John Sinclair 858 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3589-4 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Horror-Teenie.
Horror-Teenie Mandy kleidete sich gerne provokant, und sie liebte es, wenn sie von den Männern mit Blicken verschlungen wurde. Sie liebte auch diese Vollmondnächte, in denen sie das wilde Gefühl überkam. Sie riss sich dann die Kleider vom Leib und rannte nackt über Wiesen und Felder. Dabei ging es ihr dann nicht um bewundernde Blicke der Männer, nein, sie wollte so viel Mondlicht wie möglich tanken. Mondlicht, Werwölfe, Vampire - eine wilde Natur. Kräfte, die sonst im verborgenen blieben, erwachten dann in dieser Nacht ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Horror-Teenie
Die Nacht war warm, die Nacht war mondhell, und Mandy Friedman war splitternackt!
Die Neunzehnjährige liebte die Nacktheit, sie liebte diese Nächte, denn beim Schein des Mondes überkam sie dieses wilde, animalische Gefühl, das sie seit ihrer Rückkehr aus Ägypten nicht mehr losgelassen hatte. Sie hatte sich die Kleider vom Körper gerissen und war auf die Lichtung gerannt. Lachend, Schreie ausstoßend, die Arme immer wieder in die Höhe schleudernd. Sie hatte sich auch gedreht, sie hatte mit den Füßen aufgestampft und den Mund weit auf gerissen, als sollten die Tiere der Nacht selbst ihr Innerstes sehen.
Keuchend, aber nicht erschöpft hatte sich Mandy rücklings ins Gras fallen lassen.
Sie genoss das Gefühl, diesen weichen, natürlichen Teppich unter der nackten Haut zu spüren. Er war so schlicht, aber dennoch wertvoller als alles Künstliche.
Das Gras lebte. Es streichelte sie. Der laue Wind im Mondlicht spielte mit den Spitzen.
Es war ihre Nacht. Wie für Mandy geschaffen.
Weit weg von ihrem Zuhause konnte sich Mandy endlich so geben, wie sie es schon seit Monaten fühlte. Sie war nicht mehr der Mensch, sie spürte das Tier in sich, die Verwandlung war nicht mehr aufzuhalten, und Mandy würde sich mit ihrem Körper und all ihren Sinnen hingeben.
Sie wusste auch, dass in dieser Nacht noch andere Dinge geschehen würden. Die Natur hatte es ihr mitgeteilt. Die anderen Kräfte, die nur für sie greifbar waren, hatten ihr klargemacht, dass sie in diesen Stunden wieder ein Stück weiterkommen würde.
Sie wollte die Vollkommenheit erreichen. So vollkommen wie das Rund des Mondes am Himmel, der so ungewöhnlich klar war, denn keine Wolkenstreifen trieben an seinem Gesicht entlang.
Für Mandy hatte der Mond ein Gesicht. In ihrer Welt gab es nichts Gesichtsloses. Was für andere Menschen tot war oder überhaupt nicht existierte, hatte für sie eine besondere Bedeutung.
Nach dem trockenen Tag war es etwas feucht geworden, und diese Feuchtigkeit brachte auch den anderen Geruch mit. Er schwebte normalerweise als Ganzes über der Wiese, aber Mandy nahm ihn anders wahr. Sie roch jede Blüte, jede Blume, jedes Kraut. Sie filterte den Geruch, wie es kaum ein Mensch schaffte.
Irgendwann zog sie die Beine an. Mandy hatte lange, herrliche Beine, um die sie oft genug beneidet wurde. Wie auch um ihren Körper, der zwar nicht den idealen Maßen entsprach, an dem man sich trotzdem ergötzen konnte.
Mandy wusste das.
Sie kleidete sich gern provokant. Sie ließ dabei viel von ihrer Haut sehen, aber sie ließ es nicht zu, dass irgendwelche fremden Hände nach ihr grapschten.
Mandys Herz, ihr Sinnen und Trachten, gehörte völlig anderen Dingen. Weit hielt sie die Augen offen, als sie den Mond anstarrte. Sie hatte das Gefühl, dieses Licht aufsaugen zu können, das sich letztendlich in ihren Pupillen manifestierte und dann seine Kraft in ihren Körper hineingleiten ließ.
Mondlicht, Werwölfe, Vampire – eine wilde Natur. Kräfte, die im Verborgenen blühten, wurden in derartigen Nächten wach, und diese Kräfte würden auch sie beglücken, davon ging sie aus.
Die Beine hielt sie angewinkelt. Ihre Füße standen auf dem weichen Grasteppich. Aber sie bewegte die Hände und auch die Arme, als sie mit den vom Gras feucht gewordenen Handflächen zuerst an ihren Oberschenkeln entlang in die Höhe strich und beide Hände dann, genau über den Brüsten, aufeinander zuführte.
Sie streichelte dabei ihre Brustwarzen, die vorstanden und zu harten Knospen geworden waren.
Mandy stöhnte auf …
Die Zunge umtanzte kreisend die Lippen. Stoßweise ging ihr Atem. Es lag nicht allein daran, dass sie sich selbst massierte, es hatte noch einen anderen Grund. Tief in ihrem Innern spürte sie, dass sich etwas anbahnte, auf das sie so sehnsüchtig gewartet hatte.
Von den Brüsten glitten die Hände ins feuchte Gras.
Mandy Friedman atmete noch heftiger. Sie kochte, sie stand unter Dampf, sie wahr wahnsinnig erregt, denn in ihr tobte so etwas wie eine gewaltige Vorfreude. Sie musste sich zusammenreißen, hob den Kopf leicht an und bewegte ihre Augen, um zu den Rändern hinschauen zu können, denn von dort würde ES kommen. Noch war nichts zu sehen.
Mandy hatte das Gefühl, von lebenden Personen beobachtet zu werden. Es war das Unterholz, das sich bewegte, denn immer wieder strich der Wind wie mit zarten Fingern durch die Gräser oder dünnen Sommerpflanzen, um sie tanzen zu lassen.
Sie war allein.
Kein Mensch schaute ihr zu. Aber Mandy fühlte sich nicht allein. Die andere Kraft war da, sie hatte sich nur für einen Moment zurückgezogen, als wollte sie noch einmal Kraft schöpfen. Mandys Atem hatte sich mittlerweile beruhigt, und so konnte sie sich wieder auf die Geräusche in ihrer Umgebung konzentrieren.
Sie hatten sich verändert.
Da war ein Rascheln zu hören, das nichts mit dem Wind zu tun hatte. Dieses Rascheln hatte eine andere Ursache. Sie hatte sich aus dem nächtlichen Dunkel des Waldes gelöst und fand den Weg zum Ziel.
Schleichend, zielsicher. Ein Tier, das mit der Nacht vertraut war und sich wohl fühlte.
Mandy hielt den Atem an. Ihre Augen glänzten noch stärker. Sie wäre am liebsten in die Höhe geschnellt und hätte ihren Blick schweifen lassen, aber sie riss sich zusammen. Nicht sie gab den Ton an, sondern die anderen Kräfte. Sie musste sich danach richten, musste ruhig sein, artig und auch demutsvoll.
Das andere kam!
Mandy rollte mit den Augen und schielte dann nach rechts.
Dort bewegte sich nichts.
Der Blick nach links.
Die Spitzen der Gräser schienen ihr zuzuwinken, und über den Halmen ebenso wie zwischen ihnen bewegte sich ein Schatten geradewegs auf sie zu.
Ja, so musste es sein!
Mandy stöhnte vor Wonne auf. Ihre Finger kämmten das Gras.
Der Schatten wanderte.
Es war groß und dunkel. Sah beim ersten Hinsehen aus wie ein gewaltiges Untier, das seine Höhle verlassen hatte, um sich auf die Beute zu stürzen.
Eine Beute, die sie war!
Aber sie war es gern, denn sie lechzte danach, Beute zu sein. Mandy schaffte es nicht, die Starre in ihrem Körper zu halten. Sie bewegte sich unruhig von einer Seite auf die andere, als wollte sie jetzt schon die Vorfreude auf das Kommende genießen.
Der Schatten ließ sich Zeit, aber er wuchs!
Er nahm Gestalt an.
Er war lang, hatte einen breiten Kopf, von dem die Ohren abstanden. Er wirkte wie der Umriss eines Tigers, dieser von anderen Tieren unbesiegbaren Raubkatze, und so unbesiegbar wie der Tiger im Dschungel oder der Steppe wollte auch sie werden.
Es würde klappen.
Die Sehnsucht fraß sie auf. Mandys Lippen zitterten. Worte flossen abgehakt und keuchend hervor.
»Komm … komm … komm zu mir …«
Es raschelte.
Diesmal ganz in ihrer Nähe. Sogar sehr nahe, zum Greifen nahe. Sie musste einfach sehen.
Links.
Mandy drehte den Kopf.
Und sah die Katze!
*
Beinahe hätte sie vor Freude geschrien, und sie schrie auch, aber es war kein normaler Schrei. Es war ein Schrei oder ein Triumph, den sie nach innen richtete. Sie jubelte, dass das Tier gekommen war. Es hatte sie nicht im Stich gelassen, es stand in Höhe ihrer Schulter, hielt den Kopf vorgestreckt, sodass dieses Katzengesicht direkt über dem ihren schwebte und sie geradewegs in die Augen schaute, die so facettenreich waren. Sie schimmerten in Grün, in Blau, in Türkis.
Diese Augen waren es, die Mandy faszinierten und auch hypnotisierten. Sie zogen sie in ihren Bann. So stark, dass alles um sie herum verschwamm. Das Gesicht, die Ohren, auch das halb geöffnete Maul der Katze. Nur die Augen blieben und damit die Botschaft aus einer lange zurückliegenden und fernen Zeit.
Mandy fühlte sich wohl, als sie eintauchte in dieses gleichzeitige Vergessen und Erinnern. Während des Blicks schwamm sie weg, sie wurde körperlos und schwebte wie eine Feder in dem Sammelsurium ihrer Erinnerungen. Ihre Umwelt nahm sie nicht mehr wahr. Sie merkte auch nicht, wie sich die Katze bewegte und geschmeidig auf den nackten Körper der Frau kletterte. Der Körper des Menschen wurde für die schwarze Katze zu einem Laufsteg, auf dem sie einherschritt. Sie hatte den Kopf nach vorn gedrückt, sie rieb ihn an der Haut, und das weiche Fell streichelte die Nackte, deren Atemzüge schon einem Stöhnen glichen.
Über Mensch und Tier schwebte der Mond. Er glotzte wie ein bleiches Auge nach unten. Sein silbriger Schein huschte über das Fell des Tieres hinweg. Aus dem Maul drang die Zunge hervor, der schwarze Körper drehte sich, dann leckte die Zungenspitze der Katze über das Kinn der Liegenden hinweg.
Mandy Friedman genoss diesen Kontakt. Es war herrlich für sie, ihn erleben zu dürfen. Die Katze sorgte dafür, dass sie sich so unwahrscheinlich wohl fühlte. Mandy blieb auch nicht auf einer Stelle liegen. Je mehr Zeit verstrich, umso stärker zeigte sich ihre innere Erregung. Sie wälzte sich im Gras herum und stöhnte dabei. Die Katze knurrte und fauchte auch leise, und sehr bald schon unterschieden sich die Geräusche zwischen Mensch und Tier kaum noch voneinander.
Das Gras war wie eine Decke. Ein wunderbarer Schutz, zu dem sich noch das Mondlicht gesellte. Eine wunderbare Zeit lag vor Mensch und Tier. Die herrliche Wiese hielt sie umfangen. Die andere Welt war vorhanden. Sie sorgte dafür, dass Mensch und Tier gemeinsame Erinnerungen erlebten, und bei Mandy waren es eben die alten Bilder aus vergangenen Zeiten, die immer wieder so plastisch in der Erinnerung hochstiegen, dass sie den Eindruck hatte, selbst zu einem Teil der...
| Erscheint lt. Verlag | 23.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3589-7 / 3838735897 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3589-4 / 9783838735894 |
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