John Sinclair 1094 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3827-7 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Der Aibon-Drache.
Der Aibon-Drache kennt nur ein Ziel. Die Rache einer Frau durchzuführen, die schon seit einiger Zeit tot war.
Ich erlebte sein mörderisches Auftreten zusammen mit der Nichte der Verstorbenen und musste leider feststellen, dass ich keine Waffe besaß, mit der ich ihn stoppen konnte ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Der Aibon-Drache
Plötzlich wurden die Rücklichter zu tanzenden, roten Augen in der Nacht. Sie zuckten von rechts nach links, von oben nach unten, weil das Fahrzeug bockte, dann schleuderte und dem linken Straßenrand gefährlich nahe kam.
Der Wagen fuhr auf keiner Autobahn, doch die Straße war so gut ausgebaut, dass man durchaus recht zügig fahren und auch mal die Gewalt über das Lenkrad verlieren konnte.
Auf der feuchten Fahrbahn bestand die Gefahr des Rutschens. Tatsächlich schleuderte der Wagen über die Markierung hinweg auf den nassen, grasbewachsenen Straßenrand.
Dort schlitterte er weiter. Wer immer hinter dem Lenkrad saß, die Person verlor nicht die Nerven. Sie lenkte nicht verkehrt oder bremste falsch. Nein, sie steuerte behutsam gegen und hielt das Fahrzeug in der Spur.
Ich fuhr mit meinem Rover hinter dem Wagen und hatte zum Glück genügend Abstand gehalten, sodass mich diese Kapriolen nicht in Gefahr brachten. Okay, die Straße war nicht trocken, aber auch nicht glatt, denn bei diesen Temperaturen, die eher in den März als in den Januar gepauste hätten, konnte überhaupt kein Glatteis entstehen.
Ich kam vom Airport. Dorthin hatte ich meine deutschen Freunde Dagmar Hansen und Harry Stahl gebracht. Sie hatten das Wochenende noch in London verbracht und waren jetzt, am frühen Sonntagabend, wieder in Richtung Köln gestartet.
Suko und Shao waren nicht mit zum Flughafen gefahren. Sie wollten es sich gemütlich machen, denn die Abende zu zweit kamen selten genug vor, da sich unsere Feinde an alles mögliche hielten, nur nicht an freie Wochenenden.
Da ich kein Date und auch sonst nichts an diesem Abend vorhatte, war es mir ein Vergnügen gewesen, die beiden nach Heathrow zu bringen. Sie befanden sich bereits in der Luft, und ich war auf dem Weg nach Hause und wollte mir später noch ein Bierchen gönnen.
Ich hatte bewusst nicht den Motorway genommen und war eine Nebenstraße gefahren, um mich langsam der Stadt zu nähern, die im Osten wie eine lichterfüllte Kulisse vor mir lag.
Und dann war das eben mit dem Auto passiert.
Es stand jetzt. Zwar ein wenig schräg nach links gedreht, sodass die Kühlerschnauze ins freie Gelände zeigte, aber dem Fahrer schien nichts passiert zu sein. Jedenfalls sah ich seinen Kopf, als ich anhielt und das Licht meiner Scheinwerfer von hinten gegen das Auto strahlte. Es war ein japanisches Fabrikat, ein Honda. Blau oder schwarz, so genau sah ich das nicht.
Ein paar Meter hinter dem Wagen hielt ich ebenfalls an und öffnete die Tür, um auszusteigen. Ein großer Brummer donnerte in diesem Moment vorbei und schlug mir den Wind wie eine harte Wand gegen das Gesicht.
Die Scheinwerfer hatte ich ausgeschaltet. Ich näherte mich dem Honda im Dunkeln und blickte nicht nur auf ihn, sondern auch auf die Straße, weil ich wissen wollte, ob sie nicht doch an einer bestimmten Stelle glatt gewesen war. Möglicherweise durch eine Ölspur oder etwas anderes in dieser Richtung.
