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John Sinclair 862 (eBook)

Der Leichenmantel

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3593-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 862 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Der Leichenmantel.

Beim ersten Blickkontakt war ich völlig durcheinander. Da stand ein braunes Riesenskelett vor uns, das mit einer mittelalterlichen Axt bewaffnet war. Braun war der Schädel, leer die Augenhöhlen, doch etwas anderes war viel schlimmer, denn dieses Wesen trug einen Mantel aus Leichen! So wird verständlich, welch widerlicher Geruch von dem Unheimlichen ausging. Und der Leichenmantel ist auf der Suche nach weiteren Opfern. Suko und ich können ein Lied davon singen ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Der Leichenmantel


Kann man den Tod riechen?

Diese Frage hatte ich mir schon öfter gestellt und sie auch beantwortet.

Ja, man kann den Tod riechen. Zumindest erging es mir so, als ich die Eingangstür des Klosters aufdrückte, das von den Namenlosen Nonnen bewohnt wurde.

Mir wehte der Geruch des Todes entgegen …

Ich konnte ihn nicht beschreiben, es war einfach das Fühlen oder das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmte und sich innerhalb der letzten Tage etwas verändert hatte.

»Ist was mit dir?« fragte Suko. Er stand dicht hinter mir. Etwas an meiner Haltung musste ihn gestört haben. Der Inspektor war ebenso wie ich in Trivino geblieben, im Gegensatz zu Abbé Bloch. Der hatte seine Reise zurück nach Alet-les-Bains wieder angetreten, weil er bei seinen Templern gebraucht wurde und der Fall der mörderischen Zwillinge und eines abtrünnigen Engels für ihn vorbei war.

Für Suko und mich weniger. Wir hatten noch einen Rest erledigen wollen. Dazu gehörte eine Untersuchung des Klosters, das von Frauen bewohnt wurde, die sich die Namenlosen Nonnen nannten. Sie waren Personen, die auf der falschen Seite standen, denn sie hatten sich entschlossen, dem Bösen zu dienen.

Jede von ihnen zählte zu den Ausgestoßenen. Sie waren aus normalen Orden ausgetreten oder einfach hinausgeworfen worden, weil sie sich im Laufe der Zeit für einen anderen Weg entschlossen hatten. In diesem alten Gemäuer hoch in den Schweizer Bergen hatten sie sich zusammengefunden und dem abtrünnigen Engel Josephiel sowie seiner dämonischen Zwillingsbrut Schutz gegeben.

»Ich habe dich was gefragt, John.«

Ich erwachte wie aus einem kurzen Schlaf. »Kann sein, ja …«

»Was ist denn mit dir?«

»Das kann ich auch nicht sagen. Etwas stimmt nicht. Zumindest habe ich den Eindruck.«

Das konnte mein Freund Suko nicht nachvollziehen. Er schaute mich etwas überrascht an und meinte: »Die Zwillinge können es nicht sein.«

»Stimmt.«

»Josephiel auch nicht.«

»So ist es.«

»Wer ist es dann?«

Ich hob die Schultern. »Du kennst mein Gefühl, Suko. Hier stimmt etwas nicht. Es ist anders als sonst. Halt mich für einen Spinner oder auch nicht, aber es kommt mir vor, als hätte der Tod diesem Kloster einen Besuch abgestattet.«

»Du spinnst.«

»Ich weiß nicht.«

»Wie kommst du überhaupt darauf?«

In der Stille hatten wir uns flüsternd unterhalten. Es war Nachmittag und auch ein wunderschöner Tag. Die Sonne meinte es gut. Sie bestrahlte eine grandiose, wenn auch einsame Landschaft am Nordrand des Tessins, dicht hinter dem Gotthard-Massiv, wo die Schweiz nicht so ist, wie man sie aus Touristen-Informationen kennt.

