John Sinclair 978 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3710-2 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
So jagten wir Shimada.
'Was Sie gleich zu sehen bekommen, Mr. Sinclair, ist sicherlich auch für Sie einmalig.' Der japanische Polizeioffizier schrie gegen den dröhnenden Lärm des Hubschraubers an. Er hatte alle Traditionen vergessen und benahm sich ziemlich locker. Über unseren Köpfen kreisten die Rotorblätter. Stählerne Macheten, die Menschen in Stücke schlagen konnten, wenn sie von ihnen getroffen wurden. Der von ihnen verursachte Wind zerrte an unserer Kleidung wie Geister, die nach langem Aufenthalt im Gefängnis endlich wieder einen Sturm entfachen konnten. Und auf einer Insel der Geister waren wir gelandet. Zumindest wurde sie im Volksmund so genannt. Für Suko und mich lag Japan mit seinen zahlreichen Inseln am Ende der Welt, aber auch dort existierten die Mächte der Finsternis!
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
So jagten wir Shimada
»Was Sie gleich zu sehen bekommen, Mr. Sinclair, ist sicherlich auch für Sie einmalig.« Der japanische Polizeioffizier schrie gegen den dröhnenden Lärm des Hubschraubers an. Er hatte alle Traditionen vergessen und benahm sich ziemlich locker. Über unseren Köpfen kreisten die Rotorblätter. Stählerne Macheten, die Menschen in Stücke schlagen konnten, wenn sie von ihnen getroffen wurden. Der von ihnen verursachte Wind zerrte an unserer Kleidung wie Geister, die nach langem Aufenthalt im Gefängnis endlich wieder einen Sturm entfachen konnten. Und auf einer Insel der Geister waren wir gelandet. Zumindest wurde sie im Volksmund so genannt. Für Suko und mich lag Japan mit seinen zahlreichen Inseln am Ende der Welt, aber auch dort existierten die Mächte der Finsternis!
Wir schrieben Juli, aber es war ziemlich kalt auf dem Eiland, das zum Norden Japans gehörte. Aus der Luft hatten wir uns die Insel anschauen können. Sie war seltsam geformt: eine Zunge im Süden mit einer dicken Blase im Norden. Die Insel war grün, schwach bewaldet, mit vielen Hügeln und ein paar herausragenden Bergen.
Auch Suko hatte den Hubschrauber verlassen. Ebenso wie ich lief er geduckt aus dem Gefahrenkreis der Rotorblätter. Der Pilot blieb in seiner Maschine. Er stellte den Motor ab. Ein zweiter Hubschrauber mit einem Dutzend Polizisten an Bord war ebenfalls nicht weit von uns entfernt gelandet. Die Kufen hatten sich tief in den weichen Boden gestemmt.
Der Mann, der uns begleitete, hieß Tokito Gazzanawa, war aber nur unter seinem Kampfnamen Gazza bekannt, und so sollten wir ihn auch nennen, was wesentlich bequemer war.
Gazza war für einen Japaner ziemlich groß. Dabei kräftig gebaut. Er betrieb Kampfsport, sein Bruder leitete früher eine eigene Schule, aber er war später zur Polizei gegangen und stand dort einer Sondereinheit vor, mit großem Erfolg, wie man uns versichert hatte. Das dunkle Haar war bei ihm zu einer Bürste gestutzt. Sein Gesicht wirkte ziemlich kantig und ein wenig hart.
Nachdem der Lärm um uns herum verstummt war, zeigte Gazza ein knappes Lächeln und bat uns, auf ihn zu warten, weil er noch kurz mit seinen Leuten sprechen wollte. Die Polizisten hatten den zweiten Hubschrauber bereits verlassen und hatten neben ihm Aufstellung genommen.
»Gehen Sie nur«, sagte ich, »wir haben Zeit.
»Danke.«
Suko und ich schauten uns an. Mein Freund nickte mir zu. »Da wären wir also auf der Insel der Geister.«
Ich nahm es locker. »Siehst du welche?«
»Bestimmt nicht, aber ist Shimada ein Geist?«
Ich hob nur die Schultern. Shimada – dachte ich. Gütiger Himmel, wie lange hatten wir von dem Samurai des Teufels nichts mehr gehört. Das lag schon eine Ewigkeit zurück. Er hatte sich zurückgezogen, in irgendwelche Gefilde eingeschlossen, war abgetaucht in Götterwelten und fremde Dimensionen und hatte dort so lange gelauert, bis sich ein Zeitpunkt für eine Rückkehr ergab.
Der war gekommen – und wie!
Was da genau abgelaufen war, wussten wir noch nicht. Aber in höheren Regierungskreisen hatte man sich wieder an uns erinnert und an die gute Zusammenarbeit, und so waren wir alarmiert worden, um einem bestimmten Phänomen auf den Grund zu gehen, und etwas Schreckliches zu klären.
Es hing mit Shimada zusammen. Und wenn so etwas eintrat, wenn der Dämon mit den kalten, blauen Augen am Werk war, hatte es bisher immer Tote gegeben. So konnten wir uns auf etwas Schlimmes gefasst machen, was die Insel der Geister anging.
Wir wussten nicht, ob wir den Begriff so direkt verwenden sollten. Viele Asiaten versahen bestimmte Gebiete mit geheimnisvollen Umschreibungen, dazu zählten auch Inseln, und vor Jahren war auf einer derartigen Insel Tokata erschienen, ebenfalls ein fürchterliches Geschöpf, gegen das wir lange hatten kämpfen müssen. Aber eine Abfall-oder Müllinsel, auf der Tokata einstens gehaust hatte, war dieses Eiland wohl nicht. Wir hatten zumindest aus der Luft nichts davon entdecken können, aber vor Überraschungen ist man ja nie sicher.
Der Himmel lag hoch über uns. Er war von einem seidigen Blau, an dem sich kompakte, weiße Wolken abzeichneten, die der Wind vor sich hertrieb wie der Hund die Schafe. Der Wind wehte frisch und schmeckte auch salzig. Das Wasser klatschte an der Nordseite der Insel gegen einige Klippenwände, während sich die Wellen an den anderen Seiten auf flachen Stränden verliefen.
Wir hatten beim Überfliegen auch unser Ziel gesehen. Ein altes Kloster in der leicht bergigen Landschaft. Gazza wollte uns dorthin führen und unsere Meinung hören.
Er kehrte zu uns zurück. Lange, federnde Schritte ließen darauf schließen, dass er sich in Topform befand. Er trug grüne Kampfkleidung aus Drillichstoff, war mit einer kurzläufigen Maschinenpistole bewaffnet und mit einem Revolver.
Wir kamen uns in unserer zivilen Kleidung ziemlich deplatziert vor, aber daran würden wir uns schon gewöhnen.
»Wie sieht es aus, Gazza?« fragte ich.
»Recht gut. Ich habe meinen Leute gesagt, dass sie sich auf der Insel verteilen sollen.«
»Wo?«
»An strategisch günstigen Stellen. Vor allen Dingen dort, wo sie einen guten Überblick haben.«
»Okay.«
»Und wir gehen zum Kloster?« fragte Suko.
Ein knappes, schneidiges Lächeln huschte über Gazzas Mund. »Ja, da gehen wir hin.«
»Aus der Luft war nichts zu erkennen«, gab Suko zu bedenken.
»Ich weiß, aber glauben Sie mir, Sie werden schon genug zu sehen bekommen, und sie werden darüber nicht eben erfreut sein, kann ich Ihnen sagen.«
»Okay, gehen wir!«
Der Marsch begann. Es war keine weite Strecke, so groß war die Insel nicht, aber der Weg war doch recht beschwerlich, weil er ständig anstieg und wir mit Gegenwind zu tun hatten. Ich zumindest wurde wieder an alte Zeiten erinnert und fragte mich, wie lange es hergewesen war, dass wir uns auf eine so weite Tour in den Fernen Osten begeben hatten.
Schwierigkeiten mit der Kondition bekamen weder Suko noch ich. Wir waren auch weiterhin in Form. Dafür sorgten schon unsere Fälle oder die schwarzmagische Seite, die uns nun alles gönnte, allerdings keine Ruhe und uns von einem Einsatz in den nächsten trieb.
Das Kloster, unser Ziel, lag versteckt auf einer gewissen Höhe. Es war gar nicht so leicht zu finden, wozu auch beitrug, dass es in den Farben des Geländes gestrichen worden war: Grün und Braun.
Moose und andere Gewächse überwucherten das Mauerwerk. Wir hatten auch einiges über die Menschen in Erfahrung bringen können, die hinter den Klostermauern lebten.
Mönche, die einer bestimmten Religion angehörten und die Götterwelt erforschten.
Da war es dann zu einem Fehler gekommen. Irgendetwas mussten sie falsch gemacht haben, sonst wären wir nicht gerufen worden. Von japanischer Seite aus hatte man sehr geheimnisvoll getan, sodass dieser Auftrag schon mehr einem Geheimjob glich.
Die Auflösung würden wir bald bekommen, wenn wir das Kloster erreicht hatten.
Noch gingen wir über den weichen Boden, aus dem nur hin und wieder die grauen Felsen hervorschauten, wie Buckel toter, nicht ganz vergrabener Ungeheuer. Der Wind war unser ständiger Begleiter. Immer wieder packte er uns von verschiedenen Seiten, und er würde auch bleiben, dafür war diese Insel bekannt.
Shimada, die lebene Legende!
Ich konnte den Schauer kaum zurückhalten, wenn ich an ihn dachte. Er war ein gefährlicher Gegner. In seiner eigenen Festung schaffte er es, die Zeiten zu durchreisen, und diese Festung war so gebaut, dass er ihr Aussehen allein durch seine Geisteskraft verändern und zahlreiche Fallen von einem Augenblick zum anderen aufbauen konnte. Da war dann nichts mehr so, wie es zuvor gewesen war. Wir hatten das leider schon erleben müssen und waren nur mit viel Glück entkommen.
Immer wenn ich an Shimada dachte, kam mir auch seine Festung in den Sinn.
Allmählich stieg bei mir die Spannung. Die Insel war leer – äußerlich zumindest, aber ich wusste auch, welche Kräfte plötzlich explodieren konnten, wenn andere Mächte zuschlugen. Finstere Götter, unheimliche Dämonen, sehr fremd für uns Europäer, aber trotzdem existent.
Wer an Shimada dachte, dem musste auch eine andere Person in den Sinn kommen. Es war Yakup Yalcinkaya, der Mann, der Shimada jagte, der die heilenden Handschuhe besaß und die Krone der Ninja. Sie ermöglichte es ihm, sich unsichtbar zu machen, das hatten wir erleben müssen, ebenso wie die Feindschaft zwischen Yakup und Shimada.
Wer von den beiden der Gewinner dieses Kampfes war, wusste ich nicht. Uns war nicht mal bekannt, ob es überhaupt einen Sieger gegeben hatte. Zuviel Zeit war mittlerweile verstrichen. Suko und ich hatten uns um andere Fälle kümmern müssen, und selbst Shao, Sukos Partnerin, war wieder zurück in ihren Normalzustand gekehrt. Sie sah sich nicht mehr als die Frau mit der Maske, die so hervorragend mit der Armbrust umgehen konnte und die letzte Person in der Ahnenreihe der Sonnengöttin Amaterasu war, einer Todfeindin Shimadas.
All dies war uns bekannt, und wir mussten damit rechnen, dass es uns wieder berührte. Deshalb holte ich mir auf dem Weg zum Kloster die Vorgänge noch einmal ins Gedächtnis zurück. Ich konnte fast darauf wetten, dass es Suko ähnlich erging.
Wir ließen Gazza vorgehen, schauten auf seinen Rücken, und Suko fragte mich einmal: »Soll ich dir sagen, an was du denkst?«
»Nein, du weißt es doch.«
»Richtig.«
»Du also auch?«
»Die Vergangenheit ist nicht tot, John, und erst recht nicht Shimada und alles, was noch zu ihm gehört.«
»Da hast du recht.«
...| Erscheint lt. Verlag | 7.10.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3710-5 / 3838737105 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3710-2 / 9783838737102 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopierschutz. Eine Weitergabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persönlichen Nutzung erwerben.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich