John Sinclair 837 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3567-2 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Aibon-Blut.
Als Harry Stahl seinen Wagen vor den Ruinen stoppte, kehrte die Erinnerung mit der Wucht einer Explosion zurück. Er schaute durch die Frontscheibe, schloss für einen Moment die Augen, und die Umgebung veränderte sich, weil eben die Bilder in die Höhe stiegen und ihm das zeigten, was in diesem schlossähnlichen Herrenhaus vorgefallen war.
Er sah es brennen, er sah die Flammen, die, vom Wind angefacht, alles zerstörten. Er sah sich inmitten dieses Wirbels, und er sah all die Menschen, die in den Flammen gestorben waren.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Aibon-Blut
Als Harry Stahl seinen Wagen vor den Ruinen stoppte, kehrte die Erinnerung mit der Wucht einer Explosion zurück. Er schaute durch die Frontscheibe, schloss für einen Moment die Augen, und die Umgebung veränderte sich, weil eben die Bilder in die Höhe stiegen und ihm das zeigten, was in diesem schlossähnlichen Herrenhaus vorgefallen war.
Er sah es brennen, er sah die Flammen, die, vom Wind angefacht, alles zerstörten. Er sah sich inmitten dieses Wirbels, und er sah all die Menschen, die in den Flammen gestorben waren.
Er hörte ihre Schreie, er sah sie genau vor sich, wie sich die verbrauchten zombiehaften Körper auflösten, wie sie trotz allem nach ihm greifen wollten, beseelt von der unwahrscheinlichen Kraft eines Aleister Crowley. Er, der sich selbst zu einem Hexer ernannt hatte, zu einem Sproß des Satans, hatte es trotzdem nicht geschafft, denn ein Mann namens John Sinclair war schneller gewesen. Er hatte ihn zerrissen, allein durch die herrliche Kraft seines Kreuzes, er hatte Crowley in die Schranken gewiesen, aber es war ihm nicht gelungen, seinen Geist zu zerstören. Er existierte weiter, trieb durch ein Schattenland zwischen dem Jenseits und dem Diesseits und lauerte möglicherweise auf seine Chance.1
Harry öffnete die Augen.
Die Bilder verschwanden, die Erinnerung kehrte nicht mehr zurück. Er merkte nur, dass die Kälte des Abends auch in seinen Wagen kroch. Vom Beifahrersitz nahm er seine gefütterte Jacke hoch, öffnete die Tür, stieg aus und streifte die Jacke über.
Während er das tat, schaute er zu den Resten des Hauses hin. Es war sicherlich eine Einbildung, trotzdem glaubte er, noch immer den kalten Brandgeruch wahrzunehmen, vermischt mit dem Modergestank allmählich verwesender Leichen.
Es war auch die perfekte Umgebung, in der so etwas Bestand haben konnte.
Der immer dunkler werdende Himmel, an dem sich nur noch hier und da gewisse Flecken zeigten, wo die Wolken keinen Einlass gefunden hatten, der kalte, winterliche Januarwind, der über ihre Höhen der Hügel fuhr und in sein Gesicht biss.
Diese Umgebung im östlichen Grenzland der Deutschen war düster, sie stieß ab, und ängstliche Gemüter konnten sehr leicht einen noch stärkeren Schauer bekommen, wenn sie zum Himmel schauten.
Das Dorf lag hinter ihm. Er hatte den Ort durchqueren müssen, um an sein Ziel zu gelangen. Viel hatte sich im Gegensatz zum vorigen Jahr nicht verändert. Hier und da waren einige Schlaglöcher auf der Straße ausgebessert worden, das war auch alles. Keine neuen Häuser, manchmal eine halbherzige Renovierung, man hatte den Ort eben vergessen.
Er schaute nach vorn.
Im letzten Licht des schwindenden Tages sahen die Ruinen aus, als wären ihre geschwärzten Mauern mit einem Ölfilm bestrichen worden. Sie gaben einen ungewöhnlichen Glanz ab, der den einsamen Mann etwas irritierte. Er bildete es sich bestimmt nur ein, doch manchmal kamen ihm die Reste vor, als würden sie von innen her leuchten.
Harry hatte die Tür zugedrückt. Der alte Opel musste es noch einige Jahre machen, denn einen neuen Dienstwagen würde er nicht mehr bekommen. Darauf hatte ein vom Dienst suspendierter Kommissar keinen Anspruch. Er hatte versucht, alles zu geben, er und sein Freund John Sinclair hatten geredet und geredet, aber für die Kollegen blieb es trotzdem ein Mord, wenn auch unter mysteriösen Umständen.
Harry Stahl musste sich einen neuen Job suchen, was er auch geschafft hatte, doch mehr schlecht als recht schlug er sich als Privatdetektiv durchs Leben.
Hier und da ein kleiner Auftrag. Viel Arbeit für wenig Geld.
Harry hoffte noch immer. Vielleicht wurde er ja wieder in den Polizeidienst eingestellt.
Ob sich dieser Zufall hier zu einem Job verändern würde, konnte er nicht sagen. Es lag alles in der Schwebe, es war so unwirklich und unwahrscheinlich wie damals gewesen, als er noch in der großen Halle des Hauses gestanden hatte, bevor sie abgebrannt war.
Damals war es auch unheimlich gewesen, nur anders als heute. Da hatte es noch keine verbrannten Ruinen gegeben, da war noch etwas von der Atmosphäre zurückgeblieben, die das Haus schon immer beherrscht hatte. Von einer sehr bösen Atmosphäre, deretwegen es letztendlich zu diesem Inferno aus Feuer und Rauch gekommen war.
Harry ging noch nicht weiter. Er starrte die alten Ruinen an, die ihm wie ein in die Landschaft gestelltes Bühnenbild vorkamen. Nichts bewegte sich dazwischen. Zumindest kein sichtbares Leben. Wohl glitt hin und wieder ein Schatten über den Boden, aber das war alles Laub, das der Wind vor sich hertrug. Der Boden wirkte wie verbrannte Erde, als hätte dort der Satan persönlich ein Feuer gelegt.
Harry wollte in die Ruine. Er musste hin, und wenn er daran dachte, dann klang immer die Stimme des geheimnisvollen Anrufers nach, die ihn zu diesem Treffpunkt bestellt hatte.
Er kannte den Anrufer nicht. Einen Namen hatte er nicht erfahren. Es blieb alles in der Schwebe, es konnte eine Falle sein.
Tagelang waren die schrecklichen Bilder der Vernichtung nicht aus seiner Erinnerung gewichen. Er hatte sie immer gesehen, diese verfluchten Menschen, die sich in diesem alten Gemäuer getroffen hatten und dort ihre gespenstischen Feste feierten.
Zwischen alten Mauern, Spinnweben, zwischen Ratten, Mäusen und anderem Getier.
Harry fror plötzlich, als er daran dachte. Irgendwie gehört dies alles dazu. Es war eben wie eine perfekt geschaffene Landschaft, in die er nur einzutauchen hatte.
Harry war vorsichtig. An der linken Seite spürte er den für ihn beruhigenden Druck der Pistole. Er hatte zwar seine Dienstwaffe abgeben müssen, sich aber eine neue besorgt.
Es war nicht die einzige Waffe, die sich in seinem Besitz befand. Aus alten Armeebeständen der russischen Besatzer hatte er sich noch zwei Maschinenpistolen zugelegt und auch eine weitere Pistole. Diese Waffen allerdings lagen in einem Versteck.
Harry war gerüstet …
Die Ruinen rückten näher.
Mächtige Überbleibsel einer längst vergessenen Zeit. Und wieder hatte er den Eindruck, als würden die dünnen Rauchfäden ihm entgegenwehen und seine Nase umkreisen.
Er schluckte.
Die Luft schmeckte alt. Es konnte nicht sein, dass die Steine rochen, dafür lag einfach zu viel Zeit zwischen dem Brand und dem Heute. Aber Harry konnte nicht vergessen.
