John Sinclair 983 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3715-7 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Die Schamanin (1. Teil).
Bill Conolly fliegt nach Haiti, um dort eine gewisse Imelda zu treffen. Kein alltäglicher Job, denn Imelda ist eine bekannte Schamanin, eine Jenseits-Surferin. Sie verlässt ihren Körper, um andere Welten zu durchstreifen ...
Als die Schamanin ihre Krallen nach Bills Frau Shella und Sohn Johnny ausstreckt, weiß Bill, dass dies kein Standard-Interview mehr ist. Er braucht Hilfe. Die Hilfe seines Freundes John Sinclair!
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Die Schamanin (1. Teil)
Liebe Leser,
vor Kurzem sah ich einen Fernsehbericht über einen Menschen, der steif und fest behauptete, seinen Astralleib produzieren zu können, um mit ihm durch die Zeiten zu surfen: über Grenzen hinweg und auf ferne Planeten. Er war auf seinen Reisen auch in der Lage, erotische Erfahrungen zu sammeln.
Mich hat der Beitrag zu dem vorliegenden Roman inspiriert.
Viel Spaß damit!
»Ich habe Sie gewarnt, Conolly, und ich warne Sie noch einmal. Diese Imelda ist nicht nur ein Phänomen, sie ist auch gefährlich. Die kann Sie fertigmachen, zerquetschen wie eine Fliege. Verstehen Sie?«
Bill nickte. Er verdrehte dabei die Augen. Das Lamentieren kannte er. »Sonst noch was?«
Ortiz, der Mann mit dem Sichelbart und der fettigen Haut, trat näher. »Sie ist auch tödlich, wenn man ihr falsch kommt.«
»Sie wiederholen sich, Ortiz.« Conolly trat zurück. Er konnte den Schweißgeruch seines Gegenübers nicht länger ertragen.
Der Dschungel glich einer Sauna. Zwar lag das Gelände in der Nähe einer Stadt, aber die schien sich aufgelöst zu haben. Natur pur umgab beide wie eine Zange aus hohen Bäumen, dichtem Unterholz, verschieden farbigen Blüten und einem Dunst, der den Lungen einiges abverlangte. Doch Bill beschwerte sich nicht. Er war wegen dieser Imelda nach Haiti gekommen, um sie zu interviewen. Ein haariger und gefährlicher Job, das hatte er schon in London gewusst, doch Bill gehörte zu den Menschen, die neugierig waren und ein Ziel nicht aus den Augen verloren.
Den Wagen hatten sie an einer Abzweigung abgestellt und waren den schmalen Pfad gegangen, der direkt durch den Urwald führte. Es war nicht weit bis zum Haus der Imelda, zumindest hatte Ortiz das behauptet, doch bei dieser Umgebung konnten schon zehn Meter zu einer Qual werden.
Ortiz kannte sich hier aus. Er gehörte zu den Männern, die viele Jobs annahmen, besonders gern für Fremde arbeiteten und sich diese Arbeit gut bezahlen ließen. Und auch Bill hatte sich nicht lumpen lassen. Es war teuer gewesen, um diesen Ortiz mieten zu können, zudem hatte er noch eine Gefahrenzulage verlangt und sie auch erhalten.
»Alles klar?« erkundigte sich der Mann mit dem Sichelbart.
»Das hört sich an, als wollen Sie mich verlassen.«
»Stimmt. Ich gehe nicht mehr weiter.«
»Zu feige?«
»Nein«, erklärte Ortiz. Er grinste, obwohl kein Grund dafür vorhanden war. »Nicht zu feige.«
»Sondern?«
»Ich will noch länger in Ruhe leben können. Ich habe Ihnen den Weg gezeigt, und ich werde auf Sie im Auto warten. Zwei Stunden, so war es abgemacht.«
Bill gab ihm noch einen zerknitterten Geldschein. »Hängen Sie noch eine Stunde dran.«
»Warum?«
»Könnte ja länger dauern.«
»Sie haben Humor. Imelda wird Sie nicht so lange bei sich behalten wollen. Es ist überhaupt eine Frage, ob sie Sie reinlässt. Da ist sie manchmal sehr eigen.«
»Ich werde nett sein.«
»Denken Sie an die Warnungen.«
»Klar.« Der Reporter hob die Hand, bevor er sich drehte und Ortiz stehenließ.
Es war Tag. Wie ein verschwommener, weißer Ball stand die Sonne am Himmel, aber unter den Bäumen, die über dem Weg ein Dach bildeten, schien die Dämmerung ausgebrochen zu sein. Hinzu kam der Dunst – die Schwaden, die behäbig über der Boden krochen. Sie waren einfach furchtbar. Sie raubten einem Menschen den Atem. Am liebsten hätte sich Bill seine Kleidung vom Körper gerissen. Es gab keine Stelle, die nicht nass war.
Er brauchte sich nicht vorzukämpfen, aber er war vorsichtig. Aus den dichten, dunklen und grünen Wänden rechts und links konnte jeden Augenblick etwas hervorbrechen, wobei man mit einem Menschen, aber auch mit einem Tier rechnen musste.
Bill ging weiter. Er starrte nach vorn, schielte immer wieder gegen die grünen Wände mit den nur kleinen Lücken. Wo sie waren, sah er das Licht der Sonne wie einen hellen Schleier, der sich in der Natur verfangen hatte.
Vögel kreischten, wenn sie von Baum zu Baum flogen. Andere Tiere huschten ebenfalls durch das Unterholz. Bill hörte sie nur, er sah sie nicht, und er hatte es auch aufgegeben, nach den Insekten zu schlagen, die ihn umtanzten.
Er suchte sein Ziel. Manchmal wischte er sich noch mit einem Tuch über die Stirn, aber das half kaum und nicht für lange.
Wenn das Haus der Imelda im Dschungel stand, musste es seinen Platz auf einer Lichtung gefunden haben. Davon ging Bill aus, und ein Schauer glitt über seinen Körper, als er die Gestalt sah, die vor ihm stand und sich nicht bewegte.
Auch Bill ging nicht weiter. Er hatte einen trockenen Hals bekommen. Erst Sekunden später atmete er auf und schüttelte den Kopf über sich selbst, denn die Gestalt war kein Mensch, sondern eine Statue, ein Totempfahl, wie man ihn von den Indianern im Norden der Staaten kannte. Der Kopf war jetzt deutlich zu erkennen, die Augen, der Mund und die Nase, wobei in den Augen eine weiße Farbe lag.
Ein Wächter. Eine Warnung. Ein Zeichen, dass er sich Imeldas Haus näherte.
Bill ging weiter. Er war froh, den Anblick des Totempfahls hinter sich zu haben, denn er hatte sich gefühlt wie jemand, der von diesen Totenaugen unter Kontrolle gehalten wurde.
Dann sah er das Haus!
Es war so plötzlich aufgetaucht, als wäre es vom Himmel gefallen. Bill blieb stehen, ohne es zu wollen. Er musste einfach schauen, denn dieses Haus hatte er nicht erwartet. Es war kein Prachtbau, sondern erinnerte mit seiner überdachten Veranda mehr an eine Ranch, aber es war von allen Seiten be- und überwachsen. Von außen her sah es schon aus, als hätten es einige Pflanzen geschafft, sich durch das Holz nach innen zu drücken.
Bestimmt hatte es seine Größe, aber die es umstehenden Bäume ließen den Bau klein aussehen. Vor allen Dingen deshalb, weil sich ihr dichtes Geäst gesenkt hatte, als wollte es sich irgendwann auf das Dach legen, um es zu zerdrücken.
Man konnte die Veranda über eine Treppe betreten. Bill sah eine Tür, die in das Haus führte, und er konnte nicht erkennen, ob sie offen oder geschlossen war, weil unter dem Dach des Vorbaus die Dunkelheit wie Suppe schwamm.
Er merkte auch, dass sich die Umgebung auf eine bestimmte Art und Weise verändert hatte. Bill hörte das Schreien der Vögel nicht mehr. Eine schon beklemmend anmutende Stille umgab diesen Holzbau, und von Imelda sah er ebenfalls nichts.
Bill Conolly ging davon aus, dass diese Person genau wusste, wer da zu Besuch kam. Er fühlte sich beobachtet, obwohl er nichts sah. Seine Sinne waren noch gespannter.
Er setzte die Schritte zögernd. Plötzlich hatte er den Drang, wieder zurückzulaufen. Die Warnung erwischte ihn wie ein plötzlicher Stoß, der heiß durch seinen gesamten Körper fuhr. Trotz der Hitze fing er an zu frieren. Die Gänsehaut blieb auch auf seinem Körper, als er sich der Veranda näherte.
Auf dem Boden lag eine dicke Schicht Moos und Pflanzen. So konnte er beinahe lautlos gehen. Für einen Moment blieb er vor der Treppe stehen.
Jetzt sah er die Tür besser. Die Fenster ebenfalls. Die Natur hatte auf das Haus keine Rücksicht genommen. Sie wuchs und wuchs. Lange, schlangenartige Gewächse waren über das Dach bis zum Rand vorgekrochen und hatten sich nach unten gedrückt. Sie hingen dort wie abgeschnittene Gardinenschnüre.
Imelda meldete sich nicht. Man konnte sich bei ihr nicht anmelden. Man musste zu ihr gehen. Entweder wurde man weggeschickt, oder man durfte bleiben.
Sie war eine außergewöhnliche Frau. Bill hatte von ihr gehört. Des öfteren war in letzter Zeit in Fachzeitschriften über sie berichtet worden, denn sie bezeichnete sich selbst als Surferin und benutzte genau diesen modernen Ausdruck.
Sie surfte nicht auf dem Wasser, sondern durch andere Gebiete. Imelda war eine Jenseits-Surferin. Sie schaffte es, ihren Körper zu verlassen, um andere Welten zu durchstreifen, ebenso wie John Sinclairs Bekannter und Freund Barry F. Bracht, der sich bei seinen Traumreisen veränderte und zu Zebulon, dem Schattenkrieger wurde.
Bill wollte mehr über dieses Phänomen erfahren. Er wollte vor allen Dingen Vergleiche bekommen, und da war Imelda die richtige Person. Sie hatte nichts, aber auch gar nichts mit Zebulon zu tun. Bill wollte sie deshalb nach ihren Erfahrungen befragen, um herauszufinden, ob sich die Reisen der beiden glichen oder es doch große Unterschiede gab.
Vieles war möglich, nichts musste sein. Das Leben steckte voller Rätsel. Ein Rätsel war für Bill auch die Treppe. Das Material, denn die Stufen brachen trotz seines Gewicht nicht zusammen. Sie dehnten sich nur, und Bill ging schneller, um die Veranda zu erreichen.
Auf dem Holz blieb er stehen.
Auch das war nicht mehr hart. Die Feuchtigkeit hatte sich in das Material hineingefressen. Er sah die beiden Korbstühle und auch den runden Tisch, auf dem ein Öllicht stand.
Bills Ziel war die Tür. Er räusperte sich bewusst, weil diejenige Person, die im Haus war, merken sollte, dass sich jemand auf den Weg zu ihr gemacht hatte.
Eine Antwort bekam er nicht. Deshalb blieb er zunächst vor der Tür stehen. In die obere Hälfte der Tür war ein Fliegengitter eingearbeitet. Sehr feinmaschig, sodass auch die kleinsten Insekten keine Chance hatten, es zu überwinden.
Bill blieb dicht vor der Tür stehen. Er schaute durch das Gitter in das Haus hinein, aber es gab für ihn nichts zu sehen. Nicht einmal einen Lichtschimmer sah er.
Dabei hatte man ihm berichtet, dass Imelda im Haus wäre. Sie war eigentlich immer da, auch wenn es so aussah, als wäre sie nicht vorhanden. Bill schaute sich die Klinke an, die wie ein gebogener...
| Erscheint lt. Verlag | 7.10.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3715-6 / 3838737156 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3715-7 / 9783838737157 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopierschutz. Eine Weitergabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persönlichen Nutzung erwerben.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich