John Sinclair 914 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3645-7 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Der Fluch der Sinclairs (2. Teil).
Horace F. Sinclair war vor das Haus getreten und hörte zu, wie die Tür ins Schloss fiel.
Er lächelte, aber es war kein nettes oder natürliches Lächeln, es glich mehr einem bösen Grinsen, denn er hatte sich verändert.
Sein Gesicht war hart geworden, und der grausame Zug lag um seinen Mund wie eingemeißelt. Er wirkte wie jemand, der bereit war, etwas Schreckliches zu tun. Etwas, das völlig aus der Norm fiel, an das er früher nicht mal gedacht hatte. Und so war es auch bei ihm. Er spürte den Drang, er wusste, dass er an einem unsichtbaren Faden hing, der ihn leitete, und dass jenseits des Fadens etwas lauerte, das sich noch vor wenigen Minuten hinter der Fensterscheibe gezeigt hatte. Kein Gesicht, auch keine Gestalt, dafür ein schwarzer, wallender und gefährlich aussehender Umriss, für den es keinen Vergleich gab ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Der Fluch der Sinclairs (2. Teil)
Horace F. Sinclair war vor das Haus getreten und hörte zu, wie die Tür ins Schloss fiel.
Er lächelte, aber es war kein nettes oder natürliches Lächeln, es glich mehr einem bösen Grinsen, denn er hatte sich verändert.
Sein Gesicht war hart geworden, und der grausame Zug lag um seinen Mund wie eingemeißelt. Er wirkte wie jemand, der bereit war, etwas Schreckliches zu tun. Etwas, das völlig aus der Norm fiel, an das er früher nicht mal gedacht hatte. Und so war es auch bei ihm. Er spürte den Drang, er wusste, dass er an einem unsichtbaren Faden hing, der ihn leitete, und dass jenseits des Fadens etwas lauerte, das sich noch vor wenigen Minuten hinter der Fensterscheibe gezeigt hatte. Kein Gesicht, auch keine Gestalt, dafür ein schwarzer, wallender und gefährlich aussehender Umriss, für den es keinen Vergleich gab …
Die Temperatur war gefallen. Im Mai konnten die Nächte noch kühl werden, sogar bis zum Bodenfrost hin. Es machte dem Mann nichts aus. Für ihn gab es andere Interessen, und über seiner rechten Schulter spürte er den leichten Druck, den der Riemen des Gewehrs auf der Haut hinterlassen hatte.
Der Mann war bereit, all das zurückzulassen, was ihm Freude bereitet hatte. Er musste einfach einem Ruf folgen, an dessen Ende die Gewalt in Form von Blut und Tränen stand.
Wer ihn dorthin führte, wusste Sinclair nicht. Aber ihm war klar, dass er nicht mehr entweichen konnte, und er wartete darauf, den anderen endlich zu sehen.
Seine Frau hatte er diesmal außer Gefecht gesetzt. Schon einmal hatte er es versucht gehabt, da war es ihm nicht richtig gelungen. Mary hatte seinen Würgehänden entwischen können. Nun aber war sie eingesperrt in einem Schrank, obwohl es vielleicht sicherer gewesen wäre, wenn er sie umgebracht hätte.
Sollte er zurückgehen?
Nein, diesmal nicht. Das konnte er später erledigen. Er würde sich nun um andere Dinge kümmern. Man brauchte ihn, man hatte ihn gerufen, und er würde dem Ruf folgen.
Zwar wusste Sinclair nicht, wohin er ging, aber seine Schritte waren doch zielstrebig gesetzt, und er verließ das Grundstück zur Waldseite hin. Auf dem normalen Weg würde er nicht bleiben, denn er führte ihn nur hinein in den Ort, und darauf konnte er verzichten.
Schon bald deckten ihn die ersten Sträucher, die auf dem Boden wuchsen. Das Gras raschelte im leichten Wind. Er schickte ihm als Gruß einen sehr intensiven Geruch.
Früher hätte sich Sinclair daran erfreut.
Das aber war vorbei.
Jetzt konnte ihn nur mehr eines erfreuen.
Der Tod durch seine Hand!
