John Sinclair 816 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3546-7 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Die Schattenfrau.
'Ich bin da, Cliff! Ich bin gekommen, um dein süßes Blut zu schlürfen ...' Worte, die Clifford Tandy aus seiner Lethargie rissen. Er ärgerte sich, dass er eingenickt war. Ein Zischen hatte ihn aus dem Schlaf gerissen. Er schaute sich um und versuchte sich zu orientieren. Das Hotelzimmer lag wie eine Insel in der weichen Nacht. Dem Mann kam das Licht blau vor, das durch das Fenster hereinfiel. Vielleicht hatte das Sternenlicht in der Wüste diese Farbe, er wusste es nicht. Er war nicht in das große Land am Nil gereist, um den Wüstenhimmel zu beobachten, ein Abenteuer, das ihn durchaus ins Grab bringen konnte. Süßes Blut schlürfen ... das war irre und pervers. Cliff Tandys Urlaub sollte auf böse Weise zu Ende gehen ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Die Schattenfrau
»Ich bin da, Cliff! Ich bin gekommen, um dein süßes Blut zu schlürfen …«
Worte, die Clifford Tandy aus seiner Lethargie rissen. Er ärgerte sich, dass er eingenickt war. Ein Zischen hatte ihn aus dem Schlaf gerissen.
Er schaute sich um, um sich zu orientieren. Das Hotelzimmer lag wie eine Insel in der weichen Nacht. Nur schwach erhellt war es vom Licht der Sterne. Cliff Tandy war nicht in das Land am Nil gefahren, um den Wüstenhimmel zu beobachten. Er hatte eine Reise unternommen, die ihn durchaus ins Grab bringen konnte. Süßes Blut schlürfen … ein Schauder überrollte ihn, als er daran dachte. Das war irre, das war pervers, aber durchaus realistisch, wenn er daran dachte, was er herausgefunden hatte. Zuviel eigentlich, nun sollte er dafür büßen …
Das Hotel lag wunderbar. Es war eine Oase für sich. Luxus, der nur von Touristen bezahlbar war, aber die blieben aus, und so stand die Anlage fast leer.
Tandy lauschte. Er hörte nichts. Die verdammte Stimme klang nicht wieder auf. Ich habe mich nicht geirrt, dachte er. Ich habe sie mir nicht eingebildet. In seiner Kehle lag ein Kratzen. Er hätte jetzt nicht sprechen können, die Luft schmeckte ihm bitter trotz der Klimaanlage. Seine Zimmer in der Bungalow-Anlage des Hotels zeigten orientalische Pracht und Gastfreundschaft. Clifford Tandy konnte sich daran nicht mehr so recht erfreuen. Diese Nacht hatte es in sich, das spürte er, und er konnte sich vorstellen, dass es zu einer Entscheidung kam.
Sie wollte ihn, sie wollte sein Blut. Ausgerechnet sie – eine Person, die es eigentlich nicht geben durfte. Die als Albtraum durch die Welt geisterte, die eigentlich um Tausende von Jahren zurück …
Seine Gedanken brachen ab, als er das neue Geräusch hörte. Leises Schaben oder Kratzen an der Wand schien Tandy eine Botschaft vermitteln zu wollen. Er blickte auf seine Uhr.
Noch eine Minute bis zur Tageswende. Ein Grinsen huschte über sein Gesicht. Das wäre genau die richtige Zeit gewesen, um ihn zu killen und sich an seinem Blut zu laben. Er schüttelte den Kopf. Das war ein Traum, die reinste Spinnerei. Wer sollte denn Interesse daran gehabt haben, ihn in eine derartige Lage zu bringen? Wirklichkeit, Traum, Einbildung?
Tandy kam damit nicht mehr zurecht. Er war überfragt. Er wusste nicht, wohin sein Schiff noch trieb. Er hatte sie gesehen, er hatte mit ihr geschlafen. Zeo war einmal gewesen, nun aber fürchtete er ihre schreckliche Rache.
Warum denn? Er hatte ihr nichts getan. Nur weil sie kein richtiger Mensch war, sondern eine Blutprinzessin?
