John Sinclair 904 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3635-8 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Ein teuflischer Verführer (2. Teil).
Lou Ryan hatte das Gefühl, ein glühendes Messer unter seiner Jacke zu tragen. Es war sicherlich nur Einbildung, denn etwas anderes interessierte ihn viel mehr. Es war die Szene, die er durch das Fenster des Pfarrhauses beobachten konnte. Da die Scheibe sehr hoch lag, hatte er sich einen großen Stein besorgt. Er stellte sich darauf und konnte nun in das Büro schauen, in dem sich ein junger Mann und eine junge Frau am Schreibtisch der Pfarrsekretärin gegenübersaßen.
Ryan kannte beide Personen. Die junge Frau hieß Vera Tanner, und der Name des jungen Mannes lautete Alex Preston. Sie waren verlobt und wollten bald heiraten, doch da hatte ihnen die Hölle dazwischengefunkt! Der Teufel hatte es verstanden, die Frau auf seine Seite zu ziehen!
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Ein teuflischer Verführer (2. Teil)
Lou Ryan hatte das Gefühl, ein glühendes Messer unter seiner Jacke zu tragen. Es war sicherlich nur Einbildung, denn etwas anderes interessierte ihn viel mehr. Es war die Szene, die er durch das Fenster des Pfarrhauses beobachten konnte. Da die Scheibe sehr hoch lag, hatte er sich einen großen Stein besorgt. Er stellte sich darauf und konnte nun in das Büro schauen, in dem sich ein junger Mann und eine junge Frau am Schreibtisch der Pfarrsekretärin gegenübersaßen.
Ryan kannte beide Personen. Die junge Frau hieß Vera Tanner, und der Name des jungen Mannes lautete Alex Preston. Sie waren verlobt und wollten bald heiraten, doch da hatte ihnen die Hölle dazwischengefunkt! Der Teufel hatte es verstanden, die Frau auf seine Seite zu ziehen!
Er hatte es sich schwerer vorgestellt, den Willen der Pfarrsekretärin zu brechen. Beinahe locker hatte er sie ins Bett bekommen, und Vera hatte mitgemacht und ihren Spaß dabei gehabt, auch wenn später die Reue gekommen war. Um sie aber ganz für sich zu haben, wollte der Teufel noch ein Hindernis aus dem Weg räumen, und das war Alex Preston, der Verlobte. Der hatte Lunte gerochen und wollte um seine Verlobte kämpfen.
Lou war sich sicher, dass Alex es nicht schaffen würde. Vera steckte bereits zu tief im Sumpf. Sie kam da nicht mehr raus, und sollte ihr Verlobter erfahren, was sie mit Ryan getrieben hatte, war es sowieso aus. Da mochte er noch so tolerant sein, er würde ihr nie verzeihen, dass sie sich in die Arme eines Mannes geworfen hatte, der unter anderem das Innere einer Kirche mit Blut beschmiert hatte.
Aber er versuchte es.
Preston redete auf seine Verlobte ein, und er tat es sehr intensiv, wie der heimliche Beobachter erkennen konnte. Alex bewegte nicht nur den Mund, er unterstützte seine Worte auch durch heftige Gesten, nickte Vera hin und wieder zu, als wollte er sie davon überzeugen, dass alles falsch war, was sie bisher getan hatte.
Lou konnte ein leises Kichern nicht unterdrücken. Preston war ein Narr. Er hatte nicht erkannt, wie weit seine Verlobte bereits auf der anderen Seite stand. Für sie würde es wohl kein Zurück mehr geben.
Wie ruhig Vera doch blieb und sich alles anhörte. Sie saß auf ihrem Stuhl, drehte Lou den Rücken zu und bewegte sich kaum. Dafür regte sich Preston um so stärker auf. Er schaute nicht nur seine Verlobte an, sondern blickte plötzlich zum Fenster rechts neben ihr.
Er musste Lou sehen!
Und er sah ihn auch!
Für einen Moment blieb Alex unbeweglich sitzen, aber nur für die Dauer einer Sekunde. In dieser kurzen Zeitspanne veränderte sich auch der Ausdruck in seinem Gesicht.
