur, wenn sie ein menschliches Bedürfnis verspürte.

In den Spiegel wollte sie auch nicht mehr schauen. Elvira hätte nur ein zerknittertes Gesicht gesehen mit eingefallenen Wangen, einen lappigen Mund und einer Haut wie die von einem Stück Geflügel. Es hatte sich so vieles verändert in all den langen Jahren, doch eines war gleich geblieben.

Die Klarheit im Kopf!

Elvira wusste genau, was sie tat. Bis vor kurzem hatte sie noch mitbekommen, was in der Welt los war und welche Veränderungen es dort gab, die sie betrafen.

Sie hatte von schlimmen Dingen gehört, von den Kämpfen Gut gegen Böse oder Himmel gegen Hölle. Sie wusste von der Schattenhexe Assunga und von einem mächtigen Dämon, der als riesiges Schattenskelett im Hintergrund lauerte.

Elvira hatte lange darüber nachgedacht und auch keinen Menschen eingeweiht. So kannte niemand ihre Gedanken und auch nicht die Folgerungen, die sie daraus gezogen hatte. Aber sie war sich darüber im Klaren, dass etwas passieren musste, und so hatte sie nach reiflicher Überlegung einen Entschluss gefasst. Sie war nun auch bereit, ihn in die Tat umzusetzen. Es musste schnell gehen, denn eigentlich hatte sie schon zu lange gewartet.

Der erneute Hustenanfall unterbrach ihre Gedanken. Wieder sickerte etwas Blut aus ihrem Mund, doch nicht eine so große Menge wie beim vorletzten Mal.

Sie wischte die wenigen Tropfen trotzdem weg und führte die linke Hand der Wand entgegen, wo man für sie eine Klingel angebracht hatte. Den Knopf fand sie schnell, drückte ihn und hörte selbst das Geräusch nicht. Aber sie wusste, dass ihr etwas Zeit blieb, um sich alles noch mal durch den Kopf gehen zu lassen.

War die Entscheidung richtig?

Elvira fand einfach keine Antwort auf diese Frage. Das würde die Zukunft erweisen. Aber es würde eine Zukunft ohne sie werden. Sie würde nicht mehr miterleben, ob sie das Richtige getan hatte. Nur musste sie etwas unternehmen, alles andere wäre fatal.

Es gab keinen, der ihr hätte einen Rat geben können. Alles musste sie mit sich allein ausfechten. Wenn sich die Tür öffnete, gab es kein Zurück mehr.

Sie wartete, und die Stille um sie herum kam ihr jetzt noch tiefer vor. Auch von draußen war kein Geräusch zu hören. Niemand störte die Ruhe der Sterbenden.

Bis sie das leise Klopfen an der Tür hörte. Ihre Antwort bestand mehr aus einem Krächzen, das auf der anderen Seite der Tür allerdings gehört wurde, denn jemand öffnete sie vorsichtig.

Und ebenso vorsichtig bewegte sich die Person in den Raum hinein. Sie bemühte sich, nicht zu hart aufzutreten, und Elvira, die den Kopf gedreht hatte, flüsterte: »Du kannst es ruhig etwas heller machen, Lucy, dann kann ich dich besser sehen.«

»Gut, mach ich.«

Eine Frauengestalt bewegte sich auf das Fenster zu. Hände zogen die beiden Hälften des Vorhangs zur Seite, und Licht sickerte in den Raum.

»Ja, das ist gut. Und jetzt komm bitte zu mir. Nimm dir den Stuhl und setz dich.«

»Gern.«

Lucy versuchte, nicht zu laut aufzutreten. Der alte Holzboden beschwerte sich, indem er knarzte, wenn er zu viel Druck bekam, und genau das wollte die jüngere Frau nicht.

Sie zog den Stuhl dichter an das Bett heran und nahm Platz. Auch das Lächeln auf dem Gesicht konnte die Besorgnis nicht ganz verschwinden lassen, denn alle wussten, was mit Elvira los war. Sehr lange hatte sie gelebt, fast neunzig Jahre, doch nun war es vorbei. Irgendwann gab der Körper einfach auf, und so war es auch bei ihr.

Die beiden vom Alter her so unterschiedlichen Frauen schauten sich über eine längere Zeit hinweg an, ohne ein Wort zu sagen. Lucy war eine mädchenhafte Person. Ein rundes Gesicht, umgeben von rotblonden Locken. Zahlreiche Sommersprossen auf der Haut, eine kleine gerade Nase, ein kleiner Kussmund. Helle Augen, in denen jetzt die Sorge um Elvira stand, denn alle liebten sie wie eine Mutter.

Lucy entdeckte das blutige Tuch in der Hand der Sterbenden und entzog es ihr.

»Nein, lass, ich …«

»Keine Sorge, ich hole dir ein neues.«

»Danke, du bist lieb.«

Lucy seufzte. »Wenn ich doch mehr für dich tun könnte … Dann wäre mir wohler.«

Der Blick der Todkranken klärte sich. »Meine Liebe, du kannst etwas für mich tun, bevor ich mich von dieser Welt verabschiede.«

»Nein, du bleibst uns noch erhalten. Sag das nicht. Wie werden die Kräuter sammeln und daraus einen Sud brauen, der dir …«

»Nein, Lucy, nein. Es ist zu spät. Das musst du begreifen. Du kannst mich nicht zurückhalten, niemand kann das. Damit musst du dich abfinden, denn auch ich habe mich damit abgefunden.«

»Aber …«

»Nein, kein Aber.« Elvira lächelte leicht. »So musst du das sehen, meine Liebe. Jeder Sterbende hat das Recht auf einen Nachlass, auf ein Testament, verstehst du?«

»Ja, das begreife ich.«

Elvira legte eine Pause ein. Sie musste sich erst wieder erholen, um weitersprechen zu können. Dann sagte sie: »Ich habe Zeit gehabt und nachgedacht, denn auch ich habe ein Erbe zu vergeben. Es ist kein Geld, es sind auch sonst keine irdischen Güter. Es ist ein bestimmtes Wissen und eine Kraft. Nun habe ich lange überlegt, an wen ich beides weitergeben soll. Ich kenne euch ja, ich weiß, wie ihr zu mir steht, doch ich konnte mich nicht entscheiden und dabei ein gutes Gewissen haben. Ich möchte mein Erbe auch nicht vergeuden, das wirst du ebenfalls verstehen, und so habe ich sehr lange überlegt und bin zu einem hoffentlich richtigen Entschluss gekommen. Ich werde mein Erbe an keinem von euch weitergeben.«

Lucy, die steif wie ein Wachtposten auf dem Stuhl saß, sagte nichts. Sie schaute der alten Frau ins Gesicht und wartete darauf, dass sie mit ihrer Erklärung fortfuhr, doch Elvira sagte nur einen Satz.

»Sei nicht traurig.«

»Das bin ich nicht.«

»Dann ist es gut. Und es ist einzig und allein meine Entscheidung. Ich habe mich lange damit herumgequält, ich habe Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen und bin deshalb zu folgendem Ergebnis gekommen. Mein Erbe werde ich an keinen von euch weiterreichen, sondern an eine Person, die in gewissen Kreisen sehr bekannt ist und auch ein Leben in der Öffentlichkeit führt, was uns leider verwehrt wurde. Diese Person gehört nicht direkt zu uns, obwohl sie uns schon sehr nahe steht.«

Lucy nickte. »Wenn du dir das so ausgedacht hast, dann soll es auch so sein. Wie heißt die Person denn?«

»Jane Colins!«

*

Auch jetzt bewegte sich Lucy nicht. Mit in den Schoß gelegten Händen blieb sie wie eine kreuzbrave Schülerin sitzen und zeigte mit keiner Reaktion an, ob sie überrascht war oder nicht.

»Hast du gehört?«

»Ja.«

»Was sagst du dazu?«

»Ich kenne Jane Collins nicht.«

»Das weiß ich. Aber du hast von ihr gehört, Kind. Wir alle haben von ihr gehört – oder?«

Lucy nickte. »Das stimmt. Der Name ist mir alles andere als unbekannt. Aber ich habe noch nie mit ihr zu tun gehabt. Geht Jane Collins nicht ihren eigenen Weg? Kann man sie überhaupt als eine der unsrigen bezeichnen. Ich habe da mein Zweifel. Ich glaube nicht, dass sie in unseren Kreis passen würde. Sie ist zu sehr eine Einzelgängerin und sieht sich selbst bestimmt nicht als Hexe.«

»So denke ich auch, Lucy. Trotzdem gehört sie irgendwie...

Erscheint lt. Verlag 2.12.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-4148-X / 383874148X
ISBN-13 978-3-8387-4148-2 / 9783838741482
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