John Sinclair 808 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3538-2 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Das unheimliche Herz (1. Teil).
Sie war allein, ihre Angst wuchs immer mehr, aber Kiki Lafitte wusste gleichzeitig, dass sie es durchstehen musste. Die Vorhölle durchqueren, um die große Macht zu erringen.
Ein Spruch nur, fürwahr, aber so hatte man es ihr gesagt. Sie hatte auch zugestimmt. Jetzt steckte sie inmitten der Vorhölle und wusste nicht, ob sie sich darüber freuen oder es bereuen sollte.
Gab es überhaupt einen allgemein gültigen Begriff für die Vorhölle? Sicherlich nicht. Sie konnte immer anders aussehen. Jeder, der einmal in ihr steckte, empfand sie auch anders. In Kikis Fall war diese Vorhölle nichts anderes als ein Bretterverschlag, ein Verhau, eine Bude ohne Fenster, dafür mit Ritzen und Spalten in den Wänden, sodass durch diese Öffnungen Licht fallen konnte. Die Farbe des Lichts wurde von der Umgebung bestimmt, von dem Regenwald, dem Dschungel, dem Wasser der Kanäle, die in dieser Gegend, im Süden der USA, Bayous genannt wurden. Eine Welt für sich, die so gar nichts mit Gebieten wie Kalifornien oder der Ostküste zu tun hatte.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Das unheimliche Herz (1. Teil)
Sie war allein, ihre Angst wuchs immer mehr, aber Kiki Lafitte wusste gleichzeitig, dass sie es durchstehen musste. Die Vorhölle durchqueren, um die große Macht zu erringen.
Ein Spruch nur, fürwahr, aber so hatte man es ihr gesagt. Sie hatte auch zugestimmt. Jetzt steckte sie inmitten der Vorhölle und wusste nicht, ob sie sich darüber freuen oder es bereuen sollte.
Gab es überhaupt einen allgemein gültigen Begriff für die Vorhölle? Sicherlich nicht. Sie konnte immer anders aussehen. Jeder, der einmal in ihr steckte, empfand sie auch anders. In Kikis Fall war diese Vorhölle nichts anderes als ein Bretterverschlag, ein Verhau, eine Bude ohne Fenster, dafür mit Ritzen und Spalten in den Wänden, sodass durch diese Öffnungen Licht fallen konnte. Die Farbe des Lichts wurde von der Umgebung bestimmt, von dem Regenwald, dem Dschungel, dem Wasser der Kanäle, die in dieser Gegend, im Süden der USA, Bayous genannt wurden. Eine Welt für sich, die so gar nichts mit Gebieten wie Kalifornien oder der Ostküste zu tun hatte.
Hier war alles anders, die Menschen ebenfalls. Sie waren europäischer und gleichzeitig karibischer, denn die Kulturen verschmolzen miteinander.
Es war nicht direkt heiß im Verschlag. Dafür stickig. Die Luft stand. Manchmal kam sich Kiki vor, als würde immer neue Feuchtigkeit hineingeleitet, die sich auch auf ihren Körper legte, der nur sehr dünn bekleidet war.
Kiki trug sichtbar nur ein rotes Hängerkleid, das über den Knien endete. Ihre Füße steckten in dunklen, flachen Turnschuhen mit einer geriffelten Sohle.
Sie hatte sich gesetzt, die Beine angezogen, die Arme vor der Brust verschränkt und sie gleichzeitig noch auf die Knie gestützt. Die Innenwand stützte sie am Rücken ab, und aus ihren großen, dunklen Augen starrte sie ins Leere. Sie kam sich vor wie eine Wasserleiche, denn das hereinfallende Licht ließ ihre Haut grünlich erscheinen.
Kiki saß da und wartete.
Worauf, das wusste sie selbst nicht genau. Die anderen hatten ihr nichts gesagt. Sie hatten sie einfach geholt, mit tausend Dollar gelockt, für Kiki war das irre viel Geld. Davon konnte sie sich wieder Nachschub kaufen, denn sie war süchtig.
Nicht nach harten Drogen, noch nicht. Sie hielt sich an Gras, auch Marihuana genannt, doch sie war eigentlich immer sehr knapp bei Kasse. Tausend Dollar stellten für sie ein Traum dar, und man hatte ihr versprochen, sie nicht zu vergewaltigen oder zu töten. Sie sollte nur eine Testperson sein, mehr nicht.
Das Geld trug sie bei sich. Sie hatte die Scheine in ihren engen Slip geklemmt. Hin und wieder fühlte sie nach, ob sie noch dort waren, und jedes Mal hatte sie aufgeatmet, als sie das leise Knistern des Papiers hörte.
Es war da, und das war auch gut so.
Warten auf … ja, worauf eigentlich?
Das hatte ihr niemand gesagt.
Deshalb fürchtete sie sich auch. Das Alleinsein, die Stille in dieser Bretterbude, die miese Luft, die Feuchtigkeit, die alles durchnässte und auch auf ihrem Gesicht den Film hinterlassen hatte.
Poch … poch …
Kiki erschrak. Sie war noch nicht zu stark mit sich selbst beschäftigt gewesen, um dieses fremde Geräusch nicht zu hören. Sofort überkam sie ein Schauer, denn getäuscht hatte sie sich nicht.
Poch … poch …
Sekunden nur waren nach dem ersten Klang vergangen, nun hörte sie ihn wieder.
Kiki fror ein. Sie saß noch starrer auf dem Boden, hatte den Nacken gespannt und den Kopf nach vorn gedrückt. Sie wusste nicht, woher dieses Geräusch gekommen war, aber es musste in ihrer unmittelbaren Nähe geschehen sein.
In der Hütte also.
Aber die war leer, bis auf sie.
Für tausend Dollar in die Vorhölle, so ähnlich hatte man es ihr erzählt. Bisher hatte sie von dieser Vorhölle noch nicht viel mitbekommen. Würde sich das jetzt ändern?
Kiki Lafitte nahm eine andere Haltung ein. Zwar blieb sie noch immer steif sitzen, nun aber schob sie die Beine nach vorn, als könnte sie so die Quelle des Geräusches besser erreichen. War es vor ihr erklungen?
Es fiel Kiki schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass sich jemand in ihrer Nähe befand.
Aufstehen und weglaufen. Das wäre eine Möglichkeit gewesen, doch sie wollte es nicht tun, den dann hätte sie womöglich das Geld verloren. Die anderen hätten es ihr wieder abgenommen, und deshalb blieb sie sitzen, auch wenn sich ihre Furcht steigerte, obwohl sie noch nicht angegriffen wurde.
Niemand wollte etwas von ihr.
Und doch war die Bedrohung da.
Sie spürte sie genau. Sie lauerte, sie war in der Tiefe, sie war versteckt. Oder war sie die eigentliche Vorhölle? Gehörte dieses verfluchte Geräusch dazu?
Poch … poch …
Kiki schrak zusammen. Für einen Moment verzerrte sich ihr Gesicht zur Fratze. Es sah so aus, als wollte sie weinen oder schreien, aber sie riss sich zusammen und blieb sitzen.
Sie wäre gern aufgestanden und hätte sich bewegt, so schaffte sie es nur, den Kopf zu drehen, das reichte ihr völlig aus. Sie schaute an den Wänden entlang, wobei sie das Gefühl hatte, ihr Blick wäre geschärft worden. Erst jetzt fiel ihr das Getier auf, das auch über die Innenseiten der Bretter krabbelte. Zuvor hatte sie dafür keinen Blick gehabt. Davor fürchtete und ekelte sie sich nicht. Wer hier im Süden lebte, der hatte gelernt, damit umzugehen.
Da war nichts.
Da bewegte sich auch nichts.
Woher kam dann das Pochen?
Es blieb nur eine Möglichkeit, und die wollte Kiki kaum akzeptieren. Es musste unter dem Fußboden aufgeklungen sein. Dort genau befand sich das unheimliche Zentrum, dort war etwas, und so richtete sie ihre Augen auf die Mitte des Verhaus.
Sie entdeckte nichts.
Nur diese mit einem grünlichen Film überzogenen Bretter, die sich von der Farbe der Innenwände kaum abhoben.
Es war wieder still geworden.
Kiki Lafitte atmete auf. Sie machte sich noch immer Gedanken über dieses Geräusch, aber sie hoffte gleichzeitig, einer akustischen Täuschung erlegen zu sein und sich verhört zu haben. Das wäre natürlich ideal gewesen. Gleichzeitig aber wusste sie, dass sie sich etwas vormachte. Es stimmte einfach nicht. Sie hatte etwas gehört, und dieses Geräusch war auch nicht von außen gekommen.
Hier in der Hütte, der Vorhölle.
Es gab auch eine Tür. Nur fiel sie kaum auf. Von außen, das wusste Kiki, war sie durch ein Vorhängeschloss gesichert worden. Die Tür war nicht sehr stabil gebaut. Wenn sie gewollt hätte, dann hätte sie das Ding auch aufbrechen können, dies wiederum traute sie sich nicht. Obwohl sie allein in dieser Hütte hockte, konnte sie sich vorstellen, dass diese Vorhölle unter Kontrolle gehalten worden war.
Erst einmal abwarten.
Kiki war es auch gelungen, den Atem wieder unter Kontrolle zu bekommen. Nur mit dem Schweiß hatte sie Mühe. Nie hätte sie gedacht, dass ein Mensch so schwitzen konnte. Dabei war sie ein Mensch, der mit diesem Klima aufgewachsen war.
Komisch – was man doch alles so durchmachen konnte und musste, bis gewisse Dinge wieder zurechtgerückt waren.
Sie wartete also ab. Eine Uhr trug sie nicht. Deshalb wusste sie auch nicht, wie viel Zeit seit dem letzten Klopfen vergangen war. Stunden oder Minuten?
Da konnte alles stimmen, es war ihr auch egal, sie wollte nur abwarten und darauf hoffen, dass jemand kam und sie aus diesem Verlies herausholte.
Kiki stellte sich vor, dass plötzlich die Tür aufging und ein toller Mann vor ihr stand, der ihr zunickte, dabei noch lächelte und ihr strahlend erklärte, dass sie die Prüfung endlich bestanden hatte und sich nun nicht mehr zu fürchten brauchte.
Das wäre wunderbar gewesen, so herrlich, so fantastisch …
Statt dessen hörte sie das Pochen erneut!
Diesmal schrak Kiki heftig zusammen. Nie zuvor war es so laut gewesen wie jetzt. Ihre Augen öffneten sich noch weiter. Sie hielt den Kopf leicht gesenkt. Ihr Blick fraß sich genau an der Stelle fest, an der das Klopfen aufgeklungen war.
Und jetzt wieder.
Poch … poch …
Diesmal noch dumpfer und aggressiver. Viel viel böser, und dann sah sie etwas, das sie erschreckte.
Genau dort, wo das Pochen aufgeklungen war, hatten sich die Bodenbretter bewegt!
*
In meinen Ohren klang noch immer das Kratzen der Zweige nach, denn mit diesen Geräuschen waren die langen Arme des Buschwerks über die Kabine des Bootes gestrichen, ohne das Wasserfahrzeug daran hindern zu können, in den schmalen Kanal hineinzufahren, der schon nach wenigen Yards flacher wurde und sein Ende fand, sodass wir mit dem Kiel über den weichen Grund schrammten.
Das alles lag eine Stunde zurück, und ich hielt mich inzwischen an Deck auf, wo ich an einer Zigarre rauchte, um die grässlichen Insekten zu vertreiben, die mich umschwirrten.
Es war vergebene Liebesmühe. Sie ließen sich nicht verscheuchen, und ich schleuderte die Zigarre halb augeraucht irgendwann ins Wasser, wo sie zischend verlöschte.
Unter Deck hörte ich zwei Männerstimmen.
Eine gehörte Suko, die andere einem Mann namens Bob Crane, einem Schwarzen, einem Kollegen, wenn wir so wollten, und einem Mann, der sich in den Bayous besser auskannte als wir, obwohl wir nicht zum ersten Mal hier in der Nähe zu tun hatten, da brauchte ich nur an die große Voodoo-Sache zu denken, die mich damals nach New Orleans geführt hatte und zu einem meiner härtesten Fälle geworden war.
In diesem Fall ging es nicht um Voodoo, glaubte ich zumindest. Ich wollte auch...
| Erscheint lt. Verlag | 16.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3538-2 / 3838735382 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3538-2 / 9783838735382 |
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