John Sinclair 922 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3653-2 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Mein Trip ins Jenseits (2. Teil).
Der Tod war wieder unterwegs!
Er hieß Nathan, und ihm war es gelungen, seine Verfolger abzuschütteln. Er hatte sich regelrecht durch das dichte Buschwerk gekämpft, und auch der darin verborgene Zaun hatte ihn nicht aufhalten können. Der Drang, endlich die Freiheit zu erleben, um dort den Tunnel ins Jenseits ausbauen zu können, hatte ihn vorangetrieben, und er würde sich durch nichts aufhalten lassen.
Das Gelände mit den beiden Bauten der Klinik lag hinter ihm. Er konnte aufatmen, als er auf allen vieren durch das hohe, struppige Gras auf eine Buschgruppe zukroch. Sein Gesicht verzerrte sich dabei wieder zu einem Grinsen. Zu einem Totengrinsen!
Das gefiel ihm. Ebenso die Ausdruckslosigkeit seiner Augen, in denen sich kein Funken Gefühl zeigte.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Mein Trip ins Jenseits (2. Teil)
Der Tod war wieder unterwegs!
Er hieß Nathan, und ihm war es gelungen, seine Verfolger abzuschütteln. Er hatte sich regelrecht durch das dichte Buschwerk gekämpft, und auch der darin verborgene Zaun hatte ihn nicht aufhalten können. Der Drang, endlich die Freiheit zu erleben, um dort den Tunnel ins Jenseits ausbauen zu können, hatte ihn vorangetrieben, und er würde sich durch nichts aufhalten lassen.
Das Gelände mit den beiden Bauten der Klinik lag hinter ihm. Er konnte aufatmen, als er auf allen vieren durch das hohe, struppige Gras auf eine Buschgruppe zukroch. Sein Gesicht verzerrte sich dabei wieder zu einem Grinsen. Zu einem Totengrinsen!
Das gefiel ihm. Ebenso die Ausdruckslosigkeit seiner Augen, in denen sich kein Funken Gefühl zeigte.
Das Buschwerk war weich. Blumen und Gräser gediehen auf diesem feuchten Boden, und der Ausbrecher setzte sich dort nieder, wo er besonders gut geschützt war.
Er wollte sich ausruhen.
Insekten umschwärmten ihn, doch ihn störten die Tiere nicht. Er war auf Menschen fixiert, die er am liebsten tot vor seinen Füßen liegen sah.
Als er daran dachte, grinste er noch stärker, und scharfe Faltenmuster gruben sich in seine Mundwinkel.
Wenn die anderen gedacht hatten, dass sein Ende gekommen war, dann hatten sie sich geirrt. Sie alle waren Ignoranten gewesen, sie hatten nichts von den wahren Werten begriffen. Sie hatten gedacht, dass es reichte, ihn einfach einzusperren.
Irrtum.
Er war besser.
Natürlich würden sie etwas tun, wo er aus der Klinik verschwunden war. Sie würden ihn jagen. Aber das sollten sie. Bevor sie eine Hundertschaft an Polizisten zusammen hatten, war er längst verschwunden. Denn Verstecke gab es in dieser Gegend genug.
Er kannte sie nicht alle, aber er würde sie finden.
Seine Pause hatte nicht länger als zwei, drei Minuten gedauert. Danach gefiel ihm dieser Platz nicht mehr. Der Sichtschutz machte es Nathan unmöglich, sich zu orientieren.
Er drückte sie in die Höhe.
Zuerst schaute er nach rechts. Er hatte sich dabei hingekniet, denn aus dieser Richtung erwartete er so etwas wie eine Gefahr. Die beiden Häuser der Klinik waren nicht mehr zu sehen. Ihre Fassaden waren längst hinter dem Grün der Bäume verschwunden und nicht als dunklere Schatten zu erkennen.
Er war allein.
Nathan atmete tief durch. In seinem glatten, völlig haarlosen Gesicht, zu dem auch der haarlose Schädel passte, rührte sich nichts. Ihn umgab eine wundersame Stille, die allerdings nicht mehr lange anhalten würde, wenn er sich den Himmel betrachtete. Er lag schwer und bleiern über seinem Kopf und bestand aus mehreren Wolkenschichten unterschiedlicher Dicke.
