John Sinclair 1106 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3839-0 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Zombie-Engel (2. Teil).
Das Rätsel um das Totenhemd war noch nicht gelöst. Nur hatte Glenda unfreiwillig das Tor zu einer anderen Dimension aufgestoßen. Zu einer Welt der Zombie-Engel.
Nie hätten wir gedacht, dass es sie gab. Aber sie existierten, und sie fielen in London ein. Sie wollten Glenda. Auch wenn sie dabei die berühmte Tower Bridge in ein flammendes Inferno verwandelten ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Zombie-Engel (2. Teil)
Ich hörte den Schuss, diesen verdammten Knall, und wusste, dass ich der Kugel nicht entgehen konnte. Dafür stand die Schützin zu dicht vor mir. Es war für Isabella nicht so gelaufen, wie sie es sich vorgestellt hatte, und deshalb hatte sie ihre Drohung in die Tat umgesetzt und eiskalt abgedrückt.
Es war schon seltsam. Da läuft die Zeit normal ab, aber in einer solchen Situation hat man als Beteiligter und auch als Verlierer das Gefühl, alles würde sich verlangsamen. Man erlebt die Momente vor dem Tod viel intensiver, denn dass ich überleben würde, war kaum vorstellbar. Das Geschoss aus dem Revolver würde mich im Kopf treffen. Es gab nichts zwischen Isabella und mir – bis auf das Totenhemd.
Ich hielt das Kleid – das Totenhemd – in der Hand. Ich hatte es mir überstreifen wollen, aber es war nicht möglich gewesen. Es hatte einfach nicht gepasst.
Die Kugel traf. Sie schlug ein. Ich erwartete den Aufprall, den Schmerz und dann nichts mehr.
Aber ich lebte noch.
Die Kugel hatte mich nicht erreicht, obwohl sie aus sehr kurzer Distanz abgefeuert worden war. Sie hatte weder meinen Kopf noch den Körper getroffen, denn das Kleid hatte die Kugel geschluckt oder abgelenkt.
Durch den Stoff der zahlreichen Kleidungsstücke im Laden war das Echo des Schusses gedämpft worden. Dennoch hallte er in meinen Ohren nach, doch viel interessanter war das Gesicht der Schützin. Isabella wollte es nicht glauben, sie glotzte mich an wie eine Person, die alles in ihrem Leben verloren hatte. Für sie waren die Lichter ausgegangen. Sie hatte auf die As-Karte gesetzt und trotzdem nicht gewonnen.
Auch ich war in den ersten Sekunden wie vor den Kopf geschlagen. Mein Herz schlug schneller. Jeder Schlag drang hart bis unter meine Schädeldecke, wo er sich mit den dort hockenden Schmerzen vereinigte und zu einem harten Stechen wurde.
Isabella schrie auf. Sie schüttelte den Kopf. Sie konnte es noch immer nicht fassen. Der rechte Arm mit der Waffe war nach unten gesunken, sodass die Mündung nicht mehr auf mich zielte. Der Mund stand offen. Selbst das sonnenbraune Gesicht war bleich.
Ich handelte sofort. Schleuderte Isabella das Kleid entgegen. Mein Ablenkungsmanöver klappte. Sie riss den Arm schützend hoch und dachte nicht mehr an mich, sodass ich rasch die Waffe zog.
Bevor sich Isabella versah, zeigte die Beretta-Mündung auf sie. Zwischen uns gab es kein Kleid mehr, ich war im Vorteil, und ich hörte einen Laut, der mich an das Heulen eines Tieres erinnerte. Isabella wollte nicht begreifen, dass ich noch lebte.
»Die Waffe weg!«
Sie schüttelte den Kopf. Dann riss sie den Arm hoch, um auf mich anzulegen.
Ein zweiter Schuss fiel!
Diesmal hatte ich abgedrückt. Im Gegensatz zu ihr erwischte ich mein Ziel. Ich wollte Isabella nicht töten und hatte deshalb auf ihren rechten Oberschenkel gezielt und auch getroffen. Hart wie ein Treffer mit dem Hammer schlug die Kugel ein. Der Frau wurde das Bein praktisch weggerissen. Sie schoss nicht mehr auf mich, ließ sogar die Waffe fallen, um beiden Hände frei zu haben, damit sie sie auf die Einschussstelle pressen konnte. Sie ging noch mit einer staksigen Bewegung zwei Schritte nach rechts, dann verlor sie den Halt, knickte ein und fiel einfach zur Seite.
Sie schlug auf. Sie keuchte, die Hände noch immer gegen die Wunde gepresst. Ihre Augen waren weit aufgerissen und auch verdreht, und ihr Gesicht zeigte eine noch stärkere Blässe. Auf dem Rücken blieb sie liegen, das getroffene rechte Bein starr ausgestreckt, das linke angezogen. Im Moment bedeutete sie keine Gefahr für mich. Ich ging hin und hob den Revolver auf, den ich anschließend in meinen Gürtel steckte, um dann Zeit für Isabella zu haben.
Sie starrte zu mir hoch. Ihre Augen kamen mir blutunterlaufen vor. Noch immer kochte der Hass in ihr. Um das zu sehen, brauchte ich nicht einmal ein großer Menschenkenner zu sein.
»Du hast es dir selbst zuzuschreiben!« erklärte ich ihr. »Aber du wirst daran nicht sterben. Lass mal sehen.«
»Nein!«
»Ich will die Wunde verbinden.«
Sie schüttelte im Liegen den Kopf, doch darum kümmerte ich mich nicht. Es gab genügend Kleider hier, deren Stoff ich als Verband benutzen konnte. Einen hellen Rock riss ich auseinander, dann kniete ich mich neben sie. Sie wollte ihre Hände nicht von der Wunde wegnehmen, und ich musste schon ein wenig Gewalt anwenden, um mir das Kugelloch anschauen zu können.
Die Wunde blutete kaum. Mein Geschoss hatte keine Ader zerfetzt, aber es musste aus dem Oberschenkel herausoperiert werden, und das schaffte nur ein Arzt.
Um ihr Schimpfen kümmerte ich mich nicht, als ich mit der Wunde beschäftigte. Sie war keine Dämonin. Wäre es anders gewesen, hätte das geweihte Silber sie zerstört. Aber sie war ein Mensch, der in einen dämonischen Kreislauf hineingeraten war und nun nicht mehr herausfand.
Ihre Stimme wurde leise. Sie sackte ab und wurde schließlich zu einem Flüstern. Zudem hielt sie auch die Augen geschlossen und zuckte manchmal zusammen, als ich sie behandelte.
Dass sich die Dinge in dieser Nacht so entwickelt hatten, damit hätte ich nie im Leben gerechnet. Wieder einmal hatte ich erleben müssen, welche Überraschungen es immer wieder gab. Was so harmlos begonnen hatte, das hatte sich letztendlich zu einem gefährlichen Drama entwickelt.
Dabei hatte ich Glenda Perkins nur einen Gefallen tun wollen. Es ging um eine Bekannte, die verschwunden war, deren Todesanzeige sie aber gelesen hatte.1
Die Spur hatte uns zu einem Secondhandshop geführt, der von Isabella betrieben wurde. Sie verkaufte getragene Kleider, aber sie besaß ein besonderes Stück in ihrer Sammlung. Es war das Kleid, das einem Menschen Unsichtbarkeit verlieh oder ihn einfach weg in eine andere Dimension holte. Ein Kleid, das auch als Totenhemd bezeichnet werden konnte, denn es hatte einmal einem Engel gehört.
Nicht jeder konnte das Kleid tragen. Drei Frauen, die es versuchten, hatten es mit ihrem Leben bezahlt. Sie waren zu Asche verbrannt. So auch Glendas Bekannte Cordelia Miller.
Bei Isabella funktionierte es nicht. Wir hatten erlebt, dass sie von einem Trip zurückkehrte, der sie in eine geheimnisvolle Welt und zu einem düsteren Friedhof gebracht hatte, nachdem sie sich das Kleid übergestreift hatte. Aber man hatte sie dort nicht gewollt. Sie wäre nicht würdig, hatte man ihr gesagt.
Was es genau mit dem Totenhemd auf sich hatte, wusste ich auch nicht. Das Schicksal war leicht gegen uns gewesen. Vielleicht hatte ich auch nicht genügend aufgepasst. Jedenfalls war es Isabella gelungen, mich niederzuschlagen, und sie hatte danach Glenda Perkins gezwungen, sich das Kleid überzustreifen, in der Hoffnung, dass sie verbrannte. Es war nicht geschehen. Statt dessen war Glenda verschwunden. Ich wusste nicht, wo ich sie suchen sollte.
Möglicherweise auf dem alten Friedhof in einer anderen und kaum zu begreifenden Dimension.
Ich hatte den Verband aus Kleiderstoff so gut wie möglich angelegt. Isabella kümmerte sich nicht um mich. Sie lag da wie vergessen und stöhnte leise vor sich hin. Dass sie noch nicht aufgegeben hatte, war für mich klar, doch im Moment würde sie mich in Ruhe lassen. Als eine dreifache Mörderin wollte ich sie nicht bezeichnen, aber sie hatte auch nichts dagegen unternommen, dass die drei Frauen im Kleid verbrannten. Deren Asche hatte sie in einen alten, im Keller stehenden Ofen verschwinden lassen.
Ich kümmerte mich um das Kleid. Es war zur Seite geschleudert worden. Wer es sich anschaute, der würde von seinem Aussehen her nicht einmal auf den Gedanken kommen, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Er sah einen hellen Stoff mit leichtem Gelbstich und konnte einen Stoff betasten, der sich normal anfühlte.
Das war er nicht. Ich wusste nicht einmal, ob es sich bei diesem Totenhemd überhaupt um einen Stoff handelte oder um ein anderes Material, das nur einen stoffähnlichen Charakter aufwies.
Das Kleid war zu Boden gefallen. Es hätte allerdings auch aufrecht stehen können, denn als normal durfte ich es nicht ansehen. Es konnte hingestellt werden, wie ein Kleid, das von Reifen oder dünnen Korsagen gehalten wurde.
Die gab es hier nicht. Das Totenhemd des Engels stand aus eigener Kraft. Ich hob es wieder an und stellte es aufrecht. Es war leicht, und ich dachte daran, wie ich versucht hatte, es mit dem Kreuz zu zerstören. Das war mir nicht gelungen. Kaum hatten sich Kreuz und Kleid berührt, da war es zu einer Abwehrbewegung gekommen. Das Totenhemd hatte mein Kreuz nicht akzeptiert und es regelrecht zur Seite geschleudert. Deshalb hütete ich mich auch jetzt davon, mein Kreuz einzusetzen, geschweige denn, es zu aktivieren.
Außerdem war es der Weg zu Glenda Perkins, die nach wie vor verschwunden war. Auch wenn ich wusste, dass sie sich möglicherweise auf dem geheimnisvollen Friedhof aufhielt, den Weg dorthin kannte ich nicht. Und so machte ich mir verdammt große Sorgen um sie.
Ich drapierte das Totenhemd so, dass ich es im Blick behalten konnte, um mich danach um die Verletzte zu kümmern. Isabella war noch ruhiger geworden. Sie hatte ihre Haltung nicht verändert. Die Augen standen offen, und sie schaute zur Decke, die grau war. Sie passte zu diesem kleinen Laden, in dem alles ziemlich blass und grau war, sodass selbst die Farben der Kleidungsstücke sich immer mehr anglichen.
Ich holte mir einen Hocker hinter dem Verkaufstresen und stellte ihn neben Isabella. Danach setzte ich mich. Mein Blick traf ihr Gesicht. Sie hatte alles mitbekommen, schaute mich an. Ich hörte ihr kurzes Atmen und sah auch den Schweiß auf dem Gesicht, dessen Haut so fahl wirkte...
| Erscheint lt. Verlag | 28.10.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3839-X / 383873839X |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3839-0 / 9783838738390 |
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