John Sinclair 912 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3643-3 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Der Hypno-Hund.
Eine magere Männerhand mit langen Fingern glitt durch das Fell des Hundes, der diese Berührung mochte und wohlig grummelte, beinahe wie ein Mensch. 'Du bist ein guter Hund, ein wunderbarer, der Beste, den es gibt. Bald werden es alle Menschen wissen, alle! Und sie werden dich verehren wie einen Gott, mein Lieber!'
Der Hund war zufrieden. Er öffnete sein Maul, als wollte er gähnen. Die spitzen Zähne schimmerten, und in seinen Augen leuchtete der kalte Glanz der Sterne ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Der Hypno-Hund
Eine magere Männerhand mit langen Fingern glitt durch das Fell des Hundes, der diese Berührung mochte und wohlig grummelte, beinahe wie ein Mensch. »Du bist ein guter Hund, ein wunderbarer, der Beste, den es gibt. Bald werden es alle Menschen wissen, alle! Und sie werden dich verehren wie einen Gott, mein Lieber!«
Der Hund war zufrieden. Er öffnete sein Maul, als wollte er gähnen. Die spitzen Zähne schimmerten, und in seinen Augen leuchtete der kalte Glanz der Sterne …
Die Verkäuferin Janice Olson bekam nicht nur große Augen, als sie den Mann auf ihren Verkaufstresen zukommen sah, es erwischte sie auch eine Gänsehaut, denn mit dem Gesicht des Kunden war etwas nicht in Ordnung.
Mit dem stimmt was nicht, dachte sie. Der ist nicht normal. Der steht unter Drogen. Das ist so einer, der irgendwo hingeht, zuerst ganz harmlos tut und anschließend irgendetwas völlig Verrücktes oder Wahnsinniges macht. Eine Waffe zieht, schießt, Amok läuft und dabei zahlreiche Menschen in den Tod schickt.
Der Verkaufsstand mit seinen Parfümartikeln bot nicht viel Platz, aber Janice trat trotzdem zurück. Eine zweite Kollegin drehte ihr den Rücken zu, weil sie eine Kundin bediente. Janice war mit ihrer Entdeckung noch allein, und andere Kunden oder Angestellte kümmerten sich nicht um den Mann.
In einem Kaufhaus herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Da hatte kaum jemand Zeit, sich seinen Nachbarn anzusehen, die ausgestellten Waren interessierten viel stärker.
Janice tat nichts. Sie blieb stehen. Sie war auch froh, dass keine weiteren Kunden an den Stand herantraten. Unter ihrer weißen Kittelbluse klopfte das Herz schneller. Auf der Stirn, am Ansatz des blonden Haares, hatte sich ein dünner Schweißfilm gebildet, und Janice konnte den Mann plötzlich nicht mehr anschauen.
Sie drehte sich weg.
Genau in diesem Moment verließ die Kundin ihre Kollegin, und Janice atmete auf, bevor sie einen Zischlaut von sich gab, der von der anderen Frau gehört wurde. Sie drehte sich um, das berufsmäßige Lächeln noch auf dem Gesicht, das allerdings verschwand, als sie Janice anschaute.
»He, was ist los mit dir?«
»Da ist jemand!«
»Wie?«
»Ein Mann …«
»Ja und? Ist das was Unnormales? Du magst doch Männer, wenn ich mich recht erinnere.«
»Hör doch auf, Paula, das hat damit nichts zu tun. Ja, ich mag Männer, und du magst sie auch. Aber nicht jeden Typen. Schau ihn dir an. Dann sage mir, was du davon hältst.«
»Wer ist es denn?« Paula hatte sich gereckt. »Ich sehe einige Männer in der Nähe.«
»Er steht vor dem Stand und trägt einen hellen Staubmantel. Ziemlich lang ist das Ding.«
»Okay.« Paula tat ihrer Kollegin den Gefallen und brauchte auch nicht lange zu suchen. Das Lächeln auf ihrem Gesicht verschwand, was auch Janice auffiel, denn sie fragte: »Hast du ihn entdeckt?«
»Ja.«
»Was sagst du?«
Paulas Lockerheit war verschwunden. »Der Typ sieht tatsächlich komisch aus. Sehr komisch sogar. Der passt mehr unter eine Brücke als in ein Kaufhaus.«
»Ist das alles?«
»Was soll denn noch sein?«
»Ich habe das Gefühl, als würde bald etwas passieren. Der ist nicht nur einfach hier erschienen, um sich umzuschauen oder etwas zu kaufen, der will was ganz anderes.«
»Wenn du so schlau bist, dann sag es mir.«
»Weiß ich nicht. Der ist mir nur suspekt. Als ich ihn sah, da kam es mir vor, als hätte ich den Tod auf zwei Beinen gesehen. Ja, so ist es gewesen, Paula.«
»Du spinnst doch!«
»Nein, der hat was vor!«
Paula lächelte nur. Sie ging an ihrer Kollegin vorbei und blieb hinter der Verkaufstheke stehen, um den angeblichen Kunden besser beobachten zu können.«
Auch Janice traute sich, den Platz zu wechseln. Sie blickte den Mann nicht direkt an, sondern mehr von der Seite. Er trug den langen Mantel, darunter einen dunklen Pullover und eine olivfarbene Hose. Das fahlblonde Haar hatte er zurückgekämmt, und es lag nur in dünnen Strähnen auf seinem runden Kopf mit dem Allerweltsgesicht. Die Aktentasche hielt er vor sich, den Bügel mit beiden Händen umfasst. Zwar schaute er zu den beiden Frauen hin, blickte gleichzeitig aber auch ins Leere, als wäre er in Gedanken versunken.
»Der überlegt, was er kaufen soll«, meinte Paula. »Kein Grund zur Panik, Mädchen.«
Janice war anderer Meinung. Heftig schüttelte sie den Kopf. »Nein, das tut er nicht.«
»Sondern?«
»Das wirst du gleich sehen.« Janice hatte die Antwort nur geflüstert. Sie war leicht erschreckt worden, denn der Mann vor dem Verkaufsstand bewegte sich plötzlich. Er bückte sich, löste eine Hand vom Bügel und öffnete mit ihr den Verschluss der Aktentasche. Dann zog er die Lasche hoch, es war alles normal, aber durch den Kopf der Verkäuferin Janice huschten die schrecklichsten Bilder eines Amokläufers, der mit einer Maschinenpistole die Menschen niedermähte.
Das geschah nicht. Der Mann zog etwas anderes aus der Tasche. Beide Frauen mussten schon genau hinschauen, um den Gegenstand zu erkennen. Es war eine dunkle Flasche, die mit einem Korken verschlossen war. Er nahm die Flasche hervor, und es war nicht zu erkennen, ob sie leer oder gefüllt war. Mit der Flasche in der einen und der Aktentasche in der anderen Hand trat der Mann auf den Verkaufsstand zu. Er ging sehr langsam, als überlegte er, ob er etwas kaufen sollte.
Auch Paula wurde misstrauisch. »Was will der Knilch denn?«
»Mit dem stimmt was nicht.«
»Du kannst ihn aber nicht hinauswerfen, Janice. Jeder kann sich so anziehen, wie er will.«
»Warte nur ab, dann wirst du es sehen.«
»Sicher, was soll ich sonst tun?«
Der Mann stellte seine Flasche auf die Verkaufstheke. Dass er die Flasche geöffnet hatte, war den beiden Verkäuferinnen verborgen gewesen. Der angebliche Kunde sprach sie auch nicht an. Er wollte keine Beratung, er wollte nichts kaufen, er tat eigentlich gar nichts und verhielt sich wie ein Zombie.
Beide hörten das Gluckern.
Janice schaute Paula an.
Diese nickte.
Janice öffnete den Mund, sie hob den rechten Arm. Dabei hatte sie den Eindruck, als wäre alles anders geworden. Da hatte sich die Zeit auf einmal verdichtet. Sie erlebte die Vorgänge und Bewegungen nicht mehr normal, alles war langsamer geworden, ebenso ihre Bewegungen. Sie kam sich gefangen vor. Irgendwo hörte sie ein helles Lachen, aber weit weg.