Er schüttelte sich, als ihm dieser Begriff durch den Kopf schoss. Das war einfach Irrsinn, doch die Realität übertraf den Irrsinn oft genug bei weitem.
Jemand huschte draußen durch die Nacht. Clifford Tandy schreckte hoch, als er die Schrittgeräusche vernahm. Die Person versuchte nicht einmal, leise zu sein. Möglicherweise konnte ihr das auch nicht gelingen, denn auf den Wegen innerhalb der Anlage waren feine, weiße Kiesel verstreut worden.
Cliff Tandy hatte sich nicht ausgezogen. Er trug die Hose, und im Bund steckte die Luger.
Die holte er hervor, lud sie durch und lauschte dem Geräusch des zurückspringenden Schlittens.
Okay, er war bereit!
Tandy saß günstig. Die Türen zu den anderen beiden Räumen und dem luxuriösen Bad standen offen. Er hatte sie bewusst nicht geschlossen, um auch die leisen Geräusche zu hören. Wurde ein Fenster geöffnet, drangen die Laute der Nacht in das Haus. Es war ein Irrtum, anzunehmen, dass in der Wüste nur Stille herrschte.
Geräusche gab es genug.
Viele davon kannte er, so würden ihm die fremden schon auffallen, wie eben diese Schritte, die allerdings jetzt verstummt waren, was Tandy auch nicht gefiel.
Das größte Fenster hatte er genau im Blick. Er schaute durch die wärmedämmende Scheibe nach draußen. Dort war es nicht windstill. Die Dattelpalmen wurden von der Luft gestreichelt. Ihre langen, spitzen Blätter bewegten sich zitternd, sie schufen gleichzeitig Schatten, die über den Boden glitten und auch den großen Pool erreichten, in dem das klare Wasser schwappte.
Wer schlich durch die Dunkelheit?
Es konnte nur Zeo sein. Er hatte ihre Stimme genau gehört.
Tandy war kein ängstlicher Mensch. Hier jedoch, im weit von London entfernten Ägypten, hatte er sich auf ein Abenteuer eingelassen, das seine Kräfte überschritt. Deshalb war er auch nicht allein geblieben. Er hatte einen Bekannten angerufen, der sich für übersinnliche und rätselhafte Phänomene interessierte.
»Ich hole dein Blut!«
Tandy schreckte hoch, schnellte von seinem Sitz ebenfalls in die Höhe, warf sich zur Seite und richtete seine Waffe schräg gegen die Decke. Diesmal hatte ihn die zischelnde Frauenstimme von der Decke her erwischt, als hätte sie dort ihr neues Versteck gefunden.
Da schimmerte ein Gesicht!
Tandy wollte es zuerst nicht glauben. Ein Irrtum, eine Halluzination. Niemand konnte sich dort aufhalten. Das bildete er sich alles ein. Das war kein Gesicht, das war …
Er sah ihr Lächeln.
Es war böse und wissend.
Aber er schoss nicht, denn das Gesicht war urplötzlich verschwunden, wie ein Traum, der sich von selbst erledigt hatte.
Clifford Tandy stöhnte auf. Er schüttelte den Kopf, er wischte über seine Augen, er konnte es einfach nicht fassen, was man da mit ihm anstellte.
Zeo war dagewesen. Sie wollte ihn fertigmachen, ihn foltern. Oder war sie nur eine Projektion, ein Bild, das nur deshalb hatte entstehen können, weil er sich gedanklich so stark, mit dieser Person beschäftigt hatte? Er wusste es nicht, es war ihm alles suspekt, und er holte sehr langsam Atem, um sich wieder zu beruhigen.
Mitternacht war vorüber. Die erste Stunde des neuen Tages war angebrochen, eines Tages, von dem Tandy nicht wusste, wie er enden würde.
Mit müden Schritten, innerlich jedoch aufgedreht, schritt er die einzelnen Räume ab.
Alles war normal. Nichts hatte sich verändert. Eine gute Luft, die perfekte Sauberkeit, die Schalen mit Wasser und Obst auf den Tischen, die kleinen Bänke, die dicken Sitzpolster, die Zwischenwände mit den orientalischen Ornamenten, die immer wieder Geschichten erzählten und auch Figuren aus den alten Märchen zeigten, das alles war ihm so vertraut und kam ihm in dieser Nacht so fremd vor.
Im Schlafraum hatte er gestoppt. Vor ihm lag das leere Bett. Es war sehr flach und auch breit genug. Ein weißes Laken bedeckte es. In der Dunkelheit schimmerte der Stoff ebenfalls bläulich, als hätten sich geheimnisvolle Vogelschwingen darüber gelegt.
Keine Falte zierte den Stoff. Das Personal hatte das Bett erst vor wenigen Stunden bezogen und auch die Handtücher im Bad gewechselt. Es war eigentlich alles perfekt, und trotzdem störte ihn etwas. Sein Gefühl hatte sich verändert.
Er schaute zum begehbaren Schrank hin.
Versteckte sich im Schrank jemand?
Tandy wusste es nicht. Er würde nachsehen müssen. Ein Blick auf das Fenster bewies ihm, dass er nicht beobachtet wurde. Zumindest zeichnete sich dort keine Gestalt ab.
Die Unsicherheit blieb bestehen. Er musste einfach höllisch achtgeben, um nicht in irgendeine Falle zu laufen.
Vor dem Schrank blieb er stehen. Um ihn zu öffnen, musste er einen Knauf umfassen, nichts Besonderes, wirklich nicht, weshalb zögerte er dann?
Eine Erklärung dafür fand er nicht. Es konnte an den allgemeinen Dingen liegen, die ihn so fertiggemacht hatten. Hier war äußerlich alles gleichgeblieben, nur die Atmosphäre hatte sich vergiftet. Sie war anders geworden, in ihr stockte das Grauen …
Tandy zog die Tür auf. Vor ihm lag der begehbare Kleiderschrank. Da er ohne weibliche Begleitung gereist war, hingen kaum Kleiderstücke auf den zahlreichen Bügeln.
Ein breiter Gang stand zu Verfügung. Man konnte sich dort gut und bequem anziehen. Die eine Seite des Ganges schloss mit dem Schrank ab, die andere mit der Wand.
Und dicht vor der Wand, ziemlich weit hinten sogar, da sah er etwas liegen.
Es war rund, nicht sehr groß, dunkel, dafür länglich und auch gebogen. Das fiel ihm erst auf, als er zwei Schritte auf den fremden Gegenstand zugegangen war.
Plötzlich nahm er den Geruch war.
Warm, dampfend, widerlich.
Clifford Tandy zitterte. Er wusste irgendwie Bescheid, obwohl er in der Dunkelheit am Ende des Schranks nur einen Umriss sah. Er wollte mehr wissen.
Tandy fand mit sicherem Griff den Lichtschalter. Ein leichter Druck mit dem Finger und es wurde hell.
Zu grell, zu schlimm für seinen Geschmack.
Das Grauen war wie eine Würgeklaue, die ihn nicht mehr loslassen wollte.
Der Schatten, den er gesehen hatte, war keiner mehr. Er schaute auf eine blutüberströmte Leiche, die mit dem Rücken an der Wand des Zimmers lehnte …
*
Clifford Tandy kannte den Toten vom sehen. Der junge Mann gehörte zum Personal des Hotels. Er sorgte dafür, dass stets frisches Wasser bereitstand und auch die Schuhe der Gäste geputzt wurden.
Kälte erfasste Tandy. Es war beileibe nicht der erste Tote, den er in seinem Leben sah, aber in diesem Fall war er persönlich betroffen. Er konnte sich gut vorstellen, dass der junge Mann allein seinetwegen gestorben war. Sonst hätte es kein Motiv gegeben. Er, Clifford, trug die Schuld daran.
Der Schweiß auf Cliffords Stirn war kalt. Er musste sich gegen die Wand lehnen. In seinem Mund glaubte er, den Sand der Wüste zu schmecken. Hinter und auch in den Augen brannte es, und er hatte weiterhin das Gefühl, als würde seine Magengrube ausgeräumt.
Sekunden vergingen. Oder waren es Minuten?...
| Erscheint lt. Verlag | 16.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3546-3 / 3838735463 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3546-7 / 9783838735467 |
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