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John Sinclair 1050 (eBook)

Die Nymphe und das Monster

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3783-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1050 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Die Nymphe und das Monster.

'Hör auf mich!' warnte die alte Frau den Pfarrer. 'Du musst auf mich hören. Deine Kirche ist nicht mehr das, was sie einmal war. Der Herrgott hat sich aus ihr zurückgezogen. Er ist weg. Er ist weg von deinem Altar. Dort herrscht ein anderer, den du riechen kannst. Es ist das Blut, das alte Blut ... der Blutaltar ...'

Der Pfarrer ignorierte die Worte der Frau und auch weitere Warnungen. Es war sein Fehler, denn nun hatten die Schrecken der Vergangenheit wieder freie Bahn.

Und der Blutaltar sollte zu dem werden, was er einmal gewesen war. Zu einer Opferstätte des Schreckens ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Die Nymphe und das Monster


Die alte Frau trat aus dem Schatten der Nische und stellte sich Don Carmacho in den Weg.

Der Pfarrer erschrak sichtlich. Er war zu sehr in seine Gedanken versunken gewesen. Irritiert schüttelte er den Kopf. Das Erscheinen der Frau passte ihm nicht. »Was willst du, Madge?«

Die Alte grinste breit und zahnlos. »Riechst du es nicht, Hochwürden?«

»Was soll ich riechen?«

»Das Blut in deiner Kirche. Das Blut auf deinem Altar.« Sie war so dicht an den Mann herangetreten, dass dieser ihren schlechten Atem roch, als strömte der Gestank aus dem offenen Mund einer Leiche.

Der Pfarrer ging einen Schritt zurück. »Es ist nicht nur meine Kirche und mein Altar. Alles gehört uns, der Gemeinde. Der Herrgott ist für uns alle da.«

Das wollte Madge nicht glauben. »Nein, Hochwürden, nein. Nicht bei uns. Das war einmal. Gott hat sich von uns zurückgezogen. Er ist weg aus deiner Kirche. Weg von deinem Altar.« Sie grinste wieder so bissig. »Du wirst ihn nicht mehr finden.«

Don Carmacho streckte sich. »Was willst du, Madge? Sag endlich, weshalb du hier auf mich gewartet hast.«

»Sie kommen«, flüsterte die Alte. »Ich weiß es genau, dass sie kommen. Das Blut war nur der Anfang, Hochwürden. Warte es ab.« Sie hob warnend den rechten Zeigefinger. »Warte es nur ab …«

Bevor der Pfarrer eine Frage stellen konnte, war die Frau wieder verschwunden. Sie hatte sich erstaunlich schnell gedreht und huschte davon. Nur das Rascheln ihres Mantelstoffs war noch zu hören. Wenig später nichts mehr.

Carmacho atmete tief durch. Sein Gesicht veränderte sich. Es sah plötzlich hölzern aus und wirkte wie der Kopf eines Nussknackers. Er wusste, was Madge gemeint hatte. Er kannte sie. Jeder im Ort kannte sie. Madge war so etwas wie die Kräuterhexe von Llangain. Sie wusste viel über die Natur, die Landschaft und das Wasser, in dem sie wohnten, von denen sie oft genug erzählte.

Frauen, geheimnisvolle Wesen. Nymphen. Schöne, junge Dinger, deren Verführungskräfte phänomenal waren. Davon erzählte sie jedem, der es hören wollte oder nicht. Jedes Wort ihrer Geschichte war von einer Begeisterung getragen, als wünschte sie sich selbst einmal, eine dieser schönen Nymphen sein zu können.

Angeblich hatte sie die Wesen gesehen. Immer wieder kamen sie zu ihr, um mit ihr zu reden, doch das konnte der Pfarrer und die meisten ihrer Zuhörer nicht glauben. Trotzdem schaffte sie es, den Bewohnern Furcht einzujagen und sie davor zu warnen, an das sumpfige Ufer des Flusses Tywi zu gehen. Darin und auch in den nahe liegenden Tümpeln und Teichen hatten sie ihre Heimat.

