John Sinclair 949 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3680-8 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Das Kind, das mit den Toten sprach (1. Teil).
'Still, Mr. Sinclair, seien Sie bitte still! - Gleich geht es los, das weiß ich genau!'
Ellen Bates hatte leise gesprochen, aber auch hektisch. Dabei war die achtunddreißigjährige Frau eigentlich nicht der Typ, der sich so leicht aus der Ruhe bringen ließ. In ihrem Beruf als Psychotherapeutin war sie souverän, aber in diesem Fall reagierte sie hypernervös. Mit ihrem Wissen und ihren Theorien kam sie jetzt nicht mehr weiter, deshalb hatte sie sich an mich gewandt. 'Ich sage ja nichts', verteidigte ich mich.
'Natürlich, entschuldigen Sie!' Die Hände hatte sie zusammengelegt, weil sie zitterten. Unter der dünnen Haut waren deutlich die bläulich schimmernden Adern zu erkennen. Der Ausdruck ihrer Augen zeigte den Blick einer gehetzten Person, und sie schrak zusammen, als ich nach meiner Teetasse griff. Diese Bewegung schien sie irritiert zu haben.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Das Kind, das mit den Toten sprach (1. Teil)
»Still, Mr. Sinclair, seien Sie bitte still! – Gleich geht es los, das weiß ich genau!«
Ellen Bates hatte leise gesprochen, aber auch hektisch. Dabei war die achtunddreißigjährige Frau eigentlich nicht der Typ, der sich so leicht aus der Ruhe bringen ließ. In ihrem Beruf als Psychotherapeutin war sie souverän, aber in diesem Fall reagierte sie hypernervös. Mit ihrem Wissen und ihren Theorien kam sie jetzt nicht mehr weiter, deshalb hatte sie sich an mich gewandt. »Ich sage ja nichts«, verteidigte ich mich.
»Natürlich, entschuldigen Sie!« Die Hände hatte sie zusammengelegt, weil sie zitterten. Unter der dünnen Haut waren deutlich die bläulich schimmernden Adern zu erkennen. Der Ausdruck ihrer Augen zeigte den Blick einer gehetzten Person, und sie schrak zusammen, als ich nach meiner Teetasse griff. Diese Bewegung schien sie irritiert zu haben.
Ich blieb ruhig, trank den Tee und schaute sie über den Rand der Tasse an. Die Frau verdrehte die Augen, sodass sie nach links schauen konnte. Ich wusste genau, dass sie die verschlossene Tür meinte, denn hinter ihr befand sich das, weshalb ich zu ihr gekommen war.
»Bald wird sie wieder reden, Mr. Sinclair.« Ellen schaute auf die Uhr. »Noch ein, zwei Minuten wird es dauern, dann ist Mitternacht. Da fängt es immer an.«
»Ja, das sagten Sie.« Ich sprach ebenfalls leise. Es war auch kaum ein Geräusch zu hören, als ich die Teetasse abstellte. »Und was soll ich dann tun?«
Für einen Moment schaute sie mich ungläubig an. »Das habe ich Ihnen doch schon gesagt. Sie sollen nur zuhören und mir dann Ihre Meinung sagen.«
»Es geht schlecht, wenn die Tür geschlossen bleibt.«
»Keine Sorge, die werde ich gleich öffnen.« Mit dem Daumen und dem Zeigefinger deutete sie an, wie groß der Spalt werden sollte.
»Marion wird nichts merken, ich kenne das.«
»Gut, ich lasse mich überraschen.«
Nach dieser Bemerkung lächelte die Frau etwas verloren und schwieg. Auch ich sprach sie nicht mehr an, denn Ellen Bates machte auf mich den Eindruck einer Frau, die nicht mehr reden wollte und sich stattdessen in ihre innere Welt zurückgezogen hatte.
Es war ruhig im Zimmer. Eine Ruhe, die mir normalerweise gefallen hätte, wäre nicht dieses Problem gewesen, von dem ich nicht viel wusste, weil es keinen Sinn hatte, wenn man mir zuvor zu viel erklärte, wie Ellen Bates meinte. Man muss es erlebt haben, alles andere ist Unsinn! Das jedenfalls waren ihre Worte gewesen, und ich war gespannt darauf, ob sie sich bestätigten.
Inzwischen versuchte ich, die Frau einzuschätzen. Mit Therapeutinnen hatte ich nur wenig oder keine Erfahrungen sammeln können. Aus diesem Grund hatte ich auch keine Vergleichsmöglichkeiten, was Ellen Bates und deren Verhalten anging. Die äußere Ruhe war natürlich gespielt. Um sie zu stabilisieren, hätte sie sich selbst therapieren müssen, aber wer schaffte das schon? Ellen Bates war eine Frau, die nicht besonders auffiel. Relativ klein, auch schmal in den Schultern. Das Haar schien sich nicht entscheiden zu können, ob es eine blonde oder eine braune Farbe annehmen sollte. Sie lag irgendwo dazwischen.
Sehr kurz geschnitten umrahmte das Haar ein schmales Gesicht, auf dem die Sommersprossen blasse Flecken hinterlassen hatten. Sie Nase war klein, wirkte etwas knochig, der Mund zeigte schmale Lippen, und dafür wirkte ihr Kinn etwas eckig. Bekleidet war sie mit einem oberschenkellangen, blauen Pullover, etwas dunkleren Jeans und hellen Turnschuhen mit blauen Punkten.
Verheiratet war die Frau nicht. Sie gehörte zu den zahlreichen alleinerziehenden Müttern in diesem Land. Ich hatte sie auch nicht gefragt, weshalb sie allein lebte, das ging mich ja auch nichts an.
Die Zeit verstrich. Das Schweigen blieb. Auch die Unruhe der Ellen Bates, die immer wieder auf die Tür schaute und sich dabei immer mehr spannte. Sie machte jetzt den Eindruck einer Person, die nur darauf wartete, im nächsten Moment aus ihrem Sessel zu springen und zur Tür zu laufen.
Das Zimmer war nicht groß. Es passte zu dieser Altbauwohnung. Ich wunderte mich nur ein wenig über die Einrichtung. Ellen Bates war ja eine Frau, die mit beiden Beinen im Leben stand, aber sie umgab sich mit alten Möbeln, die einen gewissen nostalgischen Charme verbreiteten, ohne wertvoll sein zu müssen. Diese Tische, Stühle und Schränke aus Weichholz wurden auf Floh- und Antikmärkten angeboten, zumeist farblos, was Ellen Bates allerdings geändert hatte, denn der Schrank zeigte einen hellblauen Anstrich, und auch die Stühle waren in dieser Farbe gestrichen, während der Tisch naturbelassen war. Dieser Raum wurde als Wohn- und Eßzimmer gleichzeitig benutzt, und wir saßen uns in einer Ecke gegenüber, in der drei alte Sessel im Blümchenmuster standen. Die Tapete an den Wänden war kaum zu sehen, da sie von zahlreichen Bildern unterschiedlicher Größe verdeckt wurde. Es befanden sich auch zahlreiche alte Fotografien darunter, zumeist eingerahmte Postkarten.
Ellen Bates schaute auf die Uhr. Diese Bewegung ließ mich aufmerksam werden.
»Schon Mitternacht?« fragte ich.
»Gleich.«
»Und es fängt pünktlich an?«
Sie nickte. »So war es in der letzten Zeit immer. Ich habe mich nie an Marion herangetraut.« Sie holte tief Luft, bevor sie mich anblickte und ich die Skepsis in ihren Augen sah. »Können Sie sich vorstellen, Mr. Sinclair, dass die Mutter Furcht vor ihrer eigenen Tochter hat? Können Sie das nachvollziehen?«
»Bisher nicht.«
»Weil Sie keine Tochter haben, Mr. Sinclair?«
»Auch deshalb.«
Ellen lachte mich scharf an. »Sie werden schon erleben, was da mit Marion passiert. Sie wird reden, aber sie spricht nicht mit sich selbst, sondern mit einer Person, die für einen Außenstehenden nicht sichtbar ist. Für sie schon.«
Ich räusperte mich, bevor ich sagte: »Wenn es jemand ist, mit dem sie redet, müsste doch herauszufinden sein, wie diese Person heißt. Oder finden Sie nicht?«
Ellen schaute mich für eine Weile an. »Ja, Mr. Sinclair, da haben Sie im Prinzip recht. Aber es ist trotzdem anders.«
»Wie anders?«
»Ich war nicht konsequent genug.«
»Mit anderen Worten, Sie haben nicht gefragt.«
»Doch, das schon, wofür halten Sie mich? – Ich erhielt aber keine Antwort. Oder eine, die mir nicht gefallen konnte. Es war ein Blick wie eine Eisdusche! Meine Tochter zeigte sich plötzlich völlig verändert. Hasserfüllte Blicke schoss sie in meine Richtung ab, auf ihre Mutter, begreifen Sie das?«
Wieder blickte Ellen auf die Uhr. »Es müsste gleich soweit sein.«
Auch ich schaute auf das Zifferblatt.
Genau Mitternacht. Die Tageswende. Eine Zeit zwischen dem alten und dem neuen Tag. Von nun an begann die Stunde, über die schon so viel geschrieben und spekuliert worden war, und das nicht nur in unserer europäischen Geschichte, auch in den anderen Kulturen hatte dieser Zeitraum eine schon magische Bedeutung.
Ich glaubte auch, das ferne Anschlagen einer Kirchenglocke zu hören. Sehr dünn erreichte das Geräusch meine Ohren. Ellen Bates schien es nicht gehört zu haben. Sie war bis an die Kante der Sitzfläche vorgerutscht und schaute starr gegen die Tür zum Zimmer ihrer Tochter.
Dahinter blieb noch alles ruhig, aber Ellen wollte nicht mehr so lange warten. Sie stand auf und bewegte sich auf Zehenspitzen durch das Zimmer.
Ein Geräusch hörte ich nicht. Ellen kannte sich aus. Sie hielt die Augen leicht geschlossen, ihre Lippen waren noch fester zusammengepresst. So wie sie sah nur jemand aus, der sich wahnsinnig konzentrierte. Dann war sie soweit und schob die Tür auf.
Wirklich nur ein winziges Stück. Als der entsprechende Spalt entstanden war, ließ sie die Klinke sofort los, trat einen Schritt zurück und winkte mir zu.
Auch ich erhob mich und ging ebenso leise durch den Raum, wie Ellen es getan hatte. Neben ihr blieb ich stehen. Sie reckte sich, um mir ins Ohr flüstern zu können. »Gleich, Mr. Sinclair, werden Sie es hören.«
»Kann ich nicht zuvor einen Blick in das Zimmer Ihrer Tochter werfen?«
»Nein, bitte nicht, das würde Marion nur stören.«
»Okay, wie Sie wollen. Es ist Ihre Wohnung.«
»Sie werden es erleben, Mr. Sinclair. Ganz sicher. Warten Sie nur ab.«
Das Versprechen hatte ich schon einige Male gehört, nun aber trat es ein. Ellen Bates zuckte zusammen, als sie die ersten Worte hörte.
»Hallo, da bist du ja wieder. Ich grüße dich …«
Ellen klammerte sich an mir fest. »Das ist Marion, die gesprochen hat!« zischelte sie. »Meine Tochter. Es – es hat geklappt, Mr. Sinclair. Sie redet wieder mit der anderen.«
Ich nickte nur und wartet ab. Auch mich hielt eine seltsame Spannung umklammert, obwohl eigentlich nichts passiert war und die Worte recht harmlos geklungen hatten. Wir beide warteten auf eine Antwort, aber wir warteten vergebens. Die andere Person oder Stimme meldete sich nicht. Dafür sprach Marion.
»Geht es dir gut?«
Stille!
»Das ist gut, Caroline!«
Zum ersten Mal war ein Name gefallen. Neben mir nickte Marion Bates heftig. »Caroline«, hauchte sie. »Verdammt noch mal, Caroline! Das ist es doch gewesen. Das ist die Person, mit der meine Tochter Kontakt aufgenommen hat. Sie haben es selbst gehört, nicht wahr? Caroline, mehr nicht. Nur einfach Caroline. Keinen Nachnamen.«
»Kennen Sie denn eine Caroline? Taucht der Name im Kreise der Freundinnen auf?«
»Überhaupt nicht, Mr. Sinclair. Es gibt zahlreiche Namen, ich kenne sie alle. Aber es gibt keine Caroline. Nicht mal ein Mädchen, das so ähnlich...
| Erscheint lt. Verlag | 30.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3680-X / 383873680X |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3680-8 / 9783838736808 |
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