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John Sinclair 1275 (eBook)

Der Totenkopf-Sammler (1. Teil)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4009-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1275 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Der Totenkopf-Sammler (1. Teil).

Es war wieder einer dieser Zufälle, an die man kaum glauben konnte. Aber es passierte mir auf der Fahrt von Kent zurück nach London. Da fiel mir der Fensterputzer von seiner nicht zu hohen Leiter direkt vor den Wagen, mit dem ich zum Glück im Stau stand.

Als ich dem Mann half, erfuhr ich, was ihn so erschreckt hatte. Durch das Fenster schauend hatte er in einer Wohnung zwei menschliche Köpfe gesehen.

Wenig später stand ich vor ihnen, lernte auch den Besitzer der Wohnung kennen und erfuhr von ihm zum ersten Mal von einer unheimlichen Person, dem Totenkopf-Sammler ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Der Totenkopf-Sammler (1. Teil)


Dieser Geruch – dieser herrliche Geruch nach Tod, nach Verwesung und nach Leichen …

Die Nasenlöcher der Gestalt weiteten sich, als ihre sensiblen Sinne diesen Duft wahrnahmen und sie die letzten Schritte zum Eingang des kleinen Anbaus ging, der recht versteckt hinter den hohen Laubkronen der Platanen auf dem Friedhof lag.

Der Mann steuerte die Tür an, die dunkel war, als hätten sich die Schatten der heranschleichenden Dämmerung in das Holz gefressen.

Hinter der Scheibe brannte Licht. Es war ein nur schwacher Schein. Das riffelige Glas der Türscheibe ließ den Lichtschein sogar noch weiter entfernt erscheinen, als wäre er eine allmählich verglühende Sonne.

Der Tag lag in den letzten Zügen. Es war eine besondere Stille eingekehrt, die sich hier, am Rande des Friedhofs noch mehr verdichtet hatte und auch einen bestimmten Geruch bewahrte, den die Natur ausströmte, die sich nach einem heißen Tag von einem abendlichen Regenguss erholt hatte. An einigen Stellen hatte sich die Feuchtigkeit gesammelt und war zu winzigen Wassertropfen geworden, die als Dunstdecke über dem Boden schwebten und den Büschen und Hecken weißgraue Bärte gaben.

Der Ankömmling war zufrieden, als er vor der Tür stehen blieb. Hätte jemand von der anderen Seite her durch das Fenster geschaut, er hätte eine dunkle und zugleich düster wirkende Gestalt gesehen, die über ihren Körper einen langen Mantel gestreift hatte.

Der Mann trug einen Hut mit breiter Krempe, die einen Schatten auf seinem Gesicht hinterließ. Viel war von ihm nicht zu erkennen, der Rest wirkte wie erstarrter Beton.

Trotz des Fensters sah der Mann nichts. Das wollte er auch nicht. Er war gekommen, um eine bestimmte Aufgabe zu erledigen, und davon würde ihn niemand abhalten.

Er glaubte nicht, dass man vergessen hatte, das Licht auszuschalten, und so musste er davon ausgehen, dass sich noch jemand im Innern des Anbaus aufhielt.

Er hob den rechten Arm an und streckte dabei seine Hand vor, die aus dem Ausschnitt des Ärmels glitt. Lange, knochige und auch bleiche Finger waren zu sehen, zur Faust gekrümmt, wobei der mittlere Finger vorstand, und mit ihm klopfte der Mann gegen die Tür.

Er tat es nicht leise, sondern hart und fordernd. Das Geräusch sollte gehört werden. Er wollte zeigen, dass jemand unbedingt Einlass begehrte. Und sollte die Person eingeschlafen sein, würde sie durch dieses Geräusch geweckt werden.

Der Ankömmling wartete. Er fasste sich in Geduld. Er war jemand, der warten konnte, denn manchmal konnte auch der Tod warten, und er sah sich als Tod an. Er war nicht der Sensenmann, er war nicht das Skelett mit dem Stundenglas, aber er war trotzdem der Tod. Nur sah er völlig anders aus, und er liebte es, den Tod zu spielen, um die entsprechenden Botschaften übermitteln zu können.

