John Sinclair 902 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3633-4 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Zurück zu den Toten.
Das weiche Licht der Deckenleuchte streichelte die Gesichter der beiden Frauen, die sich am Küchentisch gegenübersaßen.
'Heute Nacht werde ich mein Zimmerfenster nicht schließen', sagte Amanda und lächelte versonnen.
'Warum denn nicht?'
'Weil sie kommen werden!'
'Wer wird kommen?'
'Die Toten', flüsterte Amanda. 'Die Toten werden kommen ...'
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Zurück zu den Toten
Das weiche Licht der Deckenleuchte streichelte die Gesichter der beiden Frauen, die sich am Küchentisch gegenübersaßen.
»Heute Nacht werde ich mein Zimmerfenster nicht schließen«, sagte Amanda und lächelte versonnen.
»Warum denn nicht?«
»Weil sie kommen werden!«
»Wer wird kommen?«
»Die Toten«, flüsterte Amanda. »Die Toten werden kommen …«
Olivia Serrano sagte nichts. Schweigend wischte sie mit der Hand die Krümel von der Tischdecke. Dann endlich brach sie ihr Schweigen. Sie legte die Hand auf den Griff der Kaffeekanne und fragte ihre Schwester: »Möchtest du noch einen Schluck?«
»Nein, bitte nicht.«
»Gut.« Olivia schenkte sich selbst den Kaffee ein. Das Geräusch der in die Tasse plätschernden Flüssigkeit war deutlich zu hören. Olivia nahm zunächst einige Schlucke, bevor sie sich zu einer Frage entschloss. »Du meinst also, dass die Toten kommen werden?«
»Davon bin ich sogar überzeugt.«
»Und was macht dich so sicher?«
»Ich weiß es einfach.«
»So ist das.«
Amanda nickte. »Schwester, ich werde recht behalten. Du wirst es erleben. Die Toten werden ihre Gräber verlassen und uns besuchen.«
Olivia stellte ihre Tasse ab. »Wir haben schon immer damit gerechnet«, murmelte sie …
»Entschuldige, Schwester. Ich habe damit gerechnet, nicht du. Ich habe immer davon gesprochen, denn mein Draht zu ihnen war stets besser als der deinige. Aber wir wollen uns nicht streiten. Diese Nacht wird entscheidend sein.«
»Nein, Streit will ich nicht.« Olivia schüttelte den Kopf. Dann schaute sie ihre Schwester an, die um drei Jahre jünger war. Sie überlegte, wie sie Amanda einem Fremden beschreiben würde. Vielleicht ein wenig blass, etwas in sich gekehrt, träumerisch wirkend. Ein blasses Gesicht, in dem die dunkelbraunen Haare an den Seiten streng zurückgekämmt und im Nacken zu einem Knoten gebunden waren. Weiche Gesichtszüge, eine blasse Haut und dazu Lippen, die ebenfalls kaum auffielen. Sie war zweiunddreißig, ledig wie auch Olivia. Sie wohnten gemeinsam in dem von ihren Eltern geerbten Haus und hielten kaum Kontakt zu anderen Menschen, aber sie waren nicht so verschroben, wie man annehmen konnte. Es steckte etwas hinter ihnen, das wussten beide, aber Amanda war die sensiblere von ihnen, sie hielt den Kontakt zu Dingen, die Olivia zwar nicht ablehnte, mit denen sie aber kaum zurechtkam, zumindest nicht so intensiv wie Amanda. Olivia war mehr die Praktikerin von beiden.
»Wolltest du mich noch etwas fragen, Schwester?«
Olivia winkte ab. »Ich weiß es noch nicht genau. Vielleicht vieles, aber das hat Zeit.«
Amanda legte die Hände gegeneinander, als wollte sie beten. Sie hatte schmale Finger; die Nägel glänzten. Auf Schminke verzichteten beide, sie lebten nach bestimmten Gesetzen, doch sie waren Menschen, und Menschen konnten ihre Triebe und Wünsche eben nicht verleugnen, das galt auch für die Schwestern.
