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John Sinclair 1091 (eBook)

Das Geschöpf

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3824-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1091 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Das Geschöpf.

Wer ist dieses Wesen, das sich einmal als Schatten zeigt, durch Wände jagen kann, aber auch Gestalt annimmt und zum mordenden Monster wird? Suko und ich mussten es herausfinden. Die Spur zu ihm führte über vier vereiste Leichen und einen dreizehnjährigen Jungen, der in den Bann des Monsters geraten war.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Das Geschöpf


Der dünne, kalte Dunst waberte durch das blasse Licht der Scheinwerfer, und die Schatten des einbrechenden Abends hatten die Helligkeit des Tages verdrängt. Die Temperatur war gefallen. Manche Pfützen hatten bereits einen dünnen Eisfilm bekommen.

Ich saß hinter dem Steuer des Rovers und lenkte ihn durch die düstere Hafengegend. Suko, der neben mir saß, wirkte entspannt, was sicherlich nicht stimmte, denn wir waren nicht zum Vergnügen unterwegs. Es ging um eine Leiche, die wir uns anschauen sollten.

Der Hafen schläft nie, heißt es. Auch an dieser Seite war die Gegend nicht in tiefes Schweigen versunken, aber der Lärmpegel war schon gedrosselt worden. Außerdem erschien der Teil verlassen. Von Betrieb konnte man nicht sprechen. Es gab Straßen, es gab Häuser, es gab hin und wieder Laternen, deren Lichter das dunkle, oft rissige Pflaster umschmeichelten und es so aussehen ließen wie von Seelen bedeckt, die sich verlaufen hatten.

Wir waren an Kneipen vorbeigefahren, auch an Häusern, in denen niemand mehr wohnte. Wir hatten hin und wieder das Wasser gesehen, auch die warme Luft, die nebelartig aus den Gullys strömte.

Den Weg zum Ziel hatten wir uns zuvor angesehen. Irgendwann würde eine Stichstraße rechts abführen, die dann an einem Hafenbecken endete. Zuvor mussten wir noch die Rückseite eines großen, kasernenähnlichen Hauses passieren, hinter dessen Mauern ein Seemannsheim untergebracht war.

Sailor’s Home, hieß es. Ein Relikt aus alter Zeit, das viele Jahrzehnte überstanden hatte und auch nicht abgerissen wurde, weil es den Menschen noch immer Obdach bot.

Ich fuhr vorsichtig. Hier in der Nähe des Wassers musste ich bei diesen Temperaturen mit Glatteis rechnen. Auf dem Pflaster schimmerte es gefährlich hell, und auch Suko saß jetzt angespannter neben mir.

Rechts tauchte die Rückseite des Seemannsheims auf. Ein mächtiger Bau. Langgestreckt, fensterlos. Eine Wand aus Steinen, die sich bis hoch zum flachen Dach zog, auf dem die Kamine kantig hervorstanden.

Ein Mann fiel mir auf.

Er hockte auf dem Boden. Eingehüllt in eine dicke Jacke, die Mütze auf dem Kopf, einen Schal um den Hals, ein bärtiges Gesicht, und Augen, die blinzelnd in das Licht der Scheinwerfer schauten, als wir uns ihm näherten. In seinen Händen hielt er eine Ziehharmonika, ein Schifferklavier, doch er spielte nicht.

»Will der festfrieren?« fragte Suko. »Das könnte mir einfallen, um diese Zeit draußen zu hocken und zu spielen.«

»Er spielt doch nicht.«

»Sehe ich auch. Warum dann das Instrument?«

»Vielleicht spielt er, wenn wir anhalten.«

»Soll ich lachen?«

Der Mann hob nicht einmal den Arm, um sein Gesicht zu schützen. Allerdings drehte er den Kopf, als wir an ihm vorbeiglitten. Dabei legte er seine Hand auf das Instrument, wie jemand, der Angst davor hatte, dass es ihm gestohlen werden könnte.

Wenig später hatten wir ihn passiert, und Suko schüttelte noch immer den Kopf.

Er saß aber starr, als er das Klopfen hörte.

Auch ich bewegte mich nicht.

Es hatte unseren Wagen erwischt. Zwei harte Schläge gegen die Fahrertür. Das gleiche Geräusch hörten wir vom Dach her und auch vom Kofferraum. Dort hatte es den Rover ebenfalls erwischt. Aber es war niemand zu sehen gewesen.

Ich bremste.

Suko hatte sich schon losgeschnallt. Er saß noch und drehte sich auf dem Sitz, weil er durch die Scheiben sehen wollte und trotzdem nichts zu Gesicht bekam.

»Das haben wir uns doch nicht eingebildet.«

»Stimmt.«

»Bist du gegen ein Hindernis gefahren, John?«

»Hast du eins gesehen?«

»Nein.«

Wir stiegen aus. Ich öffnete die Tür an meiner Seite langsamer. Sie stieß weder gegen ein Hindernis noch an die Mauer des Sailor’s Home. Ich konnte den Wagen ebenso wie Suko normal verlassen.

Im Auto war es warm gewesen. Jetzt spürten wir die Kälte, die auf uns lastete. Es war nicht windig, zumindest nicht hier, aber feucht, und das machte das Wetter wenig angenehm.

Ich schaute an der rechten Fahrerseite nach, ohne etwas zu entdecken. Es gab keine Beule im Metall, und irgendwelche Kratzer konnte ich bei dem Licht nicht sehen.

Suko suchte das Dach so gut ab wie möglich. Auch dort sah er keine Veränderungen, wie er mir sagte, und so blickten wir uns über den Wagen hinweg an.

»Geirrt haben wir uns nicht«, sagte ich. »Ich habe auch hier kein Hindernis gesehen.«

»Eben.«

»Was war es dann?«

»Ein Angriff aus dem Unsichtbaren.«

Ich schüttelte den Kopf. Daran wollte ich nicht glauben, obwohl wir schon die unwahrscheinlichsten Dinge erlebt hatten und so etwas nicht ausschließen konnten. Aber dafür gab es auch keinen Grund.

Ich drehte mich herum, um die Mauer des Sailor’s Home nicht mehr im Rücken zu haben. Mein Blick glitt über das Gestein hinweg. Die Hoffnung, eine Lücke zu finden, erfüllte sich nicht. Die Mauer blieb dicht und fest geschlossen. Stein auf Stein, dick und klotzig, dabei bräunlich schimmernd oder mit einer dünnen Moosschicht bedeckt.

Von dort war der Angriff nicht erfolgt.

Also doch eine Täuschung.

In diesem Augenblick erreichte uns die Musik. Der bärtige Mann begann zu spielen. Er hatte sein Instrument aufgenommen, drückte es zusammen, zog es auseinander und spielte uns ein Ständchen, dessen Weise sich klagend anhörte.

Wir hatten uns gedreht und schauten zu dem Alten hin. Er saß jetzt aufrechter. Die Mauer stützte seinen Rücken. Er spielte, schaukelte dabei leicht und hatte den Kopf gedreht. Das Lied war ein Shanty. Allerdings nicht fröhlich, sondern eher traurig und verloren klingend. Als wollte er durch das Lied seine eigene Wehmut zu uns rüberbringen.

»Das wäre ein Zeuge, John.«

»Ich wollte gerade gehen.«

Es war nicht weit. Vielleicht zwanzig Meter. Weit hinten ragte eine Lampe wie ein geknickter Arm von der Mauer weg nach vorn. Die Laterne sah aus wie ein blasses kaltes Auge.

Wir gingen auf den einsamen Musiker zu, der uns jetzt entgegenschaute und nicht aufhörte zu spielen. Er wiegte dabei den Kopf, obwohl die Melodie alles andere als fröhlich war. Gehört hatte ich sie schon einmal, der Text war mir unbekannt.

Vor dem Mann blieben wir stehen. Er hörte noch nicht auf. Er schaute nur zu uns hoch. Von seinem Gesicht sahen wir nicht viel. Das lag an seinem grauen Bart, der praktisch überall wuchs, und auch an seiner breiten Schiffermütze, deren Schirm er in die Stirn gezogen hatte. Er zog das Schifferklavier noch einmal auseinander, so lang, dass fast keine Falten mehr zu sehen waren, und die Musik hörte mit einem letzten klagenden Laut auf, der sehr schnell verwehte.

Langsam legte er den Kopf zurück, damit er uns besser sehen konnte. Das Instrument ließ er sinken. Wir sahen, dass er nicht direkt auf dem Boden saß, sondern auf einem Lederkissen.

Ich nickte ihm zu. »Guten Abend, Mister. Schöne Musik.«

Er lachte. Dann holte er ein Tuch hervor und wischte über seinen breiten Mund. »Finden Sie?«

»Ja. Zwar ein wenig traurig, aber …«

»Soll ich in dieser Welt noch jubeln und einen Chor der Engel imitieren?«

»Das kommt auf den Menschen selbst an.«

»Aber die Menschen sind schlecht.«

»Nicht immer«, widersprach ich.

»Ich habe wenig gute kennengelernt.«

»Sie spielen immer hier?« fragte Suko.

»Ich spiele, aber nicht immer hier an dieser Stelle.«

»Sie verdienen so Ihren Lebensunterhalt, nehme ich an.«

»Was man so Lebensunterhalt nennt.«

»Hier kommt wohl niemand vorbei, der Ihnen etwas gibt. Warum hocken sie hier in der Kälte?«

»Weil ich allein sein möchte. Manchmal muss der Mensch allein sein. Ich spiele dann, was ich will. Ansonsten, wenn ich durch die Kneipen tingele, muss ich immer fröhliche Lieder spielen. Danach ist mir kaum zumute, wenn ich ehrlich bin.«

Ich fragte ihn, wie lange er hier schon in der Kälte saß und Musik machte.

Mit einer Hand winkte er ab. »Das weiß ich nicht genau. Ich war dabei, Feierabend zu machen.«

»Und Sie haben nichts gesehen?«

Der Alte lachte. »Was soll ich denn gesehen haben? Ich bin ein Mann der Musik. Fragen Sie die Gäste in den Pubs und Kneipen. Da ist Old Jugg bekannt.«

»Toller Name.«

»So heiße ich eben.« Er bewegte sich zur Seite, um sich abstützen zu können. Dann stand er auf und schulterte mit einer geschickten Bewegung das Instrument. Er hob sein ledernes Sitzpolster auf, schaute zu unserem Wagen hin und wollte sich entfernen.

»Einen Moment noch, Old Jugg«, sagte ich und legte ihm eine Hand auf die Schulter.

»Was ist denn?«

Ich schaute in das vom Leben gezeichnete Gesicht mit der ledrigen Haut und suchte seinen Blick. Seine Augen waren grau, blass, aber nicht tot. Er war schon ein Mensch, der sah, und er konnte auch ein guter Zeuge für uns sein.

»Habe Sie gesehen, wer da gegen unseren Wagen geschlagen hat?«

»Ähm … wie?«

»Ja, gegen unseren Wagen. An die rechte Seite, auf das Dach und gegen den Kofferraum.«

»Ich war es nicht!«

»Okay, das dachten wir uns. Es passierte auch, nachdem wir an Ihnen vorbeigefahren waren. Aber wir haben uns diese Schläge nicht eingebildet. Die hämmerten und kratzten gegen die Karosserie. Als wir ausstiegen und nachschauten, war nicht zu sehen. Jetzt stehen wir vor einem Rätsel, bei dessen Auflösung Sie uns vielleicht helfen können.«

Er schüttelte den Kopf. »Nein, das kann ich nicht.«

»Sie haben also nichts gesehen?« fragte Suko.

»Wirklich nicht.«

...

Erscheint lt. Verlag 21.10.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer • alfred bekker • Bastei • Bestseller • blutig • Clown • Dämon • Dämonenjäger • dan-shocker • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • Extrem • Fortsetzungsroman • Frauen • Geisterjäger • grusel-geschichten • Gruselkabinett • Grusel-Krimi • Gruselroman • Grusel-Roman • Horror • Horror Bücher ab 18 • Horror-Roman • horrorserie • horror thriller • Horror-Thriller • Jason Dark • Julia-meyer • Kindle • Krimi • Kurzgeschichten • larry-brent • Lovecraft • Macabros • Männer • morland • neue-fälle • Paranomal • professor-zamorra • Professor Zamorra • Psycho • Roman-Heft • Serie • Sinclair • Slasher • spannend • Splatter • Stephen King • Stephen-King • Steven King • Terror • Thriller • Tony-Ballard • Top • Zombies
ISBN-10 3-8387-3824-1 / 3838738241
ISBN-13 978-3-8387-3824-6 / 9783838738246
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