John Sinclair 901 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3632-7 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Aibons Hexenfalle.
Ted Borner stieg aus dem Fahrzeug und zuckte zurück!
Etwas hatte seinen Hals gestreift, dünn wie ein Strich oder der Hauch eines straff gespannten Seidengarns. Der Mann schüttelte unwillig den Kopf, wollte den Faden wegwischen, was aber misslang, denn das dünne Ding blieb an seinem Handrücken kleben. Borner nahm die andere Hand zu Hilfe, drückte den Faden zusammen, rollte ihn zu einer Kugel und schmierte sie gegen einen Zweig.
Komisch. Er schüttelte den Kopf. Spinnenfäden im Winter, so etwas konnte es nicht geben! Die Natur spielte verrückt!
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Aibons Hexenfalle
Ted Borner stieg aus dem Fahrzeug und zuckte zurück!
Etwas hatte seinen Hals gestreift, dünn wie ein Strich oder der Hauch eines straff gespannten Seidengarns. Der Mann schüttelte unwillig den Kopf, wollte den Faden wegwischen, was aber misslang, denn das dünne Ding blieb an seinem Handrücken kleben. Borner nahm die andere Hand zu Hilfe, drückte den Faden zusammen, rollte ihn zu einer Kugel und schmierte sie gegen einen Zweig.
Komisch. Er schüttelte den Kopf. Spinnenfäden im Winter, so etwas konnte es nicht geben! Die Natur spielte verrückt!
Komischerweise konnte er über den Faden nicht lächeln. Er kannte den Grund auch nicht. Seine Frau hatte ihm zwar am Telefon berichtet, dass in der Stadt etwas nicht stimmte, aber sie hatte sich nicht genau darüber ausgelassen, um was es eigentlich ging. Für ihn hätte es noch lange kein Grund zur Beunruhigung sein müssen. Wenn man allerdings zwei Wochen außer Haus war, er hatte auf Wunsch der Firma einen Kursus besucht, konnte sich in der Heimat schon etwas verändert haben. Das musste er auch einsehen.
Aber das Haus stand noch. Es brannte auch Licht hinter den Scheiben. Muriel war zu Hause, sie wartete auf ihn. Nur hatte Borner seiner Frau nicht gesagt, wann er eintreffen würde, im Laufe den Abends, und das war auch geschehen.
Er hatte den Dienstwagen vor die Garage gestellt und öffnete den Kofferraum.
Er holte den Koffer hervor und auch die Tasche, in der er die Unterwäsche und seine Kosmetika verstaut hatte. Borner schloss den Kofferraum wieder, nahm beide Gepäckstücke hoch und machte sich auf den kurzen Weg. Wenn es nicht regnete, machte es ihm nichts aus, dass die Garage weiter vom Haus entfernt lag. Doch er war auf diesem kurzen Weg auch schon klatschnass geworden.
Es war sehr still, und das wiederum wunderte ihn. Kein Hund bellte, er hörte keine Stimmen, kein Radio dudelte. Um diese Zeit hätte eigentlich mehr los sein sollen. Ihm kam es vor, als hätten sich die Bewohner der Stadtrandsiedlung in ihren Häusern verkrochen, wobei er seine Frau Muriel mit einschloss. Bei ihr war es verständlich, sie hatte als Leiterin eines Supermarkts einen stressigen Job, da gab es Probleme zuhauf. So kam es vor, saß sich Muriel nach dem Job sofort hinlegte, um zwei Stunden zu schlafen. Erst danach war sie wieder fit.
Der Mann mit den Gepäckstücken musste eine Hecke umrunden und erreichte die Reihe der Vorgärten, die sich im Winter noch mehr glichen als im Sommer. Er musste sie ganz durchgehen, denn sein Haus war das Letzte in der Reihe.
Es war alles normal.
Autos standen auf den schmalen Einstellplätzen der Vorgärten. Das Licht aus den Fenstern malte helle Inseln in die Gärten und auf den Gehsteig. Mit der Beleuchtung hatten die Stadtväter gespart. Es standen nur wenige Laternen in der Nähe, die bestenfalls der Orientierung dienten.
Er ging weiter. In der Ferne erklang ein Brummen. Dort liefen die Gleise der Bahn entlang.
Er lächelte vor sich hin. Was Muriel wohl machte? Es konnte vorkommen, dass sie sich für den Abend etwas Besonderes ausgedacht hatte. Das Finale spielte sich dann meist im Bett ab und dauerte oft genug bis in die Morgenstunden.
Er hätte nichts dagegen gehabt. Wenn man knapp über Dreißig war und abstinent in den letzten zwei Wochen gelebt hatte, dann freute man sich auf die eigene Frau.
Er blieb vor dem Garten stehen, den ein Weg in zwei Hälften teilte. Er endete dort, wo das Haus begann.
Borner suchte nach dem Schlüssel, fand ihn in der rechten Tasche, nahm die Gepäckstücke wieder hoch, ging weiter und wunderte sich, dass seine Frau nicht erschien, um ihn an der offenen Tür zu begrüßen. Wäre es umgekehrt gewesen, hätte er längst am Fenster gestanden und gewartet. Muriel zeigte sich nicht. Sie hatte sogar die Gardine am Küchenfenster vorgezogen, sodass hinter dem Stoff das Licht sehr weich wirkte.
War sie trotz der Beleuchtung nicht im Haus und auf einen Sprung zur Nachbarin gegangen?
Das kam vor. Allerdings wollte sie an diesem Abend auf ihn warten. Borner wurde immer misstrauischer. Die wenigen Schritte bis zu seinem Haus kamen ihm doch sehr lang vor. Das Gefühl, in einer fremden und nicht heimischen Umgebung zu sein, stellte sich bei ihm immer stärker ein. Er ging trotzdem schneller.
Etwas Klebriges wischte zuerst an seiner Stirn und kurz danach an seinem Auge vorbei. Borner musste zwinkern, stellte den Koffer ab und wischte sich über sein Gesicht hinweg. Das Zeug bekam er ab, zurück blieb ein leichtes ’Brennen auf der Haut.
Was war das nur?
Borner spürte die Irritation. Bereits zum zweiten Mal war es ihm in kurzer Zeit widerfahren, das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Um diese Zeit sponnen Spinnen keine Fäden, und wenn, dann hingen sie auch nicht einfach nur in der Gegend herum.
Das musste etwas anderes sein …
Die letzten Yards legte er sehr schnell zurück. Vor der Haustür blieb er stehen. Zuerst wollte er klingeln, überlegte es sich dann anders, schob den Schlüssel ins Schloss und öffnete die Tür. Er stieß sie auf, hinein in die Leere – und Stille.
Ja, sie fiel ihm sofort auf. Diese bedrückende Stille, die anders war als sonst. Sie schien sich im gesamten Haus auszubreiten und sorgte bei ihm für eine gewisse Nervosität.
Keine Schritte, kein Radio, das spielte, auch keine Glotze war eingeschaltet. Das Haus wirkte leer, unbewohnt. Die Tatsache ließ ihn schon frösteln.
Er stellte sein Gepäck ab und schloss leise die Tür. Dann atmete er durch. Sogar durch dieses Geräusch fühlte er sich gestört und ebenso durch die schwachen Lichtverhältnisse im breiten Flur, der mit dem Treppenaufgang bestückt war. Die Borners hatten ihr Haus innen anders bauen lassen als die übrigen Nachbarn.
Helligkeit drang nur aus der offenen Küchentür in den Flur, das war ihm zu wenig.
Er schaltete das Licht ein. Der Stern unter der Decke gab sein Licht ab und erhellte jeden Winkel im Flur. Beinahe sogar die Treppe bis zu ihrem Ende, und Ted Borner kam sich plötzlich etwas verloren und auch fremd vor, als er sich umschaute.
So einiges gefiel ihm nicht.
Er gab zu, dass sich in den letzten zwei Wochen nichts verändert hatte, Muriel hatte nichts neu gekauft, aber das leichte Flirren irritierte ihn schon. Es schimmerte in der Luft, als wären Silberfäden dabei, etwas zu reflektieren.
