John Sinclair 1331 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7325-2226-2 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Hochzeitskleid und Leichenhemd.
Hochzeitskleid und Leichenhemd war dieses Schmuckstück von Kleid, das allerdings eine Vergangenheit besaß und schon sehr alt war.
Der Sage nach sollte der Teufel persönlich es mit einer Höllennadel genäht haben, um das Kleid denjenigen Frauen anzuziehen, die seine Bräute werden sollten.
In der Vergangenheit war dies eingetroffen. Dabei beließ er es nicht, denn jetzt tauchte das höllische Kleid in der Gegenwart auf.
Und damit begannen unsere Probleme ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Hochzeitskleid und Leichenhemd
Der kalte Hauch fuhr über das Bett hinweg und hinterließ auf der Haut der Schlafenden einen Schauer.
Marietta Harper erwachte. Der kalte Gruß hatte sie aus dem Schlaf gerissen.
Weit öffnete sie die Augen, ohne etwas richtig erkennen zu können. Die junge Frau fühlte sich in den ersten Sekunden nach dem Erwachen benommen. Trotz der geöffneten Augen wusste sie in diesen Augenblicken nicht, wo sie sich befand. Dem Unwissen folgte ein erster Angstschauer, der allerdings schnell verging, als die Erinnerung zurückkehrte.
Das Schlosshotel, die kleine Suite, die Nacht vor der Hochzeit …
Bald würde sie heiraten, und dieses bald war schon heute, denn die Tageswende war erreicht.
Marietta war sehr aufgeregt zu Bett gegangen und schließlich nach einer recht langen Zeit eingeschlafen. Jetzt setzte sie sich langsam auf und stellte fest, dass sie fror. Über die bevorstehende Hochzeit machte sie sich keine Gedanken, sie wunderte sich über das kalte Gefühl auf ihrer Haut und dachte darüber nach, wieso es dazu hatte kommen können.
Natürlich schaute sie zum Fenster. Das war jedoch geschlossen. Die Kühle der Nacht hatte sie also nicht erreichen können. Der kalte Hauch war trotzdem keine Einbildung gewesen. Sehr deutlich hatte sie ihn mitbekommen. Als wäre eine kalte und sehr große Hand von unten nach oben über ihren Körper gestrichen.
Oder lag es an ihr? An der Aufregung? An der großen Nervosität vor dem alles entscheidenden Tag?
Die junge Frau hatte keine Ahnung. Sie spürte nur das heftige Herzklopfen, und auch das Gefühl der Furcht wollte einfach nicht weichen. Sie saß im Dunkeln im Bett. In der Wand malte sich der Umriss des Fensters ab. Natürlich war niemand eingestiegen. Ihr Bräutigam erst recht nicht. Der hatte so etwas nicht nötig. Er schlief im anderen Trakt des Hauses. Sie hatten sich diesen altmodischen Spaß gemacht.
Durch die Tür hätte der Kälteschauer auch nicht in den Raum hineinfließen können. Sie war geschlossen und blieb es auch. Es gab auch keine Klimaanlage, die die Kälte hätte bringen können. Es war und blieb alles völlig normal.
Und trotzdem war es anders geworden. Davon ließ sich Marietta Harper nicht abbringen. Sie besaß auch nicht die Nerven, sich jetzt wieder hinzulegen und zu schlafen. Sie wollte den Dingen auf den Grund gehen. Außerdem war sie hellwach.
Die Braut verließ das Bett. Bekleidet war sie mit einem Nachthemd, das ihr bis zu den Waden reichte. Mit den nackten Füßen stand sie auf den Holzbohlen und stellte fest, dass diese nicht so kalt waren wie sie angenommen hatte.
Einige Male tief durchatmen. Sich auf sich selbst konzentrieren. Ruhig bleiben, dann die Drehung und die Sicht auf das Fenster. Marietta wollte es wissen und nach draußen schauen. Es konnte durchaus sein, dass sich dort etwas abspielte, das sich auch bis in ihr Zimmer hineingestohlen hatte. Sie schlüpfte in die flachen Pantoffeln und ging zum Fenster.
