John Sinclair 1089 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3822-2 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Horrorland.
Als Weihnachtsmann verkleidet erzählte Jerry Caine den Kindern die spannendsten Geschichten. Keine netten Märchen von süßen Engeln und der Krippe, er las seine eigenen Texte, die böse und so gar nicht weihnachtlich waren.
Und so waren es auch die Kinder, die plötzlich das Blut aus seinem Mund sickern sahen. Der Weihnachtsmann starb mitten in der Lesung.
Genau damit fing für Glenda, Suko und mich der Ärger an. Wir dachten eigentlich, dass uns kaum noch etwas überraschen konnte, doch der Tod des Weihnachtsmanns führte uns mitten hinein in das Horrorland.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Horrorland
Die Jungen und Mädchen lauschten gebannt den Geschichten des Weihnachtsmanns. Er saß auf einem hohen Stuhl, trug einen roten Umhang, der mit einem schneeweißen Saum abgenäht war. So weiß wie Schnee war auch sein langer Bart, und nur die Öffnung des Mundes hinterließ eine Lücke, wenn er die Lippen bewegte. Was von seinen Wangen zu sehen war, zeigte eine gesunde winterliche Rötung. Sie war nicht auf die Kälte zurückzuführen, sondern auf die Schminke. Die rote Mütze saß etwas schief auf seinem Kopf, ebenso wie die
Brille, die schräg auf der Nase klemmte und nur als Zierde gedacht war.
In seinen Händen hielt der Weihnachtsmann aufgeschlagen ein großes Buch. Doch er las nicht daraus vor, es musste nur so aussehen, denn dieser Weihnachtsmann erzählte frei.
Der Trubel um ihn herum störte ihn ebensowenig wie die Kinder, die von ihren Eltern hier abgegeben worden waren, damit diese in Ruhe einkaufen konnten.
Inmitten des Kaufhauses war so etwas wie ein Glaskäfig gebaut worden. Gut belüftet, dekoriert mit Tannengrün und Sternen, und jeder Besucher konnte von vier Seiten in diese Insel aus Glas hineinschauen, vorausgesetzt, er fand Lücken in den mit Kunstschnee beklebten Scheiben, auf denen glitzernde Sterne klebten.
Das Alter des Weihnachtsmanns war schwer zu schätzen. Er konnte jung, aber auch schon älter sein. Die Verkleidung gab ihm etwas Erhabenes und auch Altersloses. Mit einer baritonalen Stimme erreichte er das Ohr eines jeden Kindes.
Es war schon außergewöhnlich, wie brav die Kids vor ihm saßen. Sie, die zu Game-Boy und CD-ROM-Generation gehörten, die alles kannten, die so cool schon in jungen Jahren waren, den Trends oft genug hinterherliefen, saßen brav vor dem Weihnachtsmann und hörten einfach nur so zu. Sie hockten auf schmalen Bänken, hatten ihre dicken Wintersachen ausgezogen und sie neben sich gestapelt.
Die Blicke blieben an den Lippen des Erzählers »kleben«, als wollten sie jedes Wort aufsaugen. Es kam ihnen auch nicht in den Sinn, nach draußen zu schauen und dort den Trubel zu beobachten. Sie ließen sich einfach nur faszinieren, auf ihren Gesichtern malte sich die Spannung ab, die in den Worten des Erzählers lag.
»Und so sage ich euch, dass dieses Land, von dem ich euch berichtet habe, sehr fern ist, aber auch sehr nahe sein kann. Es ist ein Wunder-, aber auch ein Horror-Land. Dort entstehen die alten Sagen und Legenden, die uns Menschen dann in den Träumen begegnen, wobei wir so dumm sind und sie einfach nicht glauben wollen.« Der Weihnachtsmann schüttelte den Kopf. »Aber das ist falsch, zu falsch.«
»Hast du das Land gesehen?« fragte ein blondes Mädchen mit hellwachen Augen.
»Ja.«
»Bist du schon dort gewesen?« rief ein anderes Kind.