Fäden?
Damit hatte er schon draußen seine Erfahrungen gemacht, und er sagte sich, dass so etwas eigentlich nicht möglich sein konnte. Die Fäden mussten draußen bleiben und …
Aber sie waren hier. Im Haus, und er konzentrierte sich auf sie, sodass ihm die gesamte Wahrheit vor Augen geführt wurde.
Es gab sie überall!
Sie zogen sich von Wand zu Wand, hingen von der Decke herab und bildeten dünne Schaukeln. Sie trafen sich über dem Boden, wo sie sich verhedderten und Knäuel bildeten, die wie bestimmte Fixpunkte in diesem geometrischen Muster aussahen. Es war einfach alles anders geworden. Als wäre das Haus von einer Invasion zahlreicher Spinnen heimgesucht worden, die überall ihre Spuren hinterlassen hatten. Mit den Fangnetzen kam der Heimkehrer nicht zurecht. Er sah die Veränderung zwar, nur dachte er nicht darüber nach, denn andere Dinge waren wichtiger. Es ging um Muriel, seine Frau.
Erst jetzt fiel ihm ein, dass sie sich noch nicht gemeldet hatte. Sie schien verschollen zu sein, gefangen in ihrem eigenen Haus, dessen untere Etage von diesen ungewöhnlichen Netzen durchzogen wurde. Ted merkte, wie sich in seiner Kehle so einiges zusammenzog und er den berühmten Magenkloß bekam.
»Muriel …?«
Er hatte den Namen seiner Frau gerufen und wartete auf eine Antwort. Sie kam aber nicht.
Ted rief lauter. »Muriel!«
Seine Stimme hatte die obere Etage erreicht. Wenn Muriel nicht zu tief schlief, musste sie ihn gehört haben, aber sie gab keine Antwort. Wollte sie nicht, oder konnte sie nicht?
Ted Borner glaubte eher an die letzte Möglichkeit. Sein Herz schlug viel schneller als gewöhnlich, und über seinen Rücken rannen die Schauer, von denen er nicht einmal wusste, ob sie kalt oder heiß waren. Jedenfalls hinterließen sie bei ihm ein Zittern.
Es blieb ihm nichts anderes übrig, als das Haus nach seiner eigenen Frau zu durchsuchen. Aus Kostengründen gab es keinen Keller, dafür einen kleinen Geräteschuppen. Dort würde er allerdings zuletzt nachschauen, wichtig war zunächst die untere Etage, und hier bewegte er sich nach links auf die Küche zu.
Die Tür stand nicht so weit offen, als dass er alles hätte überblicken können. Er duckte sich, weil die glitzernden Fäden an manchen Stellen ziemlich tief hingen, dann gelang ihm der Blick in die aufgeräumte Küche, in der alles blitzblank war. Da hatte Muriel Ehrgeiz entwickelt.
Nur eine gebrauchte Tasse stand noch auf dem Metallbrett der Spüle. Sonst war alles okay.
In der Küche hingen keine Fäden. Ted durchwanderte sie und suchte nach einer Nachricht, aber Muriel hatte ihm nichts hinterlassen. Die Umgebung wirkte klinisch sauber.
»Verdammt, was ist hier los?« flüsterte der Mann. In seine Furcht mischte sich der erste Ärger.
Da ihm niemand eine Antwort gab, verließ er die Küche wieder und betrat den Flur.
Links war die Garderobe. An den beiden hellen Stangen hing Muriels roter Wintermantel neben der Windjacke. Alles war so verflucht normal und zugleich wieder nicht.
Ted verstand die Welt nicht mehr. Es half alles nichts, er würde oben nachsehen müssen, denn im Wohnraum hielt sich seine Frau sicherlich nicht auf. Dort brannte kein Licht. Es gab auch keine Spuren von einem Einbrecher,...
| Erscheint lt. Verlag | 30.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3632-X / 383873632X |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3632-7 / 9783838736327 |
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