Er wurde starr, zugleich aber begriff Alex Preston, wer da durch das Fenster schaute. Blitzartig erkannte er die Zusammenhänge und brachte sie auch in die korrekte Reihenfolge.
Das ließ ihn handeln.
Er schoss so heftig von seinem Stuhl hoch, dass dieser beinahe umkippte. Dann schrie er seine Verlobte an. Sie schrie zurück. Er schüttelte den Kopf, drehte sich um und rannte aus dem Zimmer, nicht weiter auf die Rufe der Frau achtend.
Auch sie hatte sich umgedreht und den heimlichen Beobachter entdeckt, der ihr ein verschwörerisch anmutendes Grinsen zuschickte, bevor er abtauchte, um sich anderen Dingen zu widmen.
Es war alles wunderbar gelaufen, und es würde auch in seinem Sinne weitergehen.
Er huschte auf leisen Sohlen zurück. Den Standort, wo er Alex Preston erwarten wollte, hatte er sich längst ausgesucht. Auf leisen Sohlen, aber mit langen Schritten huschte er auf den Hintereingang der mächtigen Kirche zu.
Und das Messer ›brannte‹ noch immer.
Es lechzte nach Blut …
*
Es war kein Traum, den Alex Preston erlebte, es war die verdammte, brutale Wirklichkeit, in die er hineingeworfen worden war wie ein Nichtschwimmer in den Pool.
Er hatte Veras teuflischen Verführer hinter der Scheibe gesehen, und für Alex gab es keinen anderen Ausdruck als diesen: All die Veränderungen, die eine sonst so starke Persönlichkeit wie Vera Tanner durchgemacht und durchlitten hatte, ließ auf Kräfte schließen, die mit dem normalen Verstand kaum zu begreifen waren. Die es gab, die im verborgenen schlummerten und alle Zeiten überstanden hatten, wobei sie immer wieder zum Vorschein kamen, mal stark, mal weniger stark, aber sie fanden trotzdem Menschen, die ihnen zu Willen waren, wie eben Vera, die Alex Preston von ganzem Herzen liebte. In spätestens einem Jahr hatte er sie zum Traualtar führen wollen.
Dieses Vorhaben war jetzt in weite Ferne gerückt. Er hetzte mit langen Schritten durch den Flur des Pfarrhauses, der ihm vorkam wie ein düsterer Tunnel, und nichts konnte ihn davon abhalten, diesen anderen Hundesohn zu stellen.
Auch nicht die lauten Rufe seiner Verlobten, die ihn umhallten, als er auf die Tür zuhetzte und froh war, dass er sie nur aufzureißen brauchte, um das Freie zu erreichen.
Beinahe wäre er noch über die erste Stufe der Treppe gestolpert und böse gefallen, doch er hatte Glück, balancierte die Treppe hinunter und blieb dann stehen.
Einen Moment nur, denn er rechnete damit, dass er gesehen worden war, und er wollte auf keinen Fall in eine tödliche Falle des anderen laufen. Alex traute ihm alles zu. Diese verblendeten Satanisten schreckten selbst vor einem Mord nicht zurück.
Um an das Fenster zu gelangen, musste er nach rechts gehen und die Hausecke umrunden. Seine Hektik hatte sich gelegt, er war jetzt ruhig und sogar eiskalt.
Sein Atem war kaum unter Kontrolle zu halten. Er zwang sich dazu, sehr vorsichtig um die Hausecke zu peilen – und sah seine Annahme bestätigt. Der Platz war leer, nur noch der Stein, auf dem der Fremde gestanden hatte, lag dort.
Alex Preston unterdrückte nur mühsam einen Fluch. Man hatte ihn abgelenkt und reingelegt. Dieser blonde Typ mit dem kalten, ausdruckslosen Gesicht hatte genau gewusst, wo es langging. Er spielte mit ihm Katz und Maus, aber Preston wollte nicht die Maus sein, sondern die Katze. Und als Katze musste er den Blonden fangen.
