John Sinclair 853 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3584-9 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Die vier aus der Totenwelt (1. Teil).
'Es sind schon oft genug Menschen in diesem verdammten See ertrunken. Man darf sich von seiner ruhigen Oberfläche nicht täuschen lassen. Darunter lauern Tod und Verderben.'
Warnende Worte, die manche befolgten, andere wiederum nicht. Zu diesen anderen zählten die vier jungen Leute, die knapp ihrem jugendlichen Alter entsprungen waren und nun zu den jungen Erwachsenen zählten, worauf sie auch stolz waren.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Die vier aus der Totenwelt (1. Teil)
Zwei Paare, zwei Geschwister.
Zum einen Nelly und Jimmy Wayne. Beide sahen sich wegen ihrer blonden Haare und ihrer schmalen Gesichter sehr ähnlich. Nelly war achtzehn, ihr Bruder zwanzig Jahre alt.
Im selben Alter waren auch Helen und Gil Travers, das dunkelhaarigere Pärchen. Gil trug seine braune Wolle sehr kurz und nackenfrei. Das Haar wuchs sehr dicht und wirkte wie ein flacher Pilz.
Helen hatte ihre Flut zurückgekämmt und sie zu einem Zopf geflochten, anders als Nelly. Ihre blonde Haarmähne hing ihr permanent in die Stirn und dort auch weiter nach unten, wo sie einen Schleier vor dem rechten Auge bildete, was ihren Vater immer ärgerte, auch dann, wenn die Haare beinahe mit den Spitzen in der Suppe hingen.
Ansonsten waren sie schwer in Ordnung, hatten die Schulzeit hinter sich. Drei von ihnen versuchten es mit Studieren, während sich Nelly für den Beruf der Erzieherin in einem Kindergarten entschlossen hatte und noch auf die Schule ging.
Sie kannten sich seit ihrer Kindheit, waren immer Freunde gewesen. Im Laufe der Jahre war aus der Freundschaft Liebe geworden. So ging Nelly mit Gil und Jimmy mit Helen.
Sie machten viel zusammen. Besonders in der Freizeit hockten sie beieinander und versuchten, sie sinnvoll auszufüllen. Dazu gehörte auch das Erkunden ihrer schottischen Heimat. Vor Jahren waren sie fest entschlossen gewesen, das Monster von Loch Ness zu finden. Den Plan hatten sie schnell wieder aufgeben müssen, denn das Ungeheuer hatte sich ihnen ebensowenig gezeigt wie anderen Besuchern. Heute war die Geschichte entmystifiziert worden, und all die Wirte um Loch Ness herum bangten gemeinsam mit den Betreibern der Andenkenbuden um ihre berufliche Existenz.
Loch Ness war also out, auch für die vier Freunde. Aber sie hatten von einem abseits und sehr einsam liegenden See gehört, der angeblich sehr geheimnisvoll und gefährlich sein sollte, weil schon einige Menschen dort ertrunken waren.
Diesen See wollten sie erkunden.
Dazu eignete sich ein langes Wochenende. Am Freitag hinfahren, am Sonntag aus der Einsamkeit der Highlands zurückkehren. Genau so passte es ihnen in den Plan.
Dass Gils Vater einen Geländewagen, einen Opel Frontera besaß, kam ihnen sehr entgegen. Travers brauchte das Fahrzeug zudem an diesem besagten Wochenende nicht und hatte es seinen beiden Kindern überlassen. Sie hatten es mit Gepäck und Proviant vollgestopft und waren dann losgefahren.
Am Vormittag ging es los. Die vier waren guter Laune. Heiße Rep-Rhythmen aus den Lautsprechern törnten sie an. Und sie wussten auch, dass auf vielen Nebenstraßen kaum Polizeifahrzeuge verkehrten, und sie riskierten es, mal richtig aufzudrehen.
Der Tag gehörte ihnen, die Welt würde ihnen gehören und natürlich auch die Nacht.
Ein Boot hatten sie mitgenommen.
