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John Sinclair 1073 (eBook)

Liebling der Toten

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3806-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1073 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Liebling der Toten.

Lernen Sie in einer Woche eine Person kennen, die auch mir das Gruseln beibrachte. Es ist ein Mann namens Hardy, und Hardy küsste die Toten. Ein Wahnsinn, als ich davon hörte und Hardy sogar versuchte, mit meinem alten Freund Tanner zusammenzuarbeiten.

Jemand wie Tanner kam damit nicht zurecht. Er alarmierte mich, und so traf ich auf den Liebling der Toten.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Liebling der Toten


Hardy stand auf der Türschwelle und wusste, dass ein unsichtbarer Gast im Zimmer weilte.

Es war der Tod!

Seine Kälte rieselte über Hardys Hände hinweg, erfasste auch sein Gesicht und drückte sich unter das dunkle Haar, das er nackenlang trug. Auf der Kopfhaut hinterließ sie eine Gänsehaut und in der Höhe der Wirbelsäule ein leichtes Kribbeln.

Er sah das schlichte Bett, das einsame Licht daneben, das sehr dunkel wirkte, als läge es in Trauer um die tote Person. Er sah die Frau neben dem Bett sitzen, und er sah den Toten im Bett.

Er war spät gekommen. Trotzdem hatte er es geschafft, noch rechtzeitig hierzu sein. Hardy spürte es. Deshalb war er überhaupt hier. Deshalb hatte man ihn gerufen. Der junge Mann war noch nicht lange tot. Es war noch etwas von ihm hier, das spürte Hardy. Er nahm es auf wie ein Hund, der eine Fährte gewittert hatte. Seine letzten Gedanken, all das, was ihm da durch den Kopf gegangen war, lag zwischen den Wänden als unsichtbare Botschaft gespeichert.

Die Frau hatte sein Eintreten gehört, aber nicht einmal den Kopf gedreht. Erst als sich Hardy in Bewegung setzte, blickte sie zu ihm und sah die schlanke Gestalt, die mit kleinen Schritten näherkam. Sie sprach nicht und wartete nur.

Hardy wusste, wie er sich zu verhalten hatte. Er setzte seine Schritte sehr langsam, nickte der Frau auch zu. Sein Gesichtsausdruck zeigte aufrichtige Anteilnahme. Nichts war an ihm gespielt. Dieser Mann litt tatsächlich.

Neben dem Bett blieb er stehen. Die Frau schaute zu ihm hoch. Sie sah sein schwaches Lächeln. Mit einer schon zärtlichen Geste strich Hardy durch das graublonde Haar.

»Es tut mir sehr leid, Madam.«

Sie hatte aufgehört zu weinen, hüstelte und zuckte mit den Schultern. »Danke. Es war ja nicht zu ändern. Dabei ist er noch so jung.«

»Ich weiß, dass er noch hätte leben können, aber seine Mörder werden bestraft werden, das verspreche ich Ihnen. Sie haben recht getan, sich an mich zu wenden. Ich werde Ihnen helfen können, das verspreche ich Ihnen. Und auch ihm.«

»Danke.«

»Dann möchte ich Sie bitten, mich jetzt mit Kevin allein zu lassen.«

Die Frau zögerte. Es fiel ihr nicht leicht, Abschied zu nehmen. Sie warf einen letzten Blick auf den Zwanzigjährigen, sie strich über sein verklebtes Haar, danach über die Stirn, musste wieder weinen, riss sich aber zusammen und stand auf.

Hardy trat zur Seite, um sie vorbei zu lassen. Sie schaute ihn nicht mehr an und verließ das Zimmer in der gebückten Haltung einer alten Frau, den Blick zu Boden gesenkt.

Der Besucher wartete ab, bis sie die Tür hinter sich geschlossen hatte. Er wischte seine feuchten Handflächen an den Hosenbeinen ab. Erst danach wandte er sich dem Toten zu.

Er setzte sich auf den frei gewordenen Stuhl. Die Lampe mit dem gelben Schirm stand hinter dem Kopf auf einem kleinen Nachttisch. Hardy rückte sie zurecht, bis das Licht etwas besser auf das Gesicht der Leiche fiel.

Er wollte alles sehen. Er musste viel von dem Toten wissen. Er wollte in sein Gesicht schauen. Dem letzten Ausdruck, den es zeigte, konnte er oftmals bestimmte Informationen entnehmen, die für seine weitere Tätigkeit wichtig waren.

Hardy bewegte sich nicht. In seiner Haltung glich er ebenfalls einem Menschen, der als Leiche auf einen Stuhl gesetzt worden war. Er wollte und durfte jetzt nicht gestört werden, um seine Fähigkeiten voll ausspielen zu können.

Er mochte die Toten. Und sie mochten ihn. Er war so etwas wie ein Liebling der Leichen, denn sie akzeptierten ihn und hatten ihm auch noch so viel zu sagen. Allerdings »sprachen« sie auf eine bestimmte Art und Weise zu ihm die kein normal denkender Mensch richtig nachvollziehen konnte.

Um das Unsichtbare kümmerte er sich nicht, sondern er konzentrierte sich auf das Gesicht. Es war, wie er es sich vorgestellt hatte. Die Züge zeigten keine Entspannung. In den letzten Sekunden des irdischen Daseins musste der junge Mann Schreckliches erlebt haben. Wahrscheinlich war das an seinem geistigen Auge vorbeigezogen, was ihn in den letzten Jahren so stark beschäftigt hatte. Nahezu verbissen hatte er den Mund verzogen, obwohl dieser noch offen stand. Kevins Mutter hatte dem Toten nicht die Augen geschlossen, so glotzte er starr in die Höhe, als wollte er sich ein Bild unter der Decke anschauen. Die Nase war lang und spitz geworden, die Wangen waren eingefallen, und seine Haut sah bleich aus wie altes Rinderfett, mit einem gelblichen Stich.

Hardy hob beide Hände an. Erst als sie über Kevins Gesicht schwebten, schloss er selbst die Augen. Er war jetzt voll konzentriert. Stärker ging es nicht mehr, und er spürte schon sehr bald, dass sich etwas in seinem Umkreis tat.

Da war eine gewisse Unruhe vorhanden. Nicht zu hören, nur zu spüren. Etwas umwehte ihn, hielt ihn fest, war herangeschwebt und ließ sich auch nicht vertreiben.

Etwas Fremdes. Etwas, das nicht sichtbar war. Eine Aura, eine sehr starke Strahlung, die von der Leiche ausging. Es gab wohl kein Instrument in der Welt, das diese Aura exakt hätte messen können, doch Hardy war besser als die Technik. Er war ein besonderer Mensch mit einer besonderen Vergangenheit, dem es gelang, einen Blick auch hinter die Kulissen zu werfen.

Er spürte es kribbeln. Es lief über seine Fingerspitzen hinweg bis hin zu den Gelenken. Auch dort stoppte es nicht. Das Kribbeln breitete sich aus, erreichte seine Arme, rann über den Körper und wurde von ihm absorbiert.

Es war Kevins Botschaft, Kevins Seele, hätten andere gesagt, die sich noch im Raum aufhielt. Und es ging ihm nicht gut. Es waren schlechte, angsterfüllte Gedanken, die auch der Tod des Körpers nicht hatte auslöschen können. Sie waren das fließende Fluidum, das sich allerdings nicht so konkret darstellte, wie Hardy es sich gewünscht hätte. Zuviel lief durcheinander. Er bekam nicht heraus, was ihm der Tote »sagen« wollte.

Die letzten Gedanken konnten sich noch nicht so leicht lösen. Vielleicht warteten sie darauf, erlöst zu werden, und auch deshalb war Hardy gekommen.

Erlöst und gewünscht.

Kevin war keines natürlichen Todes gestorben, auch das stand fest, und Hardy war gekommen, um ihm zu helfen. Bevor er sich richtig an die Arbeit machte, griff er in die Tasche und holte einen Notizblock hervor. Ein Kugelschreiber gehörte auch dazu, und beide Utensilien legte er auf seine Knie.

Er war bereit.

Kevin lag auf dem Rücken. Eine starre bleiche Puppe mit dünner, gelblicher Haut und einem halb offenstehenden Mund. Die Lippen waren ebenfalls sehr blass geworden und kaum zu erkennen, aber genau die brauchte Hardy.

Er beugte sich nach vorn.

Schon bald schwebte sein Gesicht dicht über dem des Toten. Nur eine Handbreit waren die Lippen der beiden voneinander entfernt.

Wenig später nicht mehr.

Da küsste Hardy die Leiche …

*

Der Sommer war bisher nicht besonders gewesen, und das hatte sich auch in dieser neuen Woche fortgesetzt, obwohl sie für Suko super begonnen hatte.

Percy Iron, der Erbe eines Autohauses, hatte ihm den neuen, gebrauchten BMW praktisch vor die Tür gesetzt und dafür nur einen sehr geringen Preis verlangt. Das Auto war praktisch ein Geschenk, Ausdruck der Dankbarkeit, die er uns gegenüber empfand, denn wir hatten einen Fall gelöst, in den auch Percy Iron verwickelt gewesen war.

Bestechung war das nicht gewesen, darüber hatte Suko auch mit Sir James gesprochen, denn in der Zukunft würden wir wohl kaum etwas mit Percy Iron zu tun haben, abgesehen von eventuellen Reparaturen oder Inspektionen.

Wir sahen den grauen Himmel, der die Farbe der in der Nähe verlaufenden Straße angenommen hatte. Aber das Grün der Wiesen und das ferne Gelb der Kornfelder entschädigte uns für den grauen Anblick. Außerdem mochte ich persönlich diese Temperaturen mehr als die wüstenartige Hitze, die so gar nicht zu unseren Breiten gehörte. Da ich nicht in Urlaub war, wollte ich mich auch nicht beschweren.

Die weitere Umgebung war im Prinzip für uns nicht interessant. Uns ging es um die Tankstelle, auf deren Gelände wir standen, allerdings etwas versteckt, weil uns ein bestimmter Mann zunächst nicht sehen sollte, obwohl er uns nicht kannte und wir nicht ihn. Was sich so kompliziert anhörte, war im Prinzip recht simpel, wenn auch mit einem möglicherweise spektakulären Hintergrund versehen, wie uns unser alter Freund und Spezi, Chief Inspector Tanner, erklärt hatte, der den Einsatz seiner verdeckten Ermittler leitete.

Seine vier Männer hielten sich ebenfalls gut versteckt. Zwei waren in der Tankstelle und bedienten an der Kasse oder waren dabei, Regale aufzufüllen.

Sie sollten jemand stoppen, der als Mörder gesucht und auf eine verdammt ungewöhnliche Art und Weise überführt worden war. Der letzte Beweis fehlte allerdings noch, und wir sollten dabei sein, wenn er geliefert wurde.

Das zumindest war Tanners Wunsch gewesen, und wir hatten ihm den nicht abschlagen können.

Wir saßen im Rover und schauten durch die Scheibe zum Himmel. Er hatte sich immer mehr zugezogen, und erste, winzige Tropfen lagen bereits auf der Windschutzscheibe.

Suko, der neben mir saß, zog ein skeptisches Gesicht und seufzte leise auf.

»Hast du was?« fragte ich.

»Kaum.«

Ich grinste schief. »Denkst du an deinen neue Wagen, oder daran, dass ich in der letzten Woche fast verbrannt worden wäre?«

Er schüttelte den Kopf. »Zweimal falsch. Ich habe nur gerade an die Conollys gedacht.«

»Warum das denn?«

»Die sind gestern in Urlaub geflogen.«

»Sicher, nach Mallorca.«

Suko hatte meine Antwort...

Erscheint lt. Verlag 21.10.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer • alfred bekker • Bastei • Bestseller • blutig • Clown • Dämon • Dämonenjäger • dan-shocker • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • Extrem • Fortsetzungsroman • Frauen • Geisterjäger • grusel-geschichten • Gruselkabinett • Grusel-Krimi • Gruselroman • Grusel-Roman • Horror • Horror Bücher ab 18 • Horror-Roman • horrorserie • horror thriller • Horror-Thriller • Jason Dark • Julia-meyer • Kindle • Krimi • Kurzgeschichten • larry-brent • Lovecraft • Macabros • Männer • morland • neue-fälle • Paranomal • professor-zamorra • Professor Zamorra • Psycho • Roman-Heft • Serie • Sinclair • Slasher • spannend • Splatter • Stephen King • Stephen-King • Steven King • Terror • Thriller • Tony-Ballard • Top • Zombies
ISBN-10 3-8387-3806-3 / 3838738063
ISBN-13 978-3-8387-3806-2 / 9783838738062
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