John Sinclair 960 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3692-1 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Aibons böse Diener (1. Teil).
'Wenn wir den Job hinter uns haben, werden in Belfast die Straßen brennen!' prophezeite Jack Tarling. Zur Demonstration seiner Worte schlug er mit der Faust auf den Tisch. Er war der älteste der Tarling-Brüder, und er hatte das Sagen.
Die anderen drei saßen schweigend am Tisch und starrten in das blasse Licht der Deckenleuchte.
'Warum höre ich nichts von euch?' fragte Jack wütend. 'Los, wollt ihr mir keine Antwort geben?'
'Friedensverhandlungen sind aufgenommen worden', sagte Hughes leise.
'O ja, es soll Frieden geben. Aber soll uns das stören? Unser Leben war und ist die IRA. Daran gibt es nichts zu rütteln. Wir werden weitermachen, das haben wir uns geschworen. Das sind wir unserer Mutter schuldig, die durch die Kugel eines verfluchten Engländers starb. Hört ihr? Schuldig sind wir ihr das. Denkt immer daran!'
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Aibons böse Diener (1. Teil)
»Wenn wir den Job hinter uns haben, werden in Belfast die Straßen brennen!« prophezeite Jack Tarling. Zur Demonstration seiner Worte schlug er mit der Faust auf den Tisch. Er war der älteste der Tarling-Brüder, und er hatte das Sagen.
Die anderen drei saßen schweigend am Tisch und starrten in das blasse Licht der Deckenleuchte.
»Warum höre ich nichts von euch?« fragte Jack wütend. »Los, wollt ihr mir keine Antwort geben?«
»Friedensverhandlungen sind aufgenommen worden«, sagte Hughes leise.
»O ja, es soll Frieden geben. Aber soll uns das stören? Unser Leben war und ist die IRA. Daran gibt es nichts zu rütteln. Wir werden weitermachen, das haben wir uns geschworen. Das sind wir unserer Mutter schuldig, die durch die Kugel eines verfluchten Engländers starb. Hört ihr? Schuldig sind wir ihr das. Denkt immer daran!«
»Heilt die Zeit nicht alle Wunden?« fragte Brian, der zweitjüngste der Brüder.
Jack Tarling sah aus, als wollte er Brian an die Kehle springen. Im letzten Augenblick riss er sich zusammen und atmete nur scharf ein.
Otis, der jüngste Tarling, erhob sich und ging zum Fenster. Er hatte es schon nach zwei Schritten erreicht, blieb dicht vor der Scheibe stehen und schaute hinaus.
Es war eine wilde, düstere und gleichzeitig helle Nacht. Sie hatte etwas Besonderes an sich, wie Otis feststellte, denn in dieser Nacht kämpften zwei Jahreszeiten gegeneinander, und ihr Kampf schien sich am Himmel wie ein Spiegelbild zu zeigen. Die meisten Wolken waren dunkel, sie hatten sich zusammengeballt, als wollten sie sich gegenseitig festhalten. Aber wie die scharfe Klinge eines Schwertes war der Wind in diese Phalanx hineingefahren und hatte die Formation zerrissen.
Jetzt zeigte sie größere Lücken, in denen eigentlich auch die Dunkelheit hätte liegen müssen, aber es war nicht der Fall. Die Lücken erstrahlten in einem ungewöhnlichen Licht. Otis konnte es sich nicht vorstellen, dass dieser ungewöhnliche Glanz von einem Gestirn stammte. Es war weder gelb noch silbrig, sondern hatte eine schon grünlich schimmernde Farbe.
Der Winter wollte sich nicht verabschieden. Er kämpfte gegen den Frühling. Stürme waren angesagt worden. Heftige Regenfälle, hin und wieder auch Schnee. Der Himmel würde kochen, das war alles klar, das konnte man auch hinnehmen, aber dieses ungewöhnliche Licht zwischen den Wolkenfetzen störte Otis Tarling schon.
Jack passte es nicht, dass der Bruder am Fenster stand und in die Nacht hinausschaute. »He, Otis, was ist los mit dir? Sprichst du nicht mehr mit uns?«
»Doch.«
»Dann sag was.«
Otis stöhnte auf. Von den vier Brüdern hatte er die hellsten Haare. Bei Jack war die rote Farbe noch sehr ausgeprägt, bei Hughes schon etwas schwächer, und bei Brian überwog das Blonde. In Otis’Haaren dagegen schimmerte keine rote Strähne mehr. Er schien aus dem Familienverbund ausgeschert zu sein.
»Kannst du nicht reden?«
»Was willst du hören?«
»Zum Beispiel, woran du denkst.«
»Nicht an einen Brand- oder Mordplan, Bruder. Mich interessiert etwas ganz anderes.«
»Da sind wir aber gespannt«, sagte Jack. Er hatte auch für die anderen beiden gesprochen, die aber rührten sich nicht, sondern schauten starr auf die graue Tischplatte.
»Es ist der Himmel.«
»Bitte?«
»Ja, du hast richtig gehört. Ich interessiere mich für den Himmel, denn so einen habe ich noch nie zu Gesicht bekommen, da bin ich ehrlich. – Das ist Wahnsinn!
»Wieso denn?«
Otis hob die Schultern, aber er drehte sich nicht um, als er die Antwort gab. »Diese Farbe macht mir Angst, Brüder. Verdammte Angst sogar. Sie ist nicht normal. Oder habt ihr schon einmal einen grünen Himmel gesehen? Habt ihr das?«
Brian fing an zu kichern. »Was sagst du? Grüner Himmel?«
»So ist es.«
»Wir wohnen ja auch auf der grünen Insel. Warum sollte da nicht auch der Himmel grün sein?«
»Hör auf zu spotten, Brian. Mir ist es todernst. Ich weiß nicht, was sich uns da nähert, aber ihr dürft nicht vergessen, wo wir uns befinden.«
»In einer Hütte im Wald.«
»Stimmt, Hughes, in einer Hütte im Wald. Aber auf welchem Boden denn? Es gibt Leute, die sagen, dass er verflucht ist. Verbrannte Erde, vom Zauber der Druiden getränkt. Daran solltet ihr denken und nicht über mich lachen.«
»Erde«, spottete Jack. »Verdammt noch mal, was hat denn deine Erde mit dem Himmel zu tun?«
»Ich weiß es nicht.« Otis bewegte sich nicht von seinem Platz weg. »Aber die grüne Farbe oder das grüne Leuchten ist nun mal vorhanden, da könnt ihr mir sagen, was ihr wollt.« Er hörte, wie hinter ihm ein Stuhl gerückt wurde. Den Schritten nach zu urteilen, war es Brian, der zu ihm kam und ebenfalls schauen wollte.
Otis hatte recht. Sein Bruder Brian blieb vor ihm stehen. Er wischte mit dem Handrücken über seine Lippen, bevor er den Kopf nach vorn drückte und ihn leicht schräg legte.
Was er jetzt zu sehen bekam, war tatsächlich unheimlich. Die Formation der dunklen Nachtwolken riss immer weiter auf. Die grünen Inseln wuchsen, nahmen fast das ganze Sichtfeld der beiden Männer ein und schickte auch so etwas wie einen fahlen Lichtschein dem Erdboden entgegen, der sich dort wie ein Tuch ausbreitete.
»Du sagst nichts, Bruder?«
Brian wischte wieder über seine Lippen. »Verdammt noch mal, was soll ich sagen? Das ist schon komisch. So etwas habe ich noch nicht gesehen, ehrlich.«
»Ich auch nicht«, flüsterte Otis.
»Aber du machst dir deine Gedanken – oder?«
»Das schon.«
»Und was denkst du?«
Otis stieß die Luft durch die Nase aus, als wollte er die Flamme seiner Kerze ausblasen. »Wenn ich dir das sage, dann hältst du mich für einen Spinner.«
»Kann sein. Sprich leise, damit Jack es nicht hört.«
Otis nickte. »Ich glaube, dass sich in unserer Umgebung etwas geöffnet hat. Die Lücken zwischen den Wolken, das sind Tore, verstehst du? Tore, die in eine andere Welt führen, von der immer berichtet wird, aber niemand weiß so recht, wo sie liegt. Im Unsichtbaren, das schon, und ich denke, dass sie etwas mit dem alten Druidenzauber zu tun hat. Hier, wo wir uns befinden, hat es einmal eine Kultstätte der Eichenkundigen gegeben. Hier wurden die Geister beschworen, Feme-Gerichte abgehalten, und es ist nie etwas zerstört, wohl aber einiges verändert worden.«
Brian hatte mit offenem Mund zugehört. »Scheiße, Bruder, glaubst du denn daran?«
»Sonst hätte ich es dir nicht gesagt.«
»Das ist doch Spinnerei, verdammt!«
Otis deutete schräg in die Höhe und wies auf die seltsame Veränderung hoch über ihnen. »Ist das auch Spinnerei?«
»Nein …«, sagte Brian bewusst langsam, »das nicht.«
»Was ist es dann?«
»Ein Wetterleuchten, denke ich.«
»Danke.«
»Wofür.«
»Dass du nicht von einem UFO gesprochen hast, das gleich landen wird, um uns als Versuchskaninchen mitzunehmen.«
»Hör doch mit dem Mist auf!«
»Es ist kein Mist«, zischelte Otis. »Schau dich einfach nur um. Sieh nach rechts und nach links, dann wirst du erkennen, welche Ausmaße das alles angenommen hat.« Er holte tief Luft. »Ich sage dir, Bruder, hier geht etwas vor, was wir rational nicht erklären können. Zumindest bin ich dazu nicht in der Lage.«
Brian stützte seine Hände auf die Fensterbank. »Willst du trotzdem etwas tun?«
»Keine Ahnung. Ich wüsste nicht, was ich tun sollte. Aber das grüne Licht wächst! Es drängt die Wolken zurück, als wollte es eine ganze Welt verschlingen. Das ist nicht normal, und ich denke, wir sollten uns danach richten.«
»Wie meinst du das denn schon wieder?«
»Wir verschwinden von hier.«
Jetzt staunte Brian. »Einfach so, Otis? Nur weil der Himmel eine andere Färbung angenommen hat? Das glaubst du doch selbst nicht. Das ist nicht normal.«
»Warum nicht?«
»Wir sind doch keine Memmen.«
»Das hat auch niemand gesagt, aber ich weiß, dass die alte Macht der Druiden größer ist als die der Menschen. Und in dieser Umgebung tut sich etwas. Diese Nacht ist ungut, verstehst du? Da komme ich nicht mit zurecht. Oder spürst du nicht diesen seltsamen Drang, der dich umfängt?«
»Nein. Wieso? Welchen Drang meinst du?«
»Innerlich.« Otis rieb seine feuchten Hände gegeneinander. »Das ist wie ein Stoß.«
»Da bin ich wohl nicht sensibel genug, Bruder. Ich meine …« Was Brian meinte, konnte er nicht mehr sagen, denn Jacks Fluch folgte der Krach, als seine Faust mitten auf dem Tisch landete. Dann sprang er auf. »Verdammt noch mal, was steht ihr da am Fenster und flüstert wie die Waschweiber? Was ist überhaupt los da draußen? Spinnt ihr noch immer von eurem Himmel?«
Otis drehte sich um. Er rammte seine Hände in die Taschen seiner grünen Drillichhose. »Ja, Bruder, auch wenn es dir nicht gefällt, wir spinnen noch immer von diesem Himmel. Und du solltest ihn dir auch anschauen, um danach deine Entscheidung zu treffen.«
Jack Tarling staunte. Er strich über seinen hauchdünnen Bart auf der Oberlippe. »Welche Entscheidung meinst du denn?«
»Ob wir hier in der Hütte bleiben oder nicht.«
»Das war doch abgemacht, Bruder. Oder willst du jetzt mit deinen Spinnereien alles über den Haufen werfen?«
»Es sind keine Spinnereien«, verteidigte sich Otis.
»Er hat von Druiden gesprochen«, erklärte Brian.
Jetzt wurde auch Hughes aktiv. »Ausgerechnet!« rief er. »Ausgerechnet von Druiden. Dass ich nicht lache.«
»Es wird...
| Erscheint lt. Verlag | 7.10.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Abenteuer • alfred bekker • Bastei • Bestseller • blutig • Clown • Dämon • Dämonenjäger • dan-shocker • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • Extrem • Fortsetzungsroman • Frauen • Geisterjäger • grusel-geschichten • Gruselkabinett • Grusel-Krimi • Gruselroman • Grusel-Roman • Horror • Horror Bücher ab 18 • Horror-Roman • horrorserie • horror thriller • Horror-Thriller • Jason Dark • Julia-meyer • Kindle • Krimi • Kurzgeschichten • larry-brent • Lovecraft • Macabros • Männer • morland • neue-fälle • Paranomal • professor-zamorra • Professor Zamorra • Psycho • Roman-Heft • Serie • Sinclair • Slasher • spannend • Splatter • Stephen King • Stephen-King • Steven King • Terror • Thriller • Tony-Ballard • Top • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3692-3 / 3838736923 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3692-1 / 9783838736921 |
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