Der See hieß Lake Green. Zudem lag er sehr einsam und abseits der touristischen Wanderrouten.
Das Gewässer lag so günstig, dass die vier jungen Leute bis direkt an das Ufer heranfahren konnten. Nur an seiner Westseite war er etwas sumpfig, aber dort wollten sie nicht hin.
Sie schlugen ihr Lager auf. Auch die beiden Mädchen packten mit an. Sie waren so erzogen worden, anderen zu helfen, und sie zeigten auch ihr handwerkliches Geschick, denn beim Aufbau der Zelte waren sie ebenfalls engagiert.
Sie hatten sich für zwei Zelte entschieden, denn in der Nacht wollte jedes Paar allein sein.
Nach dem Zeltaufbau legten sie eine Pause ein. Die Mädchen übernahmen hausfrauliche Arbeiten und sorgten für ein Essen. Über dem offenen Feuer gebraten schmeckten die Eier und der Speck viel besser. Dazu tranken sie Bier. Für die Abende hatten sie sich mit Wein eingedeckt, allerdings wollten sie erst am nächsten Tag damit anfangen.
Nach dem Essen waren alle vier satt und kaputt. Die Mädchen aber ließen die Faulheit ihrer Freunde oder Geschwister nicht zu. Sie scheuchten die beiden Jungen hoch und ordneten an, dass sie jetzt an der Reihe waren, das Schlauchboot aufzublasen.
»Können wir das nicht später machen?« maulte Gil.
Nelly trat ihm leicht in die Seite. »Nein, sofort, das will auch deine Schwester.«
»Sehr richtig«, rief Helen, die vom See zurückkehrte, wo sie Wasser geholt hatte, denn die Mädchen wollten spülen. »Die beiden faulen Herrschaften können ruhig mal Einsatz zeigen.«
»Was sagst du dazu, Jimmy?«
Der Angesprochene lag im Gras und schaute in den wolkenlosen Himmel. »Na ja, irgendwann müssen wir es ja tun.«
Jimmy stand auf. Er holte aus dem Frontera den Blasebalg. Das zusammengedrückte Boot lag bereits auf dem Boden.
Ventil und Schlauch wurden verbunden, und Gil trat als Erster auf das Brett des Blasebalgs. Nur langsam wurde das Schlauchboot größer. Gil ließ sich von Jimmy ablösen, und der pumpte es ganz auf. Er brachte auch den Blasebalg zurück in den Wagen, kehrte dafür mit vier Sitzbrettern zurück, die er in die Spalten an den Innenrändern der Wulste schob.
»Schiff ahoi«, sagte er und klatschte in die Hände. »Es ist fertig, meine Damen.«
»Was ist?« Helen stellte die Musik leiser, denn sie hatte Jimmy nicht verstanden.
»Wir können lospaddeln.«
»Aber nicht jetzt!« protestierte Helen.
»Wann denn?«
»Am Abend, wenn es dunkel geworden ist. Da ist es viel romantischer, sagt auch Nelly.«
Jimmy hob die Schultern. »Wenn sie das auch sagt, dann kann man nichts machen.« Richtige Lust, schon jetzt in das Boot zu steigen, hatte er auch nicht, und sein Freund Gil sah es ebenso.
»Ich hole noch zwei Dosen Futter.«
»Gut.«
Die Kühlkiste war gut bestückt worden. Als Gil die beiden schlanken Dosen hervorholte, kam Nelly zu ihm. Chic sah sie aus in ihrer blauen Jeans, der ebenfalls blauen Jeansbluse und der braunen Weste darüber. »Ihr solltet nicht so viel schlucken.«
Gil Travers drückte den Deckel zu. »Das bisschen.«
Sie tippte ihn an. »Heute Nacht will ich noch was von dir haben, mein Junge.«
Gil grinste breit. »Was denn?«
»Das sage ich dir später.« Bevor der Junge nach ihr fassen konnte, hatte sie sich bereits zur Seite gedreht und war gegangen.
»Aber erst nach der Fahrt«, murmelte Travers noch hinter ihr her. Er schlenderte dorthin, wo sein Freund hockte, und warf ihm eine Dose zu. Jimmy fing sie geschickt auf. »Und?« fragte er, als er die Lasche aufriss und schnell den herausströmenden Schaum schluckte.
Travers ließ sich in die Hocke nieder. »Die beiden wollen in den Abend hineinrudern.« Er schaute dabei über den See, dessen Oberfläche wirklich nur von einem leichten Wind gekräuselt wurde und dementsprechend kleine Wellen warf.
»Was stört dich daran?«
»Alles.«
»Warum?«
»Ich wollte mich heute ausruhen.«
Jimmy Wayne nahm einen Schluck und lachte laut. »Du bist gut, wirklich. Es ist nichts mit ausruhen. Nicht, wenn du mit meiner Schwester und ich mit deiner Schwester unterwegs sind. Die beiden sind Power-Frauen, das merkst du schon jetzt.«
»Leider …« Travers hob die Schultern und trank. »Was meinst du, wie weit sollen wir rudern.«
Jimmy schielte über das Wasser. Ein paar Sonnenstrahlen fielen jetzt über die Fläche, hatten sie aber kaum heller machen können. Das tiefe Grün schluckte alles. »Bis zum anderen Ufer ist es ziemlich weit«, sagte er vorsichtig.
Gil hatte ihn trotzdem verstanden. Er zeigte ein breites Grinsen. »Genau das meine ich auch.«
»Und was bedeutet es?«
Travers lachte fast wie ein Kind. »Es bedeutet, dass wir beide zu schwach sind, um bis dorthin zu rudern.«
»Richtig.«
»Worauf einigen wir uns?«
Jimmy schaute zu den Mädchen hin. Die waren damit beschäftigt, das saubere Geschirr in den Korb zu stellen. Dabei unterhielten sie sich und bekamen nicht mit, was die Jungen sagten. »Ich würde die Mitte vorschlagen.«
»Und wenn sie weiterwollen?«
»Kriegt einer von uns einen Muskelkrampf.«
»Wer denn?«
Jimmy reckte sich. »Ich.«
»Und das nimmt man dir ab.«
»Wenn nicht, dann sollen die beiden allein paddeln. Das werden sie nicht wollen. Demnach ist meine Idee optimal – oder?«
Gil Travers reckte den Daumen der rechten Hand in die Höhe. »Abgemacht, totales Bingo.«
Beide waren zufrieden, doch sie und die Mädchen ahnten nicht, dass das Grauen bereits die Hände nach ihnen ausgestreckt hatte …
*
Der Tag ging, Johnny Walker kam nicht, dafür der Abend und mit ihm die Dämmerung. Sie zauberte ein Bild in die Landschaft, das selbst die wenig romantischen jungen Männer beeindruckte. Zusammen mit ihren Freundinnen standen sie am Ufer, lauschten dem leisen Klatschen der Wellen und schauten über das Wasser.
Die Gräue sah aus wie ein dunkles Licht. Sie klammerte sich an der Oberfläche des Gewässers fest und sorgte dafür, dass noch andere Farben entstanden, wobei die dunklen Töne beibehalten wurden. Das Grün des Wassers schluckte die Dunkelheit. Sie sorgte für eine noch tiefere Farbe, und es sah aus, als wären vom Boden her die Schatten in die Höhe gestiegen, um alles in ihren Bann zu ziehen.
Es hatten sich auch die ersten Dunstinseln gebildet. Sie formten sich zu oft gespenstisch aussehenden Figuren und es hatte den Anschein, als würden sie sich an der Oberfläche festklammern.
»Das ist wie eine Offenbarung!« flüsterte Nelly, die Gils Hand umfasst hielt. Sie nickte sich selbst zu und wiederholte den Satz. »Ja, wie eine Offenbarung.«
Gil runzelte nur die Stirn. »Sorry, aber was meinst du damit?«
»Weißt du...
| Erscheint lt. Verlag | 23.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3584-6 / 3838735846 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3584-9 / 9783838735849 |
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