Es roch nach einem Gewitter. Dazu passte auch die bedrückende Schwüle, die alles andere umgab.
Er stellte sich hin.
Von der Klinik her hörte er noch immer keine Stimmen. Es war ein Grund für ihn, laut zu kichern. Dieses Geräusch konnte bei einem Menschen eine Gänsehaut erzeugen. Aber hier hörte den Killer niemand, er war allein.
Auf der einen Seite war das gut, auf der anderen jedoch nicht. Er wollte den Tunnel noch verstärken. Dafür brauchte er sie, die Menschen. Zuerst lebend und anschließend tot, mausetot.
Deshalb war es für ihn unmöglich, noch länger an diesem Ort zu bleiben. Das Schicksal trieb ihn weg.
Mit den Armbewegungen eines Schwimmers räumte Nathan die Hindernisse zur Seite und stand sehr bald wieder deckungslos auf dem weichen Boden, der nie ganz trocken wurde, weil er sich in der Nähe des Flusses befand. Besonders in der Nähe der Altarme war es sumpfig.
Er dachte an den Fluss, an das Wasser.
Wasser war wichtig, Wasser bedeutete Leben. Und im Wasser hinterließ er keine Spuren.
Wieder grinste Nathan. Er wusste, dass sie ihn verfolgen würden. Sie hatten so ihre Routine. Sie würden Straßen sperren, Autos kontrollieren und einsam liegende Gebäude umstellen. Ob sie jedoch an das Wasser dachten, war fraglich, und deshalb entschloss sich Nathan blitzschnell, es auf dem Wasser zu versuchen. Über einen der Altarme wollte er die Themse erreichen, den großen Strom.
Wieder kicherte er.
Es hörte sich an wie das Gelächter eines Wahnsinnigen, so aber schätzte er sich nicht ein. Sie hatten ihn zwar in eine Nervenklinik gesteckt, das aber hatte nichts zu bedeuten. Die angeblich so normalen Menschen irrten sich oft, wie es bei ihm der Fall war. Er war besser als die sogenannten Normalen, denn er konnte hinter die Dinge schauen, aber nicht nur das. Wem war schon der direkte und perfekte Kontakt mit dem Jenseits vergönnt?
Er konnte dies schaffen, und er freute sich darüber, obwohl eine Zahl in seiner Rechnung nicht stimmte. Es gab da einen Verfolger, den er noch nicht zu Gesicht bekommen hatte, von dem er aber wusste, dass ihm dieser Mann auf den Fersen war.
Er war gefährlich, und er arbeitete mit der Frau zusammen, die für ihn hatte den Kanal verstärken sollen, die er gern tot gesehen hätte. Beinahe wäre es auch soweit gewesen, wäre ihm da nicht dieser andere in die Quere gekommen, dessen Namen er nicht mal wusste, der allerdings seine Spur gefunden hatte.
Die Frau hieß Jane Collins!
Wenn sie jetzt glaubte, Nathan entkommen zu sein, würde das der größte Irrtum ihres Lebens werden. Er freute sich schon darauf, sie richtig und endgültig sterben zu lassen, um ihre Seele oder ihren Astralkörper dann auf dem Weg zum Jenseits abzufangen.
Es würde sich alles ergeben, Nathan dachte da sehr optimistisch, als er sich auf den Weg zum Wasser machte.
Das Gelände war zum Glück nicht frei. Außerdem hatte hier die Hand eines Menschen nicht eingegriffen. Es gab überall kleine Inseln aus Niederholz, Büschen und Sträuchern, die ihm genügend Deckung gaben.
Immer wieder schaute er sich um.
Es war niemand zu sehen. Er hörte auch nichts. Nathan schien sich auf dem entlegensten Platz der Erde zu befinden, und das gefiel ihm jetzt noch gut.
Die toten Flussarme, die zumeist durch einen Damm vom eigentlichen Fluss getrennt waren, rochen stets modrig. Eine grünbraune, stinkende Brühe voller Leben. Wertvolle Rückzugsgebiete für Tiere und Pflanzen. Nathan stoppte seinen katzenhaften Gang und konzentrierte sich auf seinen Geruchssinn.
Er roch das Brackwasser.
Es war nicht mehr weit weg, und er sah die drei versetzt stehenden Trauerweiden wie mächtige Gemälde in der Landschaft stehen. Bei einer zumindest hingen die Zweige über das Niveau des Bodens hinweg. Es war durchaus möglich, dass die Blätter die Oberfläche des Wassers berührten.
Nathan nickte und behielt die drei Trauerweiden im Auge. Auf sie genau steuerte er zu.
Trotz des Grinsens zeigte sein Gesicht eine gewisse Anspannung. Noch immer war in seinen Augen kein Ausdruck abzulesen. Sie blieben unbeweglich und starr, aber Nathan nahm sehr wohl wahr, was in seiner Umgebung geschah.
Er war nicht sehr groß und steckte in einer grauweißen Anstaltskleidung. Sie bestand aus Jacke und Hose. Beides aus reißfestem Stoff. Ein Hemd oder Unterhemd trug er nicht, es war dafür zu warm. An seinem Gesicht rannen die Schweißtropfen nach unten.
In der Anstalt trugen alle Insassen die gleichen Schuhe, auch Nathan bildete da keine Ausnahme. Die Sohle bestand aus einer Korkplatte das Oberteil war aus Stoff gefertigt. Keine Treter für die freie Natur, aber es besaß nichts anderes, noch nicht. Zunächst einmal musste er sich auf die Alten verlassen, deren ursprüngliche graue Farbe unter einem grünen und erdigen Film verschwunden war.
Der Killer und Ausbrecher erreichte sein Ziel. Für einen winzigen Moment schienen seine Augen von einem grellen Licht erfüllt zu sein. Es konnte ein Zeichen der Freude bedeuten, denn er sah vor sich den Fluss. Und er hatte auch recht behalten mit der einen Trauerweide. Zweige und Blätter kämmten das Wasser.
Er grinste scharf.
Das Wasser lag nicht völlig ruhig da. Es war zudem ein idealer Platz für Mücken, die in Schwärmen dicht darüber kreisten. Beliebte Leckerbissen bei Fröschen und anderem Getier, das sich in diesem natürlichen Biotop sauwohl fühlte.
Er wusste nicht, wie tief das Wasser war. Durchwaten konnte er es nicht. Am besten wäre ein Boot gewesen. Aber es befand sich keines in der Nähe.
Aber der Teufel lässt seine Jünger nicht hängen. So ähnlich lautete ein Sprichwort, denn als Nathan wieder einmal nach links schaute, da sah er auf der Mitte des Flusses einen Schatten, der sich relativ deutlich von dem Grüngrau abhob und für ihn zunächst wie eine Wasserspiegelung aussah, was aber nicht stimmte, denn sehr schnell stellte er fest, dass es ein Mensch war, der sich ihm näherte.
Ein Mensch in einem Boot!
Ein Opfer!
Wenn der Killer überhaupt so etwas wie Freude erleben konnte, dann in diesen Augenblicken, denn sie durchquoll ihn wie ein gewaltiger Schwall. Wieder schimmerten seine Augen, wieder entstand dieses kalte Totengrinsen auf seinem Gesicht, und zwischen den Lippen quetschte sich ein Laut hervor, der nichts Menschliches mehr an sich hatte.
Nathan dachte an den Tunnel.
Er würde veröden, wenn er nicht mit neuen Toten und mit Seelen gefüttert würde.
Nein, er verödete nicht.
Schon bald bekam er Nachschub.
Der Killer duckte sich und verschwand fast völlig in dem hohen Gras. Seine Position war noch nicht günstig genug, deshalb schob er sich weiter nach vorn, bis er den Rand der schmalen Böschung erreicht hatte. Sie fiel ziemlich steil ab, aber er konnte sich bäuchlings darauf in Richtung Wasser bewegen, weil er sich in dem...
| Erscheint lt. Verlag | 30.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3653-2 / 3838736532 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3653-2 / 9783838736532 |
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