Es war groß.
Alles war groß in diesem Schloss, das als eine Anlage bezeichnet werden konnte und aus mehreren Bauten bestand. Da gab es auch die ehemaligen Ställe, die durch einen Umbau zu Hotelzimmern geworden waren.
Dort wohnte die Braut nicht. Ihr stand die kleine Suite im Schloss zu.
Das große Fenster war geschlossen und hatte in der Mitte einen breiten Rahmen. Um es zu öffnen, musste Marietta erst einen Riegel lösen. Danach drehte sie den Griff. Sie hatte große Mühe, ihn zu bewegen und nahm beide Hände zu Hilfe. Danach klappte es, sodass sie das schwere Fenster aufziehen konnte.
Es schwang ihr entgegen, und sie trat zur Seite, damit sie davon nicht berührt wurde.
Der Blick in die Nacht und das gleichzeitige Einatmen einer wunderbar kühlen Luft.
In dieser Situation glaubte Marietta, am Eingang zu einer fremden Welt zu stehen.
Der klare Himmel. Die Sterne. Verteilt auf einem unendlichen Samtkissen, das blau und grau schimmerte. Der schwache Wind, der über den Schlosshof und über die Dächer der abgestellten Autos hinwegwehte.
Die meisten Fahrzeuge gehörten den Hochzeitsgästen, die alle schon eingetroffen waren, damit sie am späten Vormittag an der Hochzeit teilnehmen konnten.
Auch jetzt erwischte sie wieder ein Schauder. Der allerdings war nicht mit dem zu vergleichen, der sie aus dem Schlaf gerissen hatte. Sie empfand ihn als natürlicher, und das war der andere nicht gewesen. Wenn sie jetzt näher darüber nachdacht, kam er ihr sogar trocken vor, eben anders kühl.
Der Schlosshof lag eingepackt in diese nächtliche Stille. Die Mauern der einzelnen Gebäude standen da wie mächtige Riesen, die darauf warteten, eine menschliche Gestalt geschnitzt zu bekommen. Nur hinter wenigen Fenstern schwamm ein schwacher Lichtschein, ansonsten waren die Fassaden dunkel.
Marietta beugte sich vor. Sie hätte eigentlich beruhigt sein können, was sie jedoch nicht war. Sie konnte sich ihre innere Unruhe selbst nicht erklären.
Ein letzter Blick nach rechts und nach links. Und auch einer direkt an der Fassade entlang ergab keine neuen Einsichten. Alles blieb, wie es war. Kein Mensch bewegte sich über den Schlosshof hinweg. Die Stille der Nacht hielt alles im Griff.
Da sie nur das Nachthemd trug, spürte sie den Wind, der durch den Stoff fuhr. Ihr wurde allmählich kühl, und so zog sich die Braut wieder zurück.
Als sie das Fenster geschlossen hatte, kam sie sich plötzlich wie in einem Gefängnis vor. Offen lassen wollte sie es auch nicht. Nach einem herrlich warmen Tag war eine kühle Nacht gefolgt. Zu kühl für sie. Bei offenem Fenster hätte sie gefroren.
Noch vor einigen Stunden hatte sie sich auf den folgenden Tag gefreut. Das war nun nicht mehr der Fall. Obwohl es keinen sichtbaren Grund gab, fürchtete sie sich davor. Einen Grund für ihre Angst sah sie nicht, und trotzdem konnte sie nicht dagegen angehen.
Wieder ging sie auf ihr großes Bett zu. Dabei schaute sie auf die nicht ganz geschlossene Tür, die zum Nebenzimmer führte. Dort befand sich so etwas wie ein Wohnraum. Eingerichtet mit alten Möbeln. Dort war ebenfalls viel Platz, und Marietta hatte ihn genutzt, um ihr prächtiges Hochzeitskleid auszubreiten.
Es war wirklich ein Prunkstück. Zusammen mit ihrer Mutter hatte sie es ausgesucht. Das heißt, viel hatten sie nicht zu suchen brauchen. Marietta wusste nicht genau, woher ihre Mutter es hatte. Da war sie vor vollendete Tatsachen gestellt worden.
„Schau es dir an, Kind. Und dann sag mir, ob es dir gefällt. Aber ich will deine ehrliche Meinung hören.“
Marietta hatte zu ihrer Mutter immer ein besonderes Verhältnis gehabt. Seit der Pubertät hatten die beiden viele Kämpfe ausgefochten, aber nie das gegenseitige Vertrauen und den Respekt voreinander verloren. Die Mutter hatte sie nie mit harter Hand angefasst. Sie hatte immer auf Argumente gesetzt, auch jetzt fragte Marietta als Erwachsene noch immer bei bestimmten Entscheidungen, was ihre Mutter wohl dazu sagen würde.
Heute empfand sie es nicht mal als schrecklich. Und auch als sie das Hochzeitskleid gesehen hatte, war sie begeistert gewesen und hatte ihre ehrliche Meinung gesagt.
„Es ist ein Traum.“
„Danke, Kind, ich wusste, dass du das sagen würdest.“
„Du kennst mich, wie?“
Die Mutter hatte sie in die Arme genommen. „Und wie ich dich kenne. Dieses Kleid gehört dir, nur dir allein, und ich muss dir sagen, dass es eine Geschichte hat.“
„Welche denn?“
„Es ist nicht neu. Es ist alt. Ich glaube sogar, dass es sehr alt ist.“
„Und weiter?“
„Es wurde schon getragen …“
Nach dieser Antwort hatte Marietta geschwiegen. Ein gebrauchtes Brautkleid, nein, das war eigentlich unmöglich. Da konnte sie einfach nicht zustimmen. Wie hatte ihre Mutter ihr das nur antun können.
Sie wollte protestieren, heftig sogar. Dann aber schaute sie noch einmal auf das Kleid. Ihr Widerstand schmolz zusammen wie der Schnee in der Sonne. Von einem Augenblick zum anderen hatte das Kleid sie in seinen Bann gezogen. Sie musste es sich anschauen, sie kam nicht mehr davon los. Als sie dann einen Kommentar abgab, hörte sich dieser ehrfurchtsvoll an.
„Ja, ich weiß zu schätzen, dass ich dieses Brautkleid tragen darf, Mutter.“
„Das wusste ich. Und wenn ich sage, dass es einmalig ist, dann habe ich nicht übertrieben.“
„Wo hast du es gekauft?“
Ein Zeigefinger legte sich gegen die Lippen. „Das bleibt mein Geheimnis, Kind.“
„Gut. Aber irgendwann wirst du es mir doch sagen – oder?“
Da hatte die Frau geheimnisvoll gelächelt und nur mit den Schultern gezuckt. Marietta fragte auch nicht weiter. Sie kannte ihre Mutter. Wenn sie sich mal etwas vorgenommen hatte, blieb sie auch dabei. Da gab es kein Zurück mehr.
Ihre Erinnerungen verschwammen. Die Vergangenheit zog sich zurück, die Gegenwart hatte sie wieder, und Marietta sah sich noch immer vor dem Bett im Zimmer stehen und auf die Tür schauen.
Eigentlich hätte sie in den Nachbarraum gehen müssen, um sich das Kleid noch einmal anzuschauen, wo sie schon so intensiv daran gedacht hatte. Seltsamerweise traute sie es sich nicht zu. Sie hatte eine gewisse Scheu davor und blieb weiterhin stehen, obwohl sie auch keinen Grund dafür sah. Es konnte allerdings an ihrer Nervosität liegen, mit der sie nach wie vor ihre Probleme hatte.
„Du machst dich selbst verrückt“, flüsterte sich Marietta zu. „Du bist viel zu aufgeregt. Du musst cooler sein. Es wird schon alles klappen“, dachte sie. Es ist eine normale Hochzeit, wenn auch in einem ungewöhnlichen Rahmen.
Marietta nahm sich vor,...
| Erscheint lt. Verlag | 25.11.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-7325-2226-1 / 3732522261 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-2226-2 / 9783732522262 |
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