Er lief wieder ein Stück zurück und blieb an der Hausecke stehen, da er von dieser Stelle aus einen besseren Überblick hatte. Er sah die Kirche, auch die drei Bäume in der Nähe, die wie kahle Aufpasser wirkten, und links von ihm lag der Parkplatz, auf dem jetzt drei Autos standen. Dort bewegte sich auch niemand, und es wurde auch kein Motor angelassen. War der Typ zu Fuß geflüchtet?
Alex konnte es sich nicht vorstellen. Menschen wie er gaben nicht auf, die warteten auf ihre Trümpfe, die sie bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Hinterhand hielten.
Vielleicht wusste auch Vera, wohin sich der andere gewandt hatte. Notfalls würde er sie fragen müssen. Auch wenn es ihm persönlich weh tat, er nahm sich vor, sie hart anzufassen, wenn sie nicht mit der Sprache herausrückte.
Dazu kam es nicht.
Plötzlich hörte er das dünn klingende Geräusch und wusste sofort, was da geschehen war.
Wenn eine Tür in den Angeln quietschte, dann hörte es sich so an. Die Tür des Pfarrhauses war es nicht gewesen, auch nicht die normale Eingangstür der Kirche, es gab nur eine Möglichkeit. Es musste die gewesen sein, die man als Hintereingang bezeichnete. Als er einige Schritte vorlief, geriet sie in sein Blickfeld.
Sie war geschlossen. Er ging trotzdem weiter, mit langen Schritten, sich immer umschauend.
Dann stand er vor dem schmalen Eingang. Sollte es dieser Hundesohn gewagt haben, eine Kirche zu betreten? Es war für ihn schwer vorstellbar, aber nicht unmöglich.
Was der andere konnte, sollte für Alex Preston kein Hindernis sein. Und so öffnete er langsam die Tür …
*
Flucht?
Ja und nein, denn Lou Ryan gehörte eigentlich nicht zu den Menschen, die schnell flohen. In diesem Fall war es auch keine Flucht, es war eine gewisse Vorsicht und auch Taktik. Beides sollte darin enden, dass Alex Preston in eine Falle lief.
Ein Mann wie er überließ nichts dem Zufall. Er hatte sich alles schon vorher überlegt, und er hatte auch die Handlungen seines Widersachers im Voraus geahnt.
Preston würde wie ein Berserker aus dem Haus stürmen. Auch das brauchte seine Zeit, und die Spanne konnte Ryan nutzen. Geduckt und so rasch wie möglich huschte er auf sein neues Ziel zu. Es lag nicht weit entfernt, denn es war die schmale Hintertür der Kirche.
Er zerrte sie auf, huschte hinein, wartete, bis sie fast zugefallen war, um dann seinen rechten Fuß dazwischenzustellen.
Und diese Lücke reichte ihm aus, um gewisse Dinge beobachten zu können. Noch sah er Preston nicht, aber er hörte ihn. Seine harten Tritte und der keuchende Atem vermischten sich zu einem komischen Geräusch, das Ryan grinsen ließ.
Er wartete.
Der andere tauchte mal auf, verschwand wieder, erschien erneut und machte auf Lou den Eindruck eines Menschen, der nicht genau wusste, was eigentlich Sache war.
Natürlich suchte er ihn, natürlich wollte er ihn stellen, um ihn fertigzumachen, und dieses Vergnügen wollte ihm Lou Ryan auch nicht nehmen. Er suchte nur noch nach der perfekten Möglichkeit, den anderen in seine Falle tappen zu lassen.
Die Idee lag direkt vor ihm.
Es war die Tür.
Er zog sie ein Stück weiter auf, ließ sie wieder zufallen und lauschte lächelnd dem dabei entstehenden Geräusch.
Auch Preston würde es gehört haben, da war sich Ryan sicher. Als die Tür zuschnappte, war er bereits im Halbdunkel der Kirche verschwunden, um sich dort einen entsprechenden Platz zu suchen.
Er fand ihn, blieb stehen, lächelte und zog dann mit einer beinahe andächtigen Bewegung sein Messer...
| Erscheint lt. Verlag | 30.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3635-4 / 3838736354 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3635-8 / 9783838736358 |
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