Nein, nichts dergleichen war zu sehen. Es war auch nicht kalt. Die laue Luft wehte wirklich fast wie im März gegen mich, als ich über die feuchte Straße schritt.
Ein mir entgegenkommendes Auto blendete mich. Der Fahrer lenkte den Wagen auf die Straßenmitte und rauschte vorbei. Danach stand ich wieder im Dunkeln und neben der rechten Tür des Honda.
Ich bückte mich und schaute durch das Fenster.
Es war kein Fahrer, sondern eine Fahrerin, die den Wagen gelenkt hatte. Sie hatte dunkelblonde Haare. Von ihrem Gesicht sah ich so gut wie nichts, nur die Ohren. Die übrigen Teile waren durch die Hände verdeckt, die sie gegen das Gesicht gepresst hielt.
Die Frau stand unter Schock, davon musste ich einfach ausgehen. Schwer konnte er allerdings nicht sein, wahrscheinlich war es mehr ein Schreck, und die Hände sanken auch nach unten, sodass ich das Profil der Fahrerin sehen konnte.
Eine gerade gewachsene kleine Nase, darunter ein Mund, dessen Lippen leicht geöffnet waren, und ein Kinn mit energischem Schwung.
Ich klopfte gegen die Scheibe. Recht behutsam und auch nicht laut oder fordernd. Es war wohl zu leise, denn die Frau reagierte nicht. Erst als ich meine Bemühungen verstärkt hatte, schrak sie zusammen und drehte den Kopf.
Erschreckt blickte sie mich an. Größer konnten dabei ihre Augen nicht werden.
Ich lächelte ihr zu, nickte auch, denn diese Zeichen sollten sie beruhigen. Dann zog ich die Tür auf und hörte ihren schweren Atemstoß. Die Frau war noch angeschnallt. Im Licht der Wagenbeleuchtung sah sie käsig aus, kein Wunder nach diesem Erlebnis. Trotzdem erkannte ich, dass sie hübsch war und ungefähr dreißig Lenze zählen musste. Sie trug eine dunkle Hose und einen gelben Rollkragenpullover.
»Sind Sie verletzt?« fragte ich.
Die großen Augen starrten mich an. »Wer … wer sind Sie? Wo kommen Sie her?«
Es wunderte mich schon, dass sie auf meine Frage so geantwortet hatte. »Ich war hinter Ihnen und habe gesehen, dass Ihr Wagen plötzlich tanzte und schlingerte. Es sah so aus, als wären Sie dabei, von der Fahrbahn abzukommen, aber Sie haben gut reagiert, und jetzt stehen wir beide hier.«
»Ja, das stimmt.«
»Was stimmt?«
»Nichts.« Sie schaute auf ihr Knie und schüttelte den Kopf, was mir auch seltsam erschien.
»Geht es Ihnen wirklich gut, Madam?«
»Warum wollen Sie das wissen?«
»Was ich gesehen habe, hat mich besorgt werden lassen. Ich fuhr schon eine Weile hinter Ihnen her. Ohne Ihnen näherkommen zu wollen, aber ich habe Sie für eine gute Fahrerin gehalten, nach allem, was ich gesehen habe.«
»Das bin ich auch.«
»Und dann das.«
Sie zwinkerte und war für einen Moment sprachlos. »Ja, und dann das.«
Ich schwieg.
»Jetzt möchten Sie eine Erklärung, nicht?« fragte sie.
»Nur wenn Sie wollen.«
Sie legte den Kopf zurück und schloss die Augen. Die anderen Fahrzeuge rauschten an uns vorbei, ohne dass ein Fahrer stoppte, um zu fragen, warum wir hier standen. »Es gibt eigentlich keine Erklärung«, sagte sie schließlich und schaute mich wieder an. Sehr direkt und klar, als wollte sie mir durch den Ausdruck ihrer Augen beweisen, dass sie nicht log.
»Das ist schwer für mich zu begreifen.«
»Ich weiß es.«
»Für alles gibt es eine Erklärung«, behauptete ich wider meine Überzeugung, denn ich hatte oft genug das Gegenteil erlebt oder war mit einem auf tönernen Füßen stehenden Motiv konfrontiert worden.
»Dafür nicht.«
»Kann sein. Wollen Sie darüber reden?«
Wieder wurde ich prüfend gemustert. Sie war anscheinend zufrieden, denn sie schnallte sich los, damit sie aussteigen konnte.
Ich machte ihr Platz. Sehr langsam ließ es die Frau angehen, blieb dann neben der offenen Tür stehen, atmete tief durch, hielt sich jedoch am Wagendach fest, weil sie doch leicht zitterte.
»Wahrscheinlich glauben Sie mir nicht.«
»Lassen Sie es darauf ankommen.«
Ihr Lächeln kam mir etwas verloren vor. »Na denn, Sie haben es nicht anders gewollt. Ich werde Ihnen berichten, wie es gewesen ist. Wie ein plötzlicher Überfall.«
»Bei dem niemand zu sehen war – oder?«
»Ja, da war niemand.«
»Trotzdem hatten Sie das Gefühl?«
Sie nickte wieder. »Es war verdammt stark, das können Sie mir glauben. Es traf mich wie ein Blitzschlag, obwohl kein Blitz zu sehen war. Aber jetzt rede ich wieder Unsinn.«
»Nein, nein, sagen Sie es nur.«
»Alles?«
»Ich bitte darum!«
»Versprechen Sie mir, mich nicht in eine Anstalt zu schaffen?«
»Klar, versprochen.«
»Gut«, sagte sie und schluckte. »Dann machen wir weiter. Ich fuhr die Straße entlang, was Sie ja nachvollziehen können. Es war alles in Ordnung. Kein Glatteis auf der Straße, keine Ölspur, ein schon fast lauer Frühlingsabend, und dann fiel der Vorhang zu. Mit einem Mal. Urplötzlich, einfach so.«
»Ein Vorhang?« fragte ich.
»Nein, nein, so dürfen Sie das nicht sehen, Mister. Ich meine es als Metapher. Im übertragenen Sinne natürlich. Ich konnte nichts mehr sehen. Es wurde dunkel. Ein Blackout meinetwegen, das hätte ich noch hingenommen.« Ihre Stimme wurde um einiges leiser. »Aber es war kein Blackout. Zumindest kein normaler, denn in den schwarzen Vorhang hinein oder auf ihm, wie auch immer, sah ich plötzlich ein Bild. Einen Gegenstand, der sich deutlich abmalte.«
»Haben Sie ihn erkannt?«
»Ja, habe ich.«
»Was war es?«
Sie lachte und warf dabei den Kopf zurück. Das kurz geschnittene und trotzdem voluminöse Haar wellte sich dabei auf.
»War es so lustig?« fragte ich.
»Nein, nein, oder wie man’s nimmt. Ich habe in dieser Schwärze einen kleinen Drachen gesehen. Grün, mit schuppigem Körper und roten Augen.« Sie blickte auf ihre Schuhspitzen, als gäbe es dort etwas Interessantes zu sehen. Da war jedoch nichts. »Einen kleinen Drachen, der plötzlich sein Maul aufriss, lange Zähne zeigte und so aussah, als wollte er mich verschlingen.«
Mehr sagte sie nicht und wartete auf meine Reaktion. Wahrscheinlich auch darauf, dass ich sie auslachte, mich umdrehte, und zu meinem Wagen ging, einstieg und wegfuhr. Das tat ich nicht, und sie sagte mit leicht verwunderter Stimme: »Sie sind ja noch immer da.«
»Stört es Sie?«
»Nein. Ich wundere mich nur. Warum sagen Sie nicht, dass Sie mich für eine Spinnerin halten, für eine überdrehte Zicke für ein hysterisches Weib. He, warum …?«
»Gegenfrage. Warum sollte ich?«
»Weil man so etwas nicht glauben kann.«
»Sie haben es doch selbst...
| Erscheint lt. Verlag | 21.10.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3827-6 / 3838738276 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3827-7 / 9783838738277 |
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