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John Sinclair 1322 (eBook)

Das Grauen von St. Severin

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4068-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1322 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Das Grauen von St. Severin.

Ich hatte den Mörder-Mönch von Keitum bereits vernichtet - zumindest dachte ich das.

Aber jetzt kehrte er zurück, und mit ihm die mächtige Kraft des Spuks. Plötzlich schwebten die gleichen Menschen in Gefahr, die damals überlebt hatten.

Als ich davon erfuhr, hielt mich nichts mehr in London. Ich fuhr auf die Insel. Dort erwartete mich das Grauen von St. Severin.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Das Grauen von St. Severin


Der Mörder-Mönch ist tot! Ich weiß, dass er tot ist. Und ich glaube fest daran!

Immer wieder hämmerte sich der Hotelier Claas Claasen das ein und musste sich zugleich eingestehen, dass er daran nicht so recht glauben konnte.

Er war wieder da. Es gab diesen Unhold. Es gab ihn sogar auf der Insel Sylt. Und hier in Keitum. Und das, obwohl er damals vernichtet worden war …

Man hatte ihn an einer anderen Stelle aufgestellt. Klammheimlich und bei Nacht und Nebel hatte er einen entsprechenden Platz an der Kirche St. Severin bekommen, als wollte er dort all die Toten bewachen, die in der Erde des nahen Friedhofs lagen.

Bisher hatte sich Claas Claasen geweigert, hoch zur Kirche zu gehen, um sich den Mönch anzuschauen. Er war zu oft auf ihn angesprochen worden. Er wollte nicht mehr.

Die innere Unruhe war stärker. Sie hatte ihn letztendlich aus dem Haus getrieben, was seiner Frau Anja überhaupt nicht gepasst hatte. Auf der Türschwelle noch hatte sie ihn festgehalten und ihn gewarnt.

„Denk daran, Claas, was alles passiert ist und denk bitte auch an deine Familie.“

Er hatte es versprochen und war dann gegangen. Er hatte zudem noch mit dem Gedanken gespielt mit Silke von Weser zu sprechen, die auf der Insel und besonders in Keitum so etwas wie eine Heimatforscherin, Fremdenführerin und Buchautorin war, doch das hatte er gelassen. Er musste Manns genug sein, um dies allein durchzuziehen. Es kam eben nur auf die innere Einstellung an.

So setzte er sich in seinen Mercedes und fuhr vom Parkplatz in den Ort hinein, wo er nach links abbog und nur Sekunden später die Kreuzung erreichte, an der er rechts abiegen musste, auf eine Straße, die in Richtung Kampen führte und die praktisch die Kirche und den Keitumer Friedhof tangierte.

Es war nicht Tag, es war nicht Nacht. Allerdings hatte sich die Sonne schon zurückgezogen. Über den Himmel zogen erste graue Schatten. Im Westen über der freien See glühte der Himmel, als wären Engel dabei, einen Feuerofen hinter sich herzuziehen.

An diesem Abend war alles anders. Da wollte sich Claas Claasen endlich die Bestätigung holen. Auf seiner hohen Stirn hatte sich Schweiß gesammelt, den er nicht wegwischte, denn er würde sowieso wiederkommen. Er fuhr langsam, was gar nicht seine Art war, aber Claasen brauchte auch nicht lange im Wagen zu sitzen, denn der Turm der Kirche rückte immer näher.

Sylt im Sommer. Das bedeutete auch Hochbetrieb, obwohl die ganz große Zeit noch nicht angebrochen war. Die großen Ferien in den Bundesländern begannen erst später, aber das tolle Wetter hatte bereits zahlreiche Gäste über den Hindenburgdamm hinweg auf die Insel gespült, die jetzt, am Abend, durchatmen konnte. Da saßen die meisten in den Lokalen, um Abend zu essen. Sie hockten auch in den Gärten zusammen, freuten sich über die leichte Kühle, über einen glatten Himmel und auch über die Wettervorhersage, die sehr gut klang.

An der Kirche gab es einen größeren Parkplatz. Der aber lag auf der anderen Seite des Gebäudes. Dort fuhr der Hotelier nicht hin. Auch an der Vorderseite konnte er seinen Wagen abstellen. Auf einem nicht geteerten Weg, der in das freie Feld hineinführte.

Claas stieg aus.

Ein kurzer Blick auf das Watt, das an dieser erhöhten Stelle gut zu sehen war. Darüber lag der Himmel wie eine breite Decke, die allmählich eingraute. Wer sie so sah, konnte den Eindruck bekommen, dass sie hinein in die Unendlichkeit führte.

Claasen schlug die Fahrertür zu. In der Stille war der Knall überlaut zu hören. Claas zuckte zusammen und fühlte sich wie ein Störenfried, der den nahen Toten auf dem Friedhof die Ruhe nahm.

Er hatte den Mönch noch nicht gesehen, doch er wusste, wo er hingehen musste. So machte er sich auf den Weg. Es war nicht so warm wie in den Städten. Ein kühler Abendwind strich über die Insel hinweg. Den spürte auch Claas. Er ließ den Stoff seines kurzärmeligen Hemdes flattern, aber er trocknete nicht den Schweiß auf seinem Gesicht. Einige Tropfen hatten sich auf die Gläser der Brille verirrt. Mit einem Taschentuch wischte er das Glas ab.

Claas Claasen hatte seinen Wagen nicht auf dem Kirchengelände abgestellt. Er musste ein paar Schritte gehen, um es zu erreichen und er merkte schon, dass ihm die Knie leicht zitterten, was an seiner inneren Aufgeregtheit lag.

Die Stille wurde von Motorengeräusch unterbrochen. Die beiden Porsche rasten in Richtung Kampen und benutzten die Fahrbahn als Rennstrecke. Der Wind fegte das Röhren weiter, sodass Claasen bald wieder von der typischen Stille eines abendlichen Friedhofs mit Kirche umfangen wurde.

Er musste ein Gebüsch passieren, sah vor sich eine freie Fläche, auf der grauer Staub und graue Steine lagen, richtete den Blick nach vorn und zugleich etwas nach rechts.

Da stand er!

Claasen schnappte für einen Moment nach Luft. In der Herzgegend spürte er einen leichten Stich.

Es stimmte!

Er schaute direkt auf den Mönch!

*

Die Wahrheit kann manchmal grausam sein. Daran musste der Hotelier denken, als er starr auf der Stelle stand. Okay, er hatte es schon vorher geglaubt, wenn die Menschen ihm davon erzählt hatten, doch diese Gestalt mit eigenen Augen zu sehen, das war schon etwas anderes. Da wallten wieder Erinnerungen hoch. Auch an einen Mann namens John Sinclair, der es letztendlich geschafft hatte, den verdammten Mörder-Mönch von Keitum zu vernichten.

Jetzt gab es ihn wieder!

Das war kein Irrtum. Keine Täuschung. Da machte er sich nichts vor und er sah tatsächlich so aus wie damals. Nichts hatte sich bei ihm groß verändert.

Claasen hörte sich selbst aufstöhnen. In seinem Kopf rotierten die Gedanken, Vermutungen und auch Halbwahrheiten. Er merkte selbst, dass er wieder zitterte, schaute sich um, als könnte er jemanden um Hilfe rufen, aber da war niemand. Um diese Zeit hielt er sich allein an der Kirche auf.

Das ist nicht der echte Mönch!, hämmerte er sich ein. Auf keinen Fall ist er das. Es gibt einen zweiten. Jemand hat ihn hergebracht. Einer, der den Fall noch mal aufrollen wollte. Die Figur hatte plötzlich an dieser Stelle gestanden. Niemand aus dem Ort war informiert worden, und es hatte sich auch keiner getraut, irgendwelche Fragen zu stellen. Zu tief saß noch die Erinnerung an das letzte Geschehen.

