John Sinclair 1377 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4142-0 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Es lauert im Dunkeln.
Es lauert im Dunkeln. Aber was lauert dort? Bis auf eine Person wusste niemand Bescheid. Und diese junge Frau hieß Cindy Blake.
Jane Collins hatte den Auftrag bekommen, sie zu suchen, weil sich ihr Vater große Sorgen machte.
Jane fand die Frau. Aber sie fand auch die alte Höhle inmitten eines Steinbruchs. Was dort passierte, berührte die Grenzen des Verstands ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Es lauert im Dunkeln
Er war so groß, so düster und unheimlich. Wie der böse Mann aus einem finsteren Märchen. Er bewegte sich mit entschlossenen Schritten, als würde ihm ein Teil der Welt gehören.
Sein Ziel war ein Haus. Ein einsames Haus, fast verschwunden in der Dämmerung des Sommerabends.
Cindy Blake wusste nicht genau, warum ihr Großvater dieses Haus hatte bauen lassen. Angeblich, weil er so ein großer Western-Fan war. Deshalb gab es auch die große Veranda, auf der er oft gesessen hatte. In einem Schaukelstuhl wie der legendäre John Wayne in seinen Filmen.
Aber der Held war tot, Cindys Großvater lebte auch nicht mehr. Nur das Haus stand noch. Es wirkte wie eine Kulisse in einem leeren Land oder wie ein Kleinod für Romantiker.
Seit Monaten bereits suchten Cindys Eltern nach einem Käufer für diese Immobilie. Bisher hatte sich keiner gefunden, der dieses einsam stehende Prachtstück haben wollte.
Die Enkelin Cindy war darüber sehr froh. So würde sie sich auch den Sommer über in das alte Landhaus zurückziehen können, um dort in den langen Semesterferien zu wohnen. Eine Arbeit musste sie sich nicht suchen. Sie war die Lieblingsenkelin des Großvaters gewesen. Er hatte ihr einiges hinterlassen.
Cindy Blake liebte das Haus. Es war nicht mal richtig baufällig. In seinem Innern funktionierte auch noch alles. Strom, Wasser, Gas, das wurde alles von Cindy beglichen. Es gab keinen Grund, das einsam stehende Gebäude von den Errungenschaften der Zivilisation abzuklemmen.
Es stand zudem nicht an einer Durchgangsstraße, sondern etwas in die Landschaft hineingedrückt, aber mit einem freien Blick von der Veranda aus zur Straße hin. Da existierte ein schmaler Privatweg, den hatte Cindys Großvater auf eigene Kosten anlegen lassen.
Über diesen Weg kam mehr!
Cindy sah ihn. Sie hatte ihn erwartet. Er war noch als kleine Gestalt zu sehen, aber er würde bald größer werden, und sie würde dann hinein in die Aura seiner Düsternis geraten und wieder so fasziniert sein wie bei ihrer ersten Begegnung.
Sie kannte seinen Namen. Er hieß Riordan. Er war stets dunkel gekleidet, und er war das, was man aus den Staaten kannte. Ein Wanderprediger, der seine eigene Kirche gegründet hatte, die Cindy irgendwann kennen lernen sollte.
Cindy hatte das Gefühl, dass es an diesem Abend der Fall sein würde, und so wartete sie voller Spannung darauf.
Kaum hatte sie seine Gestalt gesehen, da klopfte ihr Herz stärker. Für sie war er wie vom Himmel herabgefallen. Sie hatte weder ein Auto gesehen noch gehört, mit dem er gekommen war. Am Ende des Wegs war er aufgetaucht und kam nun mit langsamen Schritten näher, wobei er manchmal wie ein großer Vogel wirkte, wenn der lange Mantel bei seinen Schritten hin und her schwang.
Er war der düstere Held, der Rächer, der aus den Tiefen der Einsamkeit kam, um mit gewissen Menschen abzurechnen, die ihm Böses angetan hatten. Ein großer Mann mit einem Hut auf dem Kopf. Eine breite Krempe sorgte dafür, dass seine Augen beschattet wurden. So wie er sich bewegte, war einst Clint Eastwood, der große Western-Held, geschritten.
Cindy hatte den Schaukelstuhl ziemlich weit nach vorn geschoben. Sie war völlig in diesen einzigartigen Anblick vertieft, denn hinter dem Rücken des Ankömmlings lag der Westen. Dort war die Sonne hinabgesunken, und ihr Ball war zu breiten Streifen auseinander gezogen worden, die den Himmel bedeckten.
Ein Gluthimmel. Oder aus Blut bestehend. Rot in den verschiedensten Farbtönen. Und ein Farbwechsel, bis hin zu einem noch grellen Gelb, das allerdings bald versickern würde.
Ein passendes Farbenspiel für den perfekten Auftritt dieser einsamen Gestalt, die ihrem Ziel mit gleichmäßigen Schritten entgegenging und durch kein Hindernis aufgehalten werden würde.
Mit jedem Schritt, den sich die düstere Person näherte, klopfte das Herz der jungen Frau schneller. Sie wusste nicht genau, was er von ihr wollte. Er hatte ihr nur gesagt, dass es ein sehr wichtiger Tag für sie werden würde.
Riordan hieß er!
Es war ein Name, den sich Cindy schon mehrmals auf der Zunge hatte zergehen lassen. Sie hatte sich sogar nach seiner Herkunft erkundigt. Da hatte er nur gelächelt und von einem imaginären Nordwesten gesprochen. Sie ging davon aus, dass es Irland war, aber darauf wetten wollte sie nicht. Er war zwar ein Mensch, doch wenn er in ihrer Nähe stand, da kam er ihr irgendwie außerirdisch vor. Da schien er aus irgendwelchen Tiefen des Alls auf die Erde geflattert zu sein, um hier seine Zeichen zu setzen.
Was er genau mit ihr vorhatte, wusste Cindy nicht. Es musste etwas Besonderes sein, und wenn sie ihn so anschaute, dann traf der Begriff Wanderprediger schon zu.
Würde er sie mitnehmen wollen?
Auch jetzt kam ihr wieder dieser Gedanke. Das konnte durchaus sein, und sie fragte sich zum wiederholten Mal, ob sie ablehnen würde. So ganz sicher war sich die Studentin nicht dabei, denn sie gab zu, dass sie sich der von ihm ausgehenden Faszination nur schlecht entziehen konnte.
Bisher hatte sie ihn nur gesehen, jetzt hörte sie ihn bereits, so nahe war er schon gekommen. Bei jedem seiner Schritte knirschte es leise unter den Sohlen, als wollte er die winzigen Steine zertreten, die auf dem Weg lagen.
Eine breite Treppe aus drei Stufen führte von der Veranda nach unten. Cindy überlegte, ob sie aufstehen und Riordan entgegengehen sollte, aber das ließ sie bleiben.
Sie wartete ab, bis er sie erreichen würde, und sie merkte dabei, dass sie zitterte. Ihre Mundwinkel zuckten. Ihre Augen bewegten sich. Das Begrüßungslächeln erschien verkrampft.
Näher und näher kam er.
Cindy konnte ihn immer besser sehen. Die Gestalt schien in den letzten Sekunden gewachsen zu sein. Der Mensch war groß, größer als die meisten, und jetzt sah sie, wie er gegen die vordere Krempe seines Huts tippte, sodass die Kopfbedeckung nach hinten rutschte und im Nacken hängen blieb.
Der Kopf lag frei und damit auch seine dunklen Haare, die leicht glänzten und an das Gefieder eines Rabens erinnerten. Das Gesicht wirkte gestreckt, in die Länge gezogen. Dazu passte die recht lange Nase, über der sich eine breite Stirn wie beschützend wölbte.
Augen, die sich nicht bewegten, die dunkel waren, aber nicht schwarz, denn darin zeichnete sich ein grünlicher Schimmer ab, wie es bei Menschen manchmal üblich war, die von der Insel kamen.
Er besaß einen recht breiten Mund mit vollen Lippen. Zwischen den Winkeln unter den Augen wirkte die Haut wie straff gespannt. Seine Ohren waren nicht zu sehen, weil die dunkle Haarflut über sie hinwegfloss.
Er war jemand, der Akzente setzte. Er war ein Sieger. Einer, der seine Ziele immer erreichte und auch nie aufgeben würde.
Zu sagen brauchte er nichts. Er betrat auch nicht die Veranda, sondern blieb vor ihr stehen. Der Blick seiner schwarz-grünen Augen bohrte sich in das Gesicht der Studentin, die das Gefühl hatte, sich innerlich unter diesem Blick zu entblößen.
Menschen können manchmal bis auf den Grund der Seele schauen. So etwas hatte sie schon gehört, und jetzt kam es ihr vor, als wäre das auch bei ihr der Fall.
Cindy hatte den Mann erwartet, doch nun war sie unsicher geworden. Ihr Selbstbewusstsein war verschwunden. Sie fühlte sich klein und mickrig, und sie schaffte es nicht, ihn mit einigen Worten zu begrüßen.
Dafür sprach er.
Seine Stimme war volltönend, und sie hätte ebenso gut einem Schauspieler gehören können, der auf der Bühne stand und einen Monolog in Richtung des erwartungsvollen Publikums sprach, dessen Augen gebannt an den Lippen des Mimen hingen.
»Du siehst, dass ich mein Versprechen gehalten habe. Ich habe es dir gesagt, und nun bin ich hier.«
»Ja, und ich habe auf dich gewartet«, flüsterte Cindy.
Plötzlich klappte es. Auf einmal konnte sie sprechen, und die Worte waren auch recht flüssig über ihre Lippen gedrungen. Die große Furcht steckte nicht mehr in ihr, die Ansprache des Wanderpredigers war so etwas wie eine Erlösung für sie gewesen.
»Dann bist du bereit, mir zu folgen?«
Cindy gab die Antwort noch nicht sofort. Sie wartete ab, denn sie wusste genau, dass die nächste Antwort entscheidend für ihre nächste Zukunft war. Sie begab sich unter die Kontrolle eines Fremden, der sich nur für sie interessierte und mit ihr machen konnte, was er wollte.
Normalerweise hätte ihr inneres Alarmsystem reagiert. Das meldete sich diesmal nicht, weil die Faszination des anderen einfach zu stark war und ihren eigenen Willen unterdrückte.
»Darum habe ich auf dich gewartet.«
»Gut, dann komm!«
Er sagte nichts mehr und streckte ihr nur den rechten Arm entgegen. Mit seinen langen Fingern winkte er ihr zu, und sie spürte, wie sich in ihrem Inneren etwas zusammenzog.
Dann stand sie auf!
Der Stuhl schaukelte nach und gab noch einige knarzende Laute ab. Als Cindy auf den Füßen stand, merkte sie das Zittern. Ihr war heiß und kalt zugleich. Sie bekam eine Gänsehaut, aber sie ging die Stufen hinab und legte ihre Hand in die andere.
Trocken fühlte sie sich an, sehr trocken. Beinahe wie altes Papier, dem die Feuchtigkeit fehlte.
Er schloss seine Faust um ihre Hand, und Cindy kam sich plötzlich wie gefangen vor.
»Wo gehen wir hin?«, flüsterte sie.
»In meine Kirche.«
»Bitte? Was … was …«
»Ja, in die Kirche der Dunkelheit …«
*
Cindy Blake wusste nicht, woran es lag, dass ihr Wille fast ausgeschaltet worden war. Es blieb ihr wirklich nichts anderes übrig, als dem Mann zu folgen, der sie an der Hand hielt.
Sie gingen den Weg...
| Erscheint lt. Verlag | 2.12.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4142-0 / 3838741420 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4142-0 / 9783838741420 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopierschutz. Eine Weitergabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persönlichen Nutzung erwerben.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich