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John Sinclair 1051 (eBook)

Als Verfluchte grüßen ... (1. Teil)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3784-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1051 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Als Verfluchte grüßen ... (1. Teil).

Als ich die Frau aus dem eiskalten Wasser des Kanals zog und sie vor einem Selbstmord bewahrte, ahnte ich nicht, was noch folgen würde. Die Frau hatte sich umbringen wollen, weil man ihren achtjährigen Sohn entführt hatte.

Man brauchte ihn. Nicht, um Lösegeld zu erpressen, nein, man hatte anderes mit ihm vor.

Suko und ich hängten uns rein. Der anfängliche Verdacht, einem Kinderschänderring auf der Spur zu sein, verhärtete sich nicht. Die neuen Tatsachen aber waren ebenso schlimm, denn der entführte Junge war als Menschenopfer für den Götzen Baal ausgesucht worden.

Und er war nicht der einzige ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Als Verfluchte grüßen  … (1. Teil)


Ida Cobins Augen waren blutunterlaufen, als sie auf die Haustür zurannte. Der Atem ging keuchend. In der Lunge spürte sie das Stechen. Sie verfluchte die unzähligen Zigaretten, die sie gequalmt hatte. Sie verwünschte auch sich selbst, ihr Leben, das so anders verlaufen war, als sie es sich vorgestellt hatte, und nun in dieser verdammten Mietskaserne seinen vorläufigen Tiefpunkt gefunden hatte.

Das Haus war ein grauer Klotz. Ebenso grau wie das andere auch. Sie standen zusammen und waren eine trostlose Welt für sich. Es gab mehrere Eingänge, und hinter jedem schien eine jeweils andere Hölle zu lauern.

Das spielte für sie in diesem Fall keine Rolle. Ida wollte so rasch wie möglich in das Haus, in ihre Wohnung, um zu ihrem Sohn zu kommen. Hoffentlich wartete Sammy auf sie. Hoffentlich hatte sie keinen Fehler gemacht.

Die Haustür war nie ver- oder geschlossen. Wie immer, so hing sie auch heute schief in den Angeln. Ohne den schwankenden Lauf großartig zu stoppen, rammte die Frau ihre rechte Schulter gegen die Tür, die hart nach innen gestoßen wurde und dabei gegen ein Hindernis prallte, das plötzlich aufschrie. Ein bekiffter Typ hatte zu nahe an der Tür seinen Platz gehabt. Er war von ihr aus seiner sitzenden Haltung zu Boden gestoßen worden, fluchte wie wild und hielt sich seinen Kopf.

Ida bedachte ihn mit einem nur knappen Blick. Sie kannte den Knaben nicht, der bleich und ausgemergelt war. Er fing an zu heulen, während Ida an ihm vorbeilief.

Es gab keinen Aufzug. Man musste zu Fuß hoch in die oberen Etagen. Ida Cobin wohnte in der Dritten. Hier war es egal, wo man lebte. Jedes Stockwerk sah sowieso gleich aus.

Lang, düster, schmutzig, mit verschmierten Wänden. Ebenso verschmiert wie das Geländer, an dem sich die Frau festklammerte. Die Treppen zu nehmen, erwies sich für sie als eine Tortur. Sie konnte nicht einmal fluchen, das Stechen in ihrer Lunge nahm zu. Sie ging nicht hoch, sie schleppte sich nur nach oben. Wenn sie einatmete, dann hatte sie das Gefühl, dicht vor dem Platzen zu stehen.

Sie kämpfte sich weiter. Stufe für Stufe. Der Gedanke an Sammy gab ihr die nötige Kraft, auch den letzten Absatz zu schaffen.

Im Flur blieb die Frau stehen. Ida konnte nicht mehr gehen. Sie musste eine Pause einlegen. An der Wand stützte sie sich ab. Sie war so erschöpft, dass die Schmierereien vor ihren Augen zerfaserten. Das auch, weil sich die gesamte Umgebung zu drehen schien. Sie weinte, sie atmete röchelnd und keuchend zugleich. Ihr Brustkorb schmerzte. Ihre Beine wollten nachgeben. Für sie war es ein Wunder, dass sie sich noch auf den Füßen halten konnte.

Ihr Kopf glich einem Ballon. Er war viel dicker geworden. In ihm rauschte es. An den Schläfen spürte sie die Schmerzen. Die Tür lag noch weiter entfernt. Etwa die Hälfte des Flurs musste sie durchlaufen, um sie zu erreichen.

Ida ging. Sie musste gehen. Nicht in der Mitte des Flurs. Sie hielt sich an der Wand fest.

Jemand kam ihr entgegen. Sie erkannte nicht einmal, ob die Person eine Frau oder ein Mann war. Ihr Blick hatte seine Klarheit verloren. Es war nur mehr der letzte Weg, die paar Meter.

Die packe ich! hämmerte sie sich ein. Verdammt noch mal, die packe ich! Die Füße schleiften über den schmutzigen Boden. Immer wieder kratzten ihre Hände auch über die Außenseiten der Wohnungstüren hinweg, die bündig mit der Wand abschlossen.

Ida hatte es gelernt, zu kämpfen. Im Dschungel der Großstadt zu überleben. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen in einer ähnlichen Lage wusste sie, wofür sie kämpfte und all die Mühen auf sich nahm. Es ging um ihren Sohn, um Sammy. Er war alles in ihrem Leben. Nur für ihn schuftete sie sich ab.

Es ging ihr etwas besser. Die Erschöpfung ließ nach. Die alte Kraft kehrte zurück. Wieder einmal war sie stolz auf ihre Zähigkeit. Bisher hatte sie Ida vor dem endgültigen Absturz ins Elend bewahrt, und sie wollte auch jetzt nicht aufgeben.

Allmählich sah sie besser. Die Nebel der Erschöpfung waren verschwunden. Die glatte Decke wellte sich nicht mehr. Sie war sogar in der Lage, die Schmierereien unter ihr zu sehen.

Noch drei Türen.

Kein Problem mehr.

Trotzdem kam eines hinzu. Auf einmal war dieser verdammte Druck wieder da. Unsichtbar klemmte er um ihre Brust. Ida Cobin kannte das Gefühl. Es war die Angst. Die reine, kalte Angst, die sie in den Klauen hielt. Eine verfluchte Vorahnung, dass nicht alles so gelaufen war, wie sie es sich vorgestellt hatte.

Sie sprach den Namen ihres Sohnes aus. Keine normale Stimme mehr. Es war nur ein Keuchen, ein Hervorbringen der einzelnen Buchstaben, die kaum in einem Zusammenhang miteinander standen.

Ida brauchte sich nicht mehr abzustützen, als sie die Tür ihrer Wohnung erreicht hatte. Sie stand davor. Leicht schwankte sie. Starrte auf die schmutzige Außenseite. Die Türen hier im Haus waren früher mal grüngrau gestrichen worden. Davon war nichts mehr zu sehen. Die meiste Farbe war abgeblättert, sodass der Untergrund durchschimmerte. Oft waren die Türen auch besprayt worden. Ihre hatte man verschont. Ida wusste den Grund auch nicht.

Sie holte tief Luft. Sie schloss für einen Moment die Augen. Dann spürte sie die Angst wieder stärker. Sie hörte und sah nichts, und genau das ließ sie flattern.

Die Tür der Wohnung war nicht verschlossen. Zwei Zimmer standen Sammy und ihr zur Verfügung. Kleine Räume nur. Von einer Dusche oder einem Bad konnten sie nur träumen.

Auch über der Klinke lag ein grauer Schmierfilm. Abgeschlossen war die Tür nicht, und Ida legte ihre Hand auf die Klinke, um sie nach unten zu drücken.

Alles klappte. Sie konnte die Tür aufziehen. Eine leere Wohnung lag vor ihr, das spürte sie sofort. Sie wollte auch nicht an ihren Sohn denken, den sie allein gelassen hatte. Sie fluchte nicht über sich selbst, sie hoffte nur, dass sie ihn sah. Dass er vielleicht eingeschlafen war oder Hausaufgaben machte, wie auch immer.

Zögernd und wie eine Fremde betrat sie ihre Wohnung. Steif und trotzdem innerlich aufgewühlt. Die Wohnungstür zog sie zu, und sie ging hinein in die Stille.

Es war so verdammt still …

Sie hörte nur sich selbst. Wie sie die Luft einsaugte und sie anschließend wieder ausstieß. Etwas lief kribbelnd über ihre Haut hinweg, wie ein Stromstoß, der sich verteilte. Ida ahnte etwas, nur wollte sie es noch nicht wahrhaben.

Sie ging weiter.

Ein Flur gehörte nicht zu dieser Wohnung. Nach der Tür hatte sie sofort das erste Zimmer betreten können. Eine Küche, in der sie auch mit ihrem Jungen wohnte. Nicht eben sauber. Ziemlich verdreckt sogar, doch dafür hatte sie keinen Blick.

Sie sah nur, dass dieser Raum leer war. Es gab keinen Sammy, der sich hier aufgehalten hätte.

Die nächste und gleichzeitig ihre letzte Hoffnung. Sie musste sich nach links drehen, um die Tür zu erreichen. Sie war nicht geschlossen. Stand auch nicht weit genug auf, um das Zimmer von ihrer Position aus überblicken zu können.

Ida Cobin spürte die Angst, die immer dichter wurde. Sie hörte nichts. Wäre Sammy im Schlafzimmer gewesen, hätte er sich gemeldet, denn er hätte sie hören müssen.

Das Zittern nahm zu. Ida hatte ihren Herzschlag selten so stark erlebt, wie in diesen Augenblicken. Jeden einzelnen Schlag bekam sie als Echo im Kopf mit. Der Schweiß lag wie kaltes Fett auf ihrer Haut, und sie nahm den eigenen Körpergeruch ungewöhnlich deutlich wahr.

Sie stieß die Tür auf.

Langsam schwang sie nur nach innen. Ihr Blickfeld erweiterte sich intervallweise.

Der alte Schrank, zwei Betten, das Waschbecken aus grauem Stein.

Ja, die Betten.

Sie standen im rechten Winkel zueinander. Alte Feldbetten, die sie umsonst bekommen hatte. Beide waren nicht gemacht. Die Decken lagen noch zerknautscht auf den Matratzen.

Beide Betten waren leer!

Ida Cobin registrierte es und gab ein Geräusch von sich, wie sie es selbst nicht an sich kannte. Sie spürte die Stiche in der Brust. Ihre Kopf war plötzlich leer und gleichzeitig von einem heftigen Rauschen erfüllt. Es war alles so schlimm. So unbegreiflich, und sie musste sich an die Wand lehnen, um sich überhaupt auf den Beinen halten zu können. Dennoch kam sich die Frau vor wie jemand, der auf der Stelle stand und allmählich zerfloss. Sie konnte nicht mehr, sie wollte auch nicht, aber sie musste sich den Tatsachen stellen.

Das leere Bett ihres Sohnes. Irgendetwas hatte ihre Augen geschärft. So überdeutlich hatte sie es noch nie gesehen. Das Kissen, die zerwühlte Decke aber kein Sammy.

»Nein«, flüsterte sie, »nein, das will ich nicht glauben. Das kann ich einfach nicht …«

Sie war verzweifelt. Ihre Augen brannten. Tränen strömten daraus hervor. Sie richtete den Blick an die Decke, in der Hoffnung, etwas herausfinden zu können. Wenn es einen Herrgott gab, konnte der sie nicht im Stich lassen.

Nichts kam. Es blieb alles so, wie es war. Keine Veränderung. Wünsche konnte gerade sie nicht in die Tat umsetzen, die sie immer zu den Verlierern gehörte.

Und jetzt noch Sammy …

Das einzige, was ihr geblieben war. Für den sie alles gab. Ein Sohn, der es mal besser haben sollte.

Jetzt war er weg!

Für immer?

»Nicht«, flüsterte sie sich selbst zu. »Nein, nicht. Das … das … darf nicht wahr sein. So etwas gibt es nicht, verflucht. Er ist nur mal kurz weggelaufen. Er wird bestimmt noch heute zurückkehren. Ich werde auf ihn warten …«

Ida wollte sich selbst Mut machen. Tief in ihrem Innern glaubte sie an die eigenen Worte nicht. Sie stieß sich von der Wand ab. Sie wollte zum...

Erscheint lt. Verlag 21.10.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3784-9 / 3838737849
ISBN-13 978-3-8387-3784-3 / 9783838737843
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