John Sinclair 1052 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3785-0 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Die Nekropole (2. Teil).
Es gab für Suko und mich nur noch ein Ziel. Wir mussten die verschwundenen Kinder finden. Die Spur der Entführten hatte uns nach Tunesien geführt. Nach Salambo, in die alte Stadt der Phönizier, die teilweise wieder ausgegraben worden war.
Wie auch deren Nekropole, das Gebiet der Toten und Heiligtum des Götzen Baal, dessen Rückkehr in die moderne Zeit dicht bevorstand.
Kinder sollten seine Opfer werden. Wie dem alten Ritus folgend, denn auch vor langer Zeit hatte man ihm das Blut der Unschuldigen geopfert.
In einem fremden Land, in einer fremden Umgebung begann für Suko und mich ein wahnsinniger Wettlauf mit der Zeit. Und es sah für uns nicht gut aus ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Die Nekropole (2. Teil)
In meinem Hotelbett lag ein totes Kind!
Noch sah ich nur den Kopf, aber der Anblick hatte mich wie ein Keulenschlag getroffen. Ich spürte, wie das Blut aus meinem Gesicht wich und ich immer blasser wurde. Für einige Sekunden schloss ich die Augen, um den Anblick zu vertreiben. Ich wollte nicht glaubten, was ich gesehen hatte. Der Schock saß einfach zu tief. Die Haut auf meinem Rücken war gespannt. Unsichtbares Eis rieselte darüber hinweg.
Es brachte auch nichts, wenn ich die Augen vor den Realitäten verschloss. Die Tatsachen sahen anders aus, denen musste ich mich stellen. Dennoch war diese Entdeckung etwas gewesen, das mich für eine bestimmte Zeitspanne aus der Bahn geworfen hatte, sodass ich erst einmal wieder zu mir selbst finden musste.
In diesem Fall, der uns nach Salambo, Tunesien, geführt hatte, ging es um Kinder. Nicht einmal vor einer halben Stunde hatten Suko und ich in dem Hotel eingecheckt, und jetzt das hier. Diese furchtbare Überraschung, die mir klarmachte, dass unsere Gegner – wer immer sie auch sein mochten – gut informiert waren.
Im Zeitlupentempo öffnete ich die Augen. Mein Wunsch hatte sich nicht erfüllt. Das tote Kind war leider nicht verschwunden. Es lag nach wie vor in dem Hotelbett, sodass ich auf sein Gesicht schauen konnte. Weiter hatte ich die Decke nicht zurückgezogen.
Ich blickte wieder hin. Diesmal genauer. Dabei schlug ich die Decke ganz zurück und stellte fest, dass vor mir ein toter nackter Junge lag. Er hatte einen sehr bleichen und auch grauen Körper, sodass die Leiche auf irgendeine Art und Weise unecht wirkte.
Nicht echt?
Wieder erhielt ich einen Adrenalinstoß. Diesmal jedoch sah ich die Dinge aus einem anderen Blickwinkel. In meinem Kopf begann es zu arbeiten, und ich konzentrierte mich sehr genau auf die kleine, nackte Gestalt. Besonders die Haut schaute ich mir an.
Sie war hell. Sehr hell. Auch bleich. Trotzdem etwas grau. und sie glänzte. Wie nachpoliert.
Mir war klar, dass da etwas nicht stimmte. Ich kam mit dem Anblick nicht mehr zurecht. Das war hier nicht, wie es sein musste. Deshalb hob ich die Decke noch weiter zurück. So lag der Junge in seiner gesamten Größe vor mir, die Beine leicht gespreizt.
Wie hingelegt. Genau das stimmte. Jemand hatte ihn hingelegt. Und das Bewusstsein, hier keine echte Leiche zu sehen, sondern eine aus Porzellan bestehende Puppe, stieg immer stärker in mir hoch.
Ich hatte mich jetzt über den ›Toten‹ gebeugt, um ihn genauer untersuchen zu können. Schon am Kopf, an der Stirn und an den Wangen entdeckte ich die Veränderungen, die einfach nicht passten. Es waren hauchdünne Risse, die sich auf der Haut abzeichneten, vorausgesetzt, es war Haut. Wieder dachte ich an Porzellan und wartete mit einer Berührung der Leiche noch ab.
Mein Blick glitt an dem Körper entlang bis hin zu den Füßen. Die Risse blieben auch dort. Sie bildeten ein Muster und waren dünn, als hätte man sie aufgemalt.
Ich konzentrierte mich wieder auf das Gesicht. Ein runder Kopf mit kleinen Pauswangen. Die kleine Nase, der offene Mund, bei dem die Lippen nicht auffielen. Auffallend waren nur die Augen, denn sie standen offen und bildeten blasse Ovale, in denen nicht die Spur von Leben steckte. Pupillen sah ich so gut wie keine. Da lief in den Augen alles ineinander über, sodass sie einfach nur blass aussahen. Durch ihren Ausdruck und auch durch den offenen Mund sah das Gesicht tatsächlich so schrecklich tot aus.
Aber da waren die Risse. Und da war auch der Staub, der mir erst jetzt auffiel. Er lag nicht auf dem Körper, sondern daneben. Sehr schwach zeichnete er sich auf dem Bettuch ab. Wie dorthin geblasener Puder.
Meine Emotionen hatte ich wieder unter Kontrolle bekommen. Jetzt war es wichtig, diesen Jungen zu untersuchen. Diesmal zögerte ich nicht, ihn anzufassen.
Beim ersten Kontakt hatte ich den Wunsch, die rechte Hand schnell wieder zurückschnellen zu lassen, denn meine Fingerkuppen waren über alles mögliche hinweggestrichen, nur nicht über die Haut eines Menschen. Oder eines normalen Toten.
Das war keine Haut. Das war einfach ein zu hartes Material. Ich hatte sie nicht eindrücken können. Für einen Augenblick kam mir der Vergleich mit Porzellan oder poliertem Stein in den Sinn, aber das konnte auch nicht sein. Wer hätte mir denn eine Steinfigur ins Bett legen sollen?
Ich tastete weiter am Körper entlang in die Tiefe. Meine Hände fuhren über die ›Haut‹ an der Brust ebenso hinweg wie über die an den Beinen.
Mir fiel auf, dass der Kopf völlig haarlos war. Ein junger Mensch mit einer Glatze. Es gab auch keinen Haarschatten zu sehen. Da war also nichts nachgewachsen.
Mir war mittlerweile klar geworden, dass ich auf ein totes Kind schaute, das allerdings nach meinem Ermessen kein totes Kind war. Zumindest kein richtiges. Ich unternahm einen Klopfversuch. Die Haut war hart, zugleich noch spröde, möglicherweise auch leicht feucht. Das konnte auch am Schweiß auf meiner Haut liegen.
Kein Stein, kein Porzellan, etwas anders. Aber die Fährte war genau richtig gewesen. Was in London mit der Rettung einer Frau aus dem Kanal seinen Anfang genommen hatte, das hatte Suko und mich hierher bis nach Tunesien geführt. Bis nach Salambo, einer alten, von den Phöniziern gegründete Stadt. einem Volk, das verschiedene Götter beiderlei Geschlechts angebetet hatte, unter anderem auch einen der widerlichsten Götzen – Baal. 1
Darum ging es. Die Frau – sie hieß Ida Cobin – hatte nicht grundlos versucht, sich das Leben zu nehmen. Sie war einfach verzweifelt gewesen, weil man ihren achtjährigen Sohn Sammy entführt hatte, den wir ebenfalls hier in der Nähe vermuteten.
Uns hatte die Spur zu einem Baal-Diener geführt, der sich Sultan nannte. Es war zu einer Auseinandersetzung und einem Schusswechsel zwischen ihm, seinem Leibwächter und uns gekommen. Wir hatten den Kampf für uns entschieden, aber von den beiden leider nichts mehr erfahren können.
Einer der großen Baal-Helfer, ein uns sehr bekannter Horror-Reiter, war erschienen und hatte durch seine glühende Lanze beide Männer getötet. Sie waren in einem Auto verbrannt.
Allerdings hatten wir bei einem ermordeten Kollegen, der sich ebenfalls mit diesem Fall beschäftigte, eine Information gefunden, die den Weg nach Tunesien wies.
Jetzt waren wir hier. Es war alles normal verlaufen. Seit der Landung hatte es nichts Verdächtiges gegeben, und nun lag das tote Kind in unserem Hotelzimmer.
Ich wusste es natürlich nicht genau, aber ich ging davon aus, dass es kein normales Kind war. Keines, das erst vor einem oder zwei Tagen ermordet worden war. Ich hatte auch keine Wunde an diesem nackten Körper entdeckt. Wie es ums Leben gekommen war, blieb nach wie vor ein Rätsel. Ebenso wie der feine Staub im Bett.
Aber es war tot. Möglicherweise lange schon. Sehr, sehr lange.
Suko hielt sich noch auf dem Balkon auf. Er drehte dem Zimmer und der Fensterscheibe den Rücken zu. Er schaute zu den alten Fundstätten, ohne jedoch etwas erkennen zu können. Dafür lagen sie einfach zu weit weg.
Er hatte noch nichts von der Veränderung mitbekommen. Ich wollte ihn rufen, als er sich umdrehte. Dabei warf er noch einen letzten Blick zurück und kam schließlich auf die schmale, offenstehende Balkontür zu.
Dann betrat er das Zimmer.
Ich hatte mich bewusst zurückgehalten und sprach ihn auch jetzt nicht an. Suko wirkte auf mich wie in Gedanken versunken. Er schaute auch nicht sofort auf das Bett. Als er es dann tat, blieb er jäh stehen.
Seine Lockerheit war verschwunden. Er stand einfach nur da und wusste nicht, wohin er schauen sollte. Auf das Bett, auf mich. Er entschied sich für das Bett.
»Bitte«, sagte ich nur.
Mein Freund gab keine Antwort. Er schüttelte den Kopf. »Das … das darf doch nicht wahr sein, verflucht!«
»Es ist aber wahr.«
Suko hüstelte, bevor er sprechen konnte. »Und … ähm … woher stammt das Geschöpf?«
»Es lag im Bett. Versteckt unter der Decke. Deshalb war sie auch nicht so glatt gezogen.«
»Aha, verstehe.« Er hatte es so gesagt, wie jemand, der es nicht verstand und einfach nur einen Kommentar abgeben wollte. Seine Augen waren so leer. Sie glichen beinahe schon denen des toten Jungen. Mit sehr steifen Schritten, den Toten im Blickfeld behaltend, ging er um das Bett herum und flüsterte: »Ein totes Kind. Eine Jungenleiche. Verflixt, John, wem haben wir das zu verdanken«
»Ich weiß es nicht – sorry. Nur weiß man über uns bereits Bescheid. Da muss jemand seine Fäden gezogen haben.«
»Das denke ich auch.«
Suko war ebenfalls blass geworden. Er ging langsam an der Fußseite des Bettes vorbei und blieb schließlich in meiner Nähe stehen, um sich den toten Jungen besser anschauen zu können. Ich war etwas zur Seite gegangen, um ihm Platz zu schaffen.
Er beugte sich zu dem Jungen hinab. Dann tat er das Gleiche wie ich und strich mit den Händen über das Gesicht mit den runden Wangen hinweg.
Ich blieb zunächst stumm und wartete darauf, was Suko für einen Kommentar abgab. Nachdem er sich aufgerichtet hatte, zog er die Stirn kraus. Eine typische Geste für ihn, denn er dachte darüber nach, was dieser Junge sein könnte.
»Das ist nicht normal, John.«
»Weiß ich auch.«
»Und der Junge ebenfalls nicht. Ich finde ihn so absurd wie die ganze Sache hier. Ein totes Kind, kein normales, wenn du es anfasst, spürst du das.«
»Und was sagst du als Polizist?«
Er hob die Schultern etwas an. Er deutete mit dem linken Zeigefinger auf die Gestalt. »John, das ist kein...
| Erscheint lt. Verlag | 21.10.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3785-7 / 3838737857 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3785-0 / 9783838737850 |
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