John Sinclair 822 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3552-8 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Flüstern, schreien, töten (1. Teil).
Die Frau lächelte mich an, doch ihre Augen blieben kühl. 'Mein Name ist Kate Duvall', sagte sie.
'Ich bin Agentin des FBI.'
'Ich freue mich.'
'Abwarten, John Sinclair.'
'Was kann ich für Sie tun, Kate?'
'Mir dabei helfen, einen sadistischen Killer mit übermenschlichen Kräften zu stellen ...'
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Flüstern, schreien, töten (1. Teil)
Der Mann liebte Kirchen, und es kam ihm vor, als sei ihm die Liebe zu den Sakralbauten vererbt worden. Kirchen hatten ihn schon von jeher angezogen. Als kleines Kind war er bereits staunend hineingegangen und hatte sich einfach nicht von ihnen trennen können.
Die Sucht war geblieben, und so besuchte der Mann auch als Erwachsener die Gotteshäuser. Er lief nicht in jede Kirche hinein, sondern suchte sie sich sorgfältig aus.
Er tat es auch nicht spontan. Bevor er eine Kirche betrat, beobachtete er sie. Er beschäftigte sich auch mit der Historie des Bauwerks, er las etwas über die Kirchengeschichte und schaute sich auch in der Gemeinde um.
Dabei blieb er stets unauffällig, obwohl er selbst nicht übersehen werden konnte, aber er hatte es gelernt, sich zu bewegen und auch zu verstecken, wenn es sein musste.
Und wieder hatte Falco eine Kirche gefunden. Sie lag nördlich von London, auf halber Strecke zwischen der Millionenstadt und Oxford. Der Ort war nicht sehr groß, die Kirche hatte man umso prächtiger und höher gebaut.
Ein gothisches Gebäude, das wegen seiner beiden Türme besonders auffiel. Sie standen da wie Wächter und flößten den Menschen, die hier den Gottesdienst besuchten, großes Vertrauen ein.
Schon beim ersten Hinschauen hatte der Mann gewusst, dass diese Kirche für ihn eine echte Herausforderung darstellte. Sie wirkte so mächtig, wenn auch schlank. Sie stand da, um das Böse abzuweisen, aber das würde sie nicht schaffen.
Falco wusste es.
Wenn er sie einmal besucht hatte, dann sah alles anders aus. Dann hatte er gewonnen.
Einmal nur hatte er einen Blick in den Innenraum geworfen. Kurz nur, doch er war zufrieden gewesen. Besonders aufgefallen war ihm der prächtige Altar, doch auch er würde ihn nicht abhalten können. Eigentlich hätte er ihr schon früher einen Besuch abstatten wollen, aber ihm war der Zeitpunkt nicht recht gewesen. Er brauchte eine gewisse Umgebung und natürlich auch die entsprechenden Witterungsbedingungen. Keinen strahlenden Sonnenschein, auch keine Helligkeit, sondern Regen und eine gewisse Düsternis.
Aus diesem Grunde hatte er so lange gewartet, und er hatte an diesem Abend im September die idealen Bedingungen gefunden. Von London aus war er hergefahren und hatte so geparkt, dass er zwar die Kirche sehen konnte, er selbst aber nicht so leicht entdeckt wurde. Er parkte an einer Stelle, die wie eine Rinne im Gelände wirkte. Es war ziemlich wellig, die Kirche stand auch etwas erhöht, ein Fußweg führte vom Ort aus zu ihr, denn die normale Straße tangierte das Gebäude nicht. Sie lief an der rechten Seite vorbei, um später nach einer Kurve zu verschwinden.
Hier stand Falco.
Er hatte sich klein gemacht und den Austin an den Straßenrand gefahren. Wer nicht genau hinschaute und vor allen Dingen nicht in den Wagen hineinsah, würde ihn nicht entdecken.
Durch die Frontscheibe peilte er schräg auf das erhöht stehende Bauwerk. Selbst bei diesem miesen Nieselwetter wirkte die Kirche majestätisch, als wollte sie alle Feinde für immer vertreiben.
Der Mann lachte, als im dieser Gedanke kam. Es war ein hämisches Kichern, wild, abgehakt und auch böse. Es zeigte genau, zu welcher Seite er gehörte.
Falco hatte es sich bequem gemacht. Er beobachtete die Wolken, die nicht aufrissen, dafür immer leichter wurden und noch mehr Regen entließen. Es waren unzählige Tröpfchen, die sich zu einem feinen Sprüh verdichtet hatten. Er rieselte der Erde entgegen und ließ die Konturen der Umgebung verschwimmen. Grau in grau sah alles aus. Von den Kirchenfenstern war nichts zu sehen. Das ebenfalls graue Mauerwerk und der wolkige Regen reduzierten sie zu einem kompakten Schatten.
Falco wollte nicht mehr länger warten. Der Verkehr hatte sich in der letzten halben Stunde gelegt. Bei diesem Wetter jagte man nicht einmal einen Hund vor die Tür, und auch die Abendmesse fiel an diesem Wochentag aus.
Alles kam ihm entgegen.
Er bewegte sich stöhnend, als er die Tür aufstieß und sich der nassen Kühle stellte. Seine langen Beine waren steif geworden, und er war froh, sich wieder bewegen zu können.
Falco stieg aus dem Wagen. Als er die Tür abschloss, schaute er in beide Richtungen, aber kein Fahrzeug rollte auf ihn zu. Die Welt versank im grauen Regen.
Es gefiel ihm. Mit wenigen Schritten hatte er die Straße überquert und die Böschung erreicht. Sie war mit Unkraut, Gras und kleinen Sträuchern bewachsen. Wegen der Nässe bildete sie auch eine Rutschfläche, und der Mann musste sich – obwohl er Schuhe mit Gummisohlen trug – des Öfteren an den Zweigen festhalten, um das Ende der Böschung zu erreichen. Es war für ihn eine Kleinigkeit, und er atmete die kalte Luft tief ein, als er vor sich den hohen Bau der Kirche sah und auch die beiden Türme, um die der Regendunst tanzte.
Er lächelte.
Kein Mensch befand sich auf dem Weg. Es kam ihm so vor, als hätten sich all die Gläubigen zurückgezogen und ihre Kirche verlassen, weil sie diese nicht mehr mochten.
Falco stand im Regen, drückte seine Schultern hoch, streckte die Arme aus und zog so heftig an seinen Fingern, dass die Gelenke anfingen zu knacken. Das Wasser nieselte auf sein glattes, schwarzes Haar nieder und ließ es ölig schimmern.
Er hatte es nicht eilig, als er sich der Kirche näherte. Trotzdem ging er zügig. Seine Schritte waren nicht zu hören, nur hin und wieder knarrte das Leder seiner dunklen Jacke.
Kirchen sind nur selten abgeschlossen, das wusste er. Sie sollten offen für Gläubige sein, die hineingingen, um die Minuten der Musse zu erleben, wenn sie sich ihren Gebeten widmeten.
Das hatte Falco nicht vor.
Für ihn kam nur das Gegenteil in Frage.
Er schob die Unterlippe vor, als er daran dachte. Er freute sich auf die neue Herausforderung. Er würde es diesem Bau schon zeigen. Er würde sich rächen, sie sollten alle spüren, was sie ihm angetan hatten. Sie hätten in ihm einen großen Diener gehabt, aber sie hatten die Chance nicht begriffen.
Jetzt war es zu spät.
Falco leckte sich einen Wassertropfen von der Oberlippe. Er schmeckte etwas salzig, nach Schweiß. Noch zwei Schritte, und er stand vor der mächtigen Eingangstür aus dickem Holz. Der Regen hatte auch sie nicht verschont, er war gegen sie geweht worden und hatte sie durchnäßt.