Ich wollte meinem Freund zunächst nichts von dem Geruch sagen und fand eine Ausrede. »Mich wundert es nur, dass niemand da ist. Man hätte uns gehört haben müssen, aber es kam keiner, um uns zu begrüßen. Mir kommt das Kloster leer vor, verlassen, sogar fluchtartig.«

»Das ist klar.«

»Und warum ist das klar.«

»Wir haben gewonnen. Es gibt nichts, was sich für die Nonnen gelohnt hätte, zu beschützen. Josephiel ist nicht mehr, die Zwillinge sind von deinem Kreuz ›verschluckt‹ worden, also haben die Nonnen auch keine Aufgabe mehr.«

Ich dachte über Sukos Worte nach, was ihm zu lange dauerte, denn er forderte eine Antwort. »Was sagst du? Gar nichts? Warum nicht? Liege ich so falsch mit meiner Vermutung?«

»Das nicht, aber ich kann dir auch nicht zustimmen. Ich habe da meine Meinung.«

»Dann sollten wir nicht so lange hier herumstehen, sondern uns das Kloster von innen anschauen.«

»Das hatte ich vor.«

»Scheint mir aber nicht so«, murmelte Suko in seinen nicht vorhandenen Bart.

Wir kannten uns aus. Suko besonders, denn er und der Abbé hatten hier eigentlich ihr Grab finden sollen, doch dem Inspektor war es gelungen, die Nonnen zu überlisten. Sie waren ihnen entwischt und hatten sogar die Mutter der teuflischen Zwillinge, Naomi, in Sicherheit bringen können.

Da ich die breite Tür nicht festgehalten hatte, war sie wieder zugefallen. Ich zog sie auf, und schlagartig erwischte mich wieder dieses Gefühl, den Tod riechen zu können.

Das war verrückt, ich wusste es selbst, aber ich kam nicht dagegen an. Etwas strahlte aus, und es mochte nur die Stille sein, die sich zwischen den Wänden ballte.

Eine Stille, die nicht normal war. Ich hatte den Eindruck, sie schmecken zu können. Sie lauerte, sie wusste mehr, sie lebte, und irgendwie spürte man auch, wenn ein Haus von den Bewohnern verlassen worden ist. Da kommen einige Faktoren zusammen. Auch in diesem Kloster verdichteten sie sich, nur erklären konnte ich sie nicht.

Wir kannten nur einen Teil des Klosters, Suko mehr als ich, denn er hatte sich auch im Keller herumgetrieben, wo die Räume mehr Verliesen glichen und auch Naomi gefangen gehalten wurde.

Der Geruch wollte nicht weichen. Ich schnupperte, was nicht geräuschlos ablief und Suko wieder zu einer Frage veranlasste. »Was hast du denn? Willst du die komischen Nonnen riechen? Meinst du, dass sie etwas hinterlassen haben?«

»Alles ist möglich.«

»Oder unmöglich.«

»Auch das.«

Suko lächelte und schüttelte den Kopf. Er konnte meine Reaktion nicht nachvollziehen, aber ich selbst ärgerte mich ebenfalls darüber, dass ich keinen Beweis für mein Gefühl gefunden hatte.

»Hast du einen Plan, wie wir vorgehen sollen, John? Das Kloster durchsuchen? Wenn ja, wo fangen wir an, und wo hören wir auf?«

»Du kannst die Führung übernehmen, Alter.«

»Warum ich?«

»Weil du dich besser auskennst.«

»Bitte, wie du willst.«

Sollten alle Frauen verschwunden sein, würden wir uns automatisch fragen, wohin sie sich zurückgezogen hatten. Zudem mussten wir davon ausgehen, dass die Anführerin Gitta ihre Getreuen an einem anderen Ort gesammelt hatte, um wieder einen Orden aufzubauen. Sollte das tatsächlich zutreffen, würden wir sicherlich mit ihm in Konflikt geraten. Das alles konnte uns widerfahren, war aber noch Zukunftsmusik, und ich wollte seltsamerweise daran auch nicht so recht glauben, obwohl es auf der Hand lag. Aber da gab es Dinge, die mich störten, wie zum Beispiel der ungewöhnliche Geruch. Suko beobachtete mich misstrauisch von der Seite her, als ich durch die Halle schritt.

Viel verändert hatte sich nicht. Sie war nach wie vor kahl. Die wenigen Möbelstücke fielen kaum auf, nur an einigen Stellen entlang der Wände hingen nicht mehr die Schwerter und Lanzen, die einmal dort gehangen hatten, wie ich wusste.

Sie waren verschwunden. Die Frauen hatte sie an sich genommen, um Suko, Naomi und den Abbé an ihrer Flucht zu hindern.

Ich blieb stehen, räusperte mich, und Suko drehte sich um. »Hast du was herausgefunden, John?«

Ich hob die Schultern. »Wenn ich mir das alles so anschaue, müssen die Frauen das Kloster fluchtartig verlassen haben, als hätte ihnen der Teufel auf den Schultern gesessen.«

Er nickte. »So kann es gewesen sein. Sie sahen eben keine Perspektive mehr.«

Ich zeigte mich stur. »Und das will ich nicht glauben.«

»Warum denn nicht?«

»Weil es mir zu simpel ist. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sie so mir nichts dir nichts alles hingeworfen haben. Irgendwo passt das einfach nicht.«

Suko gab mir nicht recht, das sah ich ihm an. Er hielt sich mit seiner Meinung zurück und fragte: »Wo also sollen wir anfangen?«

»Was meinst du?«

»Mit der Suche.«

»Du kennst dich aus.«

»Nur einen Teil des Kellers.«

»Dann werden wir dort beginnen.«

Er hob die Schulter. »Wie du willst.«

In der großen, leeren Halle kamen wir uns ein wenig verloren vor. In den oberen Etagen des Klosters waren wir noch nicht gewesen. Es gab eine große Treppe, aber daran ging Suko vorbei. Er öffnete eine Tür, hinter der ein Gang lag. »Der führt nicht zum Keller«, sagte er mir. »Da liegen einige Räume oder Zellen, in denen die …«

Weiter sprach er nicht. Statt dessen blieb er stehen, als wäre er brutal gestoppt worden.

Diesmal fragte ich ihn, ob er etwas hätte.

»Verdammt«, murmelte er nur, trat zur Seite, und gab mir die Sicht in den Gang frei.

Direkt vor uns lag die Tote!

*

Also doch. Ich hatte mich nicht geirrt. Mein Gefühl war schon berechtigt gewesen, als ich mich gefragt hatte, ob der Tod wirklich zu riechen war. Jetzt sah ich ihn. Die Nonne lag verkrümmt auf dem Boden, die Arme angewinkelt und leicht vorgestreckt, dabei die Hände gekrümmt, als wollten sie mit den Fingernägeln den dunklen Stein aufkratzen, der den Flurboden bedeckte.

Sie trug noch immer die schwarze Kutte. Nur hatte sie die Kapuze nicht über den Kopf gestreift. Sie war verrutscht, und wir schauten auf das dünne, bleiche Haar, das strähnenreich ihren Schädel bedeckte.

»Bist du Hellseher gewesen?« fragte Suko mich.

»Nein, bestimmt nicht.« Ich winkte ab. Es hatte keinen Sinn, zu großen Erklärungen anzusetzen. Außerdem wollte ich herausfinden, wie die Frau ums Leben gekommen war.

Ich holte die Leuchte hervor und ging in die Knie, während ich sie einschaltete.

Der Lichtstrahl traf zuerst ihr Gesicht, in dem die Augen nicht geschlossen waren. Mir begegnete der starre Blick einer Toten.

Dennoch fühlte ich nach, weil ich auf Nummer Sicher gehen wollte. Ja, sie war tot, daran gab es nichts zu rütteln. Aber wie war die Frau ums Leben gekommen?

Mit dem Lichtfinger strich ich den Körper ab, weil ich nach Wunden suchte.

Kein Blut, keine Wunde,...

Erscheint lt. Verlag 23.9.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3593-5 / 3838735935
ISBN-13 978-3-8387-3593-1 / 9783838735931
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