John Sinclair 1148 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3881-9 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Der Butler.
Der Butler hatte seinem Herrn Treue bis über den Tod hinaus geschworen. Das Schicksal wollte es anders. Nicht der Butler starb zuerst, sondern sein Herr. Beide aber hatten für die Zukunft vorgesorgt. Auch der Schwur war nicht vergessen. Den nahm Edward, der Butler, wörtlich. Denn er holte seinen Herrn aus dem Grab zurück ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Der Butler
Sechs Stufen bis zur Hölle!
Es war nicht die richtige Hölle. Die Kneipe nannte sich nur so. Doch wer hier verkehrte, an dem hätte auch der Teufel seine Freude gehabt.
Sicherlich nicht an dem Fahrer, der auf seinem Motorroller langsam an das Lokal herantuckerte und sehr bald in den Schein der roten Außenbeleuchtung geriet.
Er sah mehr aus wie eine Witzfigur. Weil er ebenso stocksteif auf dem fahrbaren Untersatz hockte. Er trug einen dunklen Mantel und natürlich einen Helm. Der Fahrer hielt an und stieg ab.
Es waren keine lockeren Bewegungen, wie man sie bei normalen Fahrern kennt. Alles, was er tat, wirkte steif oder auch genau überlegt.
Sein Fahrzeug blieb auf dem Ständer stehen, und der Mann nahm seinen Helm ab. Er legte ihn auf den Sitz. Dann knöpfte er seinen Mantel auf und schaute sich um.
Der Mann rümpfte dabei die Nase. Es war keine Gegend, die man sich freiwillig aussuchte, wenn man nicht eben zu denen gehörte, die sich hier wohl fühlten. Danach sah der Mann nicht aus. Man hätte ihn als distinguiert beschreiben können. Er trug einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd, eine schwarze Weste und eine Fliege. Das Haar war schwarz und glatt nach hinten gekämmt. Auf der Oberlippe des hageren Gesichts wuchs ein dünnes, schwarzes Bärtchen. Langgezogen wirkte auch sein Kinn. Im Gegensatz dazu stand die breite Stirn, auf der sich die Falten noch tiefer eingruben, als er in die Runde schaute. Jemand wie er fühlte sich hier alles andere als wohl, aber er hatte eine Aufgabe zu erfüllen.
Bis zum Beginn der Treppe war es nicht weit. Nach drei Schritten hatte er sie erreicht blieb kurz stehen und schaute sich ein letztes Mal um.
Es war kein Mensch auf der Straße zu sehen. Kein Wunder bei dieser Zeit. Mitternacht war längst vorüber. Das feuchtkalte Wetter war auch nicht dazu angetan, die Menschen auf die Straße zu treiben. Es war ruhig. Die Stille passte sich derzeit an, und in den Kneipen der Umgebung tranken die Zecher und Alkis in Ruhe ihre Biere oder kippten Schnäpse in die Kehlen.
Der Mann hüstelte gegen sein Handgelenk und machte sich dann auf den Weg in die Hölle. Er ging mit steifen Schritten, und er sah aus, als hätte er einen Ladestock verschluckt. In seinem Gesicht bewegte sich kein Muskel. Er wirkte in diesen Augenblicken wie leicht vereist und auch etwas widerwillig, denn so hatte er sein Gesicht verzogen. Leicht arrogant und ablehnend, als wäre ihm das alles zuwider.
Die Steintreppe war feucht, und er musste darauf achten, nicht auszurutschen. Es gab eine Tür. In welcher Farbe sie gestrichen war, sah der Mann nicht. Hier unten war es zu dunkel. Das rote Licht floss an dieser Stelle über ihn hinweg.
Die Tür war zugefallen, aber nicht abgeschlossen. Er konnte sie aufstoßen. Es wehten ihm keine Musicklänge entgegen, aber es war auch nicht still. Wer hier in der Hölle um diese Zeit saß, der wollte nur noch reden und trinken.
Der Wirt oder wer auch immer hatte sich bemüht, dem Namen des Lokals gerecht zu werden. So war es innen nach seinen Vorstellungen der Hölle ausgebaut worden. An den Wänden verteilten sich rote und schwarze Farben. Sie liefen wie Flammenzungen ineinander über, und an der Decke glotzte ein gemalter Teufelskopf auf die Besucher herab. Das Maul war dabei zu einem breiten Grinsen verzogen. In den Lücken der langen Zähne klemmten Menschen. Der Teufel sollte seinen Spaß daran haben, sie einfach zu verschlingen.
Es gab auch Gäste innerhalb des Lokals. Die aber nahmen von dem Eintretenden keine Notiz. Die vier noch recht jungen Männer hockten an einem Tisch zusammen. Sie rauchten, tranken und kümmerten sich auch nicht um den Wirt, der hinter der grauen Theke saß und selig entschlummert war.
In der Hölle war es nicht heiß, sondern kalt. Eine Heizung lief wohl nicht, und der Mann sah auch keinen Ofen. Dafür einen schmutzigen Boden, der mit Zigarettenkippen übersät war. Graublauer Rauch lag wie Nebel zwischen Boden und Decke, und kein Ventilator verquirlte ihn.
Um die Gäste genauer in Augenschein zu nehmen, musste der Eingetretene nach links schauen. Sie waren nicht nur vom Alter her ungefähr gleich, sie sahen auch noch gleich aus, denn sie alle trugen dunkle Kleidung.
Schwarze Lederjacken, graue oder schwarze Hosen, wilde Haarschnitte, die vom farbigen Punkschnitt bis zur Mähne reichten. Tätowierte Hände, Ringe in den Nasenlöchern, an den Ohren, auch kleine Ketten, die sich über das Leder hinwegspannten.
Der Mann, der überhaupt nicht in diese Szenerie hineinpasste, holte durch die Nase Luft, bevor er sich räusperte.
Er wurde nicht wahrgenommen.
Noch einmal versuchte er es, und diesmal lauter.
Er schaffte es. Am Tisch schlief die Unterhaltung ein, und vier Köpfe drehten sich in seine Richtung.
Von nun an war alles anders. Was jetzt passierte, das hätte auch ein Drehbuchautor schreiben können. Das war wirklich wie im Film. Sie starrten nur den neuen Gast an, und in ihren Gesichtern spiegelte sich zunächst Erschrecken, das in ungläubiges Staunen überging. Keiner konnte es fassen, dass ein derartiger Gast die Hölle betreten hatte und auch keine Anstalten traf, sie wieder zu verlassen. Es gab zunächst auch keinen, der sich zu einem Kommentar hinreißen ließ, das Staunen war einfach zu groß.
Bis sich dann einer aus der Gruppe erhob.
Es war der junge Mann mit den langen Haaren. Sie wuchsen über die Ohren hinweg und erreichten mit den Spitzen seine Schultern. Zwischen den beiden Hälften dieses Vorhangs schimmerte das Gesicht durch. Zwei staunende Augen, ein schmaler Mund, über der Oberlippe ein dünner Bart, ein spitzes Kinn.
»Edward – sind Sie es?«
»Ja, Chris!«
Das plötzliche Gelächter eines anderen klang wie ein Peitschenschlag. »He, Chris, was ist das denn? Du kennst diese Figur?«
»Ja.«
»Ist der echt oder erleben wir einen Traum? Zu viel haben wir doch nicht gesoffen.«
»Nein, nein …« Chris stand noch immer und schüttelte den Kopf. »Ich kann es selbst nicht glauben, aber er ist Edward, der Butler.«
»Wie kommst du denn an den?«
»Den habe ich nicht. Gehört zur Familie oder so.«
»Klar!«, rief ein anderer. »Du kommst ja aus einem vornehmen Haus. Das hatte ich vergessen. Meinst du, dass der komische Vogel hier ein Bier trinken will?«
»Das glaube ich nicht.«
»Was will er dann?«
»Wollen Sie wirklich nichts trinken, Mister?«, meldete sich der Wirt. Er war durch die Stimmen aus seinem Schlaf erwacht und hatte sich hinter der Theke aufgerichtet.
»Nein, das will ich nicht«, erklärte Edward, der Butler.
»Warum sind Sie dann gekommen?«
»Ja«, rief ein Typ mit grünen Haaren. »Warum bist du Arsch dann gekommen?«
Edward ließ sich auf den provozierenden Ton nicht ein. »Ich bin wegen Chris hier. Sie alle interessieren mich nicht. Ich komme nur wegen des Jungen.«
Als Reaktion erntete er allgemeines Gelächter. Der Typ neben Chris, einer mit Glatze, auf der bläulich die Fratze des Teufels schimmerte, moserte: »Lässt du dir das gefallen?«
Chris wusste nicht, was er antworten sollte. Es hatte ihn überrascht, und er musste zunächst zu sich selbst finden. »Ich weiß ja nicht, was er will.«
Edward blieb ruhig. »Keine Sorge, Chris. Das werden Sie gleich erfahren.«
»Wir sind ja irre gespannt!«
Edward ließ sich durch die Bemerkung nicht aus dem Konzept bringen. »Komm mit mir, Chris.«
Der Angesprochene schüttelte den Kopf. Er schaute seine drei Freunde an und sah das Feixen auf ihren Gesichtern. Sie waren gespannt, wie er reagieren würde. Er handelte so, wie er es für richtig hielt und es auch ihnen gefallen konnte. »Ich werde nicht kommen, Edward. Auf keinen Fall. Überhaupt, wie … wie … ich … dachte, du bist … na ja, du weißt schon …«
»Ich werde dich hier herausholen.«
»Nein.«
Der Butler schüttelte den Kopf. »Doch, Junge, ich habe immer getan, was man mir auftrug.« Er war in einen vertrauten Tonfall verfallen, als wollte er väterlich wirken.
»Und wer hat Sie geschickt, Ed?«
Der Butler lächelte. »Dein Großvater, mein Junge. Er will nicht, dass du vor die Hunde gehst.«
Chris, der bisher gestanden hatte, ließ sich zurück auf seinen Stuhl fallen. Er saß noch nicht richtig, als ein schallendes Gelächter aus seinem Mund brach. »Das ist doch nicht wahr!«, brüllte er danach. »Das kann nicht angehen. Das ist eine Verarschung der übelsten Sorte. Ehrlich, das ist zu krass.«
»Was denn?«, brüllte ihn sein Nachbar an und schüttelte ihn durch.
Chris, der den Kopf geschüttelt hatte, saß für einen Moment wieder ruhig da. »Das ist einfach unmöglich. Mein Großvater kann keinen geschickt haben.«
»Wieso nicht?«
»Weil er längst tot ist!«
*
Die Gäste, die in Lokalen verkehrten, die unter anderem auch Hölle hießen, gehörten nicht eben zu den Chorknaben unter den Menschen. Sie waren schon einiges gewohnt. Sie gingen ihren Weg, egal ob zu Recht oder zu Unrecht, und sie waren nicht immer nur Freunde, die sich vertrugen. Es gab genügend Kämpfe zwischen ihnen, aber sie bildeten auch Cliquen. Hier am Tisch saß eine solche Clique, die es aber verlernt hatte, zu toben und zu schreien, denn plötzlich waren alle sehr still. Eine derartige Antwort hätte keiner von ihnen erwartet, und drei Augenpaare glotzten Chris an.
Der konnte die Blicke nicht mehr ertragen. Mit beiden Händen schlug er auf den Tisch. »Verdammt!«, schrie er. »Glotzt nicht so blöde. Es stimmt, was ich gesagt habe. Es ist wirklich alles okay. Mein Großvater lebt nicht...
| Erscheint lt. Verlag | 28.10.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3881-0 / 3838738810 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3881-9 / 9783838738819 |
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