Das Gluckern war schlimm. Es hörte nicht auf. Er leert die Flasche, dachte Janice. Er leert sie. Er kippt etwas aus. Vielleicht will er sie bei uns füllen lassen. Aber warum hat er sie dann nicht draußen geleert? Ein intensiver Geruch erreichte ihre Nase.
Geruch?
Gestank?
Wonach?
Ihr Kopf war dumpf, das Gehirn fast gelähmt. Irgendwas Schreckliches kam auf sie zu. Janice schaute nach rechts, wo Paula stand. Sie hatte die Nase gerümpft, also musste auch sie den fremden Geruch wahrgenommen haben.
Paula wollte etwas sagen. Es blieb ihr, bis auf ein B, im Hals stecken, als ein Feuerzeug klickte und ein Flammenmantel den Mann einhüllte …
*
Der Mann brannte!
Er stand vor dem Verkaufsstand der beiden Frauen als eine lebende Fackel. Er hatte sich selbst angezündet. Janice und Paula waren Zeugen geworden, und sie begriffen in den nächsten Sekunden nicht so recht, was da eigentlich vorgefallen war. Ein Mensch wollte sterben, aber er würde auch andere mitnehmen, wenn sich das Feuer ausbreitete. Sprayflaschen und viele andere Dinge waren hochexplosiv.
Der Mann löste sich von der Theke. Noch immer brennend torkelte er durch den großen Verkaufsraum in der unteren Etage, und erst jetzt wurde er von den anderen Kunden und Mitarbeitern wahrgenommen. Es war so, als hätte jemand einen Befehl gegeben, um gewisse Menschen endlich aus ihren alten Verhaltensweisen und Lethargien zu lösen, denn urplötzlich erwachten die Kunden und auch die anderen Verkäuferinnen. Ihre Schreie übertönten die normale Geräuschkulisse aus leisen Stimmen, Lautsprecherdurchsagen, Papiergeraschel.
Das Chaos war perfekt. Die Kunden blieben nicht auf der Stelle stehen. Sie setzten sich in Bewegung und rannten in Panik davon.
Der Ausgang lag in der Nähe. Nur wenige Menschen fanden den richtigen Weg. Andere liefen in verschiedene Richtungen davon und behinderten sich gegenseitig.
Und den Mittelpunkt bildete der brennende Mann!
Er torkelte von einer Seite zur anderen. Das Feuer umloderte ihn mit rotgelben Armen, und hinter diesem Schein wirkte sein Gesicht wie eine starre Maske, die allmählich schmolz.
Auch die beiden Verkäuferinnen beobachteten seine Bewegungen. Janice dachte an die Sprenkleranlage und fragte sich, warum sie nicht funktionierte. Sie wusste jetzt auch, woher sie den fremden Geruch kannte. Das war Benzin gewesen, verfluchtes Benzin, und sie hätte auch vorher darauf kommen müssen.
Jetzt war es zu spät. Der Selbstmörder würde den Tod finden.
Die Aktentasche lag am Boden. Sie war der einzige Gegenstand, der nicht brannte. Ansonsten bewegte sich der flammende Mensch mit ausgebreiteten Armen durch den Verkaufsraum. Wie ein großer Vogel, der gleich fortfliegen wollte.
Er schrie nicht. Er starb einen stillen, langen und einen schrecklichen Tod. Seinen Mantel gab es nicht mehr, der war längst verbrannt. Die Feuerzungen hatten den Pullover in Brand gesteckt, die Hose ebenfalls, und sie verschonten auch die Haut nicht. Wer immer zuschaute, der erlebte etwas Schreckliches. Die Gesichtshaut verkohlte und löste sich allmählich von den Knochen des Menschen. Ein schauriger Anblick. Derartige Personen...
| Erscheint lt. Verlag | 30.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3643-5 / 3838736435 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3643-3 / 9783838736433 |
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