John Sinclair 1010 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3743-0 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Das Geheimnis der blutigen Hände (1. Teil).
In dem alten Haus war es stockfinster, und auch das Mondlicht schaffte es nicht, durch irgendeinen Spalt zu dringen. Vor die Fenster waren Blendläden geklappt worden. So wirkte der schmale Bau in der Nähe des Bachs und den Schatten der felsigen Berge wie der Streich eines Architekten, der bei seiner Planung die Fenster vergessen hatte.
Der Mann, der angezogen auf seinem schmalen Bett in der Dunkelheit lag, ahnte, dass es nicht so bleiben würde. Er hatte seine Ahnungen, und auf die konnte er sich verlassen. Cesare Caprio wusste, dass es wieder einmal Zeit wurde. Zuviel hatten die Leute in den letzten Monaten durchgehen lassen. Es musste ein Schlussstrich gezogen werden, damit die Menschen zur Vernunft kamen. Sonst lief die Ordnung aus dem Ruder.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Das Geheimnis der blutigen Hände (1. Teil)
In dem alten Haus war es stockfinster, und auch das Mondlicht schaffte es nicht, durch irgendeinen Spalt zu dringen. Vor die Fenster waren Blendläden geklappt worden. So wirkte der schmale Bau in der Nähe des Bachs und den Schatten der felsigen Berge wie der Streich eines Architekten, der bei seiner Planung die Fenster vergessen hatte.
Der Mann, der angezogen auf seinem schmalen Bett in der Dunkelheit lag, ahnte, dass es nicht so bleiben würde. Er hatte seine Ahnungen, und auf die konnte er sich verlassen. Cesare Caprio wusste, dass es wieder einmal Zeit wurde. Zuviel hatten die Leute in den letzten Monaten durchgehen lassen. Es musste ein Schlussstrich gezogen werden, damit die Menschen zur Vernunft kamen. Sonst lief die Ordnung aus dem Ruder.
Der Mann sollte recht behalten. Er wusste nicht, wie spät es war, als er vor dem Haus Schritte hörte. Er schaute auch nicht auf die Uhr, in diesem Fall ergab er sich einfach in sein Schicksal.
Der Besucher kam auf sein Haus zu. Seine Schuhe hinterließen auf dem unebenen Weg deutlich ihre Echos. Zudem gab er sich keine Mühe, leise zu sein.
Cesare stöhnte leise auf, als der Besucher die Tür aufdrückte. Dieses Aufstöhnen glich mehr dem Seufzen eines Mannes, der eigentlich keine Lust mehr hatte, sich in sein Schicksal zu fügen, es aber musste.
»Bist du da, Cesare?«
»Si, ich bin hier.«
»Wo?«
»Wo ich immer bin.«
Der Besucher wusste Bescheid. Wieder klopften seine Schuhe auf den Boden, als er sich der Tür näherte, die zu Caprios Zimmer gehörte. Cesare sah sie wegen der Finsternis nicht, dennoch starrte er gebannt hinaus.
Wie immer protestierten die alten Angeln, als die Tür geöffnet wurde. Davor zeichnete sich die Gestalt des Besuchers ab. Der Mann kam nicht näher, stattdessen nickte er dem Liegenden zu. »Cesare, steh auf, denn es ist wieder soweit.«
»Wann?«
»Jetzt sofort.«
Cesare ließ einige Sekunden vergehen. Dann antwortete er. Die Worte waren von einem tiefen Stöhnen unterlegt. »Ja, ich werde kommen. Es muss ja wohl sein.«
»Richtig, mein Freund. Und vergiss dein Beil nicht.«
*
Jessica konnte nicht mehr weinen. Auch wenn sie sich angestrengt hätte, es wäre ihr nicht mehr möglich gewesen. Sie hatte keine Tränen mehr.
Dafür Angst, eine panische, eine wilde und kaum zu beschreibende Angst vor der nahen Zukunft und vor dem, was ihr bevorstand. Das war furchtbar, das war finsterstes Mittelalter. Das war die Rückkehr in die Jahre der Inquisition. Und alles nur deshalb, weil sie ihr Blut nicht hatte unter Kontrolle bekommen können. Das war eben der Drang, es tun zu müssen, und sie hatte sich nicht mehr dagegen wehren können, auch nicht als verheiratete Frau.
Gut, sie war in die Falle getappt, sie war erwischt worden. Endlich konnten die scheinheiligen Heuchler wieder dem Mund der Wahrheit ein Opfer zuspielen. Diesmal hatte es sie erwischt. Das war Pech.
Sie wusste, was mit den Frauen geschah, die dem Mund der Wahrheit zugeführt wurden. Etwas Schlimmeres konnte man sich kaum vorstellen, und ihr Ehemann, Romano, hatte natürlich zugestimmt. Klar, was hätte er auch anderes tun können? Ihm waren die Hörner aufgesetzt worden, er war lächerlich gemacht worden, und er stammte aus dem Ort. Hier war er geboren, aufgewachsen, und hier würde er auch sterben.
Das Gefühl für Zeit war der Frau abhanden gekommen. Man hatte sie überwältigt, halb bewusstlos geschlagen und anschließend in diesen Weinkeller eingesperrt. Inmitten der großen Fässer war sie an die Wand gekettet worden. Nun wartete sie darauf, dass man sie abholte, um sie der Bestrafung zuzuführen.
Die Menschen waren grausam, und trotz ihrer Doppelmoral erhielten sie immer wieder den Segen des senilen Pfarrers. Er mischte ebenfalls mit. Er schien noch aus den Zeiten der Inquisition zu stammen, denn für ihn war eine derartig fürchterliche Bestrafung einfach heilig.
Der Keller war feucht. Es roch säuerlich, nach alten, ausgequetschten Trauben. Manchmal hatte Jessica auch das Gefühl, ersticken zu müssen, weil die feuchte Luft für sie einfach nicht zu atmen war. Widerlich, sie empfand alles als widerlich, und auch ihr eigenes Leben, dem sie, wäre es ihr möglich gewesen, ein Ende bereitet hätte. Aber getötet werden sollte sie nicht. Der Mund der Wahrheit würde bei ihr für die entsprechende Bestrafung sorgen.
Erlebt hatte sie es selbst noch nie. Sie gehörte noch nicht lange zu den Bewohnern, aber die Frauen im Ort hatten schon genug über diesen Mund berichtet und natürlich davon, wie schlimm er war, denn Gnade kannte er keine.
Wie alt er war und wer ihn letztendlich erschaffen hatte, das wusste sie nicht. Es gab ihn, und damit mussten sich alle abfinden. Die meisten hatten es getan, nur Jessica wollte nicht und hatte sich darüber hinweggesetzt. Mit dreißig Jahren fühlte sie sich noch jung genug, um ausgehen zu können. Sie wollte nicht versauern wie die anderen Frauen, die sich achselzuckend in ihr Schicksal ergaben.
Jessica hatte getobt, geschrien, geweint. Nichts hatte gefruchtet. Auch wer ihre Schreie gehört hätte, niemand wäre auf die Idee gekommen, sie heimlich zu befreien, selbst ihre eigenen Geschlechtsgenossinnen nicht. Unter ihnen gab es keine Solidarität.
Schlimm war auch die Dunkelheit. Kein Licht, kein künstliches und auch keine Sonne. Der verdammte Keller blieb finster wie eine Gruft, in der sich die Seelen der Verdammten aufhielten.
Manchmal, wenn ihre Augen vom langen Starren in das Dunkel schon brannten, dann bildete sie sich ein, es wäre Bewegung in die Dunkelheit gekommen. Sie hörte dann nichts, aber die Finsternis wurde schon von einer anderen Macht durchdrungen.
Als kleines Kind hatte ihr der Großvater immer vom Tod erzählt. Ihr Großvater war sehr schlau gewesen. Er hatte immer auf alles eine Antwort gewusst. Er wusste sogar, wie der Tod aussah, wenn er kam, um die Menschen zu holen. Jessica hatte diese Beschreibung niemals vergessen. Jetzt, wo sie als Gefangene in der Finsternis ausharrte, da hatte sie manchmal den Eindruck eines Besuchers gehabt, der durch den Keller ging und dabei keinen Laut abgab. Aber er hatte ausgesehen wie die Gestalt, die sie aus den Erzählungen ihres Großvaters kannte.
Eine schwarze, mit einer Sense bewaffnete Knochengestalt, der Tod eben, der die Menschen in sein Reich zerrte.
Aber er war an ihr vorbeigegangen. Er hatte sie nicht mal berührt. Die Finsternis hatte ihn schließlich geschluckt, doch die Furcht war bei Jessica geblieben und nahm sogar noch zu, ebenso wie die Erschöpfung und der Durst.
Sie hätte ihn mit bestem Merlotwein löschen können – wenn man ihr die Ketten abgenommen hätte. Aber daran dachten die feinen Menschen nicht einmal.
Jessica war an die Wand des Weinkellers angekettet worden, die schon seit Jahrhunderten allen Stürmen widerstanden hatte.
Ja, sie kannte auch den Mund der Wahrheit. Um ihn zu erreichen, musste man das Dorf verlassen und ein kleines Stück in die Berge hineingehen, bis zu einem bestimmen Felsen. Dort war er dann zu sehen, und es gab kaum jemanden, der freiwillig hinging.
Vor allen Dingen keine Frau.
Wie es später mit ihr weitergehen würde, wusste Jessica Malfi auch nicht. Vielleicht würde sie sterben, verbluten, alles war möglich. Zum Arzt würde man sie nicht bringen, denn der konnte ja Fragen stellen, die anderen Leuten sauer aufstießen. Nein, nein, das würde ganz anders ablaufen, aber Jessica hoffte noch immer, dass jemand kam und sich ihrer erbarmte. So schlimm war ihr Vergehen auch nicht gewesen.
Die Ketten ließen ihr so viel Spielraum, dass sie sich hinknien konnte. Manchmal hatte sie auf dem Boden gekauert wie ein kleines Kind, das sich unter allen Umständen vor irgendjemandem verstecken wollte.
Dann hatte sie etwas getan, worüber sie sich im Nachhinein noch wunderte. Sie hatte sogar gebetet. Ausgerechnet sie, wo sie doch mit der Kirche und vor allen Dingen mit ihren Vertretern nicht viel im Sinn hatte. Aber es gibt wohl bei jedem Menschen einen Punkt, an dem er sich an das erinnerte, was er einmal als Kind erlebt hatte. So war es auch bei ihr gewesen.
Apathie hatte sie überkommen. Es war wieder Zeit gewesen, sich hinzuhocken, das lange Stehen hätte sie nur noch schwächer gemacht, und das wollte Jessica nicht.
Nein, die Finsternis und das Wissen um ihre Zukunft hatten sie noch nicht wahnsinnig gemacht. Dennoch summte sie ein Lied aus ihrer Kindheit, obgleich sie es nicht gewollt hatte. Dazwischen klirrten auch die Glieder der Ketten, wenn sie sich zu heftig bewegte, aber sie vernahm auch ein anderes Geräusch, das sie bisher in dieser Einsamkeit noch nicht gehört hatte.
Da war eine Tür geöffnet worden. Vorn, wo der Eingang lag. Zuerst bekam sie es nicht so richtig mit, oder sie wehrte sich dagegen, aber sie schloss nicht die Augen. Deshalb fiel ihr auch der Lichtstrahl auf, der von einer Taschenlampe stammte und durch die Finsternis des Kellers hüpfte, weil sich der Träger der Lampe unregelmäßig bewegte.
Sie hörte die Schritte. Das hüpfende Auge näherte sich ihr. Sie war gezwungen, die Augen zu schließen, denn nach dieser langen Dunkelheit empfand sie das Licht einfach als zu grell.
»Da ist die Schlampe ja!« sagte ein Mann und grunzte zufrieden wie ein sattes Schwein.
»Sicher, Cesare, ich habe es dir doch gesagt.«
»Ob sie wohl freiwillig mitgeht?«
»Das spielt keine Rolle. Wir werden sie mitnehmen und sie der Bestrafung zuführen.«
Die beiden Kerle waren vor der Gefangenen stehen geblieben. Jessica konnte sie trotzdem nicht erkennen, weil das Licht sie noch...
| Erscheint lt. Verlag | 14.10.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3743-1 / 3838737431 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3743-0 / 9783838737430 |
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