John Sinclair 1204 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3938-0 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Der Häuter.
Hannibal Lecter war jedem Thriller-Fan ein Begriff.
Auch Ben Navis kannte und verehrte ihn.
Hannibal war ihm nicht schlimm genug. Er wollte es noch 'besser' und grausamer machen. Nach dem vierten Opfer gelang es meinem Vater und mir, ihn zu stellen.
Das war vor sechs Jahren.
Der neue Film lief. Er lockte Millionen in die Kinos. Und Ben Navis war auch wieder da ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Der Häuter
Vor sechs Jahren hatten mein Vater und ich einen Killer gestellt, der sich der Häuter nannte. Er wollte schlimmer sein als sein Filmidol Hannibal Lecter.
Bis zu seinem Tod sollte Ben Navis in der Psychiatrie bleiben. So entschieden die Richter. Jahre später geisterte Hannibal Lecter wieder über die Leinwände der Kinos.
Und genau in dieser Zeit wurde das erste neue Opfer des Häuters gefunden …
Vergangenheit
»Er wird versuchen, dich zu töten, John. Ben Navis ist verrückt. Ich weiß das. Er hat schon vier Menschen auf dem Gewissen. Das ist ein Irrer!«
Mein Vater sah mich besorgt von der Seite her an, als wollte er seine Worte durch diesen Blick noch unterstützen.
»Ich weiß, Dad!«
»Ist gut. Willst du nicht trotzdem deine Kollegen anrufen? Das ist sicherer.«
»Nein!«
Horace F. Sinclair verdrehte die Augen. »Ja, ich hätte mir die Worte sparen können«, gestand er sich ein. »Das hätte ich wirklich. Ich kenne dich schließlich. Du hast einen sturen Kopf. Du bist für die Gemeinschaft nicht tauglich und …«
Bevor er mit dem Schimpfen fortfahren konnte, unterbrach ich ihn mit einem Lachen. Dann sagte ich: »So etwas Ähnliches habe ich schon mal gehört. Nicht aus deinem Mund, sondern aus dem deiner Frau und meiner Mutter. Man merkt, dass ich dein Sohn bin.«
Er winkte ab. »Ach, mach doch, was du willst. Du nimmst ja doch keinen Rat an.«
»Schon, Dad. Dann muss er auch passen. Zudem ist nicht gesagt, dass sich Navis tatsächlich in seinem Haus aufhält.«
»Ich habe ihn doch gesehen!«, widersprach er.
»Im Haus?«
»Nein, nicht dort und nicht in seiner Werkstatt. Aber sein Wagen steht vor der Tür. Du kannst mir glauben, dass er der Mann mit der Sense ist, John. Er ist der Tod. Er hat es angedroht. Ich weiß es noch. Er hat es allen angekündigt. Er ist nicht mehr normal. Er ist krank. Man muss ihn fassen und einsperren. Allerdings nicht in ein normales Zuchthaus, sondern in die Psychiatrie. Dort gehört er hin. Vier Menschen kommen auf sein Gewissen. Der Wahnsinnige muss gestoppt werden.«
»Deshalb bin ich ja gekommen.«
Mein Vater legte mir eine Hand auf den Arm. »Noch einmal, John, nimm dich vor seiner verdammten Sense in Acht. Man hat festgestellt, dass seine Opfer durch diese Waffe gestorben sind.«
»Ich weiß Bescheid.«
»Gut. Und ich warte hier.«
»Das brauchst du nicht, Dad. Du kannst zurück nach Lauder fahren und dich so lange zu Hause oder auch bei Terrence Bull aufhalten. Das wäre sogar besser.«
»Nein, ich bleibe. Es kann ja sein, dass er dir entwischt und du ihn mit einem Fahrzeug verfolgen musst. Da ist es besser, wenn jemand mit einem fahrbaren Untersatz in der Nähe wartet. Außerdem muss ich dich noch daran erinnern, dass Navis wahnsinnig lachen kann. Richtig irre. Als wäre er nicht von dieser Welt. Ich kenne das Lachen, und ich will es nicht mehr hören.«
»Alles klar«, sagte ich, »dann bleib du hier sitzen.«
»Das werde ich auch.«
Mit einem letzten Blick auf meinen alten Herrn verließ ich den Wagen. Wir parkten zwar in einer kleinen Seitenstraße und recht weit von dem bestimmten Ort entfernt, dennoch schloss ich die Tür so leise wie möglich. Bevor ich mich abwandte, schaute ich noch durch die Scheibe und hob den rechten Daumen an zum Zeichen des Sieges. Alles andere war jetzt meine Sache.