Sein Klopfen zeigte Erfolg. Jemand machte sich auf den Weg, um die Tür zu öffnen. Er sah den Schatten durch die Scheibe des Fensters. Er bewegte sich direkt auf die Tür zu, und die dunkel gekleidete Gestalt konnte ein scharfes Grinsen nicht vermeiden. Bisher lief alles nach Plan.

Ob die Scheibe auch von innen undurchsichtig war, wusste er nicht. Aber er hörte eine krächzende Stimme und stellte sich den Sprecher als einen alten Mann vor, der sich hier bei den aufgebahrten Leichen die Zeit vertrieb, Rätsel löste, Kaffee trank oder auch Radio hörte.

„Wer ist da?“

„Entschuldigung, aber ich möchte noch von einem Verwandten Abschied nehmen.“

„Bitte?“

„Einen Toten sehen“, erklärte der Mann vor der Tür und zeigte ein hölzernes Grinsen.

„Sie kommen verdammt spät.“

„Das weiß ich.“

„Eigentlich ist die Besuchszeit zum Abschied nehmen von Verstorbenen vorbei.“

„Das ist mir klar, aber ich bin von weither gekommen und in einen Stau geraten. Sie wissen ja, wie das ist. Man kann heute als Autofahrer nie eine konkrete Zeit angeben.“

„Ja, ja, das kenne ich.“

„Dann werden Sie doch bitte eine Ausnahme machen können.“

Der andere Mann überlegte. Als der Ankömmling schon etwas sagen wollte, hörte er die Frage. „Wen wollen Sie sich denn noch um diese Zeit anschauen?:

„Professor Harald Wimmer!“

„Ach, den?“

„Ist das schlimm?“

„Nein, nein. Er ist im Moment meine berühmteste Leiche. Sind Sie ein Student oder ein Assistent?“

„Keines von beiden. Ich bin der Cousin.“

„Okay, dann werde ich öffnen.“

Boris Kelo war zufrieden. Er lächelte. Er strich über die Hutkrempe und lauschte den leisen Geräuschen, die entstanden, als sich der Schlüssel von innen im Schloss drehte.

Kelo atmete auf. Die Bahn war frei, und er schaute zu, wie sich die Tür langsam öffnete. Der andere Mann steckte noch voller Misstrauen, was völlig normal war, denn nicht an jedem Abend bekamen die Toten in der Halle noch Besuch.

Kelo hatte richtig getippt. Der Wärter war schon älter. Weit über die sechzig. Ein Gesicht mit zerfurchter Haut, kurze graue Haare, die nur an den Seiten wuchsen, zwei misstrauisch blickende Augen, die sich jetzt vor Schreck weit öffneten, als er die Gestalt sah, deren Anblick nicht jedem gefallen konnte.

Wer viel Fantasie besaß, der stellte sich so einen Todesboten aus der Unterwelt vor, der die Dunkelheit dieses Gebiets mitgebracht hatte. Hinzu kam noch die Größe, denn der Besucher überragte den anderen Mann beinahe um eine Kopflänge.

Kelo wusste, dass Menschen vor ihm zurückschreckten. Auch der Grauhaarige hätte die Tür am liebsten wieder zugeschlagen, aber er sah auch den rechten Fuß des Besuchers, der wie zufällig weiter nach vorn gestellt worden war und die Tür stoppen würde, wenn jemand sie zuschlug.

„Hallo!“, flüsterte Boris.

Der andere konnte nur nicken. Er hätte gern etwas gesagt, aber er brachte keinen Ton heraus.

„Darf ich eintreten?“

Wieder erntete er nur ein Nicken. Dann wurde Kelo Platz geschaffen. Er ging langsam durch die Tür und gelangte in einen kleinen Vorraum, dessen Wände in einem matten Weiß gestrichen waren. Auffällig war das schlichte Holzkreuz an der Wand gegenüber, und der Eintretende verzog widerwillig den Mund, als er es sah.

Er hörte auch den Wächter scharf atmen. Ein Beweis seiner Furcht, aber Kelo war es gewohnt, Furcht zu verbreiten, wenn er irgendwo auftauchte. schließen Sie doch die Tür“, sagte der Besucher.

„Ja, gut.“

„Wie heißen Sie?“

„Günther …“

„Das reicht.“

Boris Kelo hörte, wie die Tür hinter ihm zufiel, ohne dass sie abgeschlossen wurde. Er war längst weitergegangen und stand nun vor dem kleinen Schreibtisch, an dem der Mann gesessen und tatsächlich Rätsel gelöst hatte. Sogar ein Radio sah er. Volkstümliche Weisen klangen leise durch den Raum, in dem sich der typische Geruch einer Leichenhalle ausgebreitet hatte.

Kelo atmete wieder tief durch. Er nahm seinen Hut nicht ab und hörte, wie Günther auf ihn zukam. Auf dem Fliesenboden konnte er seine Schritte nicht dämpfen.

„Wo liegen die Leichen, Günther?“

Der Wärter schluckte. Ihm war unheimlich geworden. Er spürte, dass er etwas falsch gemacht hatte. Er hätte den Mann nicht hereinlassen sollen. Seit dieser unheimliche Mensch den Anbau betreten hatte, war eine Veränderung eingetreten. Seiner Ansicht nach war die Luft kälter geworden, und auf seinem Rücken lag ein Schauer, der nicht weichen wollte. Günther dachte auch daran, dass er sich allein hier aufhielt. Er würde keine Hilfe bekommen, wenn der Typ durchdrehte. Aber er wollte ja nur von einem Toten Abschied nehmen, und das konnte Günther noch über sich ergehen lassen.

„Nebenan.“

„Danke.“

„Es ist nur eine.“

„Der Professor?“

„Ja.“

„Das ist sehr gut.“ Kelo schaute sich um. Sein Blick blieb an einer Tür haften, die sich in der Wand abzeichnete. Sie war schwarz gestrichen. Das Licht der Schreibtischlampe erreichte sie nur mühsam.

„Gibt es Licht in dem Raum?“

„Klar.“

„Sehr hell?“

„Man kann es dimmen.“

„Das ist gut.“

Günther wollte den unheimlichen Besucher so schnell wie möglich los werden und stellte deshalb keine Fragen mehr. Er ging selbst vor und hielt bereits den schmalen Schlüssel in der rechten Hand, um die Tür aufzuschließen.

Kelo schaute ihm nach. Erst jetzt sah er, dass der Mann hinkte. Mit seinem linken Bein war einiges nicht in Ordnung, denn er schleifte es bei jedem Schritt hinter sich her.

Bevor er aufschloss, drehte er den Kopf. „Dahinter sind Boxen, in denen wir die Toten aufbewahren. Es sind vier. Nur eine davon ist belegt, die Letzte.“

„Danke.“

„Sie können die Tür auch öffnen.“

„Wunderbar.“

Der Besucher hatte mit normal klingender Stimme geantwortet, was Günther trotzdem nicht beruhigte. Vor den Toten brauchte man sich nicht zu fürchten, aber dieser Mensch hier jagte ihm einen Angstschwall nach dem anderen ein.

Er ärgerte sich auch, dass seine Hand beim Öffnen der Tür zitterte, aber das war eben nicht zu vermeiden. Wie immer knarrte die Tür ein wenig in den Angeln, dann war der Weg frei. Bevor der Unheimliche eintreten konnte, schaltete Günther das Licht ein und dimmte es zugleich herunter. Es gab Menschen, die helles Licht haben wollten, um bei ihren verstorbenen Angehörigen möglichst jedes Detail zu erkennen, aber es gab auch welche, die das weiche Licht bevorzugten, weil sie sich durch die grelle Helligkeit gestört fühlten.

„Sie können hinein.“

„Danke.“

...

Erscheint lt. Verlag 18.11.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-4009-2 / 3838740092
ISBN-13 978-3-8387-4009-6 / 9783838740096
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