Amanda trug eine braune Bluse und einen schwarzen Rock. Sie versteckte ihre Figur unter dem Blusenstoff. Männer hätten wer weiß was dafür gegeben, sie ohne Kleidung anschauen zu können. Amanda wusste das.
Olivia, die ältere, war zwar nicht das glatte Gegenteil ihrer Schwester, aber sie kam mehr auf ihren Vater raus. Sie war größer als Amanda, auch herber. Ihre Augen schimmerten in einem kalten Graublau, das Haar trug sie kurz, zudem war es heller als das ihrer Schwester. Der Pony fiel ihr in unterschiedlich langen Fransen in die Stirn, und auf ihrer Oberlippe wuchs der dunkle Schatten eines Damenbarts. Amanda hatte bei Männern immer die größeren Chancen gehabt, das aber störte Olivia nicht, sie setzte andere Akzente in ihrem Leben.
Amanda lächelte. »Ich sehe dir an, Schwester, dass du dir Sorgen machst. Ja, ich kann es an deinem Gesicht und an deinen Augen ablesen. Aber du brauchst dir keine Sorgen um mich oder um uns beide zu machen. Wir haben schon den richtigen Weg eingeschlagen. Alles andere wäre falsch gewesen.
»Denkst du das wirklich?«
»Natürlich.«
»Und du bereust nichts?«
»Nein.«
Olivia hob die Schultern. »Denk an die Schnüffler, die sind aufmerksam geworden.«
Heftig winkte Amanda ab. »Aufmerksam, wie sich das anhört. Was können sie uns denn schon beweisen?«
»Nichts, gar nichts.«
»Eben.« Amanda lächelte. »Und das, meine liebe Olivia, wird unser großer Vorteil sein.«
Olivia runzelte die Stirn. »Ich weiß es nicht, ich weiß es wirklich nicht. Sie werden nicht aufhören, nachzuforschen. Wir können es nicht bis in alle Ewigkeit durchziehen.«
»Das brauchen wir auch nicht«, erklärte Amanda, während sie sich vorbeugte. »Das brauchen wir nicht. Wir sind einmalig. Sie stehen alle auf unserer Seite, die wichtigen zumindest.«
»Die Toten …«
Amanda konnte ein Lachen nicht unterdrücken. »Ja, meinetwegen auch sie. Himmel, was sind schon Tote? Wir haben es doch gelernt, anders darüber zu denken, oder nicht?«
»Das schon.«
»Na bitte! Was macht dich so misstrauisch?«
»Dieser Mann.«
Amanda winkte ab. »Er kann uns nicht gefährlich werden.« Ihre Stimme kriegte einen spöttischen Unterton. »Ausgerechnet ein Mann. Haben wir uns jemals von einem Mann die Butter vom Brot nehmen lassen? Hat uns je ein Mann gestört?«
»Nein, das nicht.«
»Was willst du dann?« Amanda lächelte. »Und der Mann, den wir bei uns haben, der wird sich wundern, wenn es soweit ist. Darauf kannst du dich verlassen.«
»Ich hoffe es für uns.«
»Das kannst du auch!« Amanda schlug mit den flachen Händen auf die Tischplatte und erhob sich. Tief atmete sie ein und sagte: »So, ich werde jetzt gehen.«
»Wohin willst du?«
»Frische Luft schnappen. Einen Spaziergang machen. Ich werde schauen, ob alles in Ordnung ist.«
»Aha.«
»Was heißt das?«
»Nichts, Schwester. Ich bleibe hier und halte die Stellung. Soll ich einen kleinen Imbiss vorbereiten?«
Amanda überlegte. »Eigentlich habe ich keinen Hunger, aber wenn du willst …«
»Was denn?«
»Nein, warte noch, bis ich zurückkomme. Dann werde ich es dir sagen.«
Olivia war einverstanden. »Das ist gut, denn großen Hunger verspüre ich auch nicht.« Sie blieb sitzen und schaute ihrer Schwester nach, wie diese auf die Küchentür zuschritt, sie öffnete und im Flur das Licht einschaltete.
Dort stand nicht nur die alte Truhe, das wertvolle Erbstück, sondern auch ein Schrank, in dem die Garderobe der beiden Frauen untergebracht war. Amanda zog beide Türen auf. Sie griff zur rechten Seite hin, denn dort hingen ihre Kleidungsstücke. Die der Schwester hatten an der linken Seite ihren Platz gefunden.
Es war zwar März, aber es war kein Frühling. Noch einmal hatte der Winter Luft geholt, und er blies seinen eisigen Atem über das Land. Es hatte wieder geschneit, und auf den Straßen war es zu Unfällen durch Glatteis gekommen. Das Wetter machte den beiden Frauen nichts aus, denn sie hatten schon seit Tagen das Haus nicht mehr verlassen.
Amanda zog ihren Mantel an. Er bestand aus einem dunkelgrünen Stoff und umhüllte ihre Gestalt wie eine Glocke, wobei der Saum in Wadenhöhe das untere Ende bildete. Amanda band den Schal um, stellte den Kragen hoch und ging auf die Haustür zu.
Dort drehte sie sich noch einmal um. Olivia stand in der offenen Küchentür. Sie winkte der Schwester zu. »Verlauf dich nicht! Und sei vorsichtig, damit dir nichts passiert!«
»Aber mir doch nicht.«
»Wer kann das wissen?«
»Schon gut, bis gleich.«
Olivia nickte. Sie sah, wie ihre Schwester die Tür öffnete und verschwand. Ein seufzender Atemzug verließ ihren Mund. Manchmal war das Leben eben nicht einfach, besonders nicht für sie, aber darüber wollte sie sich jetzt keine Gedanken machen …
*
Das Haus der beiden Schwestern lag einsam, und zwar dort, wo Felder, Wiesen und Wald zusammenstießen. Es lag an einer Straße. Wer es erreichen wollte, musste über einen Feldweg gehen, der zu dieser Zeit sogar befahrbar war. Taute es, war er wieder knietief und matschig.
Amanda lächelte, als die Tür hinter ihr zufiel. Sie ging einen Schritt vor, um erneut stehen zu bleiben. Ihr Blick glitt über die noch kahle Umgebung hinweg, und selbst der Wald war an derartigen Tagen anders. Ebenfalls kahl und ungemütlich, daran konnte auch die fahle Abendsonne nichts ändern, die sich hinter langen, grauen Wolkenbänken versteckte und sie rot anmalte.
Es war kalt. Der Wind blies in das Gesicht der Frau, als wollte er ihre Haut vereisen. Das Gras hatte seine grüne Farbe verloren und wuchs wie ein brauner Pelz auf dem flachen Boden. Hoch über Amanda segelten dunkle Vögel durch die Luft. Raben oder Krähen, so genau wusste sie das nicht. Sah sie nach links, konnte sie hinter den Feldern die Landstraße erkennen, die gewissermaßen die Verbindung zur Außenwelt darstellte. Beide Frauen lebten doch recht einsam, von der übrigen Welt so gut wie abgekapselt. Sie wollten es auch nicht anders, denn sie waren auserwählt worden, und das machte sie froh.
Amanda Serrano schlug nicht den Weg zur Straße hin ein, sondern bewegte sich in die andere Richtung, nach rechts hin, wo ein schmaler Trampelpfad ein brachliegendes Feld durchschnitt. Wenn sie dem Pfad weiter folgte, würde sie an ihr Ziel gelangen, eintauchen in den winterlichen Wald, der von irgendwelchen Spaziergängern längst vergessen war und hoffentlich nie wieder von ihnen entdeckt werden würde.
Die Frauen brauchten ihre Ruhe. Sie wollten keinen anderen Menschen sehen, es sei denn,...
| Erscheint lt. Verlag | 30.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3633-8 / 3838736338 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3633-4 / 9783838736334 |
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