Was ihn zwischen den Resten erwartete, wusste er nicht. Und vor allen Dingen nicht, wer da auf ihn wartete. Die Stimme des Anrufers hatte einfach zu neutral geklungen. Er hätte nicht sagen können, ob der Mann jung oder alt war. Es gab ihn, das war alles, und er glaubte nicht daran, dass er von einem Geist kontaktiert worden war.
Während des Brandes waren einige Teile des alten Hauses regelrecht explodiert. Die Kraft des Feuers hatte Mauern eingerissen und Trümmer umhergeschleudert. Sie waren den schrägen Hang hinabgerutscht und irgendwann liegen geblieben, sodass der einsame Mann sie jetzt umgehen musste.
Harry fror. Sein Blut schien sich verdickt zu haben. Nur am Wetter konnte es nicht liegen, es war auch die innere Kälte, die aus den Gedanken an die Vergangenheit hervorströmte.
Einmal blieb er stehen. Nicht, um sich auszuruhen, er wollte sich umdrehen.
Harry schaute zurück.
Die Dämmerung kam ihm vor wie ein großes Meer. Ein schwadiges Grau verwischte die letzten Konturen und schuf ein Zwielicht, in dem sich der Detektiv vorkam wie eine gespenstische Gestalt aus irgendeinem Gruselmärchen. Er fühlte sich weniger als Mensch, mehr als eine Marionette, die an langen Fäden hing und durch die Szenerie geleitete wurde.
Er setzte den Weg fort, nachdem er einen letzten Blick auf die Lichter des vergessenen Dorfs geworfen hatte, in dem die Einwohner ebenfalls unter dem Druck der Ereignisse zu leiden gehabt hatten. Für ihn galt von nun an der Blick nach vorn.
Und der blieb weiterhin schaurig. Stahl hörte den Wind, je mehr er sich seinem Ziel näherte. Wie Atem aus dem Himmel wehte er über die trostlose Landschaft hinweg. Er drückte sich zwischen Lücke und Spalte, wo er zusammengepresst wurde und anfing zu wimmern. Es hörte sich an, als würde jemand in eine alte Knochenflöte blasen, um einen letzten Grabgesang über die Landschaft zu schicken.
Wenn es je einen Ort in Deutschland gab, an dem sich ein Mensch verlassen fühlen konnte, so hatte ihn der ehemalige Kommissar gefunden. Das war genau der Platz, um trübsinnig zu werden.
Unter seinen Füßen klickerten kleine Steine aneinander, wenn er ging. Manchmal musste er auch achtgeben, um nicht auszurutschen, denn der Boden war nicht trocken. Vom letzten Regen hatte die Feuchtigkeit noch einen Film hinterlassen.
Über ihm bewegten sich die Wolken. Unheimliche Gebilde, grau und oft kantig aussehend trotz ihrer weichen Umrisse. Harry Stahl ging so weit vor, bis er den Platz erreicht hatte, wo früher einmal die breite Eingangstür des Gebäudes das Mauerwerk unterbrochen hatte. Von ihr war nichts mehr zu sehen. Ihr Holz war zu einem Raub der Flammen geworden, und der Wind hatte die Asche in alle Winde zerstreut.
Wieder trat Harry über die ehemalige Schwelle. Er konnte sich noch genau erinnern, wo sie gewesen war, und dieser Blick zurück schmerzte.
Er blieb stehen.
Mit einer Hand wischte er über die Augen. Seltsam, es war die gleiche Stille wie damals, als er hier in der Vorhalle gestanden und auf John Sinclair gewartet hatte. Nur war ihm damals nicht so kalt gewesen, da hatte der Wind nicht nach ihm gegriffen, und Harry hatte auch hinter der Doppeltür in die eigentliche Halle schauen können, die so schrecklich einsam und verlassen war, durchzogen von grauen Spinnweben....
| Erscheint lt. Verlag | 16.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3567-6 / 3838735676 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3567-2 / 9783838735672 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich