John Sinclair 1021 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3754-6 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Ich jagte den untoten Engel (2. Teil).
Dies war eine der schrecklichsten Situationen meines Lebens. Ich hatte die verschwundene Jane Collins gesucht und gefunden. Aber das war nicht die Jane, die ich kannte, es war eine Fremde, die mich hasste! Denn Sie stand unter dem Bann von Doriel, dem untoten Engel. Und es schnitt mir ins Herz, als sie sagte: 'Ich gehöre jetzt nur ihm, dem Engel, dem Mächtigen!' Aber ich gab nicht auf, ich kämpfte ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Ich jagte den untoten Engel (2. Teil)
Ein schwarzer Vogel bewegte sich durch die Luft, nutzte dabei die Kraft des Windes aus, ließ sich tragen, dann fallen, und kippte dem einsamen Mann entgegen, der auf dem erhöht liegenden Kamm stand und auf das Nordufer der Insel schaute. Der Vogel huschte dicht über dem Kopf des Mannes hinweg. Er schickte ihm eine krächzende Botschaft entgegen, als wollte er ihm raten, das Eiland so schnell wie möglich zu verlassen.
Der Mann ging nicht. Er blieb, denn er hatte einen verdammt guten Grund.
Er musste eine Frau finden, die verschollen war. Und der suchende Mann war ich, John Sinclair.
In diesem Moment glich ich einem Menschen, der zwar einiges gesehen, aber nichts herausgefunden hatte. Auf Lady Sarah Goldwyns Bitte hin hatte ich mich zu einem Besuch der Privatinsel Chadwick Island entschlossen, denn Jane Collins war bereits seit drei Tagen überfällig gewesen. Dabei hatte sie nur für den Besitzer des Hauses eine alte Flasche Wein holen und nach London bringen sollen. Das war ihr nicht mehr möglich gewesen.
Ich hatte die Flasche Wein eingepackt in einer Kiste gefunden. Zusammen mit drei toten Männern war sie tatsächlich in diesem Keller versteckt gewesen.
Drei Tote!
Einem war die Kehle aufgerissen worden. Den anderen beiden hatte man die Köpfe zerschmettert. Sie hatten in diesem Keller gelegen und waren dabei zu verwesen. Der Geruch klebte mir noch jetzt in der Nase fest. Schon auf der Fahrt zur Insel war ich von einer zombiehaften Gestalt angegriffen worden. Sie war mir später auch in den großen Weinkeller gefolgt, und dort hatte sie mir ihr wahres Aussehen präsentiert, denn sie war zu einem Ghoul geworden. Mir war es gelungen, ihn zu vernichten. 1
Ob er der Mörder der drei Männer gewesen war, wollte ich einmal dahingestellt lassen. Ich konnte es mir nicht vorstellen, denn dieser Ghoul hätte die Toten nicht liegengelassen, sondern sie schlichtweg als Nahrung genommen.
Es musste noch eine dritte Person geben. Auf sie wiesen zahlreiche Spuren hin, die ich auf der Insel gesehen hatte.
Vor mir, eingeschmiegt in eine Mulde, lag ein aufgebrochenes Grab. Daneben stand ein ebenfalls geöffneter Sarg. Ich sah den Erdhügel. Alles deutete darauf hin, dass die drei später ermordeten Männer einen Toten hervorgeholt hatten.
Einen Toten?
Nein, sicherlich nicht, denn diese Gestalt konnte nicht tot sein. Man musste von einem Untoten sprechen oder von einer lebenden Leiche. Da wiederum dachte ich an die Erzählungen der beiden Männer vom Festland. Der Besitzer der Imbissbude und der Bootsverleiher hatten mich davor gewarnt, Chadwick Island zu betreten. Es sollte dort nicht geheuer sein, wie man mir ausdrücklich zu verstehen gegeben hatte.
Natürlich hatte ich nachgefragt und schließlich erfahren, dass jemand auf der Insel begraben worden war – und das vor gut zwei Jahren –, der nicht verweste. Einer, der auch normal blieb, wenn er begraben war. Daran glaubten die einfachen Leute, und ich hatte mich dieser Meinung angeschlossen.
Man hatte hier einen Besessenen begraben. So jedenfalls lautete die Erklärung. Jemand, der mit einem Dämon in Verbindung stand und möglicherweise seine Seele an ihn verkauft hatte.
Ich brauchte nur auf das leere Grab zu schauen, um mich dieser Meinung anzuschließen.
Wie sah diese Gestalt aus? Wer war sie in ihrem Leben gewesen? Von wem war sie in Besitz genommen worden? Wer hatte sie zu diesem Mordroboter gemacht?
Antworten auf Fragen, die ich suchen musste und auch vielleicht finden würde, wenn es mir gelang, den untoten Besessenen zu stellen. Das eigentliche Problem hatte ich noch nicht lösen können. Ich wusste nicht, wo sich Jane Collins aufhielt. Sarah Goldwyns Befürchtungen hatten sich letztendlich als schlimme Wahrheit herausgestellt, denn Jane hatte ich nicht gefunden.
Aufgeben wollte ich nicht. Ich würde diese Insel zentimeterweise untersuchen, wenn es denn sein musste. Dass auch Jane hier auf der Insel begraben war, wollte ich zwar nicht ausschließen, aber ich legte mich darauf nicht fest.
Am Grab, das in meiner direkten Blickrichtung lag, tat sich nichts mehr. Jenseits davon bildete das Gelände leichte Wellen, obwohl ich es als flach ansehen musste. Es sackte dann zum Ufer ab, und dort lag ein Boot.
Jane Collins war mit einem Ruderkahn plus Außenborder gekommen. Ich hatte mir ein kleines Motorboot gemietet, denn auf dem Loch Fanach durfte damit gefahren werden.
Das Boot, das ich jetzt am anderen Ufer sah, war wesentlich größer als meines. Es besaß einen Aufbau hinter dem Ruderstand, und ich ging auch davon aus, dass es mit einer Kabine ausgestattet war.
Dass es dort lag und nicht nur einfach vergessen worden war, musste einen Grund haben. Es war mir klar, denn die drei toten Männer im Keller hatten einmal gelebt, und sie mussten irgendwie auf die Insel gekommen sein. Geschwommen waren sie bestimmt nicht.
Das Boot interessierte mich noch aus einem anderen Grund. Da ich Jane Collins suchte, war es gewissermaßen meine letzten Hoffnung, dort ihr Versteck zu finden. Alles andere konnte ich vergessen, denn im Haus und im Keller hatte ich sie nicht gefunden.
Ich hatte bewusst auf diesem Kamm, der zwischen dem grauen Haus des Morgan Chadwick und dem anderen Ufer lag, eine Pause eingelegt, um meine Gedanken zu sammeln. Jetzt war nur das Boot wichtig. Ich wollte es mir aus der Nähe ansehen.
Mit langen, raumgreifenden Schritten machte ich mich auf den Weg. Das Gelände hier war ideal für Fußgänger. Zwar breitete sich Gestrüpp aus, aber es behinderte mich nicht. Es gab genügend Lücken, sodass ich freie Bahn hatte.
Den Sarg, das leere Grab und den Erdhaufen ließ ich links liegen. Diese Dinge interessierten mich nicht mehr. Viel wichtiger war das große Boot, auf dessen Deck ich allerdings noch keine Bewegung gesehen hatte.
Leicht vor sich hindümpelnd lag es im flacheren Gewässer, und es war sehr schnell aus meinem Blickfeld verschwunden, als ich den Kamm verlassen hatte.
Ich ging noch schneller. Etwas trieb mich an. Die Ungeduld, der innere Motor. Um mich herum war es zwar nicht still, ich hörte die üblichen Geräusche, aber sie klangen normal. Hin und wieder der Schrei eines Vogels, das Säuseln des Windes, der an meinem Gesicht vorbeistrich, und später auch das Klatschen der Wellen, die am Ufer ausliefen.
Der Krach aber passte nicht dazu.
Auf einmal war er zu hören, und ich brauchte keine Sekunde nachzudenken, um zu wissen, woher er stammte. Von einem Bootsmotor, den jemand angelassen hatte.
Da es nur ein Boot gab, wusste ich Bescheid. Plötzlich schlug nicht nur mein Herz schneller, auch die Beine bewegten sich so rasch wie es das Gelände zuließ. Ich fing an zu rennen, ich wollte so schnell wie möglich den Ort erreichen, wo das Boot lag – gelegen hatte, musste man schon sagen. Vielleicht konnte ich es noch erreichen, bevor es endgültig davonfuhr.
Das wellige Gelände flachte ab, der Blick zum Ufer hin wurde besser – und die Enttäuschung war trotz allem groß.
Meinen Plan würde ich nicht mehr erfüllen können. Das Boot hatte bereits abgelegt und war dabei, in die Mitte des Sees zu fahren. Es hatte sogar etwas gedreht und schob sich schwerfällig durch die grüngrauen Wellen.
Ich hörte mich selbst keuchen, so schnell war ich gelaufen. Wäre ich ein Pferd gewesen, wäre mir wahrscheinlich der Schaum um den Mund herumgeweht, so aber spürte ich nur meine trockenen Lippen, und ich schmeckte die kühle Luft, die der Wind über die Bergrücken hinwegwehte.
Das Boot fuhr davon. Ich würde es nicht mehr erreichen können, und ein Fluggerät hatte ich nicht zur Hand. Meine Schritte wurden automatisch kleiner und auch langsamer. Jetzt war keine Eile mehr geboten. Dabei fuhr das Boot nicht einmal schnell. Es kam mir vor, als wollte man mich verhöhnen.
Aber wer lenkte es?
Diese Frage baute sich einfach auf. Dass Jane Collins am Ruder stand, wollte ich nicht glauben. Da musste es schon eine andere Möglichkeit geben. Vielleicht derjenige, der lange im Grab gelegen hatte und nicht verwesen konnte.
Verdammt auch …
Ich blieb stehen. Dabei spürte ich kaum, dass ich schon an einer nassen Stelle stand. Das Wasser leckte mir entgegen und umspülte meine Schuhe.
Wer immer das Boot lenkte, hatte es nicht eilig. Er schien sogar in der Nähe der Insel bleiben zu wollen, nur um das Ufer und mich heimlich beobachten zu können.
Es blieb mir nichts anderes übrig, als den Rückzug anzutreten. Hier kam ich leider nicht mehr weiter. Mein Gesicht zeigte einen verbissenen und enttäuschten Ausdruck, als ich mich drehte. Ich musste bis auf die andere Seite der Insel laufen, um dort in mein Leihboot steigen zu können.
Es war sicherlich schnell, aber nicht so schnell wie das andere Boot. Außerdem spielte die Zeit noch eine Rolle, da hatte sich der andere Kahn einen genügenden Vorsprung schaffen können. Natürlich dachte ich darüber nach, wo sein Ziel sein konnte. An diesem See lagen keine Ansiedlungen, die man als Dörfer hätte bezeichnen können. Ein paar Häuser, einen Bootsverleih, eine Imbissbude, das war alles. Nur kein Ort, den es sich lohnte, anzufahren.
Nein, das sah nicht gut aus.
Und dann entdeckte ich die Kleidung. Vielleicht ein Zufall oder eine Fügung, wie auch immer. Hätte ich mich nicht nach links gedreht, wären mir die Sachen, die neben einem recht hohen Stein lagen, der schon mehr ein Fels war, nicht aufgefallen.
Gegen das Zittern der Knie konnte ich nicht ankämpfen. Es war einfach da, und blieb auch weiterhin bestehen, als ich mich bückte und die Kleidung anhob.
...| Erscheint lt. Verlag | 14.10.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3754-7 / 3838737547 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3754-6 / 9783838737546 |
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