Warum nur?, fragte er mit seiner inneren Stimme. Warum ist diese verdammte Figur zurückgekehrt? Sie glich dem echten Mönch vom unteren Saum des Gewands bis hin zur Kapuze.

Und wieder ging etwas Unheimliches von der Figur aus. Sie stand zwar einfach da, aber wer dieses Kunstwerk sah, der sah sich gezwungen, einen Bogen um es zu schlagen. Er wollte auf keinen Fall in die Nähe gelangen. Oder erst nach dem zweiten Versuch.

Claas Claasen schlug keinen Bogen. Er ging auf die Figur zu. Eigentlich wollte er es nicht, doch da war die andere Kraft, die ihn wie am Haken hielt und immer näher an den Mönch heranzog. Er hörte seinen eigenen Herzschlag lauter als gewöhnlich. Über der gesamten Insel schien eine Glocke des Schweigens zu liegen, oder hielt die Stille nur den Friedhof und die Kirche umfangen?

Der Mönch rückte mit jedem Schritt näher und Claasen sah ihn immer deutlicher.

Er stand frei und trotzdem in einer gewissen Deckung oder einem Schutz. Wie ein armer Büßer hockte die Gestalt auf dem Rasen. Hinter ihm bauten Sträucher einen halbrunden Wall. Weiter rechts konnten die alten Grabsteine besichtigt werden. Vor hunderten von Jahren waren sie bereits in die Erde gestemmt worden. Auf ihnen standen die Namen der Seeleute, die auf dem Meer umgekommen waren. In der Regel die der Kapitäne, und auch die entsprechenden Abschiedsworte waren in den Stein gehämmert worden. So konnten die Besucher all das lesen, was die Vergangenheit für sie zurückgelassen hatte.

Claas hätte sich auch lieber für die Grabsteine interessiert, doch ihm blieb der sitzende Mönch, der auf ihn wartete. Er war für ihn wie ein Magnet, und Claas fühlte sich als Eisen.

Näher und näher kam er. Deutlich merkte er sein Unwohlsein, gegen das er vergeblich ankämpfte. Es fiel ihm schwer, gewisse Dinge zuzugeben, doch er musste sich eingestehen, dass der Mönch die Kontrolle über ihn bekommen hatte.

Claas Claasen war und blieb allein, bis er stoppte, als hätte er wieder einen Befehl bekommen.

Plötzlich überkam ihn eine große Ruhe. Die Welt um ihn herum verschwand. Alles rückte zusammen, sodass die Umgebung schließlich nur einen kleinen Ausschnitt bildete. Geprägt allein durch den Mörder-Mönch.

Der Künstler, der ihn geschaffen hatte, war ein Meister seines Fachs gewesen. Er bestand aus Stein, der allerdings eine Patina bekommen hatte. Die Farbe war nicht genau zu bestimmen. Man konnte sie als Grün und Blau bezeichnen, die bessere Beschreibung wäre Türkis gewesen. So wie manchmal das Meer schimmerte.

Der Mönch saß. Er hatte seine Arme ausgestreckt und war so angelegt worden, als lägen die Hände auf den Knien. Der Künstler hatte es geschafft, sogar die Falten seines Gewands so hinzubekommen, als wäre der Stoff tatsächlich echt. Eine Kapuze bedeckte den Kopf, den es in Wirklichkeit nicht gab, denn innen war die Figur hohl und finster.

Claasen schluckte. War sie das wirklich? Gab es nicht in dieser Figur etwas, das lebte?

Er hatte seine Zweifel. Auch wenn er nichts sah, als nur diese tiefe und tintige Schwärze, so konnte er den Gedanken nicht los werden, dass im Innern doch etwas steckte, das entfernt mit dem Begriff Leben umschrieben werden konnte.

Ja, das traf zu. Er hatte es erlebt. Aber es war ein unheiliges Leben gewesen. Würmer und anderes Getier hatten sich...

Erscheint lt. Verlag 25.11.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-4068-8 / 3838740688
ISBN-13 978-3-8387-4068-3 / 9783838740683
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