Wenn mein alter Herr sagte, dass Ben Navis zu Hause war, dann glaubte ich ihm das. Er war kein Schwätzer. Er hatte sich schon zuvor genau erkundigt.
Navis war wirklich gefährlich. Vier Tote hatte er hinterlassen. In der Presse war er als »der Irre mit der Sense« oder als »der killende Tod« bezeichnet worden. Jedes seiner vier Opfer hatte er mit seiner Waffe umgebracht und es regelrecht ausbluten lassen. Und dann hatte er noch etwas Schreckliches getan. Er hatte den Toten die Haut vom Körper entfernt. Völlig verrückt. Wie ein großes Vorbild aus dem Film. Hannibal Lecter, der am Ende des Films entwischt war, damit man noch eine Fortsetzung drehen konnte.
Wahrscheinlich glaubte auch Ben Navis, entwischen zu können, dem allerdings wollte ich einen Riegel vorschieben.
Man hatte ihn gejagt, aber er war seinen Häschern stets entkommen. In den Wäldern der Highlands war das möglich gewesen. Über Monate hinweg hatte niemand gewusst, wer sich hinter der Maske des Killers verbarg. Bis man auf den Steinmetz Ben Navis gestoßen war, der einen kleinen Betrieb in der Nähe eines Waldstücks besaß und den Beruf auch normal ausführte.
Jetzt war ich zu ihm auf dem Weg, und zwar allein. Ich hatte von meinem Vater den Tipp erhalten. Mochte der Teufel wissen, woher er ihn bekommen hatte, wer sich hinter der Maske des Biedermannes verbarg. Mich hatte mein Vater überzeugen können, und so war ich nach Schottland gefahren, um mich um den Fall zu kümmern.
Ich näherte mich dem Gelände der Firma von der Rückseite. Der Weg, an dem wir geparkt hatten, endete im Nichts, das heißt, er lief in einen Wald hinein und diente im Sommer als Wanderweg.
Wir hätten den Wagen auch an der Straße abstellen können, doch das wäre zu auffällig gewesen. Das Anwesen des Mannes grenzte an die Straße. Wir waren vorbeigefahren. Ich hatte von dort aus sein Haus und den Anbau mit der Werkstatt sehen können. Ebenso das Gelände, auf dem zahlreiche Grabsteine standen, die sich allerdings noch auf dem hinteren Grundstück ausbreiteten.
An diesen Teil grenzte der Wald. Mir war nicht bekannt, ob das Grundstück auch dort eingezäunt war, ich musste allerdings davon ausgehen. Durch kleine Tore konnte man es betreten, und ich hoffte, dass ich eines davon offen fand.
So locker wie ich mich meinem Vater gegenüber gezeigt hatte, war ich nicht. Es wäre schon sicherer gewesen, auch auf die Kollegen zu setzen, aber ich hatte den Ehrgeiz, den Killer allein zu stellen, falls er sich in seinem Haus befand.
Von vorn war nichts zu sehen gewesen. Nur der Lieferwagen mit der offenen Ladefläche hatte dort geparkt.
Ein Mörder, der seinen Opfern die Haut abzog!
Es wollte nicht in meinen Kopf. Es war Wahnsinn, aber er hatte es in einem Film gesehen und fühlte sich als Nachahmungstäter. Man hatte die vier Toten an den verschiedensten Orten gefunden. Aufgehängt an einer Brücke, vor einem kleinen Café auf einem angeketteten Stuhl sitzend, in einer Abfallgrube und im offenen Grab auf einem Friedhof.
Die Kollegen hatten fieberhaft an dem Fall gearbeitet und in mühevoller Kleinarbeit herausgefunden, wer als Täter infrage kam. Nur fehlten bisher die Beweise. Man hatte ihn sogar wieder laufen lassen müssen. Bevor er sich ein fünftes Opfer holte, hatte mein alter Herr mich eingeschaltet und nach Schottland geholt.
Ich wollte mir Ben Navis ansehen. Heimlich auf sein Grundstück schleichen, ihn beobachten. Mir ein Bild machen und vielleicht Beweise finden.
Den normalen Weg hatte ich längst verlassen. Ich war in den Wald hineingegangen und schlug mich durch das Unterholz. Das Laub war dicht. Es filterte einen Großteil des Sonnenlichts, sodass ich durch eine kleine Schattenwelt wanderte. Ich orientierte mich nach rechts, denn dort schimmerte es heller, weil sich da der Waldrand befand. Und praktisch der Beginn des hinteren Grundstücksteils.
Im Wald hielt mich niemand auf. Ich brauchte keine besondere Rücksicht zu nehmen, überwand auch das letzte Unterholz und blieb stehen, als die Sicht frei war.
Sicherheitshalber duckte ich mich. Mein Mund verzerrte sich für einen Moment, als ich den Zaun auch hier an der Rückseite sah. Er bestand aus festen und dünnen Metallstäben, war grün gestrichen und fiel kaum auf.
Von meiner Position aus schaute ich über das Gräberfeld hinweg. Nur lag vor mir kein Friedhof, sondern das Gelände eines Steinmetzes und Grabsteinverkäufers. Es gab die verschiedenen Steine in allen Größen und für jeden Geldbeutel.
Das begann mit den Findlingen, ging weiter über die polierten Steine, die ich persönlich nicht mochte, und meine Blicke streiften auch über Grabsteine hinweg, die aufgeschlagenen Büchern nachgebildet worden waren. Mehr an der linken Seite, wo die Werkstatt in einem Anbau untergebracht war, hatte der Steinmetz zwei künstliche Gräber angelegt und sie mit seinen Steinen dekoriert. Gewissermaßen als Schaustücke.
Gearbeitet wurde nicht. Das war für diese Zeit nicht ungewöhnlich. Schließlich hatten wir schon fast neunzehn Uhr. Da war in den meisten Firmen Feierabend. Ich sah auch nicht, ob sich der Besitzer im Haus aufhielt. Im Freien lief er jedenfalls nicht herum, das wäre mir aufgefallen.
Durch das recht hohe Gras ging ich parallel zum Zaun entlang, denn ich hatte in einiger Entfernung ein kleines Tor im Zaun entdeckt. Es fiel erst beim zweiten Hinsehen auf, weil es ebenfalls grün angestrichen worden war.
Das Tor hatte eine normale Klinke, die ich drückte und mich darüber wunderte, dass ich es aufschieben konnte. So genau nahm es Ben Navis nicht mit der Sicherheit.
Ich betrat das Grundstück und war jetzt froh, dass es auch recht hohe Grabsteine gab, die mir eine gewisse Deckung gaben, wenn ich mich duckte.
Der Boden schimmerte als graues Feld. Es kam durch die kleinen Steine, die die Oberfläche bildeten. Sie knirschten bei jedem meiner Schritte unter den Sohlen. Obwohl kaum Wind wehte, lag ein irgendwie staubiger Geruch in der Luft.
Mein Weg führte mich auf die Hinterseite des normalen Hauses zu. Wie ich erfahren hatte, wohnte Ben Navis hier, und zwar über seinen beiden Büros in der ersten Etage. Viel Platz gab es dort nicht. Als Einzelperson brauchte er den auch nicht.
...| Erscheint lt. Verlag | 11.11.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3938-8 / 3838739388 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3938-0 / 9783838739380 |
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