Mittlerweile kannte er sich mit Kirchentüren aus und hatte auch festgestellt, dass fast alle die gleichen Klinken hatten. Sie waren geschwungen, bestanden aus Metall und waren größer als die normalen Klinken.
Falco ging vorsichtig zu Werke. Er rechnete fest damit, allein zu sein, aber er wollte auch irgendwelche fremden Geräusche nach Möglichkeit vermeiden.
Die Tür war groß und ließ sich nur schwer öffnen, und ihm öffnete sich eben die andere Welt, die mit der draußen nichts mehr zu tun hatte.
Er trat ein in die mächtigen Schatten, die zwischen den ebenfalls mächtigen Mauern wie breite Tücher lagen und sich hochzogen bis hin zur Decke.
Als er die Tür wieder hinter sich zugedrückt hatte, ging er vor bis zum Taufbecken und blieb neben der Rundung stehen. Er sah das Wasser, über dessen Oberfläche der Lichtschein zahlreicher Kerzen huschte, die auf einer Bank an der Seite standen. Am liebsten hätte er in das Wasser hineingespuckt, aber das war ihm zu billig. Er dachte an die anderen, die großen Dinge.
In zwei Hälften teilte sich das Innere des Kirchenschiffs. Rechts und links des breiten Mittelgangs standen die Holzbänke, und an den Seiten gab es noch einmal zwei kleine Bankreihen, in denen die Gläubigen Platz nehmen konnten.
Der Boden war mit hellen Steinen bedeckt. Hell waren auch die Wände, aber sie wirkten bei diesem Dämmerlicht doch sehr grau, als hätten sie einen Teil der Schatten aufgesaugt.
Die Kirche machte in ihrem Innern einen schlichten Eindruck. Da war nichts von der Pracht mancher Barockkirchen zu sehen, hier standen auch keine wertvollen Antiquitäten, man hatte sich praktisch allein auf die Funktion beschränkt.
Natürlich war die Treppe zur Kanzel etwas Besonderes. Geschnitzt aus einem harten Holz, das auch all die Jahrhunderte überdauert hatte. Die Treppe interessierte den Mann nicht. Auch nicht die Bilder des Kreuzwegs an den Wänden und die Motive in den hohen Kirchenfenstern. Er ging zum Altar. Für ihn war er der große Gegner.
Hinter dem Altar fiel tagsüber Licht durch ein wunderschönes Fenster mit bunten Motiven. Zu dieser Jahreszeit und bei diesem Wetter wirkte selbst das Fenster grau, und auch der von zwei mächtigen Blumensträußen eingerahmte Altar machte einen müden Eindruck. Ebenso das mächtige Kreuz hinter ihm. Es war ein Standkreuz, das die unmittelbare Umgebung des Altars beherrschte. Denjenigen, die es anschauten, verlieh es wieder Hoffnung und Mut.
Auch Falco schaute es an.
Er aber reagierte anders.
Sein Mund verzog sich, und so etwas wie ein hasserfüllter Ausdruck trat in sein Gesicht. Seine Hände verkrampften sich und bildeten harte Fäuste. Er wusste genau, dass die Herausforderung dicht bevorstand, und er wusste, dass er sie gewinnen würde.
Durch die Fenster fiel zwar Licht, aber der Regen und die hereinbrechende Dämmerung hatten es trübe werden lassen, sodass es wie Schleier durch die Fenster fiel. Es weichte die Konturen auf und ließ selbst die Gestalt des Eindringlings aussehen wie ein Gespenst.
Falco war bereit.
Andere knieten vor dem Altar, er aber stand und begann damit, seine ureigene Gymnastik zu betreiben. Er bewegte die Arme und Beine, er streckte sie aus, er zog sie zu sich heran, er spannte sie angewinkelt in verschiedene...
| Erscheint lt. Verlag | 16.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3552-8 / 3838735528 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3552-8 / 9783838735528 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich