John Sinclair 1075 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3808-6 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Horror auf Mallorca (2. Teil).
Der Dämon Baphomet hatte seine Krallen nach der Ferieninsel ausgestreckt. Seine Saat, in der Vergangenheit gelegt, blühte nun voll auf. Wir alle gerieten hinein in den mörderischen Strudel um das Templerkreuz und erlebten den Horror auf Mallorca.
Kein Ballermann, kein Sangria aus Eimern, dafür Baphomet und sein Fluch aus der Vergangenheit.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Horror auf Mallorca (2. Teil)
Seit geraumer Zeit schon hielt sich die alte Frau in der Kirche auf. Sie hockte geduckt in der Bankreihe wie ein zu Stein gewordenes Gespenst. Jeder Besucher, der das kühle Kirchenschiff betrat, musste annehmen, dass sie tief in ihr Gebet versunken war.
Das stimmte nicht. Die Frau wusste sehr wohl, weshalb sie in der Kirche saß. Bestimmt nicht, um der grellen Sonne zu entgehen, auch nicht, um zu beten, nein, sie war geschickt worden, um zu beobachten. Alles unter Kontrolle zu halten, um dann entsprechend zu reagieren.
Sie sah die Menschen, die Fremden, die Touristen, die sich nicht für die Schönheiten in der Kirche interessierten, sondern mehr nach einer Abkühlung suchten. Sie benahmen sich alle gleich. Hielten sich einfach nicht unter Kontrolle. Sie waren schlimm, stöhnten, beschwerten sich über die Sonne draußen und waren froh, in der Kirche den kühlenden Schatten zu erleben.
Nein, nicht alle waren gleich. Ihr fiel ein Paar auf, das sich anders verhielt. Suchend, sich umschauend. Beide kamen zu der Alten, sprachen mit ihr, wollten wissen, wo es zur Sakristei ging und wo sich der Pfarrer befand.
Carlotta gab ihnen die Antworten. Der Pfarrer war nicht da, der Küster ebenfalls nichts. Die beiden verließen die Kirche, aber das wissende Lächeln der alten Frau sahen sie nicht.
Andere Menschen betraten die Kirche, schauten sich um, aber nicht alle interessierten sich nur für die ausgestellten Schönheiten. Es gab auch andere, die sehr zielsicher waren, obwohl sie sich nicht auskannten.
Die alte Frau spürte den Schauer, der plötzlich über ihren Körper rieselte, als sie den hochgewachsenen Mann mit dem dunkelblonden Haar entdeckte. In seiner Begleitung befand sich eine ebenfalls blonde Frau. Die beiden flüsterten miteinander und verhielten sich beinahe wie das Paar, das Carlotta angesprochen hatte.
Sie gingen wieder.
Carlotta blieb in der Bank. Die alten Knochen taten ihr vom langen Sitzen weh. Hin und wieder musste sie die Beine ausstrecken, um nicht starr zu werden. Aber sie wusste auch, dass ihre Zeit bald um war. Lange brauchte sie nicht mehr in der Bank zu bleiben.
Sie stand auf. Sie hatte große Mühe, sich zu strecken und normal stehen zu bleiben. Mit ihren zerfurchten Händen hielt sie sich an der Bank fest. Hände, die beinahe so runzlig wie ihr Gesicht aussahen. Ihre Lippen verzogen sich zu einem harten Lächeln. Sie hatten es versucht, nicht nur zwei Personen, sondern mehr. Aber sie alle würden sich wundern, vielleicht sogar tödlich wundern.
Carlotta lachte in sich hinein, während sie die Bank verließ. Sie war eine sehr kleine Frau. Das Alter hatte ihre Gestalt gebeugt. Die vielen Jahre schienen schwer auf ihrem Rücken zu lasten. Carlotta trug dunkle Kleidung. Einen Rock, eine Bluse. Beide Kleidungsstücke waren weit geschnitten. Ebenso wie beim Tuch, das sich die alte Frau über den Kopf gehängt hatte, war nicht mit Stoff gespart worden. Dieses Outfit gab ihr ein hexenhaftes Aussehen. Einigen Besuchern fiel es auf, und sie machten einen Bogen um Carlotta, denn sie kam ihnen unheimlich vor.
Carlotta näherte sich dem Ausgang. Ihre Füße hobt sie kaum an. Ihr fehlte einfach die Kraft. Und so schlurfte sie über den Steinboden hinweg. Hin und wieder griff sie mit ihrer faltigen Hand nach den gebogenen Enden der Sitzreihen, um dort für kurze Zeit Halt zu finden. Sie wirkte wie jemand, mit dem man Mitleid haben konnte, aber Carlotta war zäh.
Sie passte auf, sie gab acht. Ihre Augen waren nicht schlecht. Sie beobachtete alles genau. Jeden Besucher schaute sie an, der in ihre Nähe kam.
Keine Gefahr. Sie waren normal, wollten nur die Kirche sehen oder sich abkühlen. Die unnormalen Besucher waren bereits verschwunden und würden an ihrer Niederlage zu knacken haben.
Carlotta erreichte die Tür. Es fiel ihr schwer, sie zu öffnen. Ein grauhaariger Tourist half ihr dabei, und Carlotta bedankte sich mit wenigen gemurmelten Worten.
Aus dem Dunkel der Kirche ging sie hinein in den hellen Schein. Es war das Hineingleiten in das herrliche Licht. In den Glanz der Sonne, die noch immer als glühendes Auge am Himmel stand und ihre Strahlen in die Tiefe schickte. Die Hitze lastete auf dem gepflasterten Hof. Sie hätte die alte Frau noch mehr in die Knie drücken können, aber Carlotta hielt sich tapfer. Der Körper straffte sich. Sie ging nicht mehr so krumm. Ein Energiestoß hatte sie erfasst und ihr die nötige Kraft gegeben. Sie richtete sich auf und bewegte sich beinahe schon gerade über den Platz mit den heißen Steinen hinweg.
Ihr Ziel lag auf der anderen Seite. Dort malte sich ein Gitter ab. Dahinter lag der kleine, aber schon recht dicht bewachsene Friedhof. Die Sträucher waren im Laufe der Zeit gewachsen und hatten sich ausgebreitet, sodass sie schon beinahe so etwas wie eine Mauer bildeten, die nur wenige Lücken aufwies.
Wer durch sie blickte, sah die Grabsteine oder auch die Statuen, die auf den Gräbern standen.
Auch jetzt wurde Carlotta von den Touristen kaum beachtet. Die Menschen waren mit sich selbst beschäftigt. Sie ärgerten sich über die heiße Sonne und beeilten sich, so schnell wie möglich in die Kirche zu gelangen. Der alten Frau schien die Hitze nichts auszumachen. Noch immer schützte das dunkelbraune Kopftuch sie gegen die Sonne. Auf ihrem Gesicht schimmerte kaum ein Schweißtropfen. Der faltige und magere Körper schien keine Flüssigkeit mehr zu besitzen.
Am Zaun bewegte sie sich entlang. Hier gab es Schatten. Zweige hatten sich durch die Lücken gedrückt und streiften ihre Arme. Es roch auch etwas kühler, aber es lag auch der Geruch von Staub in der Luft, denn die Frische des Regens fehlte völlig. Die Erde lechzte nach Wasser. Wann es wieder regnen würde, das wusste nur der Himmel. So dörrte die Sonne das Land weiterhin aus.
Sie erreichte ein kleines Tor. Von der Kirche aus war es für einen Fremden nicht zu sehen. Man musste sich schon gut auskennen, um es überhaupt zu finden.
Das Tor war in das normale Gitter integriert. In seiner Nähe und auf der anderen Seite hatte sich der Bewuchs besonders stark ausgebreitet und verdeckte es völlig.
Das Tor war nicht abgeschlossen, aber schwer zu öffnen. Carlotta lehnte sich dagegen und setzte ihr gesamtes Gewicht ein, um es nach innen zu schieben.
Sie schützte ihr Gesicht mit den Händen, um nicht von den Zweigen getroffen zu werden. Sie glichen zähen Armen, die sie nicht weiterlassen wollten. Die immer nach ihr schlugen, wobei die trocken gewordenen Blätter raschelten.
Mit dem Rücken drückte die Alte das Tor wieder zu. Carlotta ging davon aus, dass sie von niemand beobachtet worden war. Für den Friedhof interessierten sich die Besucher nicht. Zudem wurden sie von seiner hohen Umfriedung abgeschreckt.
Carlotta hatte freie Bahn, nachdem sie sich durch die Büsche gewühlt hatte. Sie breitete ihre Arme aus, sie schaufelte die Zweige zur Seite, sie suchte und fand immer einen festen Tritt und erreichte kurz darauf einen schmalen Weg, der tiefer in den Friedhof hineinführte.
Ein stummes Gelände. Im Licht und im Schatten liegend. Ein Teil des Sonnenlichts wurde gefiltert und erreichte den Boden oder die Gräber nur als gesprenkeltes Muster.
Die Alte kannte den Weg. Für die Grabsteine und die Gräber hatte sie keinen Blick. Carlotta wusste sehr genau, wohin sie zu gehen hatte. Jeder Stein hier war ihr bekannt. Zwar sah sie den Friedhof nicht als eine zweite Heimat an, doch verlaufen konnte sie sich hier nicht. Außerdem wollte sie keinen Hauptweg erreichen, sondern nur eine bestimmte Stelle auf dem Friedhof.
Weit brauchte sie ihre alten Füße nicht mehr zu bewegen. Schon bald sah sie die schmale Eisenbank, die ebenfalls längst Rost angesetzt hatte. Sie schlurfte hin, und diesmal schabten unter ihren Füßen die kleinen Kieselsteine gegeneinander.
Auf der Bank nahm sie seufzend Platz. Ihr Mund verzerrte sich dabei, aber es war eher ein scharfes Grinsen als ein zufriedenes Lächeln.
Sie erinnerte sich an etwas, das sehr wichtig und erfolgreich gewesen war. Jetzt brauchte sie nur die Früchte ihrer Arbeit zu ernten. Die Zeit verstrich nur langsam, und Carlotta war auch froh darüber. Sie genoss es, auf der Eisenbank zu sitzen und mit nach hinten gelegtem Kopf und leicht geöffneten Augen, aus denen sie einen Ausschnitt des Himmels sah, der sich jenseits der Baumkronen abzeichnete.
Hin und wieder fuhr ein warmer Windstoß über den Friedhof. Er spielte mit den schon trocken gewordenen Blättern und ließ sie rascheln.
Die Schritte raschelten nicht. Sie knirschten leise. Trotz des Alters war Carlottas Gehör noch in Ordnung. Sie hatte die Geräusche sehr genau wahrgenommen. Durch nichts allerdings zeigte sie an, dass sie Bescheid wusste.
Sie wartete auf den Besucher und schaute erst hoch, als er vor ihr stand und sie seinen Schatten spürte.
»Da bist du ja.«
Der Mann nickte. »Fast pünktlich.«
»Setz dich.«
Er nahm neben ihr Platz. Sie schaute nach links und wusste sofort, dass der Mann unter einem inneren Druck stand. Sein Gesicht zeigte eine starke Anspannung, der Schweiß verteilte sich dort wie hingemalt. Der Bart, die Augen, die nervösen Bewegungen der Hände, das alles registrierte Carlotta schon, enthielt sich aber eines Kommentars. Der Mann konnte nichts mehr aushalten. »Ist alles so gekommen, wie wir es uns vorgestellt haben?«
»Ja.«
»Bitte.« Er legte eine Hand auf Carlottas Schultern. »Bitte, Tante, du musst schneller reden. Ich will es wissen. Wir beide wissen, dass es ungemein wichtig für uns ist.«
Carlotta nickte. »Si, Carlos, das stimmt. Alles ist wichtig. Aber am wichtigsten ist...
| Erscheint lt. Verlag | 21.10.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3808-X / 383873808X |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3808-6 / 9783838738086 |
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