Don Carmacho drehte sich um. Er hatte eigentlich nicht vorgehabt, seine kleine Kirche zu betreten. Es war ein verflucht kalter und windiger Tag, deshalb wollte er sich in seinem kleinen Haus aufwärmen, wo das Feuer im Kamin brannte. Er war auch nur unterwegs gewesen, um einem Menschen die Beichte abzunehmen. Einem alten Fischer, der sich vor einigen Wochen beide Beine bei einem Unfall gebrochen hatte und nur im Haus bleiben konnte.

Er ging weiter. In seinem langen, schwarzen Mantel wirkte er wie eine schaurige Gestalt aus einem Gruselfilm. Die auf dem Kopf sitzende Baskenmütze wärmte seine Ohren leider nicht. Er ging vorbei an den Resten einer alten Mauer aus der Zeit der Kelten, passierte ein Denkmal, dessen Figur an ein Märchenwesen erinnerte – halb frauliche Schönheit, halb Tier – und wenig später geriet er in den Schatten der Kirche, die recht klein und zugleich sehr alt war. Romanische Bauweise, ohne Spielereien, ohne Verzierungen. Sie sah sehr sachlich aus, und ebenso präsentierte sich auch das Innere.

Vor dem schmalen Portal blieb er nachdenklich stehen. Der Wind umwehte ihn wie ein kalter Gruß. Er nagte an der Unterlippe und dachte darüber nach, dass die alte Madge recht gehabt hatte. Es gingen immer weniger Menschen in die Kirche. Seine Gottesdienste waren zumeist unbesucht. Auch aus den Nachbarorten kam kaum noch jemand. Er wollte es nicht dem allgemeinen Trend in die Schuhe schieben, schließlich lebten sie hier in Wales, und die Waliser waren schon immer anders gewesen, nein, das hatte einen anderen Grund. Die Leute hier hatten sich durch das Gerede der alten Madge einfach verrückt machen lassen und hatten auch Angst bekommen. Sie glaubten an Gott. Sie waren gute Katholiken, aber sie erinnerten sich auch an die alten Geschichten, in denen immer wieder von den Naturgeistern berichtet wurde, die einmal hier gelebt hatten. Besonders die Nymphen, deren Element das Wasser war. Das gab es hier in Hülle und Fülle. Sogar auf dem Grundstück der Kirche befand sich ein Teich, der von Trauerweiden umstanden war und selbst bei hellem Sonnenlicht stets kalt, unheimlich und abweisend wirkte.

Don Carmacho, den es aus einem spanischen Kloster vor Jahren hierher verschlagen hatte, musste endlich etwas tun. Er wollte die Menschen von ihrem Aberglauben befreien. Gleichzeitig wusste er, dass dies eine superschwere Aufgabe war, an der er möglicherweise verzweifelte.

Der Wind brachte wie so oft einen bestimmten Geruch mit. Der Fluss Tywi und dessen sumpfige Ufer waren zu Fuß gut zu erreichen. Sie lagen recht nah, und der Geruch dieser Umgebung hatte sich festgesetzt. Er vermischte sich mit dem des alten Mauerwerks der Kirche, zwischen dessen alten Steinen das feuchte Moos eine feste Schicht gebildet hatte. Wilde Efeuranken glitten zudem an der Mauer hoch, und der Pfarrer musste sie des Öfteren schneiden, besonders im Bereich des Eingangs. Sonst wäre kaum jemand normal in die Kirche hineingelangt.

Auch der Teich roch. Fäulnis. Abgestorbene Zweige und Blätter, die der Wind in das Wasser hineingeweht hatte oder die von den Zweigen der Trauerweiden gefallen waren und wie leichte Boote auf der Oberfläche schwammen.

Carmacho seufzte. Er dachte daran, dass er schon ziemlich lange Pfarrer in Llangain war, doch eines stand fest. Er würde niemals ein Einheimischer werden. Man akzeptierte ihn, aber man ließ ihn nicht am normalen Leben teilhaben. Da waren die Waliser eisern, denn sie hatten ihre bestimmten Regeln.

Nur einmal, es lag noch nicht lange zurück, da hatte er eine junge Frau kennengelernt, die ihn schon immer hatte besuchen wollen. Sie war die Tochter eines anglikanischen Kollegen gewesen, den er noch aus seinen jungen Jahren kannte. Leider war der Kollege gestorben. Das hatte im Grace Felder noch sagen müssen. Allerdings hatte sie sich nicht darüber ausgelassen, wie er gestorben war. Um diesen Tod rankte sich schon ein Geheimnis.

Carmacho war so taktvoll gewesen und hatte nicht nachgefragt. Grace hatte einige Tage bei ihm gewohnt und auch einiges über die Bewohner in Erfahrung bringen wollen. Sie interessierte sich eben für die Geschichte des Landes und dessen Geschichten.

Noch heute wunderte sich der Pfarrer darüber, wie vertrauensvoll er der jungen Frau begegnet war. Er hatte ihr von seinen Schwierigkeiten berichtet und auch seinen Problemen, die er mit dem Aberglauben der Menschen hatte. Da hatte Grace aufmerksam zugehört und anscheinend jedes Wort genau gespeichert.

Er lächelte über sich selbst, weil er gerade jetzt an die Worte der jungen Frau denken musste. Aber Gedanken kann man nicht lenken, das war ihm auch klar.

Die Außenseite des Portals hatte ebenfalls Wind und Wetter standhalten müssen. Das dicke Holz schimmerte dunkel. Der Pfarrer wusste genau, dass es nicht so stabil war, wie es aussah. Es war weich geworden. Eigentlich hätte die Kirche ein neues Portal haben müssen. Dafür allerdings fehlten die finanziellen Mittel.

Er öffnete das Portal. Der schwere Griff lag kalt unter seiner Handfläche, denn auf Handschuhe hatte der Geistliche verzichtet. Er lauschte den Geräuschen der alten Angeln, die sich darüber beschwerten, bewegt zu werden.

Er ging in die Kirche hinein. Nur zwei Schritte weit. Dann blieb er neben dem Taufbecken stehen, lauschte, als die Tür ins Schloss fiel und schüttelte über sich selbst den Kopf. Gerade jetzt kam ihm wieder die Begegnung mit der alten Madge in den Sinn. Natürlich dachte er daran, was sie gesagt hatte.

Das Blut auf dem Altar. Eine Kirche, in der es nach Blut riecht. All diese schaurigen Worte, die für ihn wie eine Warnung gewesen waren, und die ihm jetzt wieder hochkamen.

Warum? Warum schnüffle ich? Warum versuche ich, das Blut zu riechen? Es ist doch Unsinn.

Er wollte es sich mit Gewalt einreden. Nur war das nicht zu schaffen. Wenn er ehrlich gegen sich selbst war, dann hatte auch er schon den ungewöhnlichen Geruch nahe des Altars wahrgenommen. Ein Gestank, der so gar nicht in die Kirche hineinpasste und auch nichts mit der feuchten Umgebung zu tun hatte.

Der rot glühende Punkt des Ewigen Lichts nahe des Altars schien in der Luft zu schweben. Der Pfarrer wusste genau, dass dieses Licht auf einem Sockel stand. Der jedoch war, wie auch die meisten Gegenstände innerhalb des dunkelgrauen Lichts, verschwunden. Nein, dieses Dunkelgrau war kein Licht. Es waren Schatten, die aus irgendwelchen Untiefen hervorgekrochen waren und nun diese fremde Umgebung für sich beansprucht hatten. Sie waren eigentlich immer da. Am Tag ebenso wie in der Nacht. Da allerdings stärker.

Es war kalt in der Kirche. Nicht nur fußkalt. Eine Heizung gab es nicht. Hinzu kam der Geruch nach Kerzenwachs und dunklen Dochten, um die einmal Flammen getanzt hatten. Die Kälte schien diesen Geruch noch stärker aktiviert zu haben.

Er schaute über die Bänke hinweg. Es gab zwar keine Reihen und deshalb auch keinen Mittelgang. Altes und auch leicht aufgeweichtes Holz. Hier musste so viel renoviert und auch gestrichen werden. Nur fehlte eben das Geld.

Die Kirche war schmucklos....

Erscheint lt. Verlag 14.10.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3783-0 / 3838737830
ISBN-13 978-3-8387-3783-6 / 9783838737836
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