*
Sergeant McDuff hatte den Rat seiner Freundin Mary Sinclair befolgt und das Haus verlassen. McDuff war davon nicht eben begeistert gewesen, aber er hatte Mary Sinclair und auch ihrem Sohn – mit ihm hatte er telefonisch gesprochen – einen Gefallen erweisen wollen und war deshalb aus dem Haus gegangen.
Überhaupt kam er mit seinem neuen Job nicht zurecht. Angeblich hatte ausgerechnet Horace F. Sinclair einen Blackout gehabt, wobei er in dieser Zeit versucht hatte, seine Frau umzubringen. Damit kam McDuff nicht zurecht. Er wollte es nicht glauben, aber Mary Sinclair hatte sehr überzeugend gesprochen und um eine Bewachung gebeten.
Also würde McDuff die Nacht im Haus der Sinclairs verbringen und auf der Couch oder im Gästezimmer schlafen. War mal was Neues für ihn, dessen Job sich, abgesehen von einigen Ausnahmen, ziemlich langweilig gestaltete.
Zweimal war er um das Haus herumgegangen. Den ersten Kreis kleiner, den zweiten größer, aber Verdächtiges war ihm nicht aufgefallen. Keiner lauerte hinter einem Gebüsch, niemand war vor ihm geflohen, er hatte auch keine Schatten gesehen oder irgendwelche Dämonenarten, was immer man davon auch halten sollte. Aber die Sinclairs hatten schließlich mit diesen Dingen zu tun, auch die Eltern hin und wieder.
Beim zweiten Rundgang war dem guten Sergeant eingefallen, dass er versprochen hatte, seine Frau anzurufen. Er gehörte nicht eben zu den Technik-Freaks, doch das Handy, das er seit einigen Monaten besaß, war für ihn ein großer Gewinn. Das flache Ding passte in jede Tasche. Er war immer erreichbar und konnte auch andere Personen erreichen, auch wenn er auf der Toilette oder in irgendeinem Wald hockte.
Einen Wald sollte er sich für sein Telefonat zwar nicht gerade aussuchen, aber schon eine geschützte Stelle, wo man ihn nicht hörte und ihn auch nicht vom Haus aus sah.
Auf dem Grundstück der Sinclairs wuchsen einige Bäume. Er konnte sich aussuchen, welchen er als Deckung benutzen wollte und er entschied sich für den, der am weitesten vom Haus entfernt stand. Er drehte dem Haus den Rücken zu, spürte hinter sich den rauen Widerstand der Rinde und konnte aus dieser Höhe einen Teil der kleinen Stadt Lauder überblicken.
Es war ruhig im Ort geworden. Kaum ein Wagen fuhr. Ländlich und abendlich still, so wollte es McDuff haben, und er wählte die Nummer.
Seine Frau schien neben dem Apparat gelauert zu haben, so schnell hob sie ab.
»Ich bin es, Margie«, sagte er und strich dabei durch seinen rötlichen Bart, der in den letzten Jahren einige graue Strähnen bekommen hatte.
»Das habe ich mir gedacht.«
»Ich wollte mich auch nur mal melden.«
»Bleibt es denn dabei?«
»Was meinst du?«
»Dass du die Nacht bei den Sinclairs verbringst.« Ihre Stimme hatte leicht ärgerlich geklungen.
»Darauf läuft es hinaus.«
»Und das muss sein?«
»Ja.«
Margie McDuff räusperte sich. »Ist denn schon etwas passiert?«
»Nein, noch nicht.«
Während er diese Antwort gab, öffnete sich die Haustür, und Horace F. Sinclair verließ die eigenen vier Wände. McDuff konnte es nicht hören, er telefonierte und konzentrierte sich auf die Stimme seiner Frau. Da er relativ leise sprach, entging auch Sinclair, dass sich unweit von ihm entfernt der Sergeant unterhielt. Das Schicksal hatte eben kein Einsehen.
»Was könnte denn passieren?«
»Weiß ich nicht.«
»Ich werde aber zu Bett gehen.«
»Kannst du, Margie, kannst du. Wie ich die Sinclairs kenne, werden sie mir sogar noch ein Frühstück zubereiten, vorausgesetzt, es läuft alles glatt. Ich will auch nicht die ganze Zeit über wach bleiben. Irgendwann lege ich mich hin und schlafe.«
»Denk daran, dass wir morgen auf dem Geburtstag deiner Nichte eingeladen sind.«
»Das habe ich nicht vergessen.«
»Also dann, bis morgen.«
»Gute Nacht, Margie.« McDuff steckte sein Handy wieder ein und reckte sich. Er war froh, dass Margie für seinen Job Verständnis zeigte, auch wenn er sie nicht hatte einweihen können, was er ansonsten gern tat, weil er ihre Meinung hören wollte. Aber die Sinclairs hatten ihn darum gebeten, über den Fall nichts auszuplaudern, und daran hielt er sich auch. Dienstgeheimnisse behielt er für sich.
McDuff verließ seinen Platz am Stamm, reckte sich und schaute zurück zum Haus.
Dort hatte sich nichts verändert. Aus dem Küchenfenster fiel ein gelber Schein und verteilte sich wie ein kleiner Teppich nahe der Hausmauer. Eine Bewegung sah er nicht. Er hörte auch nichts. Die Stille war einfach normal und passte zu dieser abendlichen Stunde. McDuff bezeichnete sich selbst als einen naturverbundenen Menschen, was auch stimmte, denn er hielt sich oft in freier Wildbahn auf. Er konnte Vogelstimmen zuordnen und kannte die Namen der Bäume, Blumen und Pilze. Er wusste, welche man essen konnte.
McDuff verzog das Gesicht. Er hörte Hufschlag! Er lauschte, blieb aber in Deckung.
McDuff war verunsichert. Er zupfte an seinen rötlichen Bartsträhnen und schüttelte den Kopf. Dass hier in der Gegend von Lauder geritten wurde, wusste er. Es gab in der Nähe einen Parcours und einen Reiterhof, auf dem Großstadtkinder Ferien machten. Die aber ritten nicht des Nachts durchs Gelände.
Der Hufschlag war verklungen.
Aus, vorbei …
Hineingeweht in die Nacht. Und McDuff runzelte die Stirn.
Mit den Sinclairs konnte es seiner Meinung nach nichts zu tun haben. Keiner der beiden hatte von einem Reiter gesprochen. Dennoch wollte er eine Verbindung nicht ausschließen.
Hier draußen kam er sich plötzlich überflüssig vor. Er musste mit Mary Sinclair reden. Unter Umständen konnte sie ihn über das Vorhandensein des Reiters aufklären.
Einen Schlüssel hatte ihm die Frau mitgegeben. So brauchte er nicht zu klingeln, wenn er das Haus betrat. Die Umgebung lag nach wie vor eingepackt in die normale nächtliche Stille. Hin und wieder wehten Laute vom Ort her hoch, und als McDuff den Schlüssel ins Schloss steckte, kam ihm das Kratzen überlaut vor.
Er öffnete.
Das Licht brannte.
Es war alles normal, aber er fühlte sich nicht gut. Etwas stimmte trotzdem nicht. Es konnte an der Stille liegen, die ihm so bedrückend vorkam, so anders, als wäre sie künstlich. Beide Sinclairs lagen noch nicht in den Betten. Wäre er an ihrer Stelle gewesen, hätte er sich unterhalten, aber Stimmen waren nicht zu hören.
McDuff schloss die Tür. Er rief den Namen der Frau in die geräumige Diele hinein und bewegte sich dabei über den Bohlenboden weiter, immer auf eine Antwort wartend.
Niemand gab sie ihm.
Dann aber, er hatte sich bereits der Küche zugewandt, hörte er die Geräusche. Dumpf klangen sie, aber auch hallend. Jemand schlug oder trommelte irgendwo gegen, und McDuff verlor keine Sekunde mehr. Er hetzte in die Küche.
Tatsächlich drangen aus ihr die Geräusche.
Auf dem Tisch sah er den geschlossenen Kasten, in dem die Figuren und das...
| Erscheint lt. Verlag | 30.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3645-1 / 3838736451 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3645-7 / 9783838736457 |
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