Der Weihnachtsmann hob den Kopf und atmete tief aus, sodass die Zuhörer ein Schnaufen hörten. »Ja, meine Lieben, ich habe die Tür öffnen können und war in der Lage, einen Blick in dieses Land hineinzuwerfen.« Er hob eine Hand, als wollte er nach irgendetwas greifen. »Es war nicht einfach für mich, wirklich nicht leicht. Ich habe großartige und schlimme Dinge dort gesehen …«
»Auch schöne?« rief jemand.
Der Erzähler stockte für einen Moment. »Ja, auch schöne.« Er lachte. »Man muss nur den Blick dafür haben.«
»Steht das alles in deinem Buch? Hast du es aufgeschrieben nach deinen Reisen?«
Der Mann mit dem Bart schüttelte den Kopf. »Es waren keine Reisen, wie ihr sie kennt. Dieses Land muss sich einem Menschen öffnen. Es hat sich mir geöffnet. Nur für einen Moment, aber der hat gereicht. Aufgeschrieben habe ich es nur teilweise, den Rest habe ich behalten, denn dieses Land ist so fantastisch, dass man es kaum beschreiben kann. Es ist eine große Welt für sich.«
Ein kleines Mädchen hob den Arm. »Gibt es dort Engel und Weihnachtsmänner und so …?«
»Nein, das glaube ich nicht.«
»Ist es denn das Land der Märchen?«
»Jaaa … manchmal«, drang es gedehnt über die Lippen hinweg. »Wer von euch kennt den Märchen?«
Einige Arme schnellten sofort in die Höhe. Zumeist die der Mädchen. Bei den Jungen setzte das große Zögern ein. Keiner wollte so richtig zugeben, dass er an Märchen glaubte. Schließlich hoben einige der Jungen doch die Arme.
»Na, das sieht ja gut aus«, sagte der Weihnachtsmann. »Da kann ich ja schon zufrieden sein.«
»Welche Märchen sieht man da?« fragte jemand.
»Keine, die du kennst, meine Kleine. Es sind andere Geschichten, auch sehr böse. Oft böser als die bekannten Märchen. Wenn ich ehrlich sein soll, sind es auch keine Märchen, denn alles, was ich euch gesagt habe, gibt es.« Er senkte jetzt seine Stimme. »Man muss nur wissen, wie man in das Land hineinkommt. Versteht ihr?«
Einige der jungen Zuhörer nickten. Andere wiederum zuckten mit den Schultern. Sie kamen damit nicht zurecht. Bis einer fragte: »Warum erzählst du uns nicht genauer von diesem Land?«
»Das habe ich doch.«
»Nein, nicht so richtig …«
Der Weihnachtsmann lachte. »Irgendwo hast du auch recht, mein Junge. So richtig habe ich euch nichts davon erzählt. Aber ich weiß nicht, ob ihr es hören wollt.«
»Doch, ja, wir wollen es hören!« Diesmal riefen mehrere Stimmen zusammen. »Wir kennen ja auch die anderen Märchen. Erzähle uns genauer von deinem Land.«
Eine Hand strich durch den weißen Kunstbart. »Tja, ich weiß nicht, ob es gut ist.«
»Doch, doch!« riefen viele durcheinander. »Wir wollen wirklich alles hören. Es ist gut so.«
»Wir haben auch Zeit!« Ein Junge sprang auf. »Das sind doch bestimmt coole Geschichten!«
»Cool?« Der Weihnachtsmann lachte. »Ich weiß nicht, ob sie cool sind. Sie sind eher …«, er legte eine Pause ein, »unheimlich und manchmal auch böse.«
»Action?«
»Ach, ich hasse das Wort Action. Aber wenn ihr so wollt, es ist auch Action.«
»Dann mach schon, Weihnachtsmann …«
Nach diesem Wunsch folgte erwartungsvolle Stille. Der Erzähler und die lauschenden Kinder schienen sich in einer anderen Welt aufzuhalten und von der normalen nichts mitzubekommen. Um sie herum floss der Trubel des Kaufhauses in nie abreißenden Wellen vorbei. Erwachsene, Jugendliche, Frauen und Männer, von denen nicht wenige aussahen, als wünschten sie sich weit weg. Mit vor Aufregung geröteten Gesichtern und oft flackernden Blicken.
Ruhende Pole gab es so gut wie nicht. Selbst die Kaufinseln inmitten der Halle waren zu Zentren des Trubels geworden, um die die Menschen standen und versuchten, im letzten Augenblick noch ein Schnäppchen zu machen.
Der Weihnachtsmann lehnte sich auf seinem thronartigen Stuhl zurück. Das konnte er gut, weil der Sitzplatz eine hohe Lehne hatte. Das Buch hatte er auf die Oberschenkel sinken lassen. Er brauchte es nicht mehr, und als er sprach, nahmen seine Augen einen Ausdruck an, als blickten sie in unendliche Fernen oder direkt in das geheimnisvolle Land hinein, von dem er berichtete.
»Es ist ein Land voller Wunder. Für uns Menschen nicht zu sehen. Aber Wunder sind nicht nur schön und lieb, sie können auch sehr böse und schlecht sein. Das habe ich alles gesehen und erlebt, und ich soll die Kunde weitergeben.«
»Sag doch was über das Land!«
»Ja, immer mit der Ruhe, mein Junge. Du wirst es noch früh genug erfahren. Das Land mit dem Nebel, einem Himmel mit mächtigen wilden Wolken und mit nur wenigen Menschen, die darin leben. Es gibt keine Städte so wie heute. Dort ist alles anders. Berge, Hügel, Täler. Manchmal ein dichter Wald mit hohen Tannen. So hoch, dass man nie weiß, ob es Tag oder Nacht ist, wenn man sich darin befindet. Aber es ist kein Märchenland, weil es sich die Menschen nicht ausgedacht haben, um darüber Geschichten zu erzählen. Es ist ein anderes Land, eines, das existiert, zu dem aber nur wenige Menschen Zutritt haben, denn oft ist es düster und böse.«
Ein Junge, der ziemlich weit außen saß und schon die letzte Zeit über hin- und hergerutscht war, hatte eine Frage. »Gibt es dort auch Ungeheuer?«
Der Weihnachtsmann ließ sich Zeit mit seiner Antwort. Er runzelte sogar die Stirn, wie jemand, der nachdenkt. Dann stimmte er durch ein Nicken zu, und wenig später auch akustisch. »Ja, mein Junge, dort leben auch Ungeheuer.«
»Booohhh.« Die Augen des Zehnjährigen glänzten. »Und wie sehen sie aus? Kannst du sie beschreiben? Das musst du doch können, wenn du mal dort gewesen bist.«
Der Weihnachtsmann musste husten. »Ja, ich habe sie gesehen«, gab er mit leiser Stimme zu.«
»War es toll?«
»Nein!«
»Warum erzählst du nichts? Wir wollen wissen, wie die Ungeheuer aussehen, das ist spannender.«
Der Erzähler wiegte den Kopf. »Ich weiß es nicht, ob es wirklich so spannend für euch ist.«
»Doch, doch!«
Die Kinder ließen sich anstecken. Sie alle bedrängten den Erzähler jetzt, ihnen mehr zu berichten.
»Gut, ich werde es tun.« Der Weihnachtsmann zuckte mit den Schultern. »Aber ich warne euch. Ich übernehme keine Garantien, denn es muss nicht immer so gut sein.«
»Erzähle schon!«
Der Weihnachtsmann nickte. »Ja, dann hört mir zu. Die Ungeheuer sind anders als ihr sie vielleicht aus irgendwelchen Märchen und Sagen kennt. Es sind auch keine Drachen, keine Riesenschlangen oder andere Monstren, wie Pferde mit Menschenköpfen oder Zebras mit Löwenschädeln. Nein, in diesem Land gibt es Vögel. Riesige Vögel.« Seine Stimme klang jetzt staunend und auch unheimlich, sodass manches Kind eine Gänsehaut bekam. Zudem breitete der Mann seine Arme aus, um den Zuhörern die Größe...
| Erscheint lt. Verlag | 21.10.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3822-5 / 3838738225 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3822-2 / 9783838738222 |
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