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John Sinclair 1007 (eBook)

Totenwache

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3740-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1007 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Totenwache.

Stille ...

Nichts war zu hören. Kein Laut wehte durch das Zimmer, und auch von draußen drang nicht das leiseste Geräusch in den Raum. Die Stille war beklemmend und wirkte trotz der Helligkeit bedrückend.

Am Tisch saß ein Mann, und man sah ihm an, dass er unter großen Sorgen litt. Die aufgestützten Arme sorgten dafür, dass der Kopf nicht herabfiel. Das Haar hing ihm wirr in die Stirn. Die Kleidung des Mannes zeugte davon, dass er einiges hinter sich hatte. Sie war über und über mit Staub bedeckt.

Das störte den Mann nicht, der nur vor sich hinstarrte, als wäre die Tischplatte etwas ungemein Wertvolles.

Aber der Mann sah sie nicht. Er starrte ins Leere.

Der Mann trauerte.

Der Mann weinte.

Und der Mann war ich!

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Totenwache


Stille …

Nichts war zu hören. Kein Laut wehte durch das Zimmer, und auch von draußen drang nicht das leiseste Geräusch in den Raum. Die Stille war beklemmend und wirkte trotz der Helligkeit bedrückend.

Am Tisch saß ein Mann, und man sah ihm an, dass er unter großen Sorgen litt. Die aufgestützten Arme sorgten dafür, dass der Kopf nicht herabfiel. Das Haar hing ihm wirr in die Stirn. Die Kleidung des Mannes zeugte davon, dass er einiges hinter sich hatte. Sie war über und über mit Staub bedeckt.

Das störte den Mann nicht, der nur vor sich hinstarrte, als wäre die Tischplatte etwas ungemein Wertvolles.

Aber der Mann sah sie nicht. Er starrte ins Leere.

Der Mann trauerte.

Der Mann weinte.

Und der Mann war ich!

Der Tisch stand nicht in London, sondern in einer viel kleineren Stadt und dabei noch in einem anderen Land, Frankreich nämlich. Im Süden, in einem Ort, der Alet-les-Bains hieß und das Hauptquartier der Templer war, die von meinem Freund Abbé Bloch geführt wurden. Dorthin hatte ich mich zurückgezogen, nachdem ich Äthiopien verlassen hatte, in dem ungemein viel geschehen war. 1

Auch jetzt konnte ich es nicht fassen, dass es ausgerechnet mir gelungen war, das größte aller Geheimnisse zu entdecken, die Bundeslade nämlich.

Ja, ich hatte sie gesehen. Ich wusste, wie sie aussah, ich hatte sie in meinem Wahn auch öffnen wollen, es aber letztendlich nicht getan, was sicherlich mein Glück gewesen war.

Ein anderer hatte es versucht. Hector de Valois, das silberne Skelett, das mir mithilfe des Knochensessels bis nach Äthiopien gefolgt war. Es hatte mir zur Seite stehen wollen, aber dann waren die Dinge anders gelaufen. Die Lade hatte reagiert und das Skelett schmelzen lassen.

Aus, vorbei. Ich war indirekt schuld an seinem Tod. Doch noch viel mehr trauerte ich um meine Eltern.

Sie waren tot – beide!

Keine Mutter mehr zu haben, keinen Vater. Das musste ich erst einmal verdauen. Ich hatte es vorhergesehen, ihren Tod miterlebt, weil ich auf dem Rad der Zeit festgebunden gewesen war, aber ich hatte es nicht so recht glauben können und tief in meinem Innern alles noch für einen Irrtum gehalten.

Nun wusste ich Bescheid.

Der Abbé hatte es mir gesagt. Er hatte mir dann den Gefallen getan und mich allein gelassen. Es war besser, denn ich musste mit dem Tod der beiden erst einmal fertig werden.

Noch war ich dazu nicht in der Lage. Ich hockte da, starrte vor mich hin und ließ den Tränen freien Lauf. Ein nasses Gesicht, das Zucken der Lippen, der Augen und der Wangen. Es war mir unmöglich, einen klaren Gedanken zu fassen. In meinem Kopf rotierte alles, und ich war mir selbst fremd geworden.

Es war alles vorbei!

Das Haus meiner Eltern in Lauder stand leer. Wenn ich es betrat, würde ich nie mehr in die freudigen Augen meiner Mutter sehen können und ihre Umarmung spüren. Auch nicht die Freude meines Vaters erleben, der mich ebenfalls in seine Arme schloss.

Von nun an stand ich allein auf der Welt. Ich war erwachsen geworden, das ist man ja wohl ohne seine Eltern.

Dabei waren sie eines ungewöhnlichen Todes gestorben. Man hatte sie brutal ermordet. Es waren die Geister der Hüter der Lade gewesen, die sich auf meinen Vater und meine Mutter gestürzt und sie mit messerähnlichen Waffen getötet hatten. Sie schienen schon zu dem Zeitpunkt geahnt zu haben, dass ich das Rätsel würde lösen können und hatten versucht, es zu verhindern. Dabei hatten sie auf meine Eltern keine Rücksicht genommen.

Jetzt saß ich hier, machte mir Vorwürfe, und wartete. Ich wusste nicht mal, auf wen oder was ich wartete. Ich saß einfach nur da, eingesperrt im Gefängnis meiner Trauer.

Manchmal nur wurde die Stille unterbrochen, wenn ich schluchzte oder stöhnte. Meine Kehle wurde enger. Wenn mir jetzt jemand etwas zu essen oder zu trinken angeboten hätte, ich hätte abgelehnt, denn ich hätte nichts runtgekriegt. Alles war so anders geworden, so schrecklich, und auch ich fühlte mich mehr tot als lebendig.

Mein Magen schmerzte. Ich zitterte. Schuldgefühle stiegen beklemmend in mir hoch, und ich wusste nicht, wie ich mit ihnen fertig werden sollte.

Mir war kalt und heiß zugleich.

Ich hätte am liebsten laut geschrien, tat es aber nicht. Ich blieb so still, so starr – wie jemand, der im Sitzen an diesem Tisch gestorben war. Schweiß bedeckte mein Gesicht, obwohl es nicht so warm war. Ich dachte daran, dass der Abbé irgendwann zurückkehren und mit mir sprechen würde. Er hatte es schon vorher tun wollen, doch das hatte ich mir verbeten.

Jetzt war alles zu spät. Nichts, aber auch gar nichts würde ich rückgängig machen können. Ich war in ein Fahrwasser hineingeraten, dessen Fluten mich mitrissen. Auch wenn ich versuchte, mich dagegen anzustemmen, es war nicht zu schaffen. Der Druck in meinem Magen wollte einfach nicht weichen. Das waren die Gewissensbisse, die mich quälten, und ich spürte, wie ich am gesamten Körper zitterte.

Es war wie ein Schüttelfrost. Es überkam mich rasant, ich konnte nichts dagegen unternehmen, und ich verlor auch den festen Stand meiner Ellenbogen. Ich rutschte über die Kante hinweg ab und konnte mich im letzten Augenblick noch fangen, sonst wäre ich mit dem Kinn oder dem Gesicht auf die Tischplatte geschlagen. Der Stuhl rutschte dabei zurück.

Die Trauer über den Verlust meiner Eltern biss sich regelrecht in mir fest.

Ich war so leer. So wehrlos – und auch allein!

Ich wusste, wer ich war, ich wusste auch, welchen Job ich hatte, aber ich konnte nicht mehr. Ich war völlig down, kaputt, stand dicht davor, ungerecht zu werden und die Entdeckung der Lade zu verfluchen.

Aber es ging weiter. Es musste einfach weitergehen. Das war ich mir selbst schuldig. Ich konnte nicht Tag und Nacht in Trauer versinken. Ich war einfach fertig.

Am Boden zerstört …

Dass die Zeit verging, merkte ich nicht. Auch nicht, dass die Sonne weiterwanderte und ihre Strahlen jetzt in einem anderen Winkel in das Zimmer schickte, sodass sie auch mich erreichten. In meinem Innern war alles ausgebrannt.

Deshalb merkte ich auch nicht, wie sich die Tür öffnete und der Abbé den Raum betrat. Er ging langsam, er war leise. Als er die Tür wieder schloss, war so gut wie kein Laut zu hören.

Ich hatte den leichten Luftzug zwar bemerkt, aber nicht auf ihn reagiert. Und ich hob den Kopf auch nicht an, als ich die leisen Schritte vernahm.

Der Abbé blieb neben mir stehen. Ich wusste es, aber ich sprach ihn nicht an.

Das tat er dafür. »John«, sagte er mit leiser Stimme. »Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir miteinander sprechen. Nur so kommen wir weiter. Glaub mir.«

Ich hörte ihn sprechen. Nur kam es mir nicht so vor, als stünde er direkt neben mir, sondern weiter von mir entfernt. Meine Ohren waren zu, aber der Abbé gab nicht auf. Ich hörte, wie er sich einen Stuhl holte und ihn zu mir an den Tisch schob. Dann ließ er sich nieder und legte mir eine Hand auf den Arm.

Der Druck war beruhigend. Ich wusste jetzt, dass ich einen Freund bei mir hatte, aber ich konnte mich noch immer nicht überwinden, ihm das eine oder andere Wort zu sagen.

Das gluckernde Geräusch, das entsteht, wenn Wasser in ein Glas fließt, bekam ich ebenfalls am Rande mit. »Es ist besser, wenn du etwas trinkst, John.«

Ja, da mochte er recht haben, und ich stemmte mich sehr langsam in die Höhe. Als ich den Abbé anschaute, musste ich wie ein Fremder ausgesehen haben, aber der Templer überspielte es und lächelte mir nur zu. Auf dem Tisch stand die helle Flasche mit dem Mineralwasser. Das Glas war schon halb gefüllt worden, und der Abbé schob es mir zu.

Ich umfasste es mit beiden Händen. Sekundenlang schloss ich die Augen, denn die Kühle des Materials tat mir gut. Ich hörte die Perlen zischen und zerplatzen und vernahm die Bemerkung des Freundes.

»Nur in der Niederlage und in der Trauer wird der Mensch stark. Man kann das Glück erst genießen, wenn man durch das tiefe Tal der Tränen geschritten ist.«

Ich nickte. Es war mehr eine automatische Bewegung. Und so ähnlich hob ich auch das Glas an, das ich mit beiden Händen noch immer festhielt. Ich führte es an meine Lippen und trank in kleinen Schlucken.

Bloch hatte das Richtige getan. Es war einfach wunderbar, die Kühle zu spüren. Das Wasser rann meine Kehle hinab und breitete sich im Magen aus.

Bloch schaute zu, wie ich das Glas leerte und es dann zur Seite stellte. Noch immer war mein Gesicht verquollen, und in den Augen schimmerte die Nässe.

»Geht es besser, John?«

Ich hob nur die Schultern.

Bloch lächelte. »Ich weiß, dass es schwer ist, verdammt schwer sogar. Aber du wirst es schaffen, glaub mir. Du kannst und du wirst es schaffen, das bin ich mir sicher.«

»Ich weiß nicht …«

»Doch, John, doch.« Er nickte mir zu. »Es ist ein Schicksalsschlag, aber du weißt auch, welchen Beruf du ausübst. Du stehst unter Strom, du befindest dich immer in Gefahr, für dich ist das Unmögliche möglich geworden, und das hat nun mal seinen Preis.«

»Ja«, gab ich leise zurück und nickte dabei. »Das habe ich bereits gemerkt.«

Der Abbé ballte die rechte Hand. »Aber du wirst aus diesem Tal herauskommen, und zwar gestärkt. Das kann ich dir versprechen, John. Und ich werde alles tun, um dir dabei zur Seite zu stehen. Ich will dir einfach helfen.«

»Ja – und dann?« murmelte ich.

Er schaute mich an. »Nichts, mein Freund. Das Leben geht weiter. Das weißt du. Ich denke, dass du diesen Satz schon öfter zu anderen Menschen gesagt...

Erscheint lt. Verlag 14.10.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3740-7 / 3838737407
ISBN-13 978-3-8387-3740-9 / 9783838737409
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