John Sinclair 864 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3595-5 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Karas grausame Schwester (2. Teil).
Kara hatte sich sofort an die Stimme erinnert, auch wenn sie sie schon seit Jahren nicht mehr gehört hatte. Das musste Roya, Karas grausame Schwester sein. Sie schien am Ufer der Leicheninsel zu stehen und auf die Ankunft des Schiffes zu warten. Der Gesang war unnachahmlich. Es war der Gesang der Sirene von Atlantis! Sie und Kara waren sehr verschieden gewesen. Während Kara einen positiven Charakter hatte, entwickelte sich Roya in die andere Richtung. Selbst ihr Gesang hatte etwas Böses, sogar Bedrohliches an sich.
Da Kara ihre Schwester natürlich genau kennt, fürchtet sie sich vor der Landung an der Küste der Leicheninsel. Doch sie kann sie nicht verhindern, denn ihr Boot treibt genau darauf zu ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Karas grausame Schwester (2. Teil)
Wir schritten durch das Heer der Toten!
Gebeine, Skelette, wohin wir schauten. Kreuz und quer übereinander liegend, als hätten sich die sterbenden Körper noch im Tod umarmt. Und obendrauf die Schädel, die als schaurige Trophäen die aus den Gebeinen hervorschauenden Lanzen schmückten!
Nicht alle Körper waren skelettiert. Auf einigen klebten noch Haut- und Fleischreste, und auf manchen Köpfen steckten noch die Helme, ein Zeichen, dass zahlreiche der Toten zur Kaste der Krieger gehört hatten.
An das alles konnte man sich gewöhnen, auch wenn es Suko und mir verdammt schwergefallen war. Nicht gewöhnen konnten wie uns an die Gestalt, die vor uns herging …
Da bewegte sich eine halbnackte, weißblonde Frau, eine Mörderin. Wir wussten nicht, wo sie hinwollte, sie ging einfach durch das Meer der Gebeine, sie war so sicher, wie jemand nur sicher sein kann, wenn er sich irgendwo zuhause fühlte. Manchmal schlenkerte sie eines ihrer beiden Schwerter vor. Dann tippte sie mit der Spitze vor irgendeinen Totenschädel und zerstörte ihn.
Sie hatte den Mantel über ihre linke Schulter gehängt, und wir schauten auf ihren fast nackten Rücken, um den sich ein Korsett spannte. Das lange Haar trug sie im Nacken zusammengebunden. Im Vergleich zu dem Teppich aus Gebeinen und Knochen wirkte diese Person wie eine Riesin. Sie verhielt sich auch königinnengleich, als wollte sie ihre toten Untertanen noch einmal anschauen.
Wir wussten nicht, wie die Frau hieß, wir kannten sie nur vom Aussehen, aber wir wussten, dass sie eine Waffe besaß, die einer guten Freundin von uns gehörte.
Dieses zweite Schwert hatte sie in ihren Gürtel gesteckt; es war das Schwert mit der goldenen Klinge.
Eine besondere Waffe, die eigentlich nur in Karas Hand ihre Heimat finden durfte.
Es war das Schwert der Schönen aus dem Totenreich, wie Kara auch genannt wurde. Die andere musste es ihr abgenommen haben, denn freiwillig würde Kara ihre Klinge nicht hergeben.
Wir kannten den Namen der anderen nicht, wir wussten nicht mal, wo wir uns befanden. Es war eine völlig irreale, fremde und für uns nicht begreifbare Welt.
Und wir hatten sie auch nicht freiwillig betreten. Von Stonehenge aus, wo uns die Magie oder fremde Kraft erwischt hatte, waren wir in diese Welt hinein transportiert worden.
Weder Suko noch ich wollten glauben, dass wir uns auf der normalen Erde befanden. Die manipulierte Magie der Steine hatte uns transportiert, und so steckten wir in dieser anderen Dimension und schritten durch das Meer der Gebeine.
Wir gingen einfach hinter ihr her. Was sollten wir auch sonst tun? Es gab hier keine Wege, in die wir hätten einbiegen können. Der Boden war völlig mit ausgebleichten Gebeinen bedeckt, auf denen manchmal die Farbe des Himmels lag, ein tiefrotes Violett, als wäre hier nur ewige Nacht.
Manchmal hatten wir das Gefühl, dass sich gewisse Skelette aufrichten wollten, wenn wir sie an einer anderen Seite zertraten. Da verteilte sich dann der Druck. Es konnte durchaus passieren, dass ein kleiner Schädel in die Höhe sprang.
»Wo will sie hin?« keuchte Suko.
»Woher soll ich das wissen?«
»Hätte ja sein können.«
Ich schaute ihn nur verächtlich an, um mir den Schweiß von der Stirn zu wischen, denn es war verflucht heiß geworden. Ebenso heiß wie an anderer Stelle, in Stonehenge.
Die Unbekannte wusste, dass wir da waren und sie auch verfolgten. Es machte ihr nichts aus. Sie blieb gelassen, sie drehte sich nicht mal um, denn sie wusste genau, dass sie in dieser Welt die große Siegerin war. Ich fragte mich auch, ob das Leichenfeld nicht bald zu Ende war.
Es hatte ein Ende.
Die Frau vor uns ging plötzlich schneller, dann, von einer Sekunde zur anderen, hörten wir kein Knacken und Brechen der Knochen mehr, die Person lief nun über einen anderen Untergrund hinweg. Fels und staubige Erde hatten die Knochen abgelöst.
Sie blieb noch nicht stehen. Nahezu provozierend mit den Hüften schwenkend bewegte sie sich vor uns her, und sie hielt den Kopf noch aufgerichtet, um in die Ferne schauen zu können, als gäbe es dort etwas Besonderes zu sehen.
Da war auch etwas anderes.
Ich glaubte zuerst an einen Irrtum, als ich den dunkleren Streifen entdeckte. Sehr bald musste ich meine Meinung ändern, denn dieses dunkle Band bewegte sich leicht.
Mir schossen einige Vermutungen durch den Kopf, und ich kam plötzlich zu einem Ergebnis.
Das war Wasser! Befanden wir uns auf einer Insel?
Die Weißblonde ging weiter. Ich hatte den Eindruck, als wollte sie uns mit jedem Schritt und jedem Schwung ihrer Hüften provozieren. Wir sollten schauen, wir sollten ihr folgen, und wir sollten in ihren Bann gezogen werden. Diese Mörderin, deren Taten wir auf einem Video-Film hatten beobachten können, strahlte einen provozierenden und wilden Sex aus, als wäre sie eine Kinofigur aus einem der zahlreichen Fantasy-Filme.
Wohin wollte sie?
Die Erde war hart. Sie wirkte verbrannt durch die Glut der Sonnenstrahlen, und wenn ich mich konzentrierte, hörte ich aus der Ferne das sanft klingende Rauschen.
Waren es Wellen, die gegen einen Strand liefen?
Ich rekapitulierte den Fall und brachte ihn in einen Zusammenhang mit dem Beuteschwert der Weißblonden.
Die Waffe hatte Kara gehört.
Und Kara war eine Person aus dem alten Atlantis. Sie hatte den Untergang dieses Reiches miterlebt. Atlantis war ein gewaltiger Komplex gewesen, eine Insel, es hatte also viel mit Wasser zu tun, und deshalb kam mir auch die Schlussfolgerung in den Sinn.
Wenn wir uns tatsächlich in einer anderen Zeit oder anderen Welt befanden, konnte es durchaus möglich sein, dass wir uns in Atlantis aufhielten. Die Magie von Stonehenge hatte uns hergeschafft, wie das auch immer geschehen sein mochte.
Das wäre eine Lösung gewesen.
Suko hatte sich mit dem gleichen Gedanken beschäftigt wie ich, denn er sprach den Namen aus.
»Genau«, sagte ich.
»Dann hast du dir sicher auch Gedanken über Zusammenhänge gemacht, denke ich mal.«
Mein Lächeln fiel knapp aus. »Das schon, nur bin ich noch zu keiner Lösung gelangt. Abgesehen davon, dass sich zwischen Stonehenge und Atlantis eine Verbindung aufgebaut hat, doch das sollte für uns keine Überraschung sein.«
»Im Gegensatz zu Karas Schwert.«
»Eben.«
Ich hatte auch darüber nachgedacht, die Weißblonde zu stoppen und ihr meine Fragen zu stellen. Es wäre vielleicht nicht gewaltlos vonstatten gegangen, wir mussten uns immer vor Augen halten, dass wir es mit einer Mörderin zu tun hatten.
Von dieser Lösung hatte ich auch deshalb Abstand genommen, weil ich davon überzeugt war, dass sie nicht einfach über diese Erde spazierte, ohne ein Ziel zu haben.
Es würde sich etwas ereignen, anders ging es gar nicht. Ich schaute einmal zurück.
Der Knochenhaufen lag dort wie ein flacher Wall. Die Schädel steckten auf den Lanzen. Unter der Düsternis des Himmels sahen die Köpfe aus, als würden sie uns angrinsen.
Das Rauschen hatte sich verstärkt. Wir schienen uns also dem Strand zu nähern.
Das Land war flach, felsig und sandig. Einfach menschenfeindlich. Kein Baum und kein Strauch waren zu sehen, nur diese verfluchte Leere, wo der Tod eine Heimat gefunden hatte.
Dort, wo sich das Meer unserer Meinung nach befand, war der Himmel heller. Und er schaffte es auch, die dunkle Farbe immer weiter zurückzudrücken, als würde ein riesiger Vorhang allmählich zur Seite gezogen.
Es klarte auf.
Da begann ein Tag.
Und die Weißblonde blieb stehen!
Es geschah schnell, ohne Übergang, konnte uns aber nicht überraschen, denn auch wir stoppten.
Noch schauten wir gegen ihren Rücken. Dann griff sie mit einer Hand zum Mantel hin und legte ihn über ihre Schulter. In derselben Bewegung drehte sie sich um.
Wir sahen uns an.
Mir war, als würde die Zeit einfrieren. Plötzlich gab es nichts mehr, nur uns, und ich musste zugeben, dass diese Person die Umgebung einfach beherrschte. Nicht nur auf dem Knochenfeld hatte sie wie eine Königin gewirkt, auch hier wie jemand, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen ließ.
»Was wird sie wohl denken?« murmelte Suko.
»Vielleicht denkt sie darüber nach, wie sie uns am besten umbringen kann.«
»Möglich. Was tun wir?«
»Erst einmal reden.«
Suko lachte leise. »Dir bereitet das Schwert mit der goldenen Klinge leichte Probleme, denke ich.«
»Das ist nicht falsch.«
Wir waren ziemlich nahe an den Strand herangekommen. Das Wasser hatte Kraft, es schlug mit harten Wellen gegen Sand und Gestein, und wir sahen auch das Schiff, das plötzlich sehr nahe war und auch in einen gefährlichen Bereich hineingeriet, denn vor der Küste schauten Felsen und Steine aus den Fluten, die für anlaufende Schiffe zu tödlichen Fallen werden konnten.
Das ging nicht gut.
Jetzt hätte der Mann am Ruder das Schiff eigentlich aus der gefährlichen Fahrrinne herausbringen müssen. Es geschah nicht.
Ich musste mich immer noch an den Gedanken gewöhnen, es mit der Wirklichkeit zu tun zu haben. Als ich das Schiff sah und die Wellenbewegungen, da kam ich mir vor wie in einer Spielzeugwelt.
Aber die Tatsachen sprachen dagegen. Besonders die Person vor uns, dieses weißblonde Geschöpf, dessen Namen uns noch immer unbekannt war. Für einen winzigen Moment zog sie die Augen noch zusammen, fixierte uns ein letztes Mal, dann machte sie auf der Stelle kehrt, sodass wir wieder gegen ihren Rücken schauten.
»Die will uns zum Narren halten!« flüsterte...
| Erscheint lt. Verlag | 23.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3595-1 / 3838735951 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3595-5 / 9783838735955 |
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