John Sinclair 861 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3592-4 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Gefangene der Namenlosen (3. Teil).
Es war kein Traum, auch wenn es mir so vorkam. Es starrten mich tatsächlich zwei rote, funkelnde und mordlüstern glühende Augen an, als wollten sie mich in der nächsten Sekunde aus dieser Welt schaffen. Diese Augen gehörten einem Wesen, das als Kleinkind bezeichnet werden konnte und lockiges, blondes Haar hatte, doch sein Gesicht ähnelte eher einem verfluchten Dämon.
Böse, verzerrt und wild sah es aus. Der breite Mund, mehr schon ein Maul, war gespickt mit spitzen Zähnen. Blutreste verzierten die Lippen. Diese Reste konnten durchaus von einem früheren Opfer stammen ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Gefangene der Namenlosen (3. Teil)
Es war kein Traum, auch wenn es mir so vorkam. Es starrten mich tatsächlich zwei rote, funkelnde und mordlüstern glühende Augen an, als wollten sie mich in der nächsten Sekunde aus dieser Welt schaffen. Diese Augen gehörten einem Wesen, das als Kleinkind bezeichnet werden konnte und lockiges, blondes Haar hatte, doch sein Gesicht ähnelte eher einem verfluchten Dämon.
Böse, verzerrt und wild sah es aus. Der breite Mund, mehr schon ein Maul, war gespickt mit spitzen Zähnen. Blutreste verzierten die Lippen. Diese Reste konnten durchaus von einem früheren Opfer stammen …
Es war auch nicht dunkle Nacht. Wir standen uns bei hellstem Tageslicht gegenüber, allerdings auf einem ungewöhnlichen Platz, auf einem Friedhof und etwas geschützt durch das Geäst hoher Bäume und umgeben von halbhohen Büschen.
Das alles interessierte nur am Rande. Ebenso wie die Beerdigung, deretwegen wir den Friedhof betreten hatten. Wichtig war für mich das kleine Monster.
Es strahlte einen unwahrscheinlichen Hass aus. Durch diesen Hass hatte ich mich auch ablenken lassen, deshalb hatte ich es versäumt, dass Kreuz aus der Tasche zu holen.
Ob der kleine Junge etwas davon gewusst hatte oder nicht, es war mir nicht klar, jedenfalls nutzte er die Gunst des Augenblicks und wuchtete sich hoch.
Blitzartig sprang er mir entgegen, und dies ohne einen erkennbaren Ansatz. Er jagte auf meinen Kopf zu, während er im Sprung den rechten Arm ruckartig nach hinten bewegte.
Damit schlug er auch zu.
Eine kleine Faust wollte mich auf dem Kopf treffen. In diesem Moment durchzuckte die Warnung des Chiefinspektors mein Gehirn, der von einer unwahrscheinlichen Kraft dieses kleinen Kindes gesprochen hatte. Ich beherzigte sie und warf mich zur Seite.
Zwar noch rechtzeitig, aber nicht schnell genug. Mich traf die Faust nicht im Gesicht, sie donnerte auch nicht auf meinen Schädel, sie streifte mich nur zwischen Ohr und Kinn. Diese Berührung reichte aus, um mich merken zu lassen, was an Kraft hinter diesem verfluchten Dämonenwesen steckte.
Ich segelte irgendwohin, während ich glaubte, dass mein Kopf auseinanderplatzte. Etwas krachte unter mir zusammen. Ich fand mich in einem Busch liegend wieder, dessen Zweige mein Blickfeld einengten. Ich hörte auch ein heiseres Kreischen, einen Laut der Wut und des sicheren Sieges.
Dann kam der Kleine.
Nein, es war nicht der Gleiche.
Als ich mich aus dem Gebüsch befreien wollte und dabei in die Höhe schaute, ging über mir ein Halbmond aus Metall auf. Für mich sah es wirklich so aus, und ich wusste auch im ersten Augenblick nicht, wie ich damit zurechtkommen sollte.
Nur war das kein Halbmond. Das war genau der Gegenstand, vor dem auch Tanner gewarnt hatte.
Eine höllisch scharfe Sense, die einen normalen Griff aufwies, aber für das kleine, böse Kind viel zu groß sein musste. Dennoch transportierte der Junge es mit einer Leichtigkeit, die mir schon einen gewissen Schrecken einjagte.
Während er ging, bewegte sich das Sensenblatt. Die Strahlen der Sonne spiegelte sich darauf, und plötzlich raste die Waffe in einem schrägen Winkel nach unten, als sollte mir ein stählerner Halbmond den tödlichen Segen geben.
Es war nicht einfach, ihr zu entkommen. Sie sichelte schräg in das Gebüsch hinein, in dem ich mich verkrochen hielt. Als sie fiel, rollte ich mich zur Seite. Ich musste einfach auf dem Boden bleiben, wenn ich hochkam, bot ich nur Angriffsfläche. Also wälzte ich mich weiter, drückte dabei gegen sperrige Hindernisse, um mich zur Seite zu schaffen und wieder frei zu werden.
Der Stahl räumte auf.
Mit einem großen schrägen Schnitt teilte er die Zweige und fetzte die oberen Hälften davon. Mich erwischte er nicht, aber ich wusste auch, dass dieses Wesen so leicht nicht aufgeben würde.
Zum Glück kam ich frei, rollte durch das Gras, sah auch den ersten Zwilling und hörte einen Schuss.
Das dämonische Kind sprang in die Höhe, obwohl es von keiner Kugel getroffen worden war. Am Klang der Waffe hatte ich die Beretta erkannt. Also hatte mein Freund Suko eingegriffen, um das Erbe des abtrünnigen Josephiel zu vernichten.
Der böse, kleine Kerl wirbelte herum. Von links sah ich Suko herbeieilen. Ich hörte auch über mir wieder ein Rauschen, die Senke senkte sich abermals, und ich warf mich mit einem flachen Sprung nach vorn, wobei ich ebenfalls die Beretta hervorriss, aber nicht zum Schuss kam, denn der Erste der Zwillinge war schon weggehuscht.
Er brach durch die Büsche wie eine Kanonenkugel. Für einen Moment war keiner der beiden zu sehen, doch hinter mir schwebte das Blatt der Sense über dem Buschwerk, und ich hörte eine schrille und sehr böse klingende Stimme.
War es das Zeichen zur Flucht?
Die Sense verschwand.
Ich war trotzdem vorsichtig und rannte nicht hin. Die Beretta hielt ich längst fest, auch Suko stand jetzt an meiner Seite. »Mist, sie sind weg!«
»Komm!«
Ich nahm den Weg, den auch der erste Zwilling geflohen war. Er hatte eine regelrechte Bresche in die Buschreihe geschlagen. Nichts hatte ihn aufhalten können, wir folgten seinen Spuren und standen plötzlich vor einer langen Grabreihe.
Wir hielten uns an den Enden der Gräber und auch noch hinter den Steinen auf, wo uns wieder die berühmte Friedhofsruhe erwartete. Von den beiden mörderischen Kindern sahen wir ebensowenig etwas wie von der gefährlichen Mordwaffe, und der gesamte Spuk schien überhaupt nicht stattgefunden zu haben.
Suko kontrollierte die linke, ich die rechte Seite. Nicht nur die Grabreihe lag vor uns, auch der parallel dazu verlaufende Weg, der mit Kies belegt war.
Suko holte pfeifend Luft, bevor er sagte: »Die können sich doch nicht in ein Grab hineingebuddelt haben, verdammt!«
»Bestimmt nicht.«
Hinter uns hörten wir schwache Stimmen. Wahrscheinlich hatte die Trauergemeinde einiges von dem mitbekommen, was uns widerfahren war, aber für Suko und mich war das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht. Wir hatten nur eine Zwangspause einlegen müssen.
Der Weg wurde von zwei Grabreihen umsäumt. Ich wollte diesen Mittelteil betreten, ging über das Grab mit vorsichtigen Schritten hinweg und hörte plötzlich ein vertrautes Geräusch. Es war eine Fahrradklingel. Ein Mann in blauer Arbeitskleidung kam von der linken Seite herangeradelt. Er musste mich gesehen haben und warnte mich durch sein Klingeln. Zudem drohte er mit einer Hand, denn ich hatte es schließlich gewagt, über die Gräber zu gehen.
Nicht nur wir sahen ihn.
Andere entdeckten ihn ebenfalls.
Und plötzlich geschahen zwei Dinge auf einmal. Einmal für mich, zum anderen für Suko gedacht.
Dicht hinter dem Radfahrer löste sich blitzschnell eine kleine Gestalt, die bisher am Grabstein gelauert hatte. Sie war so flink, dass der Fahrer nichts bemerkte. Erst als ihm etwas in den Nacken sprang, schrie er auf, verlor auf seinem Rad das Gleichgewicht und wurde zu Boden katapultiert. Auf seinem Rücken und sich dort festklammernd hockte wie ein bösartiges Geschwür dieses kleine, blondgelockte Kind, klammerte sich an ihm fest, und der Mann wusste nicht, wie ihm geschah.
Er wurde aber in die Höhe gewuchtet und dann zu einem fliegenden Gegenstand, der auf mich zusegelte.
So schnell, dass ich nicht ausweichen konnte. Zudem drehte sich der Mann noch. Seine Beine erwischten mich, ich ging zusammen mit ihm zu Boden, trat ihn aber weg, so leid es mir in diesem Augenblick für ihn auch tat, hatte mich freigestrampelt und bekam auch mit, was sich der zweite Zwilling für Suko ausgesucht hatte.
Es war nicht zu glauben. Diese winzige Gestalt hatte es tatsächlich geschafft, einen Grabstein aus dem Boden zu zerren und über den Kopf zu stemmen. Mir ist nicht bekannt, wie viel so ein mittelgroßer, viereckiger Grabstein wiegt, ich jedenfalls hätte ihn nie hochbekommen.
Dieses teuflische Wesen mit seinen funkelnden Augen aber war dabei, aus dem Grabstein eine Mordwaffe zu machen, und es wuchtete den Gegenstand auf Suko zu.
Der war ebenfalls für einen Moment völlig konsterniert gewesen. Er hatte es ebensowenig fassen können wie ich. Es war einfach ein Unding, dass eine derartig kleine Person den Grabstein warf wie einen leichten Ball.
Beinahe wäre Suko zu spät ausgewichen. Er hatte auch das Glück gehabt, dass der Stein hochkant auf ihn zugewirbelt war, so konnte er sich ducken und gleichzeitig zur Seite wegtauchen. Mit einem wahren Donnergetöse prallte der Stein gegen einen anderen, schüttelte diesen durch, brach ein Stück aus ihm hervor und sorgte anschließend dafür, dass er in einer Schräglage stehen blieb.
Ein schriller Schrei umwehte unsere Ohren.
Es war mehr ein Befehl, von einem Zwilling an den anderen gerichtet, und beide handelten gleichzeitig. Bevor wir noch etwas unternehmen konnten, huschten sie auf ihren kurzen Beinen davon. Sie gruben sich förmlich in Gebüsche ein, die für uns unerreichbar waren. Was sie hinterließen, waren zerfetzte Zweige und durch die Luft segelnde Blätter.
Dann waren sie weg.
Wir standen wieder, und ich half dem Radfahrer auf die Beine, der nicht wusste, ob er schreien oder weinen sollten, denn auch er hatte diese letzte Attacke auf Suko erlebt.
Genau dort, wo die dämonischen Zwillinge verschwunden waren, erschien plötzlich eine Wolke. Ein grüngelber Brodem wölkte in die Höhe und schuf einen mächtigen Pilz über dem Buschwerk.
Suko und ich waren ebenfalls fasziniert, denn aus den Wolken lösten sich zwei kompakte, weit gespannte Arme mit Händen daran, die zu diesen dicken Armen passten.
Und zwischen den...
| Erscheint lt. Verlag | 23.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3592-7 / 3838735927 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